Entschleunigen in Puerto del Carmen

Was für ein Hallo! Um 8:30 mischen vier verrückte Ladies die Anlage auf. Aber die anderen Gäste nehmen unsere Wiedersehen Freude gelassen. Schnell sind die Betten und Schränke zugeordnet, die Anlage inspiziert und die ersten Dinge ausgepackt. Jetzt heißt es umziehen und den Hunger stillen, der uns alle erfasst hat.

Gemeinsam gehen wir zur Promenade, halten einen kleinen Quatsch mit dem Werber des Fischrestaurants auf halbem Weg und schlendern von Bar zu Restaurant zu Bar… Priorität für heute ist zwar satt werden, aber eigentlich auch auf spanische Art. Der freundlich Engländer hat keine Chance uns sein Angebot zu verkaufen. Aber er landet auf der List „Frühstück möglich“.

Auf eine schöne Woche

Wir schlagen das „Las Vegas“ aus, ignorieren den verlockenden Inder, ziehen Terri fort vom Japaner und landen bei einem eher unscheinbaren Spanier. Auf leicht erhöhtem Niveau erhaschen wir sogar einen Blick auf das Meer, welches sich auf diesem Abschnitt meist hinter der Bebauung versteckt. Die Karte bietet allerlei Köstlichkeiten und neben Tapas, Fisch und Fleisch auch Pizza und Pasta. Hier sollte also jeder etwas finden. Ausgehungert stürzen wir uns auf ein paar geteilte Tapas und für ein Foto der Köstlichkeiten reagiere ich zu spät. Alle 5 Schälchen sind ratzeputz leer. Fleischbällchen in Tomatensoße, Gambas in Knoblauch Öl, Chorizo in Weinsosse, Fischkroketten und Knoblauchbrot mit Käse versprechen einen gigantisch leckeren Hauptgang. Nur das Entscheiden fällt schwer. Terri und ich werden teilen, so gibt es s mehr zum probieren – die Paella ist perfekt, die Muscheln in Marinade köstlich und auch die Canary Potatos sind lecker. Die typischen Soßen dazu begeistern mich, Eves Geschmack treffen sie nicht ganz, aber ihr Tunfisch-Steak überzeugt voll und ganz. Auch Clare’s Salat des Hauses (Meeresfrüchte und frischer Fisch) ist nicht nur umfangreich, sondern lecker.

Köstlicher Hauptgang

Satt und zufrieden genießen wir das Abendleben um uns und beruhigen unseren bald platzenden Magen mit einem Carajillo (1 geteilt durch 3 reicht völlig). Ein köstlicher und preislich überzeugender Auftakt bei El Drago, den ich wärmstens empfehlen kann. Zurück im Club Maritima genehmigen wir uns noch einen Absacker und ein ausgedehntes Schwätzchen.

Blick auf den Hafen und Markt

Unser Frühstück ist durch und durch Englisch, wir halten unsere Zusage ein und gehen zu Shauna’s Bar. Hier bekommen wir auch ein paar Tips zur Tagesplanung. Der Begrüßungstreff im Club bereichert unser Wissen es steht fest, wir werden keine Langeweile haben. Ein Taxi bringt uns im Anschluss zum Hafen ganz im Süden des Orts. Hier ist heute Markt und wir stöbern ein wenig. Leider ist alles sehr auf Tourismus ausgerichtet und ich schaue umsonst nach typischen Marktständen mit Gewürzen oder anderen Köstlichkeiten. Immerhin entdecke ich eine kleine Lederwerkstatt, in der typische dreibeinige Hocker geschlagen werden (zu groß für mein Gepäck) und finde einen Verkäufer für die Keramik-Kacheln, die hier überall zur Beschriftung eingesetzt werden. In Ermanglung einer eigenen Finca die ausgeschildert werden muss, entscheide ich mich meinen ersten Magneten dieser Kunst zu widmen. Überflüssig zu erwähnen, dass wir jetzt alle Schuhe im Partnerlook haben 😂

Blick auf die Bucht

Kulinarische Meile oberhalb des HafensLangsam erklimmen wir die Klippe im Norden und quälen Terri mit schwierigem Gelände, aber der Blick unterwegs und oben ist es wert und wir genießen (etwas überteuert) einen Cocktail mit Aussicht (Restaurant Puerto Bahia). Die uns umgebenden Fischrestaurants bieten eine verlockende Fülle an Gerichten, für die gerade der fangfrische Fisch angeliefert wird. Ich hoffe hierher führt es uns noch einmal mit leerem Magen! Ein bisschen schlendern wir noch, dann reicht es für heute und ein Taxi bringt uns zurück.

Cocktails mit Aussicht

On the road

Pool time und Sonnenbaden runden unseren ersten Tag ab und wir entscheiden uns heute hier zu essen. Steaks für die Corby Ladies und Fisch für mich. Leider beschert mir die Happy Hour am späten Nachmittag nicht nur einen köstlichen Pastis, sondern auch einen heftigen Herzstolperer, so dass ich mich unmittelbar nach dem Essen verabschiede und 12 Stunden Schlaf an diesen Tag Anhänge….

Pool Time

Happy Hour

So lässt es sich leben
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Erinnerung ans Paradies

Paradies – Ich denke die meisten von uns haben da traumhafte Landschaften, Strände, Sonne und Meer im Sinn. Und ich würde lügen, wenn ich sagte es ist bei mir anders. Aber wenn ich heute vom Urlaub im Paradies schreibe, dann meine ich eigentlich noch mehr die Menschen und wie sie dort zusammen leben. Auch nach einem Jahr hat sich dieser Zauber von Mauritius nicht verflüchtigt. Eigentlich war ich schon soweit, den Post zu verwerfen, der da angefangen in meinen Entwürfen schlummerte, soviel kam in den letzten wenig paradiesischen Monaten dazwischen. Aber mit dem Wissen „heute vor einem Jahr warst Du da“ habe ich den Entwurf gelesen und vervollständigt in den letzten 3 Tagen, weil dieses Erlebnis einfach zu den Dingen gehört, die geteilt werden müssen.

Durch die Historie kommen auf Mauritius viele Kulturen zusammen und ich habe selten ein so friedliches und offenes Miteinander erlebt. Christen, Muslime, Hindus – Engländer, Franzosen, Inder und Chinesen um nur die größeren Gruppen zu nennen. Dazu gehört die Insel  zu Afrika, hat die Sklaverei erlebt und addiert auch hier kulturelle Hinterlassenschaften auf. Was wir erleben durften ist eine gelungene Mischung – im Vorfeld habe ich in einem Reiseführer gelesen, dass der Mauritier aus allen Kulturen das positive vereint und letztlich entspricht dies dem, was wir erlebt haben.
So ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass ich gerne noch einmal in die Atmosphäre eintauche.

Und irgendwie weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll . Ich glaube jetzt zahlt es sich aus, dass ich schon unterwegs eine kleine Liste gemacht habe, was unbedingt erwähnt werden sollte, sonst würde ich mich in den vielen tollen Dingen verlieren.

Friedliche Menschen habe ich ja schon erwähnt. Aber irgendwie war es mehr als das, egal wo wir waren hatten wir nette Kontakte. In einem gewissen Maß erwartet man das vom Hotelpersonal oder von Verkäufern. Hier war es mehr! Auch wenn wir auf Märkten signalisierten, dass wir nichts kaufen, gab es nette Gespräche oder Tipps. Im Hotel waren es die kleinen persönlichen Fragen, am Strand konnten wir beobachten wie die Bewohner miteinander umgingen. Sicherlich ist der Eisverkäufer, der Uwe sein ersehntes Eis verkauft hat ein besonderes Highlight für mich, immerhin hat er mir trotz Protest ein geschenktes Eis in die Hand gedrückt und somit meine Diabetiker-Vernunft mit einem köstlichen Erlebnis besiegt. Aber auch sonst war man einfach überall willkommen.

Das Eis führt mich zum Essen – da wir hervorragendes Essen im Hotel hatten sind wir kaum unterwegs zum Genießen gekommen. Aber das, was wir dennoch probiert haben, war abwechslungsreich und köstlich. Die Mischung und Vielfalt durch die Kulturen hat einfach jeden Gaumen befriedigt. Wer hier nörgelt ist ein notorischer Miesmacher, der ohne Meckern nicht zufrieden ist! Es gab für den nicht so experimentier freudigen Gaumen alles von Pommes über Salat bis Pizza und Pasta. Aber eben auch indisch, Sushi, spanisch, französisch und gute cross over Küche. Und immer war es liebevoll angerichtet. Eines ist hier wirklich echt – wo scharf dran steht ist auch scharf drin! Um einmal auf ganz hohem Niveau zu jammern – um den Käse zum Wein musste sich Uwe abends echt sorgen. Nach diesen  14 Tagen hatten wir den Eindruck, dass Käse eine gut bewachte und seltene Delikatesse war.

Genau wie in den meisten Ländern, in denen das Leben draußen stattfindet, ist man auch hier immer von Katzen oder Hunden begleitet. Sie sind drahtig und tauchen meistens im Rudel auf. Aber sie werden nicht verjagt! Solange sie nicht zu aufdringlich werden, sind sie geduldete (Personal) und geachtete (Gäste) Bestandteile des Lebens.

Einen kleinen Wermutstropfen braucht ein solcher Urlaub wohl auch und so hatten wir für die Jahreszeit ungewöhnlich viel Wind, Regen und damit Abkühlung. Die meisten Einheimischen bestätigen uns, dass sie sich an keinen so schlechten Oktober/November erinnern können. So sind viele unserer Bilder nicht ganz die klassischen Traumaufnahmen, aber alles in allem kann auch dies den Zauber der Insel nicht übertünchen.

