Willkommen 2020

Es ist wieder an der Zeit ein Jahr zu beenden. Und 2019 gehört sicherlich zu den Jahren, die ich beende ohne ihm Tränen nachzuweinen. Gleichzeitig beende ich das erste Jahrzehnt als Herzkranke – auch als es noch nicht bekannt war und nur ich wusste, dass etwas anders ist, so steht doch hinter jedem Gesicht der Wunsch und Glaube daran, dass es trotzdem ein tolles, lebenswertes Leben seien kann. So wie meine Eltern es dem kleinen Wurm sicherlich versprochen haben.
Nur die Starken bekommen schwere Wege – so ähnlich habe ich es gelesen und 2019 reiht sich ein um mir zu zeigen, dass ich wohl zu diesen gehöre..

Es war nicht mein schlechtestes Jahr. Beruflich gesehen hat es mir neue Aufgaben, Herausforderungen und Chancen gegeben. Zusätzlich endet es mit einem neuen Chef und veränderten Perspektiven. Welcher Weg sich schlussendlich wirklich auftut bleibt eine Frage für 2020, aber ich bin mir sicher für jeden der möglichen Wege das Rüstzeug zu haben.
Gesundheit und Entscheidungen gehen bei mir ja schon lange Hand in Hand, ein gutes Gespür für das was mein Körper mir sagt gehört da einfach dazu.
So ist es auch nicht wirklich überraschend, dass ich meinen Kopf ab und zu über das Herz stelle, über das emotionale Herz um das physische zu schützen.

Eigentlich gab es einen Lichtblick nach meinem Krankenhausaufenthalt über Ostern und ich konnte zumindest einige wenige Wochen mit ungewohnter Power genießen.
Für diese Wochen bin ich sehr dankbar, aber entsprechenden ungeschützt mit über 200 Sachen gegen die Wand geprallt, als sie ein jähes Ende gefunden haben und ich einige Zeit wieder einmal fürchten musste, dass mein Herz nun endgültig aufgibt und die neu geschlagene Narbe nicht verkraftet.
Ein Defi ist halt in der Lage dein Herz weiter schlagen zu lassen, aber nicht es zu heilen und eigentlich immer geht ein Stück unwiederbringlich kaputt wenn er zum Einsatz kommt.

Und so hat mir das Karma eine Entscheidung abverlangt.
Es gibt Ängst im Leben, denen man sich stellen muss und egal ob es um einen Schnorchelausflug, eine Seilbahnfahrt, eine neue Aufgabe, eine Diagnose oder Begegnungen mit Menschen angeht, ich stelle mich diesen Ängsten.
Aber ich habe auch gelernt, dass es Ängste gibt, denen ich mich nicht stellen muss. Ängste, die mich vor Gefahr warnen, der ich aus dem Weg gehen sollte. Und in diesem Jahr war es an der Zeit einigen unnützen Ängsten endgültig den Rücken zu kehren. Türen zu schließen um die Dinge in Angriff zu nehmen, die ich wirklich tun muss, und Dinge auszuschließen, die mich in Gefahr bringen, mein Herz schädigen und meine Lebensqualität massiv verschlechtern.
Keine einfach Lektion, aber da die Auslöser noch heute mein Herz schlechter schlagen lassen, eine sehr nachdrückliche.
Das Karma manchmal einen seltsamen Weg geht und scheinbar einen Sinn für ausgleichende Gerechtigkeit hat, hätte ich nie erwartet, geschweige denn erhofft, da Schadenfreude noch nie zu meinen Freude-Quellen gehört hat.
Vielleicht wollte das Karma mir einen Weg bereiten, Komplikationen aus dem Weg nehmen, so dass ich ein Chance hatte meine Ängste wirklich zu sortieren und bewerten zu können. Dafür bin ich dann doch dankbar, schließlich hat es geholfen Türen wirklich zu schließen. Ebenso dankbar wie für die Freunde, die mir geholfen haben diese Wochen zu überstehen und aus dem Loch wieder herauszufinden, in dem ich mich wiedergefunden habe.

Und jetzt gehe ich ins Jahr 2020 mit dem einen festen Vorsatz:
noch stabiler werden, weiter aufräumen in meinem Leben – sowohl im tatsächlichen als auch übertragenen Sinn, offen sein für Dinge die hinter den nächsten Türen liegen und an mich zu Glauben. An meine Fähigkeit und mein Gespür für Dinge die mir gut tun. Mit ein wenig Erfolg in diesen Dingen werde ich auch in der Lage sein meinen Freunden, meiner Firma und dem Unbekannten auf meinem Weg etwas gutes Zurück zugeben.

Leben in Begleitung

Vor 9 Jahren habe ich ja gesagt… Ja zu einem Begleiter, der auf mich aufpasst, mich überwacht, mich einschränkt, ab und zu behindert, der aber auch mein Leben schützt… vor einem Jahr musste der Begleiter ausgetauscht werden und wie es so ist, dauerte es eine Weile bis sich alles eingespielt hat… der Neue ist ein bisschen größer, tickt ein wenig anders, hat verbesserte Fähigkeiten und lässt mir zumindest ein bisschen mehr Freiheit.

