Billy Elliot on stage

Meinen ersten Tag in Hamburg widme ich dem Ausschlafen und Dorit. Der erste Teil ist um 11 Uhr erledigt allerdings lasse ich mir viel Zeit mit dem wach werden. Die drei Wein gestern waren nicht ganz ohne, zumal ich irgendwie vor lauter singen meine Marschverpflegung nicht wirklich gegessen habe. Aber im Urlaub ist alles erlaubt, also bummel ich vor mich hin, verabredet bin ich ja auch erst um 17 Uhr. Meine Fahrkarte kaufe ich online – das Tagesticket lohnt sich und ich muss mir um nichts mehr einen Kopf machen. Tinka parke ich an der S-Bahnhaltestelle „Mittlerer Landweg“ und noch vor 15 Uhr sitze ich in der S21 Richtung Hauptbahnhof.

Hier treffe ich auf das pulsierende Leben – Menschen mit und ohne Koffer, mit Stadtplan, Fotoapparat, Aktentasche und diversen anderen Utensilien strömen in alle Richtungen. Ich weiß ich war schon mal hier, quer über die Straße habe ich schon ein paar Nächte im Hotel verbracht, aber irgendwie ist alles anders. Ich lasse mich ein bisschen treiben und bummel an den Bahnhof-Geschäften vorbei bis ich die Touristen Information finde. Hier lege ich den Grundstein für das kommende Wochenende und kaufe eine 3 Tage Hamburg-Card. Außerdem sammel ich diverse Broschüren ein, die mir Rat geben können. Dergleichen bewaffnet schlendern ich in die Mönkebergstrasse und setzte mich in ein Kaffee… ein Espresso und ein Cider später ist es Zeit nach Dorit Ausschau zu halten. Die Zeit vertreibe ich mir derweil mit einer Wanderausstellung… obwohl das sicher nicht das richtige Wort ist. Ein Pavillon vor Saturn erklärt Stadtbegrünung und Bäume… Baumscheiben der Bäume des Jahres werden erklärt, Fichtenarten und Weihnachtsbäume ebenso…. und verschenkt. Von links werde ich angequatscht, welche Fichte mir den gefallen würde… ich wehre ab , erkläre, dass ich nur einen Balkon habe und das weit weg von Hamburg…. und schwups habe ich einen Strauch in der Hand mit der Erklärung: die Früchte sind lecker, der wächst im Topf und wenn Du den feucht hältst hast du in 9 Tagen ein Stück Hamburg bei Dir gepflanzt. Wer mich kennt, weiß das ich da nicht mehr nein sagen kann. Die logistische Frage was macht der Strauch im Musical lässt sich schließlich mit der Garderobe klären.

Schließlich kommt Dorit um die Ecke und wir fangen beide an zu schnacken als ob wir ewig beste Freundinen wären… immerhin kennen wir uns gerade mal eine Woche aus dem Urlaub letztes Jahr, kurzfristig habe ich befürchtet ich erkenne sie nicht einmal… die Zeit bis wir zum Bus müssen vergeht wie im Flug.

Billy Elliot wartet auf uns. Ich habe den Musical-Film im Fernsehen gesehen und fand ihn „naja okay“ … mittlerweile habe ich gelesen, dass dieses Gastspiel mit britischem Ensemble aufgeführt wird. Aber es gäbe Untertitel… okay Untertitel auf der Bühne, das kann ja heiter werden. Aber Dorit sagt, die Kritiken wären sehr gut und ich denke mit meinem Englisch sollte das vielleicht die richtige Herausforderung sein. Schon die Location ist toll. In den Großmarkthallen ist ein Theater integriert. Wir sitzen im Parkett, mittig und haben ein Familie vor uns, die uns nicht ein bisschen Sicht raubt. Perfekt!