Das Schnorcheln bringt auch nicht das Mega-Erlebnis… leider ist in Küstennähe alles ziemlich tot, zwar erfahren wir später von einem Urlaubsbekannten, dass es tolle Tauchregionen gibt, aber ich selber darf nicht tauchen und auch Uwe hat es aus Zeitmangel leider nicht geschafft hierfür die Voraussetzungen zu schaffen. Also bringt mir dieser Urlaub im Zusammenhang mit der Natur den Folge-Wunsch in Ägypten zu schnorcheln. Hier soll es noch immer schöne Reviere geben und ich hoffe bald diesen neue entdeckten Sport einsetzten zu können.

Grundsätzlich finden wir aber viele Klischees beststätigt. So zum Beispiel: Mauritius, die Hochzeitsinsel – vor unserem Zimmer wird der Trauungs-Bereich aufgebaut und wir können auch am Abend Braut und Bräutigam in ihrer intimen Feier beobachten. Ganz romantisch werden die Beiden am Hotelstrand zum Dinner begrüßt und vom Personal verwöhnt. In einem darf ich sogar einspringen. Das Brautpaar mit den Füßen im Sand beim romantischen Dinner bekommt ein exklusives Foto-Shooting von mir. In Folge erklären die beiden Schweden mir zwei Tage später, warum sie ohne Familie und Freunde eine Trauungen fernab der Heimat gewählt haben.

Die Menschen auf Mauritius lieben ihre Insel und überwiegend zeigt sich das auch in der Sauberkeit. Verglichen mit vielen anderen Urlaubszielen, wirkt Mauritius immer gepflegt und sauber. Keine illegalen Müllkippen am Straßenrand und auch sonst finde ich nichts, was den Spaß an Strand, Landschaft und Gebäuden trübt – trotzdem habe ich zweimal mit Übelkeit zu kämpfen. Einmal in unserem Urlaubsort an den Fischständen und ein zweites Mal in den Markthallen von Port Louis…. ebenfalls in der Fischabteilung. Das liegt aber eher an unseren Hygiene Vorstellungen, als an unsauberer Arbeit, geschweige denn an zu altem Fisch!

Ein Reiseführer-Mythos findet sich nicht bestätigt – da heißt es, in den Hotels von Mauritius muss man keine Trinkgelder an den Einzelnen geben. In jedem Reiseführer haben wir gelesen, dass die Hotels Tipp-Boxen aufgestellt haben, damit die Trinkgelder auf alle verteilt werden. Schließlich leisten die weniger sichtbaren guten Geister genauso ihren Beitrag für einen vollkommen Urlaub. Dem Kellner oder dem Reinigungspersonal hat man ja schnell mal ein Trinkgeld gegeben. Aber den Koch, Techniker oder auch Gärtner kriegt man üblicherweise nicht so schnell zu Gesicht. Daher ist die Tipp-Box für alle ja eigentlich eine tolle Sache, nur gibt es sie in unserem Hotel nicht. Auf Nachfrage gibt es die Antwort „man könne einen verschlossenen Umschlag an der Rezeption abgeben“ – der würde dann irgendwo verbucht und der Gast bekommt eine Quittung. Fragt man allerdings das Personal, so weiß keiner von diesem Geld. Uns ist das zu suspekt und wir beginnen eben doch Trinkgelder an alle diejenigen zu vergeben, die uns die Tage besonders machen. An einem der letzten Abende kommen wir ins Gespräch mit einem unserer Kellner und können am Ende ausrechnen, was diese Trinkgelder für jeden einzelnen bedeuten. Letztlich sind die Gehälter so gering, dass schon ein kleines Trinkgeld von jedem Gast den Lebensunterhalt verdoppeln kann.

Nach zwei tollen Wochen geht es mit traumhaften Erinnerungen und einer neuen Bekanntschaft aus Hamburg wieder heim. Sowohl die Erinnerungen, als auch die Bekannte bereichern auch das Jahr 2017 und machen diese Erfahrung noch einmal wertvoller.

Mehr zu Mauritius…..
Anreise in zwei Teilen – Bis Dubai und ab Dubai
Ausflug in den Süden der Insel und zur Ile aux Cerf

Eine Queer-Beet Auswahl an Bildern:

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Mit Ingelore und Elisabeth Mitten ins Leben

Oder was man auf dem Weg nach Hamburg alles lernen kann.

Die letzten Monate waren turbulent, frustrierend, betriebsam und auch mit unvergesslich schönen Erlebnissen gefüllt. Leider waren sie auch wie ein Karussell, welches sich immer und immer weiter dreht und dir keine Chance lässt abzusteigen. Also bin ich gefahren, habe funktioniert, die Bremse gesucht und versucht das Beste daraus zu machen. Irgendwann musste ich von der Achterbahn auf das Kettenkarussell wechseln, aber auch da ging es immer rund und rund. Verpflichtungen, selbst auferlegt und von außen vorgegeben, haben mich angetrieben. Du kannst den nicht hängen lassen, du musst das bis dahin fertig haben – mein Mantra an jedem neuen Tag. Persönlicher Ergeiz, Verantwotung gegenüber dem Job, der Familie und das Bedürfnis den Kontakt zu Freunden nicht zu verlieren haben mich über Wasser gehalten, aber eben auch immer ein wenig zu intensiv schwimmen lassen. Seit mehr als einem Jahr liegen mir meine Ärzte in den Ohren…. Sie müssen was ändern heißt es. Das macht ihr Herz nicht mehr lange mit, da streikt ihr Rücken bald, das kann den nächsten Sarkoidoseschub auslösen…. nur bei dem ‚was ändern‘ da wollte sich keiner so recht festlegen… die Achterbahn anhalten ohne das man beim Bremsen übel stürzt? Vom Kettenkarussell runterspringen? Nun den Fahrgeschäfte-Wechsel hat mir das Leben vor die Füße geworfen und ich bin ohne jede Wahlmöglichkeit umgesprungen. Und ich habe den Sprung überlebt – nicht nur sprichwörtlich wie sich herausgestellt hat. Mein Herz wollte aufgeben, mehr als einmal hat es angehalten, überstürzt weiter geschlagen und gekämpft. Einmal musste es dazu überredet werden, aber dafür habe ich ja schließlich die eingebaute Lebensversicherung- scheiss weh hat es getan als der Defi seinen Zweck erfüllt hat. Zumindest war ich ihm dankbar, nicht so wie vor 7 Jahren, als ich mich gefragt habe, wozu das alles. Nein ich wollte überleben, egal wie weiter machen. Und so sitze ich im Kettenkarussell, versuche es spaßig zu sehen, mit den Beinen zu baumeln und mit jeder Runde ein Stück mehr ’neues Dasein‘ aufzubauen. 

Kurz nach diesem Sprung war mal wieder Fahrkartenkontrolle… aufgezeichnete Daten wurden mit meinem Patiententagebuch abgegelichen. Auch wenn vorher jeder geschworen hat, dass ich einen solchen Wechsel – nicht nur von Karussell zu Karussell sondern sogar zur nächsten Kirmes nicht überleben würde, haben die Daten gezeigt, dasss es am wichtigsten war die Achterbahn zu verlassen. Auch wenn mein Herz immer noch zu schnell schlägt, es stolpert nicht mehr. Ein Schritt nach vorne. Natürlich reicht das nicht für ein wirkliches Leben, aber es ist ein Anfang. Mit dieser Aussicht haben mich die Ärzte weiter fahren lassen, allerdings auch mit Auflagen. Bis zur nächsten Kontolle muss ich das Karussell einmal verlassen. Ganz! Nur ich, für mich, keine Verantwortung, keine Verpflichtung, keiner, der meine Zeit beansprucht. Nicht für ein paar Stunden, sondern für mindestens eine Woche. Wenn mir das nicht gelingt, dann musss ich damit rechnen, ganz aus dem Geschäft zu fliegen, vielleicht zu überleben, aber ohne jede Aussicht auf Leistungsfähigkeit, Teilhabe am Arbeitsleben und mehr. Ein Herz kann nur begrenzt zum Schlagen gezwungen werden und mit jeder Wiederbelebung erleidet es nicht gut zu machenden Schaden.

Soweit die Vorgeschichte- was hat das mit Ingelore oder Elisabeth zu tun? Fragt ihr euch vielleicht. Warum machen diese 7 Tage so einen gravierenden Unterschied? Das habe ich mich gefragt. Hier die ersten Schritte zur Lösung:

Damit ich eine Woche nur für mich hinbekomme, habe ich 9 Nächte Hamburg geplant, 2 Tage mehr, schließlich ist Auto fahren keine Erholung. Ich liebe Hamburg, die Menschen, die Nähe zum Meer, die Elbe und alles was dazu gehört. Hier habe ich Familie und Freunde, die sich zwar freuen, wenn sie mich sehen, aber in keiner Weise auf mich angewiesen sind bzw. die selber in so einer gesundheitlichen Zwickmühle stecken. Also alles kann, nichts muss! Damit das so bleibt buche ich für kleines Geld statt mich bei jemandem einzunisten – Kettenkarussell fahren ist teuer (von der Achterbahn mal ganz zu schweigen) – ein Zimmer über Airbnb am Stadtrand und lege mich vorher nicht fest was ich mache, mit wem oder wo… naja mit einer klitzekleinen Ausnahme – meine Leidenschaft Musical bedingt eine Karte und die wird im Vorfeld organisiert. 

Und so mache ich mich auf den Weg – wohl durchdacht und geplant mit der üblichen Verspätung, weil ja doch etwas dazwischenkommt.  Kurz vor der Wohnungsübergabe meldet sich ein verstopftes Rohr und die Küche möchte nicht überschwemmt werden. Aber schlussendlich kann ich mich ruhigen Gewissens auf den Weg machen. Knapp 400 Kilometer gen Norden, Radio an, weil wo sonst, wenn nicht im Auto höre ich Nachrichten?  Kilometer fressen ist angesagt, schließlich muss Tinka ja mal durchgepustet werden und leicht angespanntes Fahren. So verbringe ich die Zeit – kurz vor dem Karmener Kreuz meldet mein Navi, ich sollte die A1 verlassen und Münster großräumig umfahren. Stimmt habe ich eben im Radio gehört, ein LKW Unfall verursacht gut 90 Minuten Verzögerung. Braucht kein Mensch, also Wechsel ich auf die A2 und mein Navi verkürzt um glatte 30 Minuten. Puh, wieder nah am Plan.

