Einmal Prinz-essin zu sein

Das Stadtprinzenpaar 2018/2019 wird Inthronisiert

In Velbert haben wir traditionell ein Prinzenpaar. Und nur wenn sich kein Paar findet, kann es auch mal ein Prinz oder eine Prinzessin alleine sein. Bewerben kann sich im Prinzip jeder, hilfreich ist es aber einen Verein im Rücken zu haben, der einen unterstützt und Erfahrung mit dem Brauchtum. Die Entscheidung für ein Prinzenpaar wird vom Festausschuss Velberter Karneval e.V. 1957 (FVK) getroffen, der als Vertreter aller angeschlossen Vereine etliche wichtige Aufgaben im Velbert Karneval wahrnimmt.

Da ich in der Session 2009/2010 die Ehre hatte meine Stadt als Prinzessin zu vertreten bezieht sich vieles im Folgenden auf meine eigenen Erfahrungen, aber ich denke in groben Zügen treffe ich damit auch das Erleben anderer närrischer Oberhäupter.

In diesem Jahr wird unsere Stadt von Dennis I. und Jessie I. repräsentiert. Ergänzt wird unsere närrische Führung durch das Kinderprinzenpaar Ruben I. und Marika I.

Schon Monate vor dem ersten Auftritt wird viel Arbeit, Liebe, Herzblut und Ideenreichtum in die vielfältigen Aufgaben gesteckt. Die Begleitung wird zusammen gestellt, Fahrer gesucht, Sponsoren gewonnen und eine Art Rahmen für die Auftritte erdacht.
Nach der Vorgabe unserer Stadt (rot-weiß) wird die Kleidung angefertigt oder angepasst. Eigene und traditionelle Vorstellungen bestimmen das Aussehen bei allen Veranstaltungen – das Ornat wird quasi zur 2. Haut in der Session. Und wir alle wissen, dass Prinzessin sein einer der größten Träume vieler Mädchen ist, da ist dies eine sehr wichtige Entscheidung.

Pins von Kinderprinzen Paaren

Pins von Kinderprinzen Paaren

Die zweite große Anschaffung sind die Orden – jedes Prinzenpaar hat seinen Eigenen, den es während der Session verleiht. Meist fließen Hobbies, Verein oder die Stadt in die Gestaltung mit ein und somit auch viel Persönlichkeit. Zusammen mit dem Orden wird der Prinzen-Pin entwickelt. In der Regel eine kleine Ausgabe des Orden, der während der zahlreichen Veranstaltungen gekauft werden kann.
Der Orden hingegen ist ein Verdienst und die Verleihung eine Ehre.

Pins von Prinzenpaaren

Pins von Prinzenpaaren

Auch wenn ich im Laufe der Jahre (gerade als ich selber Prinzessin war) einige Orden verliehen bekommen habe, so kann ich doch zu jedem die Geschichte erzählen. Die Verleihung ist eine karnevalistische Kern-Tradition, die mit einer Zeremonie einher geht. Vielleicht ist sie manchmal nicht ganz so feierlich wie eine Ordens-Verleihung des Staats z.B., aber ein Karnevalist nimmt sie ernst und empfängt einen Orden mit Stolz und Achtung.

Beide Orden spiegeln Hobbies und die Stadt wieder - als Pin sind sie auf den oberen Bildern zu finden

Beide Orden spiegeln Hobbies und die Stadt wieder – als Pin sind sie auf den oberen Bildern zu finden

Vor der Session finden sich schon viele Termine in den Kalendern zu denen sich die designierten Prinzenpaare einfinden um Gespräche zu führen und weitere Sponsoren zu werben. Offiziell werden sie im Herbst im Rathaus durch den Bürgermeister der Presse und Öffentlichkeit vorgestellt.

Richtig los geht es als Prinzenpaar mit der Proklamation, die im Idealfall am oder nach dem 11.11. noch im November stattfindet. Die Veranstaltung kann von jedem besucht werden, Karten sind über den FVK erhältlich. Es gibt ein abendfüllendes Programm rund um die Haupt-Akts, dabei ist die Abfolge seit Jahren: Entthronisierung des Vorjahr-Kinderprinzenpaar, Inthronisierung des neuen Kinderprinzenpaar gefolgt von dem Geschehen um die Erwachsenen Paare.
Die Inthronisierung beginnt mit dem Einmarsch des Paares und viel Herzklopfen. Auf der Bühne leitet der Präsident des FVK durch das Programm und empfängt die Einmarschierenden. Die eigentliche Einführung ins Amt erfolgt aber durch den Bürgermeister oder seinen Stellvertreter. Er überreicht dem Prinz mit Zepter und Prinzenkette die Insignien der Macht. In Folge bekommt das närrische Volk einen Eindruck über das was in den nächsten Wochen mit dem Prinzenpaar zu erleben ist – die erste Rede erzählt einiges über das Paar, wird vielleicht getanzt oder gesungen, wie ist der Orden gestaltet? Noch eine Tradition sind die 11 Gebote des Paares – eigentlich haben Sie freie Hand, aber natürlich sollten sie mit dem Karneval zu tun haben. Im Laufe der Jahre sind hier wirklich viele schöne Ideen bei gewesen und bei Gelegenheit einen eigenen Artikel wert.