Klingt spannend, vielleicht mysteriös und nach wichtig mit Personenschutz. Aber tatsächlich ist es der Bruder des Herzschrittmachers, von dem hier die Rede ist. Da mein Herz gerne mal stehen bleibt oder flimmert wurde ich überzeugt mein Leben von einem ICD (Implantable Cardioverter Defibrillator) überwachen zu lassen. Anders als der Schrittmacher der permanent den Takt gibt, dümpelt dieser Defi in meiner Achselhöhle und wartet ab. Er ist auf bestimmte Signale programmiert die ihm sagen, wann er eine Aufzeichnung machen, wann er den Takt vorgeben oder sogar einen Schock abgeben muss.

In den ersten Monaten hatte er noch viel Takt-Arbeit zu tun, aber mit der Zeit waren meine Medikamente so eingestellt, dass mein Herz von alleine wieder in den Takt kam. Die Flimmer-Phasen wurden selten, der Stillstand in der Regel so kurz, dass das Gerät kaum wach wurde. Auch war mein Defi gut erzogen und hat nicht unnötig gearbeitet. Lange Zeit kannte ich ‚den Schock‘ nur aus Erzählungen anderer Betroffener, deren Gerät auch gerne mal mit einer Fehlzündung schockt. Seit ich einmal wirklich einen solchen Schock bekam bin ich dafür noch viel dankbarer.
Trotz dieser Lebensversicherung bin ich angehalten mein Herz zu schonen, da mit jeder Attacke ein Stück Herz stirbt und die Lebensqualität massiv leidet. Somit habe ich vielen Dingen, die mir eigentlich Freude machen adieu sagen müssen – Immer wieder muss mein Verstand meinen Bewegungswunsch zügeln.. keine Anstrengung, keine große Aufregung, kein voller Terminplan… manchmal geht es einfach, manchmal ist es schwer. Aber ich lerne es und streiche so Sachen wie Fallschirmspringen, Kunstflug und Gardetanz von meiner Buket List. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber die Lektionen nach einer Überlastung wiegen schwer und begünstigen den Lernprozess.

Mein Herz, der Defi und ich wir kannten uns wirklich gut und meistens wusste ich, was eine Kreislauf- oder eine Herzattacke war. Als vor einem Jahr die Batterie fast leer war hieß es Abschied nehmen: nicht ganz ohne Komplikationen wurde ein neues Gerät eingesetzt. Der Wohnort in der Achselhöhle war eher ungewöhnlich für die Chirurgen und die OP hat viel mehr Zeit und Blut gekostet, als geplant. Dafür war mir der Fremdkörper schnell wieder vertraut und es schien eine ruhige Sache zu werden mit uns beiden. Zu Beginn noch viel zu ruhig, da ich mich nur schlecht erholt habe, aber nach einer Medikamentenumstellung ging es mir ein paar Wochen sogar richtig gut. Mein Kreislauf war besser und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich so fit, wie ich auf viele wirke. Langsam lernte ich auch wie der neue Defi tickt und das bei gleichen Signalen andere Therapien des Geräts erfolgen. Was mich am Anfang irritiert hat war schon bald ein Segen, denn leider ist das Leben unberechenbar und es liegt nicht immer in der eigenen Hand, wieviel Aufregung einem begegnet.

Gestern habe ich erfahren, dass mein Gefühl für meinen Körper mich nicht verlassen hat.. dank einer Panik Ende Mai musste der Defi Takt-Arbeit leisten, der Elektro Schock blieb dank neuer Programmierung allerdings aus. Nur mein Herz geriet aus der Bahn und es gab in Folge viel zu erzählen für ihn. Fast haben sich die Störepisoden verdreifacht. Mit Hilfe der Technik habe ich sogar einen Ausdruck, der mir zeigt, dass die Aufzeichnungen von ihm perfekt zu dem passen, was ich mir notiert habe. Natürlich macht es die Sache medizinisch nicht besser, aber es ist beruhigend zu wissen, dass ich auf mein Gespür richtig reagiere.
Auf dieses werde ich mich auch weiter verlassen müssen – Medikamente könnten nur in dem Rahmen eingesetzt werden, der mich wieder ins Kreislauf-Aus bringt. Also heißt es für mich weiter vorsichtig zu sein und das Herz möglichst umfassend vor weiteren Schädigungen in Form von Stress, Überanstrengung, Angst und Panik zu schützen. Und die Beziehung zum Defi zu pflegen, damit er schön brav da bleibt wo er hingehört…

Dummerweise hat der sich nämlich dazu entschieden dies nicht zu tun. Vermutlich ist die Verankerung nicht richtig befestigt und der Kollege ist aus der Achselhöhle ausgewandert. Er kommt nur mühsam voran und hängt jetzt deutlich versetzt rum… wenn er begreift, dass er eh nicht davon kommt, könnte unsere Beziehung 11 Jahre halten, ohne weiteren Eingriff. Zumindest sagt das die Hochrechnung der Batterieladung. Falls er weiter vorprescht muss er wohl neu verankert werden. Und da im Leben ja nun mal nichts einseitig ist, darf er nun meine Herz überwachen und ich seinen Aufenthaltsort 😉

Raustanzen

Kitsch-Kulisse Anfang Juni 2019

Das Leben verändert sich mal schneller, mal langsamer. Häufig so langsam, dass es fast langweilig wirkt. Und manchmal kommen die Einschläge wie Sperrfeuer. Ich denke jeder hat im Laufe des Lebens seinen Weg entwickelt, mit einem solchen Sperrfeuer umzugehen und es abzuarbeiten. Was aber, wenn dieser Weg versperrt ist, oder anders gefragt: was ich am mit am meisten vermisse, seit ich Herzkrank bin?