Klopf klopf… was ist? Klopf klopf… was willst du? Denk mal nach…. früher… als du noch jeden Tag knapp 100 Kilometer gefahren bist… Ja und? Was hast du da immer gemacht? Was hast Du gesagt? …. das war in einem anderen Leben! Na gut ist gerade 8 Jahre her oder 9…. der Weg war Entspannung. Also was willst du, du blöde innere Stimme? 

Ingelore! Meine Rolle im Theater im Mai! Frühere Opern(Chor) Sängerin – das Singen war ihr Leben! Aber nach einer Kehlkopfentzündung war es nicht mehr das selbe. Ja, meldet sich mein Alter-Ego… das Singen war Teil deines Lebenstraum… so wie das Tanzen und Schauspielern. Okay tanzen schafft dein Herz nicht mehr, Singen geht nach der Kehlkopfentzündung im echten Leben nicht mehr… aber du sitzt im Auto! Keiner hört dich, so wie früher auf dem Weg zur Arbeit oder nachhause. Also sing! Hier hört keiner wenn die Töne abbrechen, hier bist du allein wenn du dich auslachen musst! Hier brauchst du nicht die eingebildeten Marotten von Ingelore, deiner Bühnenfigur, sondern bist einfach für dich! Okay Gewonnen, ich wechsel von Radio auf CD und schmetter als ginge es um mein Leben. Und das tut es auch! Mit jedem Song, den ich singe kommt eine Erinnerung – an Fehler die ich gemacht habe, an eine Liebe die ich verloren habe, an ein gebrochenes Herz, aber auch an die unendliche Liebe zu meinem Kind, die unverbrüchliche Treue meiner Mama, das unglaubliche Glück in diesem Leben aus jeder Situation gestärkt hervorgegangen zu sein – Lebensfähiger! Besser in der Lage, das Gute im Leben zu sehen. Ich breche ab, wo meine Stimme nicht mehr reicht, die zusätzliche Erkältung Töne unterschlägt, aber ich singe, fühle und erlebe! Lebe wirklich mit allem für und wider. Selbst der Idiot, der meint aus zwei Spuren drei machen zu müssen, weil er ein Zweirad überholt und mich knapp hinter ihm nicht sieht, kann mich nur kurz aus dem Gleichgewicht bringen. Danke Ingelore, dass Du mich erinnert hast, was Singen bedeuten kann.

Plötzlich sind die Kilometer keine Qual mehr, nein es macht Spaß, die Zeit fliegt dahin und der Weg wird wieder zum Ziel. So wie früher, auf dem Weg zur Arbeit oder quer durch Deutschland einem Urlaub entgegen (damals meist am Segelflugplatz) Bilder meiner ersten großen Liebe stehen mir vor Augen, Bilder des ersten großen Herzschmerz…. des zweiten… und da komme ich von Ingelore zu Elisabeth… vielleicht nicht unbedingt genau heute (vielleicht auch doch) sagt dieser eine bekannte Musical Song alles aus, was für mich und wahrscheinlich viele Frauen gilt! Schon zu Beginn bohren sich die Sätze in meinen Kopf und mit jedem weiteren Stück Text legen sich die Puzzleteile zusammen. Das muss ich hier nicht schreiben, dass kann sich jeder anhören. Danke Elisabeth, mit diesem Lied ist so vieles gesagt – über betrogen sein, über wie man eine Frau halten kann, aber eben hauptsächlich das sie sich immer noch selbst gehört. 

Ich bin am Anfang der „nur für mich“ Woche, aber ich habe auf diesem allerersten Schritt schon viel gelernt! Ich bin nicht mal im Ansatz bei „ich bin in der WG angekommen, um den See und an der Elbe spazieren gegangen und habe in der Dorfkneipe eigentlich nur ein ortstypisches Bier trinken wollen“ – aber warum 7 Tage einen so großen Unterschied machen können, das habe ich heute gelernt! Und das ich mehr als nur überleben möchte! Ich möchte da sein für die Menschen, die mich zu schätzen wissen, aber ich möchte darüberhinaus jeden Moment, auch den Weg, mit Qualität erfüllen, Qualität die mir Kraft gibt!

Corby Carnival 

Samstag morgen ist es wieder schön warm und ich bin dankbar, dass ich mich für eine luftige Kostümierung entschieden habe. Bis 10 Uhr gibt es Frühstück und in diesem Zusammenhang eine freudige Überraschung, da das Buffet aufgewertet wurde und sich neben frischem Obst auch Käse in der Auswahl befindet. Ein nicht zu verachtendes Plus, da das typische englische Frühstück hier etwas fade ist. Nach und nach trudeln alle ein und es ist wieder ein farbenfrohes Grüppchen beieinander.

Der Carnival hier in Corby hat jedes Jahr ein Motto und jeder kann sich hierzu etwas einfallen lassen. Manche von uns nehmen diese Gelegenheit wahr, aber viele tragen die traditionellen deutschen Ornate und Garden-Kostüme. Das diesjährige Motto „Stars aus Fernsehserien“ hat mich dazu animiert eine der Frauen aus meiner Lieblingsserie „Friends“ zu wählen – immerhin habe ich mit dieser Serie mein Englisch trainiert. Das Outfit des Corby Court entspringt einer älteren Serie und ihre Kleider sind den damaligen Tanzkleidern nachempfunden.
Statt im Rosenmontagszug sind wir hier mit einer Parade unterwegs. Wie bei uns gibt es Fußgruppen und Wagen, die liebevoll dekoriert wurden. Wir versammeln uns zunächst am Grampian Club – mehrerer Räume können hier angemietet werden und es gibt Pub… in dem Wissen, dass während Parade und anschließender Open Air Veranstaltung eine Durststrecke vor uns liegt, genießen wir den kühlen Innenraum bei Cola, Lager, Cider oder Wasser. Unser Bus wird am Ende der Parade mitfahren und wir müssen uns vom Kinderprinzenpaar trennen. Wir gehen mit Stadtteil Prinzessinen, Müttern und einigen Gast-Courts auf einen Wagen (float), wogegen das Prinzenpaar mit dem Corby Court in der Kutsche fahren wird. Entgegen der letzten Jahre hat unser Auflieger kein Dach und wir können uns auf pralle Sonne freuen.

Hoheiten in der Kutsche
Das Kinderprinzenpaar in der Kutsche
Unterwegs mit dem Auflieger

Es ruckelt auf unserem Wagen

Queens und Princesses von Corby

Das Corby Court

Vom Club geht es in die Zugaufstellung wo Marcel, Marie-Lena und ich erst eine kniffelige Aufgabe lösen müssen, bevor wir an feiern denken dürfen. Mittlerweile ist es Tradition, das das Prinzenpaar gemeinsam mit mir und meist einem weiteren Jury Mitglied die besuchenden Courts bewerten. In diesem Jahr gibt es 7 angekündigte Courts, aber 2 sind bis zum Start der Parade nicht da. Mit Stift und Auswerte-Unterlagen machen wir uns daran die „Queen of Queens“ zu finden. Hier sollen wir darauf achten,  wie sie ihren Prinzessinnen zur Seite steht, von sich aus die Konversation mit unserem Prinzenpaar führt und weiter Kleinigkeiten, die eben eine Queen ausmachen. Außerdem gibt es die Kategorien „Princess of the day“, „Court of Courts“ und „best float“ – letzteres ist dieses Jahr leicht, da leider nur 2 Courts eine Kutsche haben. Aber bei all den Prinzessinnen, Queens und Bewertungsmaßstäben ist es nicht einfach zu einer Meinung zu kommen. Schließlich ist es geschafft und wir können die Listen abliefern und uns anderen Dingen zu wenden.
Ich werde aus allen Ecken begrüßt, über die Jahre habe ich viele Bekanntschaften in Corby entwickelt. Die Wartezeit vergeht dieses Jahr wie im Flug und schon bald stehe ich mit auf unserem Wagen. Der niedrigere Aufbau macht einiges leichter und ich finde die bessere Augenhöhe zu den Zuschauern gut. Allerdings mangelt es doch sehr an Fixpunkten, so dass ein sicherer Stand das A und O während der Parade ist. Der Auflieger lässt sich wunderschön in Schwung bringen und mehr als einmal hüpft es heftig… die Parade beginnt unerwartet pünktlich und wir rollen im ersten Teil des Zuges mit.

Am Wegrand stehen Leute vor ihren Häusern, winken und machen Bilder. Üblicherweise wird in England nichts geworfen, aber in diesem Jahr gibt es doch zwei Teams, die kleine Süßigkeiten-Tüten unter das Volk bringen. Die Zuschauer sind durchweg nicht verkleidet, es herrscht kein dichtes Gedränge, wie man es bei uns kennt, aber die Menschen, die am Rand stehen, sind wirklich da um die bunte Menge zu sehen und den Carnival zu erleben. Mit der Parade laufen einige Geldsammler: in Eimern werden Spenden von den Zuschauern gesammelt, mit denen unter anderem die Parade unterstützt wird. Es ist eine angenehme Abwechslung nicht um Süßigkeiten angebettelt zu werden und dabei zu erkennen, dass der eigentliche Brauch nicht verstanden/geachtet wurde. Kein Gemurre über die Wurfmaterialien, weil sie zu weich, hart, klein, alt oder was auch immer sind…. auf unserem Wagen wird gesungen, getanzt und gewunken. Ab und zu werfen wir auch ein Helau in die Reihen und haben unseren Spaß vom Wagen aus einen kleinen Einblick in die englischen Vorgärten zu erhaschen. In den Spaß mit und für alle mischt sich für mich die Freude, dass unser mitreisender Nichtkarnevalist voll dabei ist – so wie er Stimmung aufnimmt und verbreitet, kann mancher von uns noch etwas lernen.