Im Januar und Februar ist das Paar viel unterwegs. Deutlich über hundert Auftritte kommen bis Aschermittwoch zusammen. So geht es unter anderem in befreundete Städte, zu Prinzentreffen, zu Sponsoren, in Krankenhäuser, Altenheime und Kindergärten. Jedes Prinzenpaar hat sicher seine ganz besonderen Ziele, die ihnen nahe gehen oder besonders viel Spaß machen. Aber allen liegt jeder einzelne Termin am Herzen. Im selbst gesetzten Rahmen wird für jede Veranstaltung nach etwas Besonderem gesucht – ein Verbindung zum Publikum. Am bekanntesten sind sicher die Auftritte im Forum zu den großen Sitzungen und schon alleine auf Grund des großen Publikum ist die Nervosität oder Aufregung hier häufig etwas höher.
In der Vorbereitung wird überlegt, was einen mit diesem Verein besonders verbindet um die Rede zu gestalten, wie man sich mit Worten und guter Stimmung für die Einladung bedanken kann, was gerade zu dieser Veranstaltung passt. Man weiß genau hier sitzen viele Karnevalisten, die diese persönliche Note wahrnehmen, gleichzeitig aber auch viele Zuschauer, die der Tradition nicht so verbunden sind und daher besonders gewonnen werden sollen. Häufig fallen bei der Ansage so Sätze wie „das Beste was der Velberter Karneval zu bieten hat“ und dem möchte das Paar selbstverständlich gerecht werden.

Die Zeit zwischen Proklamation und Altweiber ist sehr abwechslungsreich, manchmal turbulent und immer etwas ganz besonderes im Leben. Mit Altweiber beginnt die heiße Phase und der Höhepunkt der 5. Jahreszeit – in diesem Jahr ist es morgen soweit und ich wünsche unseren beiden Prinzenpaaren alles was man ihnen nur Wünschen kann: eine stabile Stimme, liebenswerte Narren auf ihrem Weg, trockenes Wetter, lustige Begegnungen, gute Fahrten, einen bunten Strauß toller Erinnerungen und und und….

… ein dreifaches Velbert Tüpp Tüpp Helau!

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Traditionen

Vorsätze werden zu Beginn eines Jahres gefasst und manchmal am Ende auch überprüft… das ich mich an meinen Vorsatz für 2018 recht regelmäßig gehalten habe, sieht man an meinem Blog leider nicht 😦
Viel schreiben wollte ich, aufschreiben in meinem Kalender, in guten Geschichten… aber tatsächlich war es sehr still hier im Blog, mehr als 10 angefangene Beiträge liegen hier im Backend und mindestens doppelt soviel habe ich verworfen. Aber ich habe es geschrieben! Was ist also schief gelaufen?
Ganz einfach- ich! Meist fand ich den Tenor zu düster, das Thema zu persönlich für jemandem aus meinem Umfeld, den Feinschliff unmöglich, den Zeitpunkt verkehrt….

Es ist mal wieder Sylvester, Nebel wabbelt um die Türme von Velbert und es ist zum im Bett bleiben. Eine meiner häufigsten Beschäftigungen in diesem Monat. Aber nicht heute, heute ist Raclette- und Spieleabend, gemütlich und familiär. Vielleicht ein bisschen mehr Jahreswechsel Gefühl als Weihnachtsgefühl wäre toll… damit wäre ich zurück bei den Vorsätzen – ich möchte es wiederfinden !
2019 möchte ich Leichtigkeit für die Reiseberichte und meine Ordnung wiederfinden. Ich glaube damit kann ich auch die Freude an soviel Dingen beleben.

2018 war ein aufregendes Jahr und ich habe viel Spaß gehabt! Aber irgendwie im Nebel des Neusortieren. Es gab so viele Bräuche und Rituale in meinem Leben, von denen ich gar nichts wusste. Erst seit sie nicht mehr funktionieren machen sie sich bemerkbar. Klar der Familien-Weihnachtsbrauch oder die Sylvestertradition stechen hervor, aber neben diesen war mein ganzer Alltag voll mit geliebten kleinen Standards die mit meiner Mama verschwunden sind. Auf der Suche nach einem neuen Gerüst stolpert man über so viele Fragen, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, dass es sehr verwirrend und frustrierend werden kann, und das hat mein 2018 wohl sehr geprägt.

Einen Brauch werde ich aber mit Sicherheit auch in diesem Jahr fortführen! Seit ich 16 Jahre alt bin, hasse ich die Knallerei! Im Ursprung ist dies zwei Beinah-Katastrophen geschuldet, die sich in den ersten 4 Jahren ereignet haben, in denen ich das häusliche Nest zum Feiern verlassen habe. Also gab es bei mir nie diesen immer größer werdenden Hype nach „lauter, heftiger und Hauptsache mehr als der Nachbar“. Als mein Sohn im entsprechenden Alter wat, war ein Päckchen Kinderknallfrösche das höchste der Gefühle. Statt ein Vermögen für Böller-Batterien und Glitzerraketen auszugeben, die dann meist im Nebel verschwinden, habe ich mir einen Spenden-Zweck ausgeguckt. In diesem Jahr geht mein Beitrag an One Earth – One Ocean

Vielleicht sollten wir alle unser Verhalten runterfahren! Meine Katzen, sowie Millionen andere Tiere würden uns danken. Über den positiven Effekt, wenn jeder nur die Hälfte der Ausgaben spenden würde, muss ich wohl nicht viele Worte verlieren.
Und wenn unsere Städte dann noch die gesparten Gelder für Straßenreinigung und Feuerwehreinsätze in ein paar kontrollierte, kleine Stadtteil-Feuerwerke investieren würden, wäre sogar eine schöne, neue Tradition geschaffen, die unsere Nachbarschaften stärken kann…