Karneval 2009 - Abtanzen mit Freunden Karneval 2009 – Abtanzen mit Freunden

Raustanzen! Das war meine Geheimwaffe – egal wie groß der Kummer war, mich jemand enttäuscht hat oder beruflich etwas schief lief. Musik an und tanzen, nicht denken sondern nur fühlen und bewegen, zur Not stundenlang.

Schon bevor ich wusste, was mir genau fehlt, hat ES gefehlt, schließlich hing ich relativ bewegungsfrei auf meinem Sofa fest. Und irgendwann, ein paar Wochen nach der Diagnose war das Wissen da, das ES nie wieder kommt.
Die meisten Menschen, die mich kennen, halten mich für einen positiv denkenden Mensch. Für jemanden, der wieder aufsteht und weitergeht… und sie liegen nicht falsch, ich denke das ist mein Motor in den letzten Jahren. Das möchte ich generell gerne weiter geben an alle, die zweifeln oder sich benachteiligt fühlen, denen es so viel schlechter geht und die Hilfe zurück auf die Füße brauchen.
Aber manchmal bin ich einfach müde und merke, dass ich langsamer weiter gehe, schwerer wieder auf die Füße komme. Gleichzeitig kommen die Einschläge scheinbar schneller… und so fühle ich mich seit einiger Zeit immer mal wieder vom Leben überfordert. So oft bestehen meine Tage nur noch aus einem Notprogramm – aufstehen, Katzen versorgen, an den Schreibtisch setzten, schnelles Essen und zurück ins Bett.

Im April war ich eine Weile im Krankenhaus um mit neuen Ärzten einen Weg aus dieser Spirale heraus zu finden. Neben der Erinnerung, wie viel besser es mir geht als vor 9 Jahren, haben sie mir die Hoffnung mit auf den Weg gegeben, dass ich mit ein wenig Geduld und anderer Medikation auch wieder etwas leistungsfähiger werden kann. Direkt im Anschluss hatte ich glücklicherweise Urlaub und konnte meine Energie statt in die Arbeit in Erleben stecken. Sogar in „einmal noch als Gardemädchen auf der Bühne tanzen“. Einen neuen Menschen hat das nicht aus mir gemacht. Und die große Veränderung kam auch nicht im Handumdrehen. Aber es war ein kleines Stück Weg nach vorne.
Kurz nach dem Urlaub ist die langsame positive Veränderung noch einmal mit Vollgas vor die Wand gefahren, Ende Mai hat mein Herz wieder richtig quer geschossen und nur mit viel liebevoller Unterstützung meiner Fliegerfamilie und meinem Herzenspatenkind Anni konnte ich einen weiteren Krankenhaus-Aufenthalt umgehen. Zeit um dem Rat meiner Ärzte zu folgen und einige dauerhafte, zugegeben schwere und schmerzhafte Abstriche zu machen und Veränderungen einzuleiten. Genau zum richtigen Zeitpunkt finde ich einen Satz in der neuen Guido: es braucht Mut und ein gutes Selbstwertgefühl, um sich für sich selbst zu entscheiden.

Fertig für ein Treffen mit Freunden Fertig für ein Treffen mit Freunden

Immerhin, es hat wieder funktioniert, die Sache mit dem Aufstehen! Ich muss zwar weiter genau überlegen, was ich lieber an Veranstaltungen und Spaß auslasse, aber letztes Wochenende konnte ich selber in die Eifel fahren um einen, für mich sehr wichtigen, Besuch zu machen. Donnerstag war ich nach über 6 Monaten endlich mal wieder in der Firma, statt nur an meinem Schreibtisch zuhause. Kleine Schritte, die hoffentlich Schule machen. Langsam kommt mein Herz wieder in eine erträgliche Bahn und ich finde die Tage etwas leichter. Raustanzen wird zwar weiterhin etwas sein, dass nur in meinem Kopf oder beim Zuschauen stattfindet, aber ich bin zumindest etwas stabiler und darf hoffen, dass es noch weiter Bergauf geht, wenn die große Hitze vorbei ist. Dann wird gute Laune Musik angemacht und statt raustanzen heißt es dann weiter ausmisten und rausschmeißen…. Pläne im Kopf und hoffentlich Geduld, Energie, Hilfe und Zeit um in kleinen Schritten trotzdem irgendwann am Ziel anzukommen!

Palma de Mallorca

Ich habe einmal mehr festgestellt – ich liebe diese Stadt! Jahrelang habe ich einen Bogen um ‚Malle‘ gemacht, vor ein paar Jahren dann die ersten Gassen gesehen und mittlerweile hat mich gerade diese Metropole in den Bann gezogen, ihr Umfeld meine Neugier geweckt. Ballermann war noch nie meins und es hat eine Weile gedauert, bis ich dieses Image von Mallorca ansich trennen konnte.

Heute möchte ich jede Ecke der Stadt einsaugen und in meinem Gedächtnis konservieren, so sehr nimmt mich die Architektur und das Leben gefangen. Balkone, enge Gassen, Farben, Händler, Restaurants, Gerüche, Kirchen….. ich fühle mich wie im Märchen. Alleine beim Schreiben begleitet mich die Qual der Wahl für ein paar Bilder. Chronologie und die meisten Titel müssen bis zuhause warten.