Zum Ende der Parade bin ich um einen spaßigen Umzug und einen Sonnenbrand reicher – nach 7 Jahren überdachtem Float war mein Kostüm ein nicht ausreichender Sonnenschutz auf dem offenen Tieflader. Aber es tut der Stimmung keinen Abbruch, als wir am Westgleb Park ankommen. Hier ist ein kleiner Fun Park aufgebaut, in dessen Zentrum der Bus von Corby Radio steht. In Liveübertragung werden hier Teilnehmer geehrte, Trophäen überreicht und Tanzdarbietungen musikalisch und mit viel Kommentaren von Chuck in den Äther übertragen. Gemeinsam mit den anwesenden Courts werden auch wir in die Arena gebeten und vorgestellt, bevor wir uns ein wenig die Zeit vertreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Anschluss geht es mit dem Bus zurück ins Grampian zum Queens Tea  – neben Sandwiches und Sweets gibt es Tee und Limonaden. Angenehm ist die Tür zum angrenzenden Pub, so dass wir uns auch ein Cider oder Lager gönnen können. Nach gut 5 Stunden Alkohol freier Zone wegen anwesender Kinder in öffentlichen Bereichen gleitet so eine Erfrischung wohltuend durch die Kehle, das muss ich zugeben. Während die Veranstalter letzte Vorbereitungen treffen, entwickeln sich einige Gespräche und ich bedaure bei einigen, dass ich sie nicht weiterführen konnte (wer sich mit mit mir unterhalten hat, bitte melden ich habe da noch 1-100 Fragen). Aber schließlich kommen wir noch zu einem offiziellen Teil, den ich nicht verpassen darf. Übersetzen muss ich allerdings in diesem Jahr gar nicht mehr! Ich kann einen großen Teil einfach nur genießen.

Die Carnival Queen Rosalind startet mit einer Dankesrede und dann werden Queens, Floats etc. geehrt – ein Blick in die Gesichter zeigt mir, dass unsere Arbeit in der Zugaufstellung sich gelohnt hat. Schließlich kommt der Teil wo unsere Tradition sich in die englische eingewoben hat und auch unser Prinzenpaar hat noch einen offiziellen Auftritt, verleiht Orden und bedankt sich für diese tolle, neue Erfahrung. Aus Velbert gibt es ergänzend eine Ehrung für die unermüdliche Terri, neue Court-Orden und einen neuen Freundschaftsorden. Am Ende wird viel gebützt, geherzt und gelacht. Ich bin einmal mehr froh, dass wir die Jugend für Corby begeistern konnten.

 

      

 

 

 

 

 

Der offizielle Karneval ist nun vorbei, aber unsere schöne Zeit noch nicht – für eine kurze Umziehpause geht es ins Hotel und dann zurück ins Grampian. Jetzt ist zwanglose Party angesagt, Nick von Corby Radio versorgt uns mit Musik, schottische Tanzdarbietungen werden gefolgt vom deutschen Kinderprinzenpaar Tanz und diversen Partytänzen. Mit einer Tombola/Raffle wird ein wenig finanzielle Unterstützung generiert und am Rand hat jeder die Möglichkeit Spaß-Fotos zu machen. Die Zeit bis zur „Last Order“ vergeht wie im Flug. Einige von uns nehmen noch eine Einladung wahr, der Rest wird ins Hotel gebracht.
Ich selber bin mit dabei noch etwas weiter zu ziehen und der privaten Einladung von Tracy und Doughi zu folgen. Schlaf technisch sicher ein Fehler, da es nun eine sehr kurze Nacht werden wird, aber für den Spaßfaktor ein großer Gewinn. Und schließlich endet dieser Tag eher früh am nächsten Morgen in unserem Hotel.

 

 

Karneval ganz anders

Freitag um 3:40 schiebe ich gesammelte Koffer Richtung Fahrstuhl, winke den Katzen ein schnelles Tschüss zu und mache mich auf den Weg nach England. Freudig überrascht sehe ich unten vor der Tür unseren Bus und die Ersten, die über die Straße kommen um mir dabei zu helfen Ornate, Fasanenfedern und Karnevalskostüme zum Bus zu schieben. Und es regnet nicht, wir alle stehen da im T-Shirt… für mich mittlerweile fester Bestandteil meines karnevalistischen Daseins, ist es doch immer wieder ein interessantes Gefühl sich im Sommer mit diesem, in Deutschland eher winterlichem Brauch auseinander zusetzen.

Schnell sind Koffer, Kleidersäcke, Getränke und Geschenke verladen und um 3:58 schließen sich die Bustüren. Eben durchzählen, keiner zuviel , keiner zuwenig im Bus und 3 Minuten später rollen wir. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so pünktlich (und so früh) losgefahren zu sein. Etliche Stunden, Kilometer, Länder, eine Fährfahrt später treffen wir uns mit unseren Freunden in Corby. Unsere Partnerstadt in Großbritannien pflegt den selben Brauch, wie wir hier in Velbert. Also zumindest dem Namen nach. Wir fahren zum Carnival ….

Das frühe Abfahren hat sich gelohnt, ohne nennenswerte Verzögerungen erreichen wir Calais. Selbst in Antwerpen hält uns kein Stau auf. Die Grenzkontrolle haben wir zügig hinter uns. Dank ‚oberlehrerhafter‘ Planung sind Papiere da, jeder Jugendliche steht bei den zugeteilten Erwachsenen, die für diese Fahrt die Verantwortung von den Erziehungsberechtigten erteilt bekommen haben, mein leicht gluckenhafter Blick hinter den Beamten ist völlig überflüssig, alle kommen in ihren Grüppchen sehr gut zurecht. Langsam gewöhne ich mich daran, dass ich nicht mehr übersetzen muss und gemeinsam amüsieren wir uns über die Fragen und Gesichter der Grenzer – was wollt ihr denn ausgerechnet in Corby? Ihr feiert da Karneval?? Auch der Ärmelkanal ist auf unserer Seite und wir genießen die Überfahrt bei ruhiger See, Sonne und genug Sitzplatz auf dem Oberdeck. Eine besonders zutrauliche Möwe begeistert ihre Zuschauer und gefühlt im Handumdrehen erreichen wir die Steilküste und Dover.

Leider wird es jetzt doch ein bisschen zäh und wir kämpfen uns im Stop and Go über die nächsten Meilen bis wir die Autobahn Richtung London erreichen. Zwischen ‚wir wollen schnell an London vorbei‘ und ‚ich muss mal, aber das Chemie-Klo ist überfordert‘ hin und her gerissen stehen wir im nächsten zähflüssigen Verkehr und passieren Dartfort Crossing und damit eines der größten Nadelöhre. Der nächste Rastplatz ist unser und alle fliegen aus dem Bus raus mit der Order zügig Pipi zu machen und zu rauchen, damit wir keine unnötige Zeit verlieren. Und wieder sind alle Zack Zack fertig und zurück im Bus sobald die vorgeschriebene Pause beendet ist. Wenn das dieses Wochenende so bleibt, habe ich tatsächlich auch Urlaub – toll!

An den erwarteten Stellen staut es immer mal wieder, aber wir fressen kontinuierlich Kilometer oder eben Miles. Trotzdem zieht sich das ganze in gefühlte endlose Länge. Aber wir kommen in Corby an, nach so vielen Jahren kenne ich den Weg und schiele nur zur Sicherheit auf die aktuelle Karte, schließlich weiß man nie ob unsere Partnerstadt genauso viele Baustellen einrichtet, wie sie zuhause zu finden sind.

Wir sind am Hotel, Hurra! Und werden von einem leuchtenden roten Spalier begrüßt. Das Corby Carnival Court ist geschlossen zu unserer Begrüßung da. 6 mal Jugend zwischen ca 11 und 19 Jahren in Sommerkleidern, mit Tiara und Schärpe sehen uns entgegen und ich kann kaum schnell genug aus dem Bus kommen um sie in die Arme zu nehmen. Immerhin fiebern wir diesem Wochende seit März entgegen.

Anders als bei uns, werden hier Wahlen abgehalten, da es immer mehr Bewerberinnen als Hoheiten gibt. Im März sind sie angetreten, haben eine Rede gehalten, gezeigt ob sie uns in die Augen sehen können und stolperfrei eine Treppe herauf und wieder herunter gehen können. Was für viele vielleicht einfach klingt, ist eine echte Herausforderung- Selbstsicherheit, klarer Blick und Ausprache zählen mehr als das gängige Schönheitsideal. Nicht für ein paar Wochen, sondern für ein ganzes Jahr werden die Queens und Princesses ihre Stadt vertreten. Hier in England gibt es nicht die eine 5. Jahreszeit, sondern in diversen Städten unterschiedlich Carnivals, zu denen man sich gegenseitig besucht und repräsentiert. Das Corby Court setzt sich dabei aus einer Queen mit zwei Prinzessinen (älter als 14) und einer Junior-Queen mit zwei Prinzessinnen (zwischen 11 und 14) zusammen. Neben den vergnüglichen Besuchen übernehmen die Mädels eine Menge Pflichten, da sie ein Jahr lang verschiedene Spendenveranstaltungen unterstützen werden. Von Einkaufstaschen packen bis zu Fallschirmsprüngen war in den Jahren, die ich diesen Brauch teile schon alles dabei. Dabei ist es Aufgabe der Queen, ihr Team zusammenzuhalten, bei Problemen zu helfen, Streit im Stillen zu schlichten und Sorge zu tragen, dass Corby stolz sein kann, wann immer dieses Court für die Stadt eintritt.

