Ostsee mit Eis

Winter ist ja nicht immer der Blues – heute habe ich eine meiner liebsten Winter-Erinnerungen hervor gekramt.
2011 war ich im Januar/Februar zur Reha in Damp und habe es so sehr genossen, dass ich eigentlich jetzt gerne wieder da wäre. Aber leider hat die Defi-OP alles verzögert und ich muss mit dem Antrag warten, bis ich wieder in der Lage bin ein optimales Ergebnis zu erzielen. Damit verpasse ich diese Zeit der Ruhe, des beißend-belebenden Wind und der langen einsamen Spaziergänge.

Die Ostsee im Winter hat ihren eigenen Zauber und in Anlehnung an den heute frisch gefallenen Schnee hier mal ein paar Eindrück dieses Eiszaubers 2011

 

Damp Ahoi

Mittwoch morgen komme ich ganz gut aus dem Bett – ich höre wie Damp mich ruft und bin zügig aus dem Hotel verschwunden. Aus Hamburg selber nicht ganz so schnell, irgendwie verstehen mein Handy und ich uns noch nicht so ganz und ich befinde mich das ein oder andere Mal zu weit rechts oder links, um den Wechsel in die richtige Richtung zu schaffen – bei 6-9 Spuren vielleicht verständlich. Schlussendlich bin ich aber bald auf der A7 und vernichte die letzten 100 Kilometer ohne weitere Probleme. Noch freue ich mich über alles Bekannte am Wegrand, aber dann beschleicht mich ein komisches Gefühl, als ich die Häuser über den Bäumen entdecke… Sind meine Erwartungen zu hoch? Wie ist es diesesmal, so ohne Anette, Conny, Manni und Renate? Was für Leute treffe ich diesesmal? Kurz vor der Schrank ist die diffuse Angst so groß geworden, dass ich am liebsten umdrehen möchte… Aber da kneifen ja bekanntlich nicht gilt, suche ich mir einen Parkplatz vor dem Haus Pamir und schleiche durch die Drehtür Richtung Empfang. Auch so ein ‚kennst du doch‘ Erlebnis – die extrem langsame Tür entschleunigt hier jeden. Oder regt ihn auf, weil er knappe Termine hat….

Das Einchecken geht fix, die meisten Abläufe kenne ich ja auch noch, so dass viele Erklärungen nicht nötig sind. Mein Arzt-Termin ist in 35 Minuten und mir bleibt vorher gerade noch Zeit, die erste Fuhre aus dem Auto zu holen und das Zimmer in Besitz zu nehmen. In der 12. Etage, rechte Gangseite, direkt hinter der zweiten Feuertür geht es in den nächsten Wochen zu Babetts Zuhause. Irgendwie kommt man um diese Bezeichnung nicht herum, solange man hier ist – alles gut liebe Familie, mein Zuhause ist immer noch in Velbert, aber für eine Weile habe ich nun ein Zweites. Damit ich mich auch wohlfühlen, habe ich das Auto vollgepackt mit allem möglichen Kram, nützlich oder auch nicht und habe mit 4Mal rauf, runter und ein wenig Zeiteinsatz meine Wohlfühloase geschaffen. Und da ich mit der besten Mutter der Welt gesegnet bin, habe ich sogar einen Sonnengruss im Zimmer vorgefunden 🙂


Mein Ärztin ist nicht da und ich werde von ihrem Vertreter begrüßt und eingestuft. Leider kennt er sich mit Sarkoidose und meinen Problemen nicht so aus und kann die ganzen Zusammenhänge nur schwer einschätzen. Daher ist der Plan, den ich am nächsten Morgen in den Händen halte sehr …. unanstrengend. Nun ja für den Start soll mir das genügen – Donnerstag ist eh Sportfrei, da ich ein Langzeit-EKG und Blutdruckmessgerät mit mir herum trage. Dazu gibt es noch das ein oder andere Seminar zum Thema Essen, Diabetes und Herz-Kreislauf…. Im Großen und Ganzen kaum neue Informationen für mich, aber trotzdem ist die Auffrischung kurzweilig. Neu und spannend dagegen ist meine erste Therapie am Freitag, auch wenn ich zunächst gar nicht weiß, was sich dahinter verbirgt – Ergotherapie-Paraffinbad. Hm nun ja. Immerhin bekomme ich am Treffpunkt Aschenbecher eins raus: Es geht um meine Hände!