Natürlich ist es auch hier touristisch sehr erschlossen und mit Anpassung an die Gäste wird vieles verändert. Ich wäre ein Heuchler hoch 10, wenn ich die 2 Kreuzfahrt-Schiffe, die heute hier liegen nur beschimpfen würde, während sie mal eben gute 10000 Gäste hier her bringen, schließlich fahre ich selbst gerne auf dem Schiff von Hafen zu Hafen. Aber nichtsdestotrotz ist es bemerkenswert und erschreckend, wie sich die Stadt am Morgen füllt und zum Abend wieder leert. Die Welt ist kleiner geworden, je mehr wir reisen können.

Für ein paar Tage erhole ich mich hier von den letzten Monaten – die OP zum Defibrilator-Wechsel hat mich mehr mitgenommen, als erwartet. Das Monate dauernde Herzklopfen und die Schwindelanfälle haben viel Kraft gekostet und meine Zukunftsaussichten ziemlich eingetrübt. Sowohl im übertragenen als auch direkten Sinn ist meine gute (Aus)sicht geschädigt, Auto fahren und damit ein Stück Selbstständigkeit zum seltenen Luxus geworden. Um so dankbarer bin ich, dass die Tage im Krankenhaus mir zumindest eine Chance auf Veränderung aufzeigen. Weniger Medikamente bedeuten zwar mehr Herzstolperer aber auch mehr Energie – was ich ja schamlos ausgenutzt habe auf dem Jeckliner.

Wir schlendern eher Plan und Ziellos durch Palmas Gassen und tauchen ein in das müßige Leben. Maximale Tagesaufgabe ist es, den Mercat Olivar zu erreichen – nach ein paar Appetit anregenden Blicken auf die Obst, Fisch und Schinken Stände ergattern wir Platz und Tapas in der Bar del Peix.

Nebenbei erlaufen wir etliche Sehenswürdigkeiten rund um unser Boutique Hotel im Herzen Palmas. Schon mit dem Frühstück in den Baumkronen zeichnet sich das besondere dieser Tage ab.

Drei herrlich ruhige Tage vergehen so – wie immer im Urlaub viel zu schnell – zwischen unseren Kreuzfahrer Tagen.

Sarkoidose mit Herzbeteiligung

Manchmal werde ich gefragt, warum ich trotz meiner Erkrankung positiv denke…
Weil ich zum Beispiel nicht dieses Schicksal teile:
Mein Herz hat sich wieder erholt und ich musste nur sehr kurz darüber nachdenken das ich von einem Spenderherz abhängig sein könnte!
Bitte nehmt Euch die Zeit und schaut einmal was Sarkoidose „kann“ – Leider passiert es immer noch viel zu häufig, dass die Ärzte sie als ein Lungenerkrankung ansehen und somit als Ursache ausschließen und das sie verharmlost wird (falls sie überhaupt mal in Film und Fernsehn auftaucht)

To do or not to do!

Mal wieder Zwangsurlaub…. der Lebens-Jahrmarkt dieses Jahr ist endgültig zu turbulent für mein Herz. Aus dem ab und zu störenden Zusatzschlag im August ist ein dauerhafter Trommelwirbel geworden und manchmal habe ich das Gefühl mein Herz tanzt Polka. Wenn man davon absieht, das es ermüdet und ängstigt, so ist es auch noch extrem Schlaf raubend.
Gestern habe ich kapituliert. Natürlich nicht ohne Verhandlungen über die Bedingungen. Wäre ja nicht ich, wenn ich jetzt einfach aufgebe…. also gibt es einen Kuhhandel über den Rahmen der notwendigen Untersuchungen, die Arbeiten zuhause, die ich noch erledigen darf und wo ich mir jemanden suchen muss, dem ich dann zusehe und das absolute Maximum an Zeit, die ich auf meinen Job verwenden darf. Ich habe das Glück, dass mein Job nicht nur Last ist, sondern die Tüftelei über Projekten, die Fehlersuche etc. auch etwas heilendes für meine angekratzte Seele hat!

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Im Gegenzug dazu muss ich die selbe Zeit auf dem Sofa verbringen. Sollte normal nicht sooooo schwer sein, aber wer mich näher kennt weiß, dass ich nicht der Couchpotato bin….. irgendwie bastel ich, stricke, häkel oder wuseln vor mich hin während dann mal der Fernseher am späteren Abend läuft.  Also einfach Kampf-Kuscheln mit den beiden Süßen ist zwar schön, aber nicht gerade meine Parade Disziplin.
Umso mehr genießen Sie es gerade…. heute war es wirklich so schlimm, dass ich ab Mittags alle Termine abgesagt habe. Wie heißt es doch immer so schön? Die Arbeit läuft ja nicht weg… und Gott sei Dank haben alle, die heute was aus Mamas Wohnung holen wollten auch morgen Zeit. Wird dann morgen nur ein bisschen voller drüben. Stattdessen liege ich unter meiner neuen (gestern gekauft!) London-Kuscheldecke, auf meinem London-Bettsofa, schaue auf die Whisky Bar neben dem Fernseher und hab meine Utensilien auf dem UK Knie-Tischchen um mich…. es gibt tatsächlich in meiner, nun nicht mehr ganz so neuen Wohnung ein „Britisches Zimmer“ – alles orange ist weitestgehend verbannt und statt dessen findet sich hier jedes Andenken aus Corby und London, viel Union Jack, diverse DIY Lampen und dank der Aktion im Kaufland diese Woche ein paar ergänzende London Textilien. Nur fertig werden muss ich irgendwann noch. Durch die Wohnungsauflösung bei Mama ist hier nicht nur „Baustopp“ sondern zusätzlich Chaos, weil vieles erstmal in Taschen und Kartons hier einzieht, irgendwann die Schränke dazu nach kommen und/oder das Entsorgen einfach Zeit braucht da es gesichtet und geschreddert werden muss.