Dieses Jahr habe ich es geschafft im März bei der Wahl und Krönung dabei zu sein und die Mädchen mit ihrem Caperon in den ersten Stunden zu begleiten. Der Caperon, liebevoll auch Queen Mum genannt, ist Taxifahrer, Freundin, Lehrer, Projektplaner, Geldsammler, Seelentröster, Werbemanager, Elternbändiger und so vieles mehr. Hier in Corby ist dies Terri’s größtes Hobby – ein Ehrenamt mit viel Verantwortung, welches sie, nicht nur in meinen Augen, wunderbar wahrnimmt. Oft genug war ich Zeuge, wie ihr Rat von anderen gefragt war und ‚ihre‘ Mädchen Preise einsammeln. Die Details gehören zum nächsten Tag…

Jetzt gerade vermisse ich genau diese Seele des Corby Carnival. Zwar stehen die Mädchen nicht alleine zum Empfang bereit, aber Terri ist noch unterwegs um unsere Flieger einzusammeln. Neben den 21 Gästen im Bus haben sich 8 weitere Velberter mit dem Flieger auf den Weg gemacht – leider fehlen da Urlaubstage um die ganze Zeit dabei zu sein. In jedem Fall ist der Empfang herzlich und quirlig. Koffer werden ausgepackt, Zimmer zugewiesen und neben den Mädchen werden Dave und Graeme begrüßt. Noch während ich sortiere, Listen prüfe, Zimmerkarten austeile und alle Anwesenden versorge, kommen auch die Autos aus Birmingham an. In dieser Stunde weiß ich gar nicht ob ich noch wirklich auf dieser Welt bin – Schlafmangel mischt sich mit Freude, Sorge und einer Fülle von Liebe. Schließlich ist alles geklärt, die ersten gehen schon zum gemütlichen Teil des Abends über, ich habe Terri und Stan begrüßt und endlich auch mein eigenes Gepäck auf dem Zimmer.

Wenn wir in Velbert Karnevalisten zählen kommen wir auf eine dreistellige Zahl in verschiedensten Vereinen. Hier in Corby liegt alles das auf den Schultern einer kleinen Gruppe, die in den letzten Jahren zwischen 6 und 8 Personen geschwankt hat. Bis wir das traditionelle Fish and Chips Dinner verputzt haben, haben sich alle aktuellen Committee Mitglieder eingefunden. Außerdem amtierende und ehemalige Bürgermeister, Familienmitglieder und andere Freunde. Ein Gespräch reicher Abend nimmt seinen Lauf und Pläne werden ausgetauscht. Nach und nach leert sich das Hotel und der nebenan liegende Pub, schließlich liegt nach einem langen Tag DER Karneval vor uns. Ich bin beileibe nicht die letzte, die auf ihr Zimmer geht und müde in die Kissen sinkt. Leider tobt, wie so oft, der Sturm des Tages durch meine Gedanken. An einschlafen ist nicht zu denken. Also schnappe ich mir mein iPad und bringe zuende, was ich im Bus begonnen habe. Keine Ahnung ob ich morgen dazu komme das Erlebte weiter zu berichten, aber selbst, wenn ich auf der Rückfahrt ’nachliefer‘ gibt es noch einiges zu berichten von dieser ganz anderen Tradition, die sich dann doch so mit unserem Karneval verwoben hat, dass es immer mehr Freunde dieser gelebten Städtepartnerschaft gibt. Für unseren und den Corby Carnival, für die Verbundenheit mit Corby im Allgemeinen und vieles mehr wünsche ich mir, dass wir Schule machen und an die Jahre anknüpfen, als sich auf allen Seiten darum gerissen wurde Teil dieses Austausch zu sein.

Ab in den Süden

Irgendwie vergeht die Zeit im Urlaub immer schneller als zuhause. Ich glaube dieses Phänomen kennen wir alle. Nun sind wir schon eine Woche weg von daheim…..

Mit unserem Anschlussflug hat alles geklappt, auch wenn es etwas stressig war. In 30 Minuten sind wir durch das Terminal gehetzt, ein weiteres Mal durch den Sicherheitscheck und schließlich an Bord des nächsten A380 gelangt… Und diesesmal sind wir tatsächlich die Treppe nach oben gestolpert 😉 durch die erste Klasse geht es in den Businessbereich. Eine weitere Superlative, auch wenn es in der Werbung etwas großartiger rüber kommt. Zunächst kommen rechts und links der Treppe zwei Duschkabinen und dann die Suiten. Das was wir davon sehen können enttäuscht ein wenig. Aber vielleicht sind die wahren Schätze ja auch verborgen. 

Sobald wir an unseren Plätzen angekommen sind, fällt auch die Anspannung der letzten 3 Stunden von uns ab. Wir haben mit unserem ‚Blind-Update‘ Glück gehabt und unsere Sitze sind nicht nur beieinander, sondern auch nebeneinander, was bei Emirates sehr gut schief gehen kann, da die Fenster-Reihen nur hintereinander sind und die Mitte getrennt sein kann durch die nachfolgenden Plätz. So wie wir sitzen ist es optimal, wenn man Erfahrung und Unwohlsein teilen möchte 😎Auch wenn ich für die Firma so einige Mal geflogen bin und durchaus Erfahrung mit der Businessklasse habe, so ist bei Emirates alles ein bisschen… Ja einfach mehr. Neben der edeln Holzeinrichtung hat jeder mehr Platz für sich und wer längeren Schlaf plant, der kann sogar eine Matratze auf dem Sitz ausbreiten. Dazu ist uns die Zeit allerdings zu schade. Nachdem wir Platz genommen haben ist auch schon das Boarding beendet und während die Maschine vorbereitet wird für den Start genießen wir noch ein Glas Champagner und richten uns ein wenig ein. Die Sitzplätze ohne Fenster sind nicht ganz so schlimm beim Start, da ja alles über die Kameras zu beobachten ist. Alles in allem waren wir gerade mal eine Stunde auf dem Boden … Das Dubai Airport Shoppingcenter muss also noch etwas auf uns warten.

Nach dem Start erweitern wir unsere Superlativen Sammlung um einen Gang an die Bar…. Auch das gehört sicher zu den Dingen, die man nicht allzuoft genießen kann. Nicht nur die Snacks und Drinks sind vorzüglich, sondern auch der Kontakt zu den Crewmitgliedern ist herzlich und interessant. Hier hat man wirklich Zeit für einen Schwatz. Obwohl wir uns beide kaum satt sehen können holt uns die Müdigkeit schnell ein und wir sinken bald in einen kurzen, aber tiefen und erholsamen Schlaf. 

Viel zu schnell kündigt uns die Crew das Frühstück an und damit auch die letzten Meilen in der Luft. Gerade rechtzeitig zur Äquator-Überquerung schalten wir die Bordinfo an und sehen beide zum ersten Mal auf die südliche Erdhalbkugel. Da darf ein kleines Anstoßen natürlich nicht fehlen. Uwe stilecht mit einem Gläschen Champagner, ich beschränke mich auf Saft. Nicht mehr lange und wir sichten Mauritius im weiten Ozean. 

Der jetzt folgende Teil war für mich das größte Fragezeichen und mit ein wenig Beklemmung verbunden. Mauritius erlaubt die Einfuhr einiger Medikamente nur mit ärztlichem Attest. Wenn man nun aber ca 15 verschiedene davon braucht, kann das schon eine logistische Herausforderung werden. Damit ich vielleicht nicht all meinen Ärzten auf den Nerv gehen muss, habe ich im Vorfeld die Botschaft angerufen in der Hoffnung, dass man mir sagen kann, welche Art der Medikamente betroffen sind… Leider war das eine Fehlanzeige – ich solle mir alles Bescheinigen lassen und zwar auf englisch. Immerhin hat es geklappt, dass mein Hausarzt alles bescheinigen könnte außer meinen Schmerzmedikamenten. Dafür gab es noch einen Extra-Ausweis des Schmerztherapeuten. Reisetipps und der Botschaft zufolge sollte ich nun noch alles in Originalverpackung mit Beipackzettel im Handgepäck verstauen, dann sollte alls gut gehen…. 

Gesagt getan und der arme Uwe musste alles, was sonst üblicherweise noch in meinem Bordkoffer ist bei sich mitnehmen, weil irgendwie war mein Trolli voll. Durch das Upgrade waren wir schnell aus dem Flieger und mit als erste bei der Imigration, aber da hat sich keiner für unser Handgepäck interessiert. Zwar wurden wir noch etwas ausgefragt, warum wir hier sind, wie lange wir bleiben und was wir beruflich machen, aber dann wären wir auch schon weiter. Am Transportband haben wir dann mit Freude festgestellt, dass auch unser aufgegebenes Gepäck den Flieger erreicht hat und somit stand dem passieren des Zolls nichts mehr im Wege. Scheinbar sehe ich nicht aus, wie der Pillen-Junkie der ich nunmal bin und auch hier sind wir ohne Beanstandung durch. Aber auch wenn der ganze Aufwand in meinem Fall umsonst war und ich gerne auf die locker 2 Kilo Verpackungsmaterial im Trolli verzichtet hätte, es ist einfach beruhigender vorgesorgt zu haben.

Willkommen auf Mauritius – das klingt doch toll!