Genauso ist es auch – ich tauche meine Hände bis zum Handgelenk in flüssiges Paraffin bis ich quasi Paraffinhandschuhe anhabe. Der erste Tauchgang ist erschreckend heiß, aber schon bei der zweiten Hand merke ich es nicht mehr so. Zusätzlich werden die Patscher nun in ein Handtuch gewickelt und ich bekomme ganz viel Informationen über die Wirkung auf schmerzende und ungelenke Hände. Positiver Nebeneffekt ist die Pflege für meine Flechte…. Immerhin, der Doc hat gut zugehört, immerhin ist es das erste Mal, dass meine Gelenk und Muskleschmerzen Beachtung finden. Im Anschluss machen wir dann noch ein paar Übungen mit den Fingern, die ich ab jetzt immer mal durchgehen soll. Gar nicht so einfach, manchmal glaube ich, es ist nicht mein Körperteil, dem ich da versuche Befehle zu geben. Aber meine Therapeutin tröstet mich und sagt es würde besser mit der Zeit. Nun ja, dafür sind Übungen ja auch da, nur ich bin mit mir selber nicht gerade großzügig und geduldig…. Mit dem Abschließenden Rat, mal für ein paar Wochen auf schmückendes Finger-Blingbling zu verzichten, damit die Fingerwurzeln sich mal erholen können bin ich dann entlassen und tapper weiter zur Herzgymnastik – Coronare Hocker Gruppe 25?!! Mal davon abgesehen, dass ich ein bekanntes Gesicht vor mir habe, bin ich ziemlich befremdet bei dem, was mich erwartet. Auch wenn die Dame sich nicht mehr an mich erinnern kann, so merkt sie doch recht schnell, dass ich mit Sitzgymnastik für frisch operierte Herzpatienten unterfordert bin. Leider muss ich bis Montag auf eine Anpassung warten, aber auch ein bisschen Bewegung ist eben Bewegung und so schwenke, trampel und tippst ich fleißig mit meinen Mitstreitern im Takt.  Wenigstens habe ich mir jetzt das Gefühl „erarbeitet“ den Freitag Abend verdient zu haben. Der Seufzer „Wochenende“ ist erst Samstag Mittag erlaubt, vorher geht es noch in ein Seminar und auf den Hocker …

Jetzt geht es zu Tinka auf den Grossparkplatz am Ortseingang, da ich in Eckernförde noch eben ein paar Kleinigkeiten besorgen möchte – unfassbar, aber trotz dem ganzen Gelumpe im Gepäck habe ich ein paar Dinge auf meiner Liste, die mir fehlen 🙂

Die Welt ist ein Dorf

Heute ist es endlich so weit. Mit einem kleinen Zwischenstopp mache ich mich auf in meine Reha. Seit September ersehnt, gekämpft und irgendwann gewonnen. Nicht das irgendwer an der Notwendigkeit gezweifelt hat. Aber der es bezahlt, der darf auch mal den Nutzen anzweifeln. Da ich allen Vorhersagen zum Trotz wieder arbeite, kann auch der Gutachter nur noch abnicken und den Erhalt meiner Fähigkeit befürworten.

Ich bin auf dem Weg nach Damp! Mit Kenntnis meiner Grenzen plane ich einen Zwischenstopp ein und kann das Schöne und das Nützliche einbinden. Ich plane eine Nacht bei Anette kurz vor Hamburg. Fast 5 Jahre haben wir uns nicht gesehen und freuen uns auf einen ordentlichen Klönschnack. Leider kommt es anders, da ihre eigene Gesundheit meine Übernachtung zu einem nicht machbaren Kraftakt macht. Gott sei Dank hält sie sich an unseren Schwur, immer ehrlich zu sein und Stopp zu sagen. Als Alternative suche ich mir ein Hotelzimmer im Norden von Hamburg – so muss ich morgen früh nicht durch die Stadt und ich kann mir ansehen, wo mein Sohn diesen Monat hinzieht. Mein Schwur, diese Station in Hamburg nicht genauso zu verpassen, wie die anderen in den Jahren zuvor, scheint zu gelingen. 

Okay, das Hotel ist etwas weiter entfernt, als ich dachte und er selber wird auch erst morgen hier aufschlagen, aber ich bin in der Nähe! Ungeachtet der Tatsache, das mein Navi natürlich heute morgen beim Start seinen Dienst aufgibt, das mein Handy kurz vor Hamburg schreit „meine Batterie ist alle“, ich komme in Etappen ans Ziel. Wenigstens habe ich (und ich habe mich noch beschimpft für „brauchst du nie im Leben“) eine Halterung für’s Handy gekauft, so dass ich die Karten App benutzen kann! Auf meiner Kartenmappe – antiquierte Papierversion – steht ein DM Preis!