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Leider ist das Leben in unerwarteten Situationen besonders überraschend. Erstaunlich, wer dir hilft obwohl du es nie erwartet, geschweige denn gefragt hast, aber auch traurig, wer dir zwar sofort das Blaue vom Himmel verspricht und dann nie mehr gesehen/gehört wird. Zumindest konnte ich in den zweiten Fällen meine Kontakte ein wenig ausdünnen. Mein Leben ist jetzt lang genug und mit ausreichend Erfahrung versehen, um mir den Luxus zu leisten auf Blender, Schwätzer oder Sozial-Legastheniker zu verzichten. Ich bin schon länger nicht mehr der Esel, der das Möhren-Prinzip nicht kapiert… das Bild hierzu habe ich in einem anderen wirklich tollen Blog gefunden – schaut mal vorbei: http://ruppi-struppi.blogspot.de/

Davon abgesehen habe ich von Ärzten und heute in der Therapie den dringenden Rat bekommen, mich neben dem was sein MUSS mal eine Weile nur mit Dingen zu beschäftigen, die mir gut tun oder mich nach vorne bringen. Negativ und nach unten ziehend hatte ich ja erstmal genug.
Und genau das habe ich jetzt vor

  • Schritt für Schritt die Dinge angehen die sein müssen und dabei fest daran glauben, dass die Menschen in meinem direkten Umfeld die Guten sind und mir in den nächsten drei Wochen immer mal eine Stunde zu Hand gehen beim Kleidung eintüten, Kartons packen, Müll entsorgen, Sachen von 2 nach 8 schleppen, Nägel aus der Wand ziehen, Vorhänge abnehmen, Löcher bohren und umräumen
  • Ausreichend entspannen bei schönen Gesprächen oder beim Kuscheln mit den Katzen
  • Untersuchungen hinter mich bringen, die mich einer Lösung näher bringen
  • Kontakt zum Job halten, damit ich nicht irgendwann wieder in Emails und Fragezeichen ersticke, einen kleinen Teil im Team beitragen und meinen Kopf mit etwas beschäftige, was mir Spaß macht
  • Veranstaltungen besuchen, die mir Freude machen und mich weiter zurück zur Normalität bringen
  • Schöne kleine DIYs angehen – ist einfach kürzer als Bastelarbeiten – die mich stolz machen, meine Wohnung personifizieren oder einfach praktisch sind
  • Eine Schneiderin finden, die mir die Dinge zuende macht, die Mama für mich angefangen hat – schließlich soll zB der Anzug, von dem sie glaubt das er perfekt für mich ist auch fertig werden
  • Die grossen Räumungstermine einhalten und mich weiter mit Leuten rumärgern, die so eine Nachlass-Verwaltung kompliziert machen
  • Den wahrscheinlichen Eingriff bald machen zu lassen ohne hier völlig aus dem Takt zu kommen
  • Ein paar Tage ausbrechen und zu meiner Hamburg-Sippe fahren

Wenn ihr mich zwischendurch mal irgendwo dumm rum stehen seht, das Gesicht in die Sonne gedreht, murmelnd oder blöd grinsend, dann ganz vorsichtig anklopfen, weil dann rede ich gerade mit Mama!
Z.B. heute war ein regnerischer Tag, aber als ich von der Therapie zurück bin und kurz sehen wollte was Mamas neues Zuhause macht, hat die Sonne gestrahlt… sicher kennen wir alle die schemenhaften Bilder, die vor dem Auge entstehen, wenn man die Augen schließt nachdem man ins Helle geschaut hat…. und auch wenn es blöd klingt, heute war dieses Bild eine verschwommene Figur mit schulterlangen Haaren…. „ach“ sag ich zu ihr „machen wir jetzt einen auf Engel?“ Der nächste Teil war eines der geheimen Frauengespräche und dann haben wir beide gelacht, weil plötzlich um den Kopf der Gestalt ein Heiligenschein hüpfte…. den hat sie dann ganz schnell weggeschubst. Auch wenn sie für mich die Welt bedeutet, wissen wir ganz genau, dass ihre (wie auch meine) Art nicht wirklich zu heilig passt, dazu sind wir beide zu frech…

Keine Sorge ich drehe nicht durch, das ist einfach nur meine Brücke, das was mich über Wasser hält