Auf das, was jetzt kommt, bin ich nicht im geringsten vorbereitet. Und mir fehlen auch immer noch die Worte um es zu beschreiben. Es ist der Wahnsinn. Englisch in bester Arbeiterklasse, Dialoge mit Witz und Tiefgang, Lieder von einfach bis hoch anspruchsvoll, Tänze die dich mitreißen. Hier ist alles drin und du fühlst die Wut mit, die Verzweiflung und du träumst die Träume! Untertitel? Ja ich brauche sie von Zeit zu Zeit und sie stehen rechts und links neben der Bühne, aber im Großen und Ganzen sagen die Darsteller alles mit Bewegung und Tonlage aus. Ich bin überwältigt und merke gar nicht, wie die Zeit verfliegt. Der Film kann gegen dieses Musikal sowas von einpacken. Am liebsten würde ich nochmal von vorne schauen und kann es gar nicht fassen als es vorbei ist. Gemeinsam mit dem restlichen Publikum klatschen wir uns die Hände wund und kommen nur zögernd zurück ins hier als es vorbei ist.

Ich kann es nur jedem ans Herz legen, dieses Stück Geschichte zu erleben. Auch wenn es englisch ist, so spiegelt es auch vieles wieder, was den Strukturwandel bei uns ausgemacht hat. Egal ob Kinder oder Erwachsene Darsteller, alle sind einfach der Hammer und ich werde ihre Namen verfolgen um mehr davon zu erleben. Billy Elliot ist für mich von „unbekannt“ auf die Top 3 geschossen!

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Ein Ereignis kommt selten allein

Wie so oft passieren arbeitsintensive Dinge immer dann, wenn es am wenigsten passt. Also läuft die Zeit weg, man ist unzufrieden mit der Leistung oder kommt einfach nicht dazu etwas zu genießen…. Geschweige denn, den guten Vorsätzen zu folgen.

Ich hatte ganz fest im Plan in diesem Jahr nicht nur ein Wochenende auf der Bühne zu stehen, sondern auch über Proben, Aufbau und Spiel-Wochenende hier zu berichten. Nun ist es schon wieder vorbei und kein Wort ist erschienen. Vielleicht schaffe ich es wenigstens einen kleinen Rückblick zu schreiben und Euch so an dieser Erfahrung teilhaben zu lassen.

Was kam dazwischen? Ein sehr arbeitsreicher Umzug, der völlig ungeplant die letzten Wochen meine Aufmerksamkeit und Kraft gekostet hat. Aber das Gröbste ist geschafft, getreu meinem Motto: Es passiert nichts weil Du es „verdient“ hast, sondern weil geprüft wirst, ob Du es schaffst! Ein kleiner Unterschied in der Sichtweise, der ganz wichtig ist um nicht zu verzweifeln. Noch warten unzählige Kisten auf mich zuhause, fehlen Schränke, in die ich einräumen kann und müssen Keller, Garage und Garten „bewegt“ werden, aber ich kann arbeiten, schlafen, kochen und zumindest halbwegs bequem duschen 😉

Statt Urlaubs-Vorfreude gab es also viele kleine Baustellen die bearbeitet werden sollten. Aber auch ohne diese bin ich jetzt auf der Mönchsheide angekommen. Die 31. BBSW beginnt heute und ich finde ein wenig Zeit um zu mir zu kommen.
Ich freue mich darauf meine Fliegerfamilie zu genießen, meine Berichte ins Netz zu stellen (http://bbsw.moenchsheide.de/) und vielleicht auch ein kleines bisschen hier nachzuholen

Etwas Hobby braucht der Mensch

Ich glaube ich habe nie zu den Menschen gehört, die Langeweile in ihr Leben lassen. Als mich vor 6 Jahren mein Herz dazu gezwungen hat deutlich kürzer zu treten, habe ich einiges aufgegeben, das mir lieb und teuer war. Am meisten fehlt mir immer noch das Tanzen, aber auch viele Geselligkeiten, meine Jogging-Runden und die Fähigkeit immer einzuspringen wo Hilfe gebraucht wird. Manchmal bedaure ich sogar das ich meine Arbeitszeit reduzieren musste und mich nicht mehr so in der Firma einbringen kann wie ich gerne möchte. Aber ich habe weiterhin ein sehr ausgefülltes Leben mit einem Rest an Hobbies, die manchen vielleicht sogar für 2 Leben reichen würden:

  • Ich liebe unseren Garten und die damit verbundene Planung, meistens ist es eine Art Mini-Therapie wenn ich hier und da Verblühtes zupfe, gieße und eine Ecke im Beet säubere oder Ernte ‚einfahre‘
  • Die Theater-Gruppe macht riesen Spaß, das Lernen der Rolle, sich in fremde Personen zu denken und mit der Truppe zusammen zu sein, ersetzen mir zumindest teilweise den Verlust des Tanzen und Singen
  • Die Arbeit im Freundschaftsverein für unsere Partnerstadt Corby sorgt für jede Menge Kontakte, Gespräche und Begegnungen in anderer Sprache und mit anderen Gesellschaftsstrukturen.
  • Meine Bücher begleiten mich an jedem Tag und ich genieße fremde Geschichten und Abenteuer.
  • Der Karneval leidet sicher am meisten, da es auch der (meistens) lauteste und intensivste Geselligkeit-Faktor ist, mit dem ich leider häufig überfordert bin. Trotzdem hoffe ich weiterhin zumindest mit kleinem Einsatz ein aktiver Karnevalist zu bleiben.
  • Das (wieder entdeckte) Stricken und Basteln – während das eine fast überall nebenbei geht braucht das andere doch etwas Ruhe und Zeit. Also habe ich das geschickt kombiniert mit einer mir lieben und ans Herz gewachsenen Kontakt Pflege, nämlich einem regelmäßigen Treffen mit meiner Mama
  • Das Segelfliegen mit der BBSW einmal im Jahr aber auch mit der Kontakt Pflege jederzeit
  • Da ist ja auch noch das sicher das tollste Hobby! – Verreisen – Samstag geht es mal wieder los. Wir erkunden Mauritius (ich denke ihr werdet davon lesen).

Auch wenn da noch die ein oder andere Kleinigkeit fehlt, ist die Liste ja schon recht ordentlich. Und eben daraus ergibt sich dann doch wieder ein manchmal auch zu ausgefülltes Leben..
So ein Urlaub zum Beispiel ist ja nicht nur einfach- hex hex – da, sondern bedarf einiger Vorbereitung: Reiseführer lesen und schauen was man machen möchte; Wäsche waschen, bügeln und packen; den Garten soweit fertig machen, dass der Winter vorbei schauen könnte während man nicht da ist; den Schreibtisch soweit leer arbeiten, dass es maximal kleine Katastrophen gibt, während man weg ist; vorbereiten, was Mann und Frau sonst noch so mitnehmen möchten/müssen (O-Ton meines Gatten: „Mach Du das mal, das hat sich in den letzten Jahren bewährt“); einkaufen für die Katzen – die fahren ja nun mal nicht mit; Kühlschrank füllen für den Katzen- und Wohnung-Sitter; … Ich denke die meisten von Euch kennen solche Listen und könnten sie endlos weiterführen.

Da kommen zwangsläufig viele andere Dinge zu kurz und es drängt sich intensiver die Frage auf, ob ich nicht doch noch ein bisschen weniger aktiv sein sollte…
Schließlich war dies eine der Botschaften, die ich aus der Reha mitgebracht habe. Und da Therapeuten, meine Lieben und ich da sicher einig sind, dass sich manche Dinge (wie zB die lästigen Sachen der ‚Lebensverwaltung‘) nicht einfach streichen lassen, bleibt mir die Aufgabe überlassen, aus den schönen Dingen des Lebens diejenigen raus zu suchen, die in Zukunft eben kürzer kommen müssen.

Mittlerweile – ich habe tatsächlich 3 Tage gebraucht, bis ich diesen Post fertig habe – ist der Samstag eine Stunde alt. Also geht es jetzt ins Bett und nach dem Aufwachen heißt es dann – Endspurt auf dem Weg zum Flughafen – Mauritius wir kommen.