Entschleunigen in Puerto del Carmen

Was für ein Hallo! Um 8:30 mischen vier verrückte Ladies die Anlage auf. Aber die anderen Gäste nehmen unsere Wiedersehen Freude gelassen. Schnell sind die Betten und Schränke zugeordnet, die Anlage inspiziert und die ersten Dinge ausgepackt. Jetzt heißt es umziehen und den Hunger stillen, der uns alle erfasst hat.

Gemeinsam gehen wir zur Promenade, halten einen kleinen Quatsch mit dem Werber des Fischrestaurants auf halbem Weg und schlendern von Bar zu Restaurant zu Bar… Priorität für heute ist zwar satt werden, aber eigentlich auch auf spanische Art. Der freundlich Engländer hat keine Chance uns sein Angebot zu verkaufen. Aber er landet auf der List „Frühstück möglich“.

Auf eine schöne Woche

Wir schlagen das „Las Vegas“ aus, ignorieren den verlockenden Inder, ziehen Terri fort vom Japaner und landen bei einem eher unscheinbaren Spanier. Auf leicht erhöhtem Niveau erhaschen wir sogar einen Blick auf das Meer, welches sich auf diesem Abschnitt meist hinter der Bebauung versteckt. Die Karte bietet allerlei Köstlichkeiten und neben Tapas, Fisch und Fleisch auch Pizza und Pasta. Hier sollte also jeder etwas finden. Ausgehungert stürzen wir uns auf ein paar geteilte Tapas und für ein Foto der Köstlichkeiten reagiere ich zu spät. Alle 5 Schälchen sind ratzeputz leer. Fleischbällchen in Tomatensoße, Gambas in Knoblauch Öl, Chorizo in Weinsosse, Fischkroketten und Knoblauchbrot mit Käse versprechen einen gigantisch leckeren Hauptgang. Nur das Entscheiden fällt schwer. Terri und ich werden teilen, so gibt es s mehr zum probieren – die Paella ist perfekt, die Muscheln in Marinade köstlich und auch die Canary Potatos sind lecker. Die typischen Soßen dazu begeistern mich, Eves Geschmack treffen sie nicht ganz, aber ihr Tunfisch-Steak überzeugt voll und ganz. Auch Clare’s Salat des Hauses (Meeresfrüchte und frischer Fisch) ist nicht nur umfangreich, sondern lecker.

Köstlicher Hauptgang

Satt und zufrieden genießen wir das Abendleben um uns und beruhigen unseren bald platzenden Magen mit einem Carajillo (1 geteilt durch 3 reicht völlig). Ein köstlicher und preislich überzeugender Auftakt bei El Drago, den ich wärmstens empfehlen kann. Zurück im Club Maritima genehmigen wir uns noch einen Absacker und ein ausgedehntes Schwätzchen.

Blick auf den Hafen und Markt

Unser Frühstück ist durch und durch Englisch, wir halten unsere Zusage ein und gehen zu Shauna’s Bar. Hier bekommen wir auch ein paar Tips zur Tagesplanung. Der Begrüßungstreff im Club bereichert unser Wissen es steht fest, wir werden keine Langeweile haben. Ein Taxi bringt uns im Anschluss zum Hafen ganz im Süden des Orts. Hier ist heute Markt und wir stöbern ein wenig. Leider ist alles sehr auf Tourismus ausgerichtet und ich schaue umsonst nach typischen Marktständen mit Gewürzen oder anderen Köstlichkeiten. Immerhin entdecke ich eine kleine Lederwerkstatt, in der typische dreibeinige Hocker geschlagen werden (zu groß für mein Gepäck) und finde einen Verkäufer für die Keramik-Kacheln, die hier überall zur Beschriftung eingesetzt werden. In Ermanglung einer eigenen Finca die ausgeschildert werden muss, entscheide ich mich meinen ersten Magneten dieser Kunst zu widmen. Überflüssig zu erwähnen, dass wir jetzt alle Schuhe im Partnerlook haben 😂

Blick auf die Bucht

Kulinarische Meile oberhalb des HafensLangsam erklimmen wir die Klippe im Norden und quälen Terri mit schwierigem Gelände, aber der Blick unterwegs und oben ist es wert und wir genießen (etwas überteuert) einen Cocktail mit Aussicht (Restaurant Puerto Bahia). Die uns umgebenden Fischrestaurants bieten eine verlockende Fülle an Gerichten, für die gerade der fangfrische Fisch angeliefert wird. Ich hoffe hierher führt es uns noch einmal mit leerem Magen! Ein bisschen schlendern wir noch, dann reicht es für heute und ein Taxi bringt uns zurück.