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Liebe Hundehalter

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Hund, im Gegenteil meistens finde ich sie toll, aber es gibt eben Ausnahmen. Und selbst da neige ich dazu, die Hundeschule erstmal nicht als Mittel zur Hundeerziehung, sondern zur Hundehalter-Erziehung zu sehen! Oder anders ausgedrückt – das Problem ist an der Zwei-Beinigen Seite der Leine zu suchen….
Auf dem Heimweg vom Büro habe ich heute einige Beiträge zum Thema Hund gehört… Passend zum Welt-Hundetag, der genau genommen seit einer guten Stunde vorbei ist. Da ich mal wieder nicht schlafen kann nutze ich die Gelegenheit eines meiner jüngsten Erlebnisse passend zum Thema zu teilen:
Letzten Freitag war ich mit meiner Mama im ortsansässigen Baumarkt unterwegs. Ein Genuss-Bummel, da wir beide einen wirklich guten Tag hatten! Die Gelegenheit haben wir genutzt uns mit dem einzudecken, was man braucht um Garten und Balkon winterfest zu machen. Und mit dem ein oder anderen hübschen Dekozeugs, an dem wir gemeinsam selten vorbei gehen können. Damit Mama nicht unnötig ihre Puste verbrauchen muss, bin ich erstmal alleine an der Herbstdeko vorbei geschlendert und kurz vor meinem Ziel kläfft mich etwas von links unten an und sprintet auf mich zu. Am Ende der Leine hing eine ältere Dame, die sich völlig uninteressiert in eine andere Richtung drehte und es mir überließ dem zerrenden und geifernden Tier auszuweichen.
Was ich sicher gemacht hätte, wenn nicht mein Herz mit dem Schlagen ausgesetzt hätte. Das ist mein Körper mittlerweile ja leider gewohnt und schaltet in dem Moment erstmal alles ab, bis der Muskel mit einem kräftigen Krampf wieder los legt. Wer mich nicht kennt, merkt davon eher nichts, was meistens ein Segen ist, mich aber in anderen Momenten echt ärgert, weil es so gedankenlose Menschen, wie diese Hundehalterin, davor bewahrt mal ernsthaft über die Folgen ihrer Hundeerziehung nachzudenken.
Nachdem ich mich wieder regen konnte habe ich natürlich einen sehr großen Bogen geschlagen, was gar nicht so leicht war, da die Dame offensichtlich gerne immer wieder neben uns auftauchte. Mit dem netten Bummel und dem guten Tag war es leider vorbei, da mich den Rest des Tages die Schmerzen in der Brust gequält haben und meine Tagesplanung im Eimer war – sorry Jörg ich hätte wirklich gerne richtig Geburtstag mit Dir gefeiert!

Im Nachhinein frage ich mich, ob es etwas geändert hätte, wenn ich mit der Frau geredet hätte. Ob sie wohl verstehen würde, dass diese feindseligen Kläff-Attacken einen Menschen mit angeschlagenem Herzen letztendlich sogar umbringen können? Ich glaube es war besser es nicht zu tun, weil ich sicher nicht rational und vernünftig mit ihr geredet hätte. Und ich muss zugeben, so wie sie sich in Folge mit dem Hund diversen anderen Besuchern in den Weg gestellt hat, machte es auf uns auch nicht den Eindruck, als ob es sie interessiert hätte. Aber mich in jedem Fall noch mehr aufgeregt.

Hund die bellen beißen nicht… Sagt man zumindest(auch da habe ich leider andere Erfahrungen gemacht).  Aber was man in keinem Fall sieht, ist was so eine Situation innerlich anrichtet. Es muss ja nicht direkt das angeschlagene Herz sein, aber es gibt genug Menschen mit Angst vor Hunden!

Deshalb, liebe Hundehalter, denkt nach ob ihr Eure Liebling unbedingt überall mithin nehmen müsst, ihr Benehmen einfach ignorieren könnt oder vielleicht doch mal gemeinsam lernt wie Hund und Besitzer als Team ‚geschäftsfähiger‘ werden können.

Damp Ahoi

Mittwoch morgen komme ich ganz gut aus dem Bett – ich höre wie Damp mich ruft und bin zügig aus dem Hotel verschwunden. Aus Hamburg selber nicht ganz so schnell, irgendwie verstehen mein Handy und ich uns noch nicht so ganz und ich befinde mich das ein oder andere Mal zu weit rechts oder links, um den Wechsel in die richtige Richtung zu schaffen – bei 6-9 Spuren vielleicht verständlich. Schlussendlich bin ich aber bald auf der A7 und vernichte die letzten 100 Kilometer ohne weitere Probleme. Noch freue ich mich über alles Bekannte am Wegrand, aber dann beschleicht mich ein komisches Gefühl, als ich die Häuser über den Bäumen entdecke… Sind meine Erwartungen zu hoch? Wie ist es diesesmal, so ohne Anette, Conny, Manni und Renate? Was für Leute treffe ich diesesmal? Kurz vor der Schrank ist die diffuse Angst so groß geworden, dass ich am liebsten umdrehen möchte… Aber da kneifen ja bekanntlich nicht gilt, suche ich mir einen Parkplatz vor dem Haus Pamir und schleiche durch die Drehtür Richtung Empfang. Auch so ein ‚kennst du doch‘ Erlebnis – die extrem langsame Tür entschleunigt hier jeden. Oder regt ihn auf, weil er knappe Termine hat….

Das Einchecken geht fix, die meisten Abläufe kenne ich ja auch noch, so dass viele Erklärungen nicht nötig sind. Mein Arzt-Termin ist in 35 Minuten und mir bleibt vorher gerade noch Zeit, die erste Fuhre aus dem Auto zu holen und das Zimmer in Besitz zu nehmen. In der 12. Etage, rechte Gangseite, direkt hinter der zweiten Feuertür geht es in den nächsten Wochen zu Babetts Zuhause. Irgendwie kommt man um diese Bezeichnung nicht herum, solange man hier ist – alles gut liebe Familie, mein Zuhause ist immer noch in Velbert, aber für eine Weile habe ich nun ein Zweites. Damit ich mich auch wohlfühlen, habe ich das Auto vollgepackt mit allem möglichen Kram, nützlich oder auch nicht und habe mit 4Mal rauf, runter und ein wenig Zeiteinsatz meine Wohlfühloase geschaffen. Und da ich mit der besten Mutter der Welt gesegnet bin, habe ich sogar einen Sonnengruss im Zimmer vorgefunden 🙂