Statt einer Nacht, halte ich für einen ausgedehnten Kaffee bei Anette an. Es redet sich, als wären wir erst gestern in Damp gewesen. Ich könnte Stunden da sitzen, aber meine Knochen erinnern mich zeitig daran, dass es Not tut, den Wagen in die Ecke zu stellen, damit ich meine Tabletten nehmen kann. Die Erfahrung hat mich leider gelehrt, dass mein Medikamenten-Cocktail am Abend sich nicht mit Konzentration und Verantwortung verträgt. Also verabschieden wir uns viel zu schnell, aber trotzdem mit nicht ganz so großen Problemen. Wir wissen beide, dass vor uns eine gute Zeit liegt. Sie ist in Urlaub in Norwegen und ich bastel an meiner Konstitution und Gesundheit. Unser Plan:auf meinem Rückweg werden wir mehr Zeit füreinander haben.

In Hamburg wird es dann doch noch spannend mit der Navigation. Warum auch immer – mein Handy zeigt zwar den Weg, gibt aber keinen Ton von sich, Hamburg ist voll und ich habe Probleme schnell genug zwischen Straße und Handy hin- und her zu schauen. Aber irgendwie lande ich am Hotel – nur, wohin mit dem Auto? Wenigstens kann ich kurz halten, Einchecken, meinen Übernacht-Koffer und den PC auf’s Zimmer bringen, bevor ich mich auf die Suche mache. Mittlerweile habe ich mein Firmenhandy in Betrieb, damit ich später noch genug Saft habe um Zuhause anzurufen. Ein kurzer Umweg zeigt mir, wo ich den Sohnemann dann demnächst finde und schließlich  ist da auch einen Parkstreifen, der nur wenige Minuten vom Hotel entfernt ist. Schnell suche ich zusammen, was wertvoll aussehen könnte, freue mich über die Strassenlatterne über dem Toyota (kleine ergänzende Diebstahl-Sicherung) und gehe zurück zum Heikotel. Der Tag lässt mich meine Vorsätze vergessen – mit dem wertvollen Kram beladen, musste ich meinen Saft, den halben Bagel und die Käsedose im Auto lassen… Also gehe ich in die Hotelbar um wenigstens einen Drink zu nehmen und ein paar Salzstangen zu knabbern.

Ähnlich wie in Schottland ist hier Portier und Barkeeper eine Person und ich werde freundlich willkommen geheißen, da sich die Dame freut, dass ich mein Auto unter bekommen habe. Außer mir sitzt noch ein Herr in ähnlichem Alter in der Bar und wir sind recht schnell im Gespräch. Über das Thema Großstädte, Geschäftsreisen, Umzüge und ähnliches (warum auch immer, ich mag nicht darüber reden, warum ich hauptsächlich hier oben in und beziehe mich auf den Wechsel meines Großen) kommen wir schnell an den Punkt, dass wir beide aus der selben Ecke kommen.

Also geht es los mit den Vorzügen von Düsseldorf, Autobahnen etc. und ich bin schon sehr erstaunt, dass ich hier jemanden treffe, der auf Anhieb weiß, wo Velbert liegt. So geht es eine Weile weiter und schließlich kommen wir an den Punkt, wo er mir seinen Beruf erklärt. Naja, er denkt, er muss es erklären, so ist er es gewohnt. Irgendwie erstaunt es nun ihn, dass ich recht genau weiß, was er macht. Die Erklärung hierzu, dass mein Bruder so ziemlich den gleichen Job hat, ist noch neutral. Als er dann zwei Firmennamen nennt und ich ihm sage, dass bei der einen mein Bruder immernoch arbeitet und bei der anderen meine Mama und mein Bruder gearbeitet haben, fällt er fast vom Barhocker….. Danach macht er sich einen Spaß daraus, mich Rätseln zu lassen. Und es hilft nichts, genauso wenig, wie er mich erkannt hätte, erkenne ich ihn obwohl wir einiges zusammen erlebt haben in grauer Vorzeit. Als er endlich seinen Namen sagt muss ich auch lachen und gemeinsam bestellen wir noch einen Drink um auf dieses Wiedersehen, den Zufall und das Dorf Welt anzustoßen. Schlussendlich lande ich mal wieder später auf dem Zimmer und im Bett als geplant, hatte aber einen interessanten Abend und wünschte ich könnte jetzt das Gesicht meiner Mama sehen….. Mal sehen, ob sie besser rät als ich, wenn sie das liest 🙂