Cocktails mit Aussicht

On the road

Pool time und Sonnenbaden runden unseren ersten Tag ab und wir entscheiden uns heute hier zu essen. Steaks für die Corby Ladies und Fisch für mich. Leider beschert mir die Happy Hour am späten Nachmittag nicht nur einen köstlichen Pastis, sondern auch einen heftigen Herzstolperer, so dass ich mich unmittelbar nach dem Essen verabschiede und 12 Stunden Schlaf an diesen Tag Anhänge….

Pool Time

Happy Hour

So lässt es sich leben
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Mars – Venus – Funkstörung

Alles klappt wie am Schnürchen – Uwe ist zwar wie immer früher wach als ich, aber scheinbar hat Fin gestern vergessen sein WLAN abzuschalten und so kann er sich tatsächlich die Zeit am iPad vertreiben. Wir räumen unseren Kram zusammen und gehen runter zu unserem letzten Frühstück im Crown & Anchor. Der Kaffee ist noch ein wenig dünner als sonst, aber wir sind dran gewöhnt und schauen nur noch nach vorne auf unsere Spa- und Luxus-Zeit in Edinburgh. Noch einmal checken wir die Route und bleiben dabei, dass Stonehaven ein guter Ort für die größere Pause ist. Während ich unser Frühstück bestelle checkt Uwe seine Emails – Und bäm, das war es mit der guten Laune.
Er findet eine Email von unserem nächsten Hotel – leider gibt es ein Problem und man muss uns 2 von 3 Nächten in einem anderen Hotel unterbringen. Sie schicken die Adresse und bitten uns, bei Fragen anzurufen. Wir sind vor den Kopf geschlagen. Noch vor 2 Tagen hat man uns angeschrieben, ob wir ein Upgrade wünschen (JA! es soll ja was ganz besonderes werden)!
Ein kurzer Check zeigt, dass das Ausweichhotel an einer ganz anderen Ecke liegt. Statt unserem leicht nostalgischen, alten Luxus-Hotel, welches viel Ruhe und Entspannung versprach, sollen wir nun in einen modernen Klotz – freundlich Familienhotel genannt – mit Trubel und riesen Räumen.. Und zusätzlich hieß das ja auch ein Umzug mehr – die letzte Nacht hätten wir ja im geplanten Roxburghe verbracht.
Schimpfend und brummelnd startet Uwe den treuen Audi und macht sich auf den Weg. Wir versuchen die Fahrt trotzdem zu genießen, was haben wir auch für eine Wahl.
Die Straßen meinen es gut mit uns und wir schaffen die ersten 150 Kilometer recht flott – zu einer frühen Mittagszeit erreichen wir das Zwischenziel. Während ich versuche mit der Kamera den zauberhaften Ort einzufangen, abzuchecken ob Uwe lieber im Hafen parken möchte und dem Navi zu sagen, dass wir danach zum höher gelegenen Dunnotar Castle wollen, damit es aufhört „Bitte wenden“ zu sagen, sind wir schon wieder aus dem Ort raus. Uwe möchte lieber einen kleineren Hafen und ein Möglichkeit zum anhalten hat er nicht gesehen. Nun ist auch meine Laune auf dem absoluten Null-Punkt. Am Castle würde der Parkplatz Geld gekostet – also weiter… Die nächsten 150 Kilometer fressen wir eher schweigend, lediglich beim Durchqueren von Dundee wird es etwas ‚wärmer‘ im Wagen.