Mein Ärztin ist nicht da und ich werde von ihrem Vertreter begrüßt und eingestuft. Leider kennt er sich mit Sarkoidose und meinen Problemen nicht so aus und kann die ganzen Zusammenhänge nur schwer einschätzen. Daher ist der Plan, den ich am nächsten Morgen in den Händen halte sehr …. unanstrengend. Nun ja für den Start soll mir das genügen – Donnerstag ist eh Sportfrei, da ich ein Langzeit-EKG und Blutdruckmessgerät mit mir herum trage. Dazu gibt es noch das ein oder andere Seminar zum Thema Essen, Diabetes und Herz-Kreislauf…. Im Großen und Ganzen kaum neue Informationen für mich, aber trotzdem ist die Auffrischung kurzweilig. Neu und spannend dagegen ist meine erste Therapie am Freitag, auch wenn ich zunächst gar nicht weiß, was sich dahinter verbirgt – Ergotherapie-Paraffinbad. Hm nun ja. Immerhin bekomme ich am Treffpunkt Aschenbecher eins raus: Es geht um meine Hände!

Genauso ist es auch – ich tauche meine Hände bis zum Handgelenk in flüssiges Paraffin bis ich quasi Paraffinhandschuhe anhabe. Der erste Tauchgang ist erschreckend heiß, aber schon bei der zweiten Hand merke ich es nicht mehr so. Zusätzlich werden die Patscher nun in ein Handtuch gewickelt und ich bekomme ganz viel Informationen über die Wirkung auf schmerzende und ungelenke Hände. Positiver Nebeneffekt ist die Pflege für meine Flechte…. Immerhin, der Doc hat gut zugehört, immerhin ist es das erste Mal, dass meine Gelenk und Muskleschmerzen Beachtung finden. Im Anschluss machen wir dann noch ein paar Übungen mit den Fingern, die ich ab jetzt immer mal durchgehen soll. Gar nicht so einfach, manchmal glaube ich, es ist nicht mein Körperteil, dem ich da versuche Befehle zu geben. Aber meine Therapeutin tröstet mich und sagt es würde besser mit der Zeit. Nun ja, dafür sind Übungen ja auch da, nur ich bin mit mir selber nicht gerade großzügig und geduldig…. Mit dem Abschließenden Rat, mal für ein paar Wochen auf schmückendes Finger-Blingbling zu verzichten, damit die Fingerwurzeln sich mal erholen können bin ich dann entlassen und tapper weiter zur Herzgymnastik – Coronare Hocker Gruppe 25?!! Mal davon abgesehen, dass ich ein bekanntes Gesicht vor mir habe, bin ich ziemlich befremdet bei dem, was mich erwartet. Auch wenn die Dame sich nicht mehr an mich erinnern kann, so merkt sie doch recht schnell, dass ich mit Sitzgymnastik für frisch operierte Herzpatienten unterfordert bin. Leider muss ich bis Montag auf eine Anpassung warten, aber auch ein bisschen Bewegung ist eben Bewegung und so schwenke, trampel und tippst ich fleißig mit meinen Mitstreitern im Takt.  Wenigstens habe ich mir jetzt das Gefühl „erarbeitet“ den Freitag Abend verdient zu haben. Der Seufzer „Wochenende“ ist erst Samstag Mittag erlaubt, vorher geht es noch in ein Seminar und auf den Hocker …

Jetzt geht es zu Tinka auf den Grossparkplatz am Ortseingang, da ich in Eckernförde noch eben ein paar Kleinigkeiten besorgen möchte – unfassbar, aber trotz dem ganzen Gelumpe im Gepäck habe ich ein paar Dinge auf meiner Liste, die mir fehlen 🙂

Aufgeben ist eben keine Option!

Manchmal dauert es einfach nur länger, bis man seine Vorsätze, Wünsche, Ziele umsetzen kann. Solange sie nicht von vornherein utopisch gesetzt sind, kann man es schaffen.

Als vor 6 Jahren plötzlich der Boden unter meinen Füßen verschwand und alle Aktivitäten die mir was bedeutet haben nicht mehr erlaubt oder möglich waren, da bin ich (wie wahrscheinlich jeder) durch die Phase des ‚ich will gar nicht mehr‘, über die ‚das schaffe ich nie‘ bis zu der ‚da will ich hin‘  gestolpert ohne wirklich zu wissen, was vor mir liegt. Irgendwie hangelt man sich halt durch. Was mir bald klar war, war das ich leben will und nicht vegetieren. Gerade für meine Mama war es sicher nicht leicht zu sehen, wie ich über die Stränge geschlagen habe, gegen die Wand angerannt bin und immer wieder gestrauchelt. Aber Aufgeben galt ja nicht. Als mich letztes Jahr der nächste Schub erreicht hat, sah es nicht so aus, als würde ich mein Ziel erreichen. Die nächste Hürde hat mal wieder kräftig an meiner Zuversicht gekratzt. Geholfen hat mir die Erfahrung der letzten Jahre, ganz nach dem Motto – aufstehen, Krone richten, weiter gehen. Als Prinzessin muss man das ja schließlich wissen 😉

Mit dieser Einleitung versteht ihr vielleicht, warum heute mein ‚Siegertag‘ ist. In vielen kleinen Schritten, mit Rückschlägen, Frustanfällen und ganz viel Unterstützung meiner Therapeuten bin ich heute gleich doppelt angekommen. Für viele mag mein Ziel lächerlich klingen, aber wer sich mit Herzschwäche, Sarkoidose, Bandscheibenvorfällen, Rheuma, Arthrose oder einer ähnlichen Erkrankung auseinander setzten musste, weiß wie bescheiden bedeutende Ziele werden können. Eigentlich wollte ich sogar 3 Dinge – meine alte Jogginstrecke sportlich angepasst zurück erobern, Kardiotraining vom Fahrrad auf den Cross Trainer verlegen und mehr als ein Musikstück durchtanzen.