Etwas Hobby braucht der Mensch

Ich glaube ich habe nie zu den Menschen gehört, die Langeweile in ihr Leben lassen. Als mich vor 6 Jahren mein Herz dazu gezwungen hat deutlich kürzer zu treten, habe ich einiges aufgegeben, das mir lieb und teuer war. Am meisten fehlt mir immer noch das Tanzen, aber auch viele Geselligkeiten, meine Jogging-Runden und die Fähigkeit immer einzuspringen wo Hilfe gebraucht wird. Manchmal bedaure ich sogar das ich meine Arbeitszeit reduzieren musste und mich nicht mehr so in der Firma einbringen kann wie ich gerne möchte. Aber ich habe weiterhin ein sehr ausgefülltes Leben mit einem Rest an Hobbies, die manchen vielleicht sogar für 2 Leben reichen würden:

  • Ich liebe unseren Garten und die damit verbundene Planung, meistens ist es eine Art Mini-Therapie wenn ich hier und da Verblühtes zupfe, gieße und eine Ecke im Beet säubere oder Ernte ‚einfahre‘
  • Die Theater-Gruppe macht riesen Spaß, das Lernen der Rolle, sich in fremde Personen zu denken und mit der Truppe zusammen zu sein, ersetzen mir zumindest teilweise den Verlust des Tanzen und Singen
  • Die Arbeit im Freundschaftsverein für unsere Partnerstadt Corby sorgt für jede Menge Kontakte, Gespräche und Begegnungen in anderer Sprache und mit anderen Gesellschaftsstrukturen.
  • Meine Bücher begleiten mich an jedem Tag und ich genieße fremde Geschichten und Abenteuer.
  • Der Karneval leidet sicher am meisten, da es auch der (meistens) lauteste und intensivste Geselligkeit-Faktor ist, mit dem ich leider häufig überfordert bin. Trotzdem hoffe ich weiterhin zumindest mit kleinem Einsatz ein aktiver Karnevalist zu bleiben.
  • Das (wieder entdeckte) Stricken und Basteln – während das eine fast überall nebenbei geht braucht das andere doch etwas Ruhe und Zeit. Also habe ich das geschickt kombiniert mit einer mir lieben und ans Herz gewachsenen Kontakt Pflege, nämlich einem regelmäßigen Treffen mit meiner Mama
  • Das Segelfliegen mit der BBSW einmal im Jahr aber auch mit der Kontakt Pflege jederzeit
  • Da ist ja auch noch das sicher das tollste Hobby! – Verreisen – Samstag geht es mal wieder los. Wir erkunden Mauritius (ich denke ihr werdet davon lesen).

Auch wenn da noch die ein oder andere Kleinigkeit fehlt, ist die Liste ja schon recht ordentlich. Und eben daraus ergibt sich dann doch wieder ein manchmal auch zu ausgefülltes Leben..
So ein Urlaub zum Beispiel ist ja nicht nur einfach- hex hex – da, sondern bedarf einiger Vorbereitung: Reiseführer lesen und schauen was man machen möchte; Wäsche waschen, bügeln und packen; den Garten soweit fertig machen, dass der Winter vorbei schauen könnte während man nicht da ist; den Schreibtisch soweit leer arbeiten, dass es maximal kleine Katastrophen gibt, während man weg ist; vorbereiten, was Mann und Frau sonst noch so mitnehmen möchten/müssen (O-Ton meines Gatten: „Mach Du das mal, das hat sich in den letzten Jahren bewährt“); einkaufen für die Katzen – die fahren ja nun mal nicht mit; Kühlschrank füllen für den Katzen- und Wohnung-Sitter; … Ich denke die meisten von Euch kennen solche Listen und könnten sie endlos weiterführen.

Da kommen zwangsläufig viele andere Dinge zu kurz und es drängt sich intensiver die Frage auf, ob ich nicht doch noch ein bisschen weniger aktiv sein sollte…
Schließlich war dies eine der Botschaften, die ich aus der Reha mitgebracht habe. Und da Therapeuten, meine Lieben und ich da sicher einig sind, dass sich manche Dinge (wie zB die lästigen Sachen der ‚Lebensverwaltung‘) nicht einfach streichen lassen, bleibt mir die Aufgabe überlassen, aus den schönen Dingen des Lebens diejenigen raus zu suchen, die in Zukunft eben kürzer kommen müssen.

Mittlerweile – ich habe tatsächlich 3 Tage gebraucht, bis ich diesen Post fertig habe – ist der Samstag eine Stunde alt. Also geht es jetzt ins Bett und nach dem Aufwachen heißt es dann – Endspurt auf dem Weg zum Flughafen – Mauritius wir kommen.

Auf Wiedersehen Schottland

Am Morgen ist die Stimmung nicht wirklich besser, wir packen unseren Kram zusammen und gehen zum Frühstück. Ich erzähle Uwe, dass wir diese Nacht nur ca 500 Meter von der Queen entfernt verbracht haben. Die Information habe ich vom Barkeeper letzte Nacht. Die Queen ist seit 2 Tagen im Holyrood Palace, dessen Dächer wir vor dem Hotel sehen können. Am Nachmittag findet der Queens Tea im Park statt. Es fühlt sich schon ein klein wenig besonders an, an unserem Tagesziel ändert das aber nichts. Wir checken aus und lassen uns ein Taxi rufen. Während wir warten beobachten wir ein paar Personen, die mit Sicherheit zum Queens Tea gehen werden – sie sind genauso gekleidet wie man sich das vorstellt, und wir sind uns einig, dass wir alleine auf dieses Aufbrezeln keine Lust hätten.
Das Verlassen des Roxburghe ist ein kleines bisschen komplizierter, man versteht zwar, dass wir abreisen wollen und hilft uns auch zum Wagen und mit dem Gepäck, aber bis wir uns sortiert haben stecken wir fest – die Tiefgarage ist wieder verschlossen, der Buzzer außer Funktion und die Telefonnummer, die man wählen soll, leitet mich zu einem Band, auf das ich Name und Anliegen sprechen kann… Das fängt ja gut an. Schließlich hören uns die Bauarbeiter auf der anderen Seite des Rolltores und nutzen die Rufanlage außen – wir sind frei. Bis zur nächsten Ecke – hier blockiert ein Bierlieferant die Kreuzung und es dauert scheinbar ewig, bis wir endlich losfahren können. Das Navi haben wir mit dem Ziel ‚Corby‘ gefüttert und wir nehmen die erst beste Route ohne auf Zwischenstopps und sonstige Wegführung zu achten. Etwas mehr als 600 Kilometer liegen vor uns und die ersten hinaus aus Edinburgh erscheinen quälend lang. Bitte nicht falsch verstehen: Edinburgh ist eine tolle Stadt und sicher ist mein Bericht der Stadt gegenüber absolut unfair! Es ist unsere Schuld, dass wir uns nicht ausreichend begeistern können.
Sobald wir die Autobahn erreichen frisst der Audi Kilometer für Kilometer und wir kommen gut voran auf unserem Weg nach Süden. Während Uwe fährt, versuche ich in Corby eine Unterkunft zu finden. Unsere Freundin Terri verspricht mir, alles zu versuchen und ich weiß, besser geht es nicht.
Wehmütig sehe ich die Autobahnabfahrt Gretna an uns vorbei ziehen. Gleich sind wir raus aus Schottland und wer weiß, wann wir wieder hinkommen. Die Stimmung ist immer noch ziemlich angespannt als wir den nächsten Stopp machen. Hier mache ich gleich mehrere fatalen Fehler: Ich schaue auf den Weg, der noch vor uns liegt und stelle fest, dass wir im dicksten Berufsverkehr durch Manchester und Birmingham fahren werden. Eine kurze Rückversicherung bei Terri bestätigt, dass es besser ist, jetzt über die Landstraßen nach Osten zu fahren, statt später hinter Manchester. Also wird das Navi neu gefüttert und treu unseren letzten Tagen schickt es uns direkt weg von der Autobahn… Ich hätte es kontrollieren sollen! Statt dessen sitze ich jetzt am Steuer und verlasse die Autobahn an der nächsten Abfahrt. Das Navi scheint sich daran gewöhnt zu haben, dass wir im Norden kleinste Wege genutzt haben und so finde ich mich auf einer Gasse wieder, die den Namen Straße nicht wirklich verdient hat. Die nächsten Kilometer werden zu einer wahren Zerreißprobe für unsere Nerven. Ich kann quasi vor mir sehen, wie Uwe die Zähne zusammen beißt und innerlich hin und her gerissen zwischen leichter Schadenfreude, dass die Idee Manchster zu umgehen in solchen Wegen endet und dem Frust nicht vorwärts zu kommen. Ich für meinen Teil versuche den Weg als Gelegenheit zu sehen – lenkt mich das konzentrierte Fahren doch vom Frust ab und wir bekommen noch einmal tolle Einsichten ins Landleben. Aber wie das so ist, wenn Murphy zuschlägt, dann aber richtig. Schon bald befinden wir uns auf Schotter – über die nächsten sicher 10-20 Kilometer wird die Straßendecke erneuert und aus meinen 40 km/h werden eher 20-30… Das Klack Klack der Steinchen tut uns beiden weh, wissen wir doch, dass es von Steinen kommt, die die Lackierung des treuen Audi treffen. Das einzig Tröstliche ist, es gibt kaum Gegenverkehr, so dass ich nicht allzu oft ausweichen muss. Innerlich bete ich um eine bessere Straße und kontrolliere im Augenwinkel mehrfach, wie die Darstellung im Navi sich quälend langsam der Kreuzung nähert, die eine normale Landstraße verspricht. Landschaftlich wertvoll erreichen wir schließlich Uwe’s Belastungsgrenze und er fordert mich auf doch bitte langsamer zu fahren… Später sagt er es waren gefühlte 50-60 km/h.. Ich dagegen bremse von 30 auf unter 20 km/h ab und versuche mir nicht anmerken zu lassen, wie genervt ich bin.
Da endlich, die ersehnte Landstraße liegt vor uns und plötzlich finden wir uns in Mitten vieler Autos wieder, die alle eines gemeinsam haben: sie hängen fest! In unserer Fahrtrichtung sperrt die Polizei alles ab und Bauarbeiter säumen die Straße.. Ein LKW wird gerade in Stellung gebracht und ein Bagger belädt ihn mit Baumresten.. Na das kann ja heiter werden – gefühlte Jahre später (wahrscheinlich waren es gute 30 Minuten) ist der LKW aus dem Weg und wir dürfen die Fahrt fortsetzen. Schließlich erreichen wir Leeds und damit die M1 nach Süden. Uwe übernimmt das Steuer wieder und wir nähern uns zügig unserem Ziel. Terri hatte leider keinen Erfolg, alle brauchbaren Hotels in Corby sind bis Donnerstag ausgebucht. Das Navi zeigt noch ca 30 Minuten bis zur Ankunft, als wir auf einen Parkplatz fahren um zu überlegen wie es weiter geht. Mittlerweile ist auch genug Zeit vergangen, dass wir die Kommunikations-Störung bereinigen können. Die Idee hier an die Küste zu fahren verwerfen wir recht schnell – uns ist klar, dass wir ein wenig Ruhe brauchen, bevor wir uns in das Corby Carnival Wochenende stürzen. Über ein Internet-Portal suchen wir nach B&B’s oder Hotels im Umkreis von Corby und Uwe findet ein nettes kleines Hotel ca. 15 Kilometer vor nördlich von Corby. Wir buchen das letzte verfügbare Zimmer zunächst für eine Nacht und programmieren das Navi um. Schon auf dem Weg sind wir angetan von der Gegend. Auch wenn wir schon häufig in Corby waren, diese Ecke ist für uns beide Neuland. Schließlich erreichen wir das wunderschöne Dörfchen Hallaton und unser Hotel „The Bewicke Arms“ – wir sind schon beim ersten Blick begeistert. So was habe ich mir schon die ganze Zeit gewünscht! Ein alter Hof ist umgebaut zu Haupthaus mit Pub und Restaurant und im ehemaligen Stall sind Gästezimmer und ein Cafe untergebracht. Die Einrichtung ist ein Traum und wir sind auf Anhieb verliebt. Nachdem auch das Zimmer, die Internet-Verbindung und das Bier mehr als gut sind, haben wir das Gefühl die richtige Entscheidung getroffen zu haben und nun ein wenig für unsere Erlebnisse in Edinburgh entschädigt zu werden.
Wir lassen unsere Freunde wissen, dass wir angekommen sind und verabreden uns für den nächsten Tag mit Terri zum Mittagessen. Mit Doughi wollen wir uns dann Abends zum Fußball schauen treffen.
Der Audi steht sicher auf dem Hof und wir genießen Atmosphäre, Bier und Whisky. Die Menü-Karte überfordert ein wenig meine Englisch-Fähigkeiten, da die Gericht einer Benennung folgen, die nicht viel mit meinem Wortschatz gemein hat. Also suchen wir etwas zögerlich aus und werden erneut positiv überrascht. Das Essen ist nicht nur geschmacklich der Hammer, auch optisch haben wir das Gefühl in einem Londoner Gourmet Tempel zu sitzen. Alles in Allem verbringen wir einen wunderschönen Abend und freuen uns über die positive Wendung.
In einem Rückblick auf die letzten Tage stellen wir fest, dass wir den Fehler gemacht haben, Edinburgh an das Ende unserer Reise zu setzen.Der Trubel der Großstadt hat uns erschlagen nach der Einsamkeit und Ruhe die wir davor genossen haben. Mit Sicherheit werden wir Edinburgh noch einmal ansteuern, aber eher zu Beginn eines Urlaubs oder als Städtetrip mit dem Flieger. Und hoffentlich zu einer Jahreszeit, die etwas weniger Tourismus dorthin spült.