Edinburgh erreichen wie dadurch am frühen Nachmittag. Trotz der Email Fahren wir erst zum gebuchten Hotel – so ganz einfach wollen wir das nicht stehen lassen, schließlich müssen wir ja auch irgendwo hin mit dem Auto. Das Roxburghe empfängt uns mit gediegener Atmosphäre und der Concierge – etwas erstaunt über meinen brummigen Ton – geleitet uns freundlich zur Rezeption. Die Dame am Empfang spult eine saubere Entschuldigung ab: Es täte ihnen entsetzlich leid, aber irgendein verschmutztes Wasser lasse die Benutzung einiger Räume einfach nicht zu. Selbstverständlich würde man für unsere Extrakosten aufkommen und wir können den Wagen bei Ihnen stehen lassen – unser Ausweichhotel das Macdonald Holyrood habe leider nichts frei – die Taxi-Kosten übernehme das Hotel und für die 3. Nacht würden sie sich etwas einfallen lassen…
Was bleibt uns anderes übrig, als anzunehmen? Also das Auto in die Tiefgarage, mit Hilfe 2er Angestellter aussortieren, was mit muss und ab ins Taxi. Da wir viele kleinere Taschen gepackt haben, die sich besser im Audi verstauen lassen, versteht sich von selber, dass mir schon nach wenigen Minuten die ersten fehlenden Dinge winfallen. Aber da war ist  zuspät. Wir stecken mitten im Irrsinn – anders kann man den Verkehr in dieser Stadt nicht beschreiben. Wir lassen die wunderschöne alte Stadt hinter uns, kreuzen die Royal Mile und enden am äußeren Rand der neuen Stadt vor dem … ja eben Klotz.
Da stehen wir mit unserem Haufen – ein freier Gepäckwagen ist nicht in Sicht und zu allem Überfluss fängt es an zu regnen wie verrückt. Der Concierge immt keine Notiz von uns – zu seiner Ehrenrettung komme ich später!! – und an der Rezeption dauert es auch eine Weile, bis man sich unserer annimmt. Egal wohin wir uns wenden, nichts kann uns versöhnen.
Ja, wir jammern manchmal auf ziemlich hohem Niveau und sicher ist dieses Macdonald Holyrood ein respektables Haus- aber eben nicht annähernd das, was wir wollen und bezahlt haben. Modern, laut, voll, am falschen Ende der Stadt und ungemütlich. Unser Zimmer ist okay – Platz genug, ein wenig herunter gekommen in den Ecken und an der Decke, die Klimaanlage funktioniert auch nicht. Der mittlerweile aktivierte Concierge bringt uns das Gepäck, erläutert, dass die Klimaanlage sicher nur etwas Zeit braucht um anzulaufen. Und er bietet an, doch bei ihm vorbei zukommen, damit er uns helfen kann unsere Wege von dieser Ecke aus zu planen – er ist schon sehr nett! Nur leider absolut überlastet. Durstig und missmutig, da auch das ‚free WiFi‘ nicht mit unseren Apps kommunizieren will, sind wir zügig wieder in die Halle. Leider gibt es kein anderes WLAN, erklärt uns die Dame an der Rezeption. Und von dem Herrn sehen wir nur den Rücken, da er permanent irgendwo helfen muss – er tut uns gerade mächtig leicht. Also mache ich mich eigenmächtig hinter seinem Tresen am Info-Material zu schaffen und ergatter einen Stadtplan und Infos über Sightseeing-Busse. Ich möchte erstmal eine rauchen, dann wollen wir eine Kneipe suchen. Leider kommt wieder das „Mann-Frau-Kommunikations-Problem“ zum tragen. Statt den Pub direkt nebenan aufzusuchen steuert Uwe um die Ecke Richtung Royal Mile. Okay, denke ich, etwas schöner könnte es ja sein, also hinterher. Jeder