Nach 6 Jahren habe ich zwei von drei Zielen erreicht!! Beide an einem Tag und wer weiß, wenn ich die Musik morgen auflege, klappt es vielleicht auch mit Ziel 3 – nur  heute bin ich echt durch… Zuerst war das Cardiotraining dran: endlich bekomme ich Unterstützung und darf den Crosstrainer mal testen – Ergebniss 5 min 24 sec bevor mein Puls zu hoch wird und ich aufs Fahrrad umsteigen muss. Aber – Hurra – das reicht um ab sofort immer mit dem CT anzufangen und den Umsteigepunkt nach hinten zu schieben, bis ich 15 Minuten den Puls unter 120 halten kann 🙂 da das Wetter besser ist als erwartet und ich viel freie Zeit habe schaue ich mir als Walkingstrecke heute die Route 2 an. Ich kann ja ganz viele Pausen machen. Theoretisch, praktisch schaffe ich es durchzulaufen – mit meinem eigenen Schneckentempo, aber ja, ich laufe 5,7 km am Stück und habe genauso viel Spaß wie früher beim Joggen ( und genausoviel Pudding in den Beinen hinterher). An dieser Stelle ein ganz dickes Danke, an alle, die mich auf meinem Weg hierher unterstützt haben! Wenn es mir gelingt, ein wenig davon in den Alltag zu retten, dann sollte ich für die nächste Hinterlist meines Körpers gerüstet sein. 

Mittlerweile liegen fast 5 Wochen Reha hinter mir. Einige Male zuvor habe ich einen Beitrag ins Auge gefasst, aber am Ende nie mehr als ein paar Stichworte geschrieben. Mein Plan mich aus dem Alltag mit allem was dazu gehört, auszuklinken hat nach Anlaufschwierigkeiten ganz gut funktioniert. Allerdings musste ich dafür auch einige Vorsätze über Bord schmeißen – wie zB den Blog mit mehr Bildern zu versehen: schmeiße ich den PC an, dann stürzt das Leben da draußen einfach auf mich ein. Nachholen kann ich all das Erlebte hier natürlich nicht, aber vielleicht gelingt mir ja eine erträglich lange Zusammenfassung.

Rund um die vielen Sporteinheiten, Seminaren zur Ernährung, Seminaren zum Thema Herz und Kreislauf, Arztterminen und Ergotherapien habe ich auch zwischenmenschlich wertvolle Erfahrungen gesammelt. Mein Bauchgefühl bei der Anfahrt war nicht ganz unberechtigt – so wie vor 5 1/2 Jahren war es nicht. Die Reha 2011 wird mein persönlicher Spitzenreiter bleiben. Trotzdem bin ich in keiner Weise enttäuscht und würde auch beim nächsten Mal wieder nach Damp fahren wollen. Die Therapie-Abteilungen sind einfach spitze und das Umfeld bietet rundum Urlaubs-Qualität.

Ich habe tolle Menschen kennen gelernt, mich mit Schicksalen beschäftigt, die mich dankbar für meines sein lassen und viele schöne Stunden verlebt. Ich habe auch Menschen getroffen, die ich gerne durchschütteln möchte, damit sie mal aus ihrem Wolkenkuckucksheim fallen, welche die dringend lernen sollten, dass eine Reha kein 5 Sterne Urlaub ist und natürlich die notorischen Nörgler. Alle diese Menschen wären einen eigenen Post wert, aber alle haben auch ein Anrecht auf Privatsphäre und daher bleiben all diese Geschichten in meinem Kopf. Nur das Highlight werde ich vielleicht irgendwann näher beschreiben, wenn ich die Genehmigung bekomme. Zum ersten Mal auf dem 24 Jahre langen Weg mit der Diagnose Sarkoidose habe ich in der Reha eine andere Sarkoidose-Erkrankte kennen gelernt. Ihr könnt Euch denken, dass dies für mich besondere Bedeutung hat.

Langsam geht es aber dem Ende zu und somit ist die Zeit gekommen wieder aufzutauchen. Eine der Abschließenden Aufgaben ist es, die Reha-Vorsätze zu überprüfen – was habe ich erreicht für mich. Den sportlichen Teil habe ich ja schon zu Beginn beleuchtet. Aber auch darüber hinaus bin ich der Meinung diese Zeit als Gewinn verbuchen zu dürfen. Ich habe alte Hobbies neu entdeckt dank der Anleitung meiner Ergotherapeuten, ich habe mich mit einigen unschönen Wahrheiten auseinander gesetzt und hoffe die Einsichten im Sturm des Lebens nicht wieder zu verlieren. Was jetzt folgt ist einfach das herüber retten all dieser Bausteine in den Alltag. Wobei das Wort einfach nicht mit leicht zu übersetzen ist. Stressbewältigung, genug Zeit und Kraft für die nötigen Sporteinheiten……. Mal sehen was übrig bleibt im Laufe der nächsten Monate