Mars – Venus – Funkstörung

Alles klappt wie am Schnürchen – Uwe ist zwar wie immer früher wach als ich, aber scheinbar hat Fin gestern vergessen sein WLAN abzuschalten und so kann er sich tatsächlich die Zeit am iPad vertreiben. Wir räumen unseren Kram zusammen und gehen runter zu unserem letzten Frühstück im Crown & Anchor. Der Kaffee ist noch ein wenig dünner als sonst, aber wir sind dran gewöhnt und schauen nur noch nach vorne auf unsere Spa- und Luxus-Zeit in Edinburgh. Noch einmal checken wir die Route und bleiben dabei, dass Stonehaven ein guter Ort für die größere Pause ist. Während ich unser Frühstück bestelle checkt Uwe seine Emails – Und bäm, das war es mit der guten Laune.
Er findet eine Email von unserem nächsten Hotel – leider gibt es ein Problem und man muss uns 2 von 3 Nächten in einem anderen Hotel unterbringen. Sie schicken die Adresse und bitten uns, bei Fragen anzurufen. Wir sind vor den Kopf geschlagen. Noch vor 2 Tagen hat man uns angeschrieben, ob wir ein Upgrade wünschen (JA! es soll ja was ganz besonderes werden)!
Ein kurzer Check zeigt, dass das Ausweichhotel an einer ganz anderen Ecke liegt. Statt unserem leicht nostalgischen, alten Luxus-Hotel, welches viel Ruhe und Entspannung versprach, sollen wir nun in einen modernen Klotz – freundlich Familienhotel genannt – mit Trubel und riesen Räumen.. Und zusätzlich hieß das ja auch ein Umzug mehr – die letzte Nacht hätten wir ja im geplanten Roxburghe verbracht.
Schimpfend und brummelnd startet Uwe den treuen Audi und macht sich auf den Weg. Wir versuchen die Fahrt trotzdem zu genießen, was haben wir auch für eine Wahl.
Die Straßen meinen es gut mit uns und wir schaffen die ersten 150 Kilometer recht flott – zu einer frühen Mittagszeit erreichen wir das Zwischenziel. Während ich versuche mit der Kamera den zauberhaften Ort einzufangen, abzuchecken ob Uwe lieber im Hafen parken möchte und dem Navi zu sagen, dass wir danach zum höher gelegenen Dunnotar Castle wollen, damit es aufhört „Bitte wenden“ zu sagen, sind wir schon wieder aus dem Ort raus. Uwe möchte lieber einen kleineren Hafen und ein Möglichkeit zum anhalten hat er nicht gesehen. Nun ist auch meine Laune auf dem absoluten Null-Punkt. Am Castle würde der Parkplatz Geld gekostet – also weiter… Die nächsten 150 Kilometer fressen wir eher schweigend, lediglich beim Durchqueren von Dundee wird es etwas ‚wärmer‘ im Wagen.
Edinburgh erreichen wie dadurch am frühen Nachmittag. Trotz der Email Fahren wir erst zum gebuchten Hotel – so ganz einfach wollen wir das nicht stehen lassen, schließlich müssen wir ja auch irgendwo hin mit dem Auto. Das Roxburghe empfängt uns mit gediegener Atmosphäre und der Concierge – etwas erstaunt über meinen brummigen Ton – geleitet uns freundlich zur Rezeption. Die Dame am Empfang spult eine saubere Entschuldigung ab: Es täte ihnen entsetzlich leid, aber irgendein verschmutztes Wasser lasse die Benutzung einiger Räume einfach nicht zu. Selbstverständlich würde man für unsere Extrakosten aufkommen und wir können den Wagen bei Ihnen stehen lassen – unser Ausweichhotel das Macdonald Holyrood habe leider nichts frei – die Taxi-Kosten übernehme das Hotel und für die 3. Nacht würden sie sich etwas einfallen lassen…
Was bleibt uns anderes übrig, als anzunehmen? Also das Auto in die Tiefgarage, mit Hilfe 2er Angestellter aussortieren, was mit muss und ab ins Taxi. Da wir viele kleinere Taschen gepackt haben, die sich besser im Audi verstauen lassen, versteht sich von selber, dass mir schon nach wenigen Minuten die ersten fehlenden Dinge winfallen. Aber da war ist  zuspät. Wir stecken mitten im Irrsinn – anders kann man den Verkehr in dieser Stadt nicht beschreiben. Wir lassen die wunderschöne alte Stadt hinter uns, kreuzen die Royal Mile und enden am äußeren Rand der neuen Stadt vor dem … ja eben Klotz.
Da stehen wir mit unserem Haufen – ein freier Gepäckwagen ist nicht in Sicht und zu allem Überfluss fängt es an zu regnen wie verrückt. Der Concierge immt keine Notiz von uns – zu seiner Ehrenrettung komme ich später!! – und an der Rezeption dauert es auch eine Weile, bis man sich unserer annimmt. Egal wohin wir uns wenden, nichts kann uns versöhnen.
Ja, wir jammern manchmal auf ziemlich hohem Niveau und sicher ist dieses Macdonald Holyrood ein respektables Haus- aber eben nicht annähernd das, was wir wollen und bezahlt haben. Modern, laut, voll, am falschen Ende der Stadt und ungemütlich. Unser Zimmer ist okay – Platz genug, ein wenig herunter gekommen in den Ecken und an der Decke, die Klimaanlage funktioniert auch nicht. Der mittlerweile aktivierte Concierge bringt uns das Gepäck, erläutert, dass die Klimaanlage sicher nur etwas Zeit braucht um anzulaufen. Und er bietet an, doch bei ihm vorbei zukommen, damit er uns helfen kann unsere Wege von dieser Ecke aus zu planen – er ist schon sehr nett! Nur leider absolut überlastet. Durstig und missmutig, da auch das ‚free WiFi‘ nicht mit unseren Apps kommunizieren will, sind wir zügig wieder in die Halle. Leider gibt es kein anderes WLAN, erklärt uns die Dame an der Rezeption. Und von dem Herrn sehen wir nur den Rücken, da er permanent irgendwo helfen muss – er tut uns gerade mächtig leicht. Also mache ich mich eigenmächtig hinter seinem Tresen am Info-Material zu schaffen und ergatter einen Stadtplan und Infos über Sightseeing-Busse. Ich möchte erstmal eine rauchen, dann wollen wir eine Kneipe suchen. Leider kommt wieder das „Mann-Frau-Kommunikations-Problem“ zum tragen. Statt den Pub direkt nebenan aufzusuchen steuert Uwe um die Ecke Richtung Royal Mile. Okay, denke ich, etwas schöner könnte es ja sein, also hinterher. Jeder unter seinem Schirm, geht es den Berg hinauf! Und weiter hinauf… ich bin ziemlich bald zurück gefallen und gebe auf Uwe irgendwas mitteilen zu wollen… Ich folge nur noch. Irgendwann wartet er dann doch und wir stehen im unteren drittel der Royal Mile. Ein geschäft neben dem anderen bietet schottische Kleidung und Unmengen an Souveniers an. Einige Geschäfte in guter, andere in günstiger Qualität. Auch einige Whisky Läden können wir ausmachen. Dazwischen einige einladende Restaurants und Pubs – trotzdem braucht es noch eine Weile bis Uwe ein Kneipe auswählt. Wir erobern einen der letzten freien Tische und ich organisiere uns 2 Cidre an der Theke. Unser Kommunikations-Problem packen wir mal für eine Weile zur Seite und versuchen anhand Stadtplan und Bus-Touren unsere nächsten 2 Tage in Angriff zu nehmen. So richtig begeistern können wir uns aber nicht. Der Regen, die vielen Menschen und das Hotel übertünchen alle positive Energie. Zunächst müssen wir morgen sowieso zum Auto, da wir einiges brauchen. Für heute einigen wir uns auf einen langsamen Spaziergang weiter die Royal Mile hinauf bis zum Casle um einen ersten Blick zu erhaschen. Auf dem Rückweg steht dann Abendessen an und den weiteren Abend wollen wir sehen ob in der Kneipe neben dem Hotel WLAN ist.
Der Spaziergang ist das Highlight unseres Tages – gemeinsam lassen wir die Stadt auf uns wirken, erforschen einen Whisky-Shop (ohne einzukaufen, weil die Preise sind exorbitant), lassen uns Regenschirme ins Kreuz hauen, schlängeln uns um tausende von Menschen, die mehr oder weniger das selbe tun wie wir. An der Burg angekommen werden wir leider ein wenig enttäuscht, da die Tribünen für das Tattoo im August schon aufgebaut sind und jeden Einblick versperren. Aber immerhin, wir sind oben angekommen und ab jetzt wird der Weg für mich leichter. Auf unserem Weg zurück erkunden wir auch Seitengassen und entdecken, dass Edinburgh auf 2 Etagen lebt und fährt. Es ist echt irre und beeindruckend. Tolle Gassen, alte Gebäude und Unmengen an Bussen und Taxis umgeben uns. Schließlich landen wir zum Essen in dem selben Pub, in dem wir vorhin was getrunken haben. Die Atmosphäre ist einfach sehr nett und wir geraten ins Gespräch mit unseren Tischnachbarn, Kalifornier, die nach Irland nun Schottland bereisen wollen. Ich traue mich ein zweites Mal an ein Haggis Gericht und bin wieder begeistert.
Wie geplant landen wir zum Ende des Tages in der Kneipe neben dem Hotel – eine sehr schön umgesetzte Studenten-Kneipe mit gemütlichen Sesseln und Sofas. Allerdings ist es sehr laut und die Musik trifft nicht wirklich unseren Geschmack. Uwe ist so lieb und holt die iPads aus dem Hotel und wir wollen beide ein wenig das wirklich vorhandene WLAN nutzen. Leider steigert sich über laute Musik und unterschiedliche Auslegung der iPad-Nutzung wieder die Spannung zwischen uns, das gesammelte Potenzial des Tages kocht wieder hoch und schlussendlich endet der Abend sehr unharmonisch.
Noch am Abend beschließen wir, unseren Plan an dieser Stelle zu begraben und Edinburgh am nächsten Morgen zu verlassen.