unter seinem Schirm, geht es den Berg hinauf! Und weiter hinauf… ich bin ziemlich bald zurück gefallen und gebe auf Uwe irgendwas mitteilen zu wollen… Ich folge nur noch. Irgendwann wartet er dann doch und wir stehen im unteren drittel der Royal Mile. Ein geschäft neben dem anderen bietet schottische Kleidung und Unmengen an Souveniers an. Einige Geschäfte in guter, andere in günstiger Qualität. Auch einige Whisky Läden können wir ausmachen. Dazwischen einige einladende Restaurants und Pubs – trotzdem braucht es noch eine Weile bis Uwe ein Kneipe auswählt. Wir erobern einen der letzten freien Tische und ich organisiere uns 2 Cidre an der Theke. Unser Kommunikations-Problem packen wir mal für eine Weile zur Seite und versuchen anhand Stadtplan und Bus-Touren unsere nächsten 2 Tage in Angriff zu nehmen. So richtig begeistern können wir uns aber nicht. Der Regen, die vielen Menschen und das Hotel übertünchen alle positive Energie. Zunächst müssen wir morgen sowieso zum Auto, da wir einiges brauchen. Für heute einigen wir uns auf einen langsamen Spaziergang weiter die Royal Mile hinauf bis zum Casle um einen ersten Blick zu erhaschen. Auf dem Rückweg steht dann Abendessen an und den weiteren Abend wollen wir sehen ob in der Kneipe neben dem Hotel WLAN ist.
Der Spaziergang ist das Highlight unseres Tages – gemeinsam lassen wir die Stadt auf uns wirken, erforschen einen Whisky-Shop (ohne einzukaufen, weil die Preise sind exorbitant), lassen uns Regenschirme ins Kreuz hauen, schlängeln uns um tausende von Menschen, die mehr oder weniger das selbe tun wie wir. An der Burg angekommen werden wir leider ein wenig enttäuscht, da die Tribünen für das Tattoo im August schon aufgebaut sind und jeden Einblick versperren. Aber immerhin, wir sind oben angekommen und ab jetzt wird der Weg für mich leichter. Auf unserem Weg zurück erkunden wir auch Seitengassen und entdecken, dass Edinburgh auf 2 Etagen lebt und fährt. Es ist echt irre und beeindruckend. Tolle Gassen, alte Gebäude und Unmengen an Bussen und Taxis umgeben uns. Schließlich landen wir zum Essen in dem selben Pub, in dem wir vorhin was getrunken haben. Die Atmosphäre ist einfach sehr nett und wir geraten ins Gespräch mit unseren Tischnachbarn, Kalifornier, die nach Irland nun Schottland bereisen wollen. Ich traue mich ein zweites Mal an ein Haggis Gericht und bin wieder begeistert.
Wie geplant landen wir zum Ende des Tages in der Kneipe neben dem Hotel – eine sehr schön umgesetzte Studenten-Kneipe mit gemütlichen Sesseln und Sofas. Allerdings ist es sehr laut und die Musik trifft nicht wirklich unseren Geschmack. Uwe ist so lieb und holt die iPads aus dem Hotel und wir wollen beide ein wenig das wirklich vorhandene WLAN nutzen. Leider steigert sich über laute Musik und unterschiedliche Auslegung der iPad-Nutzung wieder die Spannung zwischen uns, das gesammelte Potenzial des Tages kocht wieder hoch und schlussendlich endet der Abend sehr unharmonisch.
Noch am Abend beschließen wir, unseren Plan an dieser Stelle zu begraben und Edinburgh am nächsten Morgen zu verlassen.

 

Wind und Wetter rund um die Spyeside

Bevor ich in den Tag starte, ein kleiner Rückblick auf den Abend. Es ist schon besonders in einer schottischen Kneipe die EM zu schauen, wenn Deutschland spielt. Uwe ist in seinem Trikot allein auf weiter Flur – irgendwann zeigt Fin ihm, dass er das eigentlich verbietet, aber mit einem Augenzwinkern gibt es heute eine Ausnahme. Am Ende des Abends ist auch dem letzten Gast klar, was das Wort „scheisse“ bedeutet, Uwe lernt, was Abseits und Schwalbe auf Englisch ist und hat eigentlich alle auf seiner Seite. Nun gut, da gibt es die einzelne Dame, die absolut zeitversetzt jubelt – später erfahren wir, dass sie halb Italienerin ist. Zum Elfmeterschießen geht Uwe raus, die Nerven liegen blank. Nicht lange danach folgen ihm zwei Schotten, ich glaube heimlich schauen Sie durch das Fenster weiter. Zum Ende gibt es Jubel und Uwe hat noch mächtig Spaß mit den anderen, wir werden beglückwünscht, als hätten wir selber gespielt. Auch die schottisch-italienische Dame herzt uns zum Abschied.

Der Morgen ist entsprechend mühsam und wir starten etwas langsamer. Ich darf meine Erfahrung mit Linksverkehr auffrischen und es klappt erstaunlich gut. Bevor wir die Küste erforschen geht es noch zum Schloss um die Ecke. Leider stehen wieder viele Treppen einer Besichtigung im Weg und wir beschränken uns auf die Küche im Erdgeschoss und den Garten. Als nächstes entdecken wir in einem Küstenort eine Ausgrabungsstätte und ein ziemlich windiges Türmchen. Wenn hier mal fertig gegraben sein sollte, dann kommt ein ziemlich großes Fort zu Tage. Im Moment haben die Leutchen erstmal meine Hochachtung, das sie bei Wind und Wetter nicht aufgeben ob der minimalen Fortschritte, die sie machen.

Die Küste gewährt uns einige schöne Einblicke und den ein oder anderen netten Ort, aber irgendwie will heute nicht der rechte Schwung kommen. Vielleicht sind wir auch zu voll mit spektakulären Highland-Ansichten… Nachdem wir unser erst gesetztes Ziel erreicht haben, entscheiden wir uns auf den Weg zurück zu machen. Ein bisschen packen und Ruhe wird uns nicht schaden. Mir bleibt der Trost, dass wir morgen Mittag in Stonehaven an der Westküste sind und ein Hafen, Steilküsten und eine sehenswerte Burgruine auf uns warten. Zeit sollten wir genug haben.

Auch zurück in Findhorn bleiben wir eher verhalten und müde, die Taschen sind zügig gepackt und im Auto verstaut. Wir trinken eine Kleinigkeit und gehen bald nach dem Essen ins Bett. Irgendwie sind wir uns einig, dass wir diese Nacht besser auf der Strecke verbracht hätten, statt noch einmal zurück zu fahren. Aber bei der Planung könnten wir ja nicht wissen, wie sich die Ausflüge hier gestaltet und wir jetzt leider einige Meilen doppelt fahren.

Ab jetzt geht es zurück

An diesem Morgen schleicht sich zum ersten Mal ein bisschen Wehmut ein. Wir wären gerne länger geblieben. Außerdem wird uns bewusst, dass wir ab jetzt auf dem Heimweg sind. Wenn auch im Schneckentempo 😉

Auf dem Weg zum Hafen bleibt uns genug Zeit um die Dämme mit den umliegenden Wracks anzusehen und ich kann mein Steintürmchen bauen. Diesesmal ist der Wunsch wiederzukommen sehr intensiv!

Wir erreichen den Hafen bei Zeiten und sehen, dass wir diesesmal gut beraten waren mit unserer Reserierung. Neben uns steht eine lange Schlange Fahrzeuge, die warten müssen, ob sie mitkommen. Aber die Crew schachtelt gut und beim Ablegen ist alles an Bord. Da es immer wieder regnet verbringen wir die meiste Zeit unter Deck und sind erstaunt, wie schnell es ans Anlegen geht.

Die Landschaft ist zunächst recht eintönig, zumindest nach all den fantastischen Eindrücken, die wir bisher gesammelt haben, aber das ändert sich bald wieder und wir folgen der Küste, freuen uns über den dichter werdenden Baumbestand, die alten Häuser entlang der Straße und machen einen kurzen Foto-Stopp an einem Schloss. Inverness passieren wir recht zügig, was ich nicht erwartet habe, aber wenige Kilometer weiter geraten wir in die Rush-Hour von Nairn. Eigentlich sieht es wie ein friedliches, kleines Nest aus… Tolle Häuser und ich würde gerne mal durch den Ort gehen. Aber irgendwer kam auf die Idee auf einer guten Meile unzählige Ampeln zu verteilen. Sehr ungewöhnlich und leider zeitraubend. Laut Navi verlieren wir gute 30 Minuten. Trotzdem erreichen wir unser Ziel Findhorn vor dem Abendessen und sind zufrieden.