 

Ein Tag auf den Orkney Inseln

Schon beim Verlassen der Fähre wird uns klar, dass wir wieder etwas anderes erwartet haben. Nach den letzten Tagen erscheinen die Insel massenhaft bevölkert. Die Landschaft ist überwiegend von Landwirtschaft geprägt und es ist ein idyllischer Mix aus Natur und Häusern. Hoffentlich reicht unsere Zeit hier für das Wesentliche.
Auf dem Weg nach Kirwall wechseln wir mehrfach Mal die Insel, allerdings ist dies kaum bemerkbar, da ein Damm die Inseln verbindet. Schon der erste Blick auf Kirkwall ist klasse. Nun ja, als bekennende Kreuzfahrer auf der „Mein Schiff“ sind gleich zwei Aida Schiffe vor Anker etwas befremdlich 😉 Wir finden unser Hotel auf Anhieb und haben wieder mal das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Direkt am Hafen und der Einkaufsmeile liegt ein nettes altes Haus mit Pub, Restaurant und allem was unser Herz begehrt. Wir halten uns auch nur kurz mit Entladen des Audi auf und gehen die Umgebung erkunden. Zunächst noch sicher unter dem Schirm betrachten wir das Treiben rund um das Tenderboot der kleineren Aida. Jetzt wieder im  Trockenen gehen wir durch den Ortskern und entdecken etliche sehenswerte Gemäuer. Und nette Läden, die wir uns am nächsten Tag genauer ansehen wollen. Heute besichtigen wir die Kathedrale und die danebenliegende Ruine. Abschließend gehen wir ins Informationszentrum und werden mal wieder ernüchtert. Uwe’s dringlichster Wunsch lässt sich nur mit einer Fährfahrt verbinden und die Zeitplanung der Beraterin gibt uns keinen Spielraum für den Shopping-Trip.
Allerdings reift in uns ein Plan, wie wir das ganze nach unseren Bedürnissen optimieren können. Manchmal zählt es sich aus Projekt-Manager zu sein 😎
Den Abend beenden wir im Hotel mit einem köstlichen Essen und einer kleinen Whisky Verkostung. Ein weiterer Whisky landet auf meiner „ist gut“ Liste – der lokale Highland Park Whisky in der 12 Jahre Version ist nicht zu verachten. Die Nacht ist für mich die erste, in der ich wirklich mal gut schlafe, nur zu hell wird es wieder viel zu schnell.

 

Mittwoch Morgen machen wir uns so auf den Weg, dass wir um 11 Uhr mit der Fähre nach Hoy übersetzten. Der Audi darf am Hafen auf uns warten und wir stellen fest, dass man schnell an Fährfahrten gewöhnt ist. Unser Ziel ist das Museum zu Scapa Flow – der Bucht, die in beiden Weltkriegen eine große Rolle für die Marine gespielt hat. Für Uwe ein Muss, für mich ein „wenn es sein muss“. Nicht, dass ich es unwichtig finde, aber ich leide sehr schnell unter Beklemmungen bei diesem Thema. Die Ausstellung ist sehr gut gemacht und ich bemühe mich wirklich voll dabei zu sein, aber trotzdem fliehe ich bald in die nostalgische Tee-Stube, da ich wieder einmal vor den Greul-Szenen einknicke. Informationen nehme ich aber trotzdem mit. So weiß ich jetzt, was es mit den Dämmen auf sich hat. Im 2.Weltkrieg wurden diese aufgeschüttet um die Bucht besser zu schützen. 

Nach gut 2 Stunden geht es zurück zum Audi und damit zu unserem nächsten Ziel. Leider ist die Beschilderung nicht so toll und wir finden uns im Ortskern von Stromness wieder. Sehr sehenswert, für Uwe aber eine kniffelige Aufgabe, da die Strasse extrem eng ist, viele Fußgänger darauf und auch noch Gegenverkehr herrscht. Er ist froh als wir den Ort wieder verlassen und die Küste entlang fahren. Bis es nicht mehr weiter geht. Also füttere ich das Navi mit dem nächst möglichen Ort. Unser Ziel selber kennt es leider nicht. Schließlich landen wir an der Kreuzung, an der wir hätten abbiegen müssen, die ich aber Mangels Schild übersehen habe. Wenigstens mussten wir nicht noch einmal durch den Ort.
Als wir Skara Brae erreichen hat es endgültig aufgehört zu regnen und trotz vieler Besucher um uns ist dieser Ausgrabungsort wirklich Sehenswert. 5000 Jahre ist es her, dass dieses Dorf erbaut wurde. Nicht nur die Ausgrabungen selber beeindrucken, sondern auch der Weg zwischen Museum und Dorf – hier hat man mit Steintafeln in Schritten den Zeitstrom dargestellt. Nicht, dass man jetzt wirklich 5000 Jahre abschätzen kann, aber wenn knappe 10 Jahre gerade mal ein Schritt sind, dann merkt man schon, wie viel mehr Schritte es doch bis 5000 sind. Wir schauen in eine nachgebildete Behausung, genießen die Meeresluft und lauschen der Brandung. Nach dem Rundgang durch die Ausgrabungsstätte geht es zurück zum Parkplatz. Wir nehmen viele Eindrücke und Bilder mit. Aber auch viele neue Fragen zu dieser Siedlung, die wir uns später mit Hilfe des Internet beantworten wollen.

Unser Weg zurück führt an Stenness vorbei, wo ein einzelner aufrecht stehender Stein davonzugehen, dass wir in der Nähe der Stones of Stenness sind. Auch wenn wir wissen, das dies historisch wertvoll ist, entscheiden wir uns für modernes Shoppen. Tote Steine gab es heute genug.

So wie wir uns nach und nach beladen, könnte man meinen, wir hätten Nachholbedarf. Letztlich ist es tatsächlich so. Bisher haben wir nur Magneten für unsere Sammlung gekauft und sämtliche Andenken, Mitbringsel oder Shirts liegen lassen, mit dem Gedanken, es kommt mehr Zeit und Gelegenheit. Am meisten freut die den T-Shirt Laden. Hier entdecken wir einige außergewöhnliche Stücke und decken uns reichlich ein. Aber auch das ein oder andere begehrte Teil zur Highland-Ausstattung wechselt in unseren Besitz. Zum Abschluss genießen wir die Sonne in einem Kaffee nahe der Kathedrale und des Rathaus.

Vor dem Dinner in unserem Hotel geht es noch einmal in den Hafen. Dort liegt ein Cruiser des National Geographics. Im Internet erfahren wir, das dieses exklusive, unbezahlbare Fahrten anbietet, für die wir erstmal im Lotto gewinnen müssten. Da genießen wir jetzt lieber das exzellente Essen und einen gemütlichem Abend in der Hotelbar.