Unser Hotel liegt an der Bucht und macht sofort Eindruck auf uns. Draußen gibt es einen Biergarten und ich entdecke eine Art Carport als Raucherecke – ich werde mal nicht nass… Natürlich muss man bei so einem originellen, älteren Dorfhotel Abstriche machen, aber solange sie sich, wie hier, nur auf die Zimmergrösse und enge knarrende Treppen bezieht, ist das völlig in Ordnung. Das Pub/Restaurant erweist sich als Goldgrube für meinen Wunsch, möglichst verschiedene, lokale Whiskey zu probieren. Die Speiskarte verspricht tolle Fisch-Genüsse und der Ort insgesamt versprüht einen angenehmen Charm. Es gibt eigentlich nur ein Problem – so langsam gehen einem die Superlativen aus….

Wir verbringen einen wunderbaren Abend, genießen köstliche Küche und ich entdecke einen weiteren Whisky für meine private Top-Liste. Außer uns sind einige Ortsansässige und eine größere Familien-Treff Gruppe da. Mit den Einheimischen komme ich ins Gespräch über meine Whisky-Suche, Fin der Wirt und Hotelbesitzer empfiehlt uns Wege um Nairn herum und in der Räucherhütte komme ich ins Gespräch mit Geordy. Nach dem kurzen Einleitungssatz über das Wetter fachsimpeln wir über Fluggesellschaften, Flughäfen in Europa und die Schwierigkeiten eine fremde Sprache zu verstehen, wen sie auch noch Dialekt gefärbt ist. Alles in allem ein gelungener Abend, der zum Ende leider von einer schlechten Nachricht aus der Heimat getrübt wird. Nachdem wir uns in unserem Zimmer sortiert haben übermannt uns recht bald der Schlaf – es war ein langer Tag und irgendwie merken wir, dass es eben ein wenig an Ruhephasen fehlt.

Heute ist der Weg unser Ziel

Heute geht es weiter nach Norden. Da wir einige Meilen hinter uns bringen wollen gehen wir recht früh zum Frühstück und sind zügig unterwegs. Bevor wir aber unser Navi mit dem ersten Etappenziel füttern fahren wir ein Stück zurück. Unser Stopp hier war nicht ganz ohne Grund gewählt, da wir Eilean Donan Castle ansehen wollen. Auch wenn es ein wenig regnet, genießen wir  den Spaziergang entlang des Ufers und die Sicht auf die Burg. Ein wenig enttäuscht stellen wir fest, dass sie nicht, wie gedacht,auf einer Insel steht, sondern mit einem massiven Bau mit dem Ufer verbunden ist. Eine Besichtigung verkneifen wir uns aber doch, das würde zuviel Zeit kosten. Nicht zum ersten und sicherlich nicht zum letzten Mal, stellen wir fest, dass unser Tour ein Schottland Schnupperkurs ist, der eigentlich an jeder Ecke Lust auf mehr macht.

Gairloch ist die Anweisung ans Navi und wir starten auf eine abwechslungsreiche Etappe. Auch wenn ich mich wiederhole, die Landschaft ist einfach der Hammer. Immerwieder erwartet einen eine Überraschung. Da wir heute quasi entlang der Highlands unterwegs sind, kratzen wir auch den Himmel an und finden uns ab und zu in Wolken wieder. Aber es bleibt ein Genuss, da nach der nächsten Kurve auch wieder die Sonne auf eines der zahllosen Loch scheint. Regenbogen, Schafe, Felsen und Farne werden unsere häufigsten Begleiter. Die Schafherde ist zwar recht klein, aber wir stecken tatsächlich auch kurz mal fest. So haben wir es uns erhofft.

In Gairloch genießen wir eine Zwischenmahlzeit mit Blick auf’s Wasser und ich versorge mich mit Home Made Ginger Bread… Nicht, dass ich weiß, wann ich es essen soll, aber ein Pobierstück gab es leider nicht. Gestärkt mit Smoothie und Tee beziehungsweise Kaffee und Steakburger geht es weiter nach Ullapool. Landschaftlich bleibt es wunderschön, zwischenzeitlich feucht von oben und vor allem immer unterhaltsam. Die Rückenschmerzen, die sich mittlerweile bei uns beiden eingeschlichen haben, wiegen nur halb so schwer, da wir einfach jede Minute unterwegs genießen.

In Ullapool teilen wir uns einen frischen Backfisch, schauen uns den Hafen an und beschließen uns nicht lange aufzuhalten. Aber es bleibt ein sehr netter Eindruck dieses kleinen Orts haften.

Was uns nun erwartet überrascht uns doch etwas. Wir wussten, dass unser Weg nun etwas einsamer wird, aber wie einsam??? Irre – selbst das Navi führt uns zwar sicher, aber ohne Straßen anzuzeigen durch das Nichts. Landschaftlich wieder ganz anders, weiter wunderschön, aber eben leer… Okay ein paar Schafe, Kühe und immer wieder mal ein Tierschutz Gatter kreuzen unseren Weg. Aber die Autos hätte man zählen können. Der Bewuchs,der uns bisher in Schottland begegnet ist, wirft die Frage auf, wovon man hier eigentlich lebt – keine bestellten Felder, woraus wird dann der Whisky gemacht? Wir beschließ diese Frage im Hinterkopf zu behalten und ihr auf den Grund zu gehen, wenn wir unseren Besuch in einer Destillerie machen. Unser Plan sieht hier Glenlivet vor, es ist einfach unser liebster Whisky bisher.

Auch der schönste Tag geht einmal zu Ende und wir erreichen die nördliche Küste und unser mindestens Ziel Durness. Je näher wir kommen, um so mehr achten wir auf B&B Schilder oder Hotels und was soll ich sagen, die sind hier echt dünn gesäht. Noch haben wir Zeit über, also entschließen wir uns der nördlichen Küste zu folgen und in den nächst größeren Orten nach Übernachtungen zu fragen… Auf diese Weise geht es weiter durch’s Nichts bis wir Tongue erreichen. Dieser Ort besitzt sogar mehrer Hotels, die leider alle ausgebucht sind. Aber wir sind weiter optimistisch und steuern jetzt Thurso an. Letztlich gewinnen wir dadurch einen entspannten Vormittag für morgen. Ab Thurso ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Fährhafen Gills, wo unsere Fähre am nächsten Mittag ablegt.

Auf der Hotelsuche bekomme ich wieder einmal bestätigt, dass die Schotten ein sehr freundliches Volk sind. Die Absagen sind alle nett verpackt. Einmal treffe ich auf jemanden, der mir ein Zimmer zeigt… Leider sind hier Toiletten am anderen Ende des Flurs und noch sind wir nicht verzweifelt genug dieses Zimmer zu nehmen. Aber die 10 Minuten Gesellschaft waren amüsant und bereichern meine Erinnerungen nachhaltig. Tatsächlich muss ich noch 3 Mal aus dem Audi hüpfen bis wir eine gute Nachricht erhalten. In einem Stadthotel in Thurso ist zwar alles belegt, aber das nette Mädel an der Rezeption organisiert uns ein Zimmer ein paar Meilen weiter in einem Schwesterhotel. Und überrascht uns mit ihren Deutsch-Kenntnissen. Schließlich beziehen wir ein Zimmer in Casletown, ca 15 Kilometer vor unserem Fährhafen für den nächsten Tag. Das Zimmer ist schnuckelig, das Essen schon wieder ein Traum , der Whisky weiterhin gut, nur die Kneipe ansich etwas zu… klebrig für unseren Geschmack. Während des Essens geraten wir in ein Gespräch mit zwei netten älteren Damen, die morgen auch auf die Orkneys übersetzten. Das erste Mal kratzen wir das Thema Brexit an. Trotz der Sprachbarierre verstehen wir uns blenden und bedauern gemeinsam das Wahlergebnis. Sehr deutlich merken wir nun, wie weit nördlich wir sind, da es eigentlich nicht wirklich dunkel wird. Somit verrechne ich mich etwas mit dem ins Bett gehen, was aber nicht weiter dramatisch ist, da wir ja morgen Zeit haben.