Auf Wiedersehen Schottland

Am Morgen ist die Stimmung nicht wirklich besser, wir packen unseren Kram zusammen und gehen zum Frühstück. Ich erzähle Uwe, dass wir diese Nacht nur ca 500 Meter von der Queen entfernt verbracht haben. Die Information habe ich vom Barkeeper letzte Nacht. Die Queen ist seit 2 Tagen im Holyrood Palace, dessen Dächer wir vor dem Hotel sehen können. Am Nachmittag findet der Queens Tea im Park statt. Es fühlt sich schon ein klein wenig besonders an, an unserem Tagesziel ändert das aber nichts. Wir checken aus und lassen uns ein Taxi rufen. Während wir warten beobachten wir ein paar Personen, die mit Sicherheit zum Queens Tea gehen werden – sie sind genauso gekleidet wie man sich das vorstellt, und wir sind uns einig, dass wir alleine auf dieses Aufbrezeln keine Lust hätten.
Das Verlassen des Roxburghe ist ein kleines bisschen komplizierter, man versteht zwar, dass wir abreisen wollen und hilft uns auch zum Wagen und mit dem Gepäck, aber bis wir uns sortiert haben stecken wir fest – die Tiefgarage ist wieder verschlossen, der Buzzer außer Funktion und die Telefonnummer, die man wählen soll, leitet mich zu einem Band, auf das ich Name und Anliegen sprechen kann… Das fängt ja gut an. Schließlich hören uns die Bauarbeiter auf der anderen Seite des Rolltores und nutzen die Rufanlage außen – wir sind frei. Bis zur nächsten Ecke – hier blockiert ein Bierlieferant die Kreuzung und es dauert scheinbar ewig, bis wir endlich losfahren können. Das Navi haben wir mit dem Ziel ‚Corby‘ gefüttert und wir nehmen die erst beste Route ohne auf Zwischenstopps und sonstige Wegführung zu achten. Etwas mehr als 600 Kilometer liegen vor uns und die ersten hinaus aus Edinburgh erscheinen quälend lang. Bitte nicht falsch verstehen: Edinburgh ist eine tolle Stadt und sicher ist mein Bericht der Stadt gegenüber absolut unfair! Es ist unsere Schuld, dass wir uns nicht ausreichend begeistern können.
Sobald wir die Autobahn erreichen frisst der Audi Kilometer für Kilometer und wir kommen gut voran auf unserem Weg nach Süden. Während Uwe fährt, versuche ich in Corby eine Unterkunft zu finden. Unsere Freundin Terri verspricht mir, alles zu versuchen und ich weiß, besser geht es nicht.
Wehmütig sehe ich die Autobahnabfahrt Gretna an uns vorbei ziehen. Gleich sind wir raus aus Schottland und wer weiß, wann wir wieder hinkommen. Die Stimmung ist immer noch ziemlich angespannt als wir den nächsten Stopp machen. Hier mache ich gleich mehrere fatalen Fehler: Ich schaue auf den Weg, der noch vor uns liegt und stelle fest, dass wir im dicksten Berufsverkehr durch Manchester und Birmingham fahren werden. Eine kurze Rückversicherung bei Terri bestätigt, dass es besser ist, jetzt über die Landstraßen nach Osten zu fahren, statt später hinter Manchester. Also wird das Navi neu gefüttert und treu unseren letzten Tagen schickt es uns direkt weg von der Autobahn… Ich hätte es kontrollieren sollen! Statt dessen sitze ich jetzt am Steuer und verlasse die Autobahn an der nächsten Abfahrt. Das Navi scheint sich daran gewöhnt zu haben, dass wir im Norden kleinste Wege genutzt haben und so finde ich mich auf einer Gasse wieder, die den Namen Straße nicht wirklich verdient hat. Die nächsten Kilometer werden zu einer wahren Zerreißprobe für unsere Nerven. Ich kann quasi vor mir sehen, wie Uwe die Zähne zusammen beißt und innerlich hin und her gerissen zwischen leichter Schadenfreude, dass die Idee Manchster zu umgehen in solchen Wegen endet und dem Frust nicht vorwärts zu kommen. Ich für meinen Teil versuche den Weg als Gelegenheit zu sehen – lenkt mich das konzentrierte Fahren doch vom Frust ab und wir bekommen noch einmal tolle Einsichten ins Landleben. Aber wie das so ist, wenn Murphy zuschlägt, dann aber richtig. Schon bald befinden wir uns auf Schotter – über die nächsten sicher 10-20 Kilometer wird die Straßendecke erneuert und aus meinen 40 km/h werden eher 20-30… Das Klack Klack der Steinchen tut uns beiden weh, wissen wir doch, dass es von Steinen kommt, die die Lackierung des treuen Audi treffen. Das einzig Tröstliche ist, es gibt kaum Gegenverkehr, so dass ich nicht allzu oft ausweichen muss. Innerlich bete ich um eine bessere Straße und kontrolliere im Augenwinkel mehrfach, wie die Darstellung im Navi sich quälend langsam der Kreuzung nähert, die eine normale Landstraße verspricht. Landschaftlich wertvoll erreichen wir schließlich Uwe’s Belastungsgrenze und er fordert mich auf doch bitte langsamer zu fahren… Später sagt er es waren gefühlte 50-60 km/h.. Ich dagegen bremse von 30 auf unter 20 km/h ab und versuche mir nicht anmerken zu lassen, wie genervt ich bin.
Da endlich, die ersehnte Landstraße liegt vor uns und plötzlich finden wir uns in Mitten vieler Autos wieder, die alle eines gemeinsam haben: sie hängen fest! In unserer Fahrtrichtung sperrt die Polizei alles ab und Bauarbeiter säumen die Straße.. Ein LKW wird gerade in Stellung gebracht und ein Bagger belädt ihn mit Baumresten.. Na das kann ja heiter werden – gefühlte Jahre später (wahrscheinlich waren es gute 30 Minuten) ist der LKW aus dem Weg und wir dürfen die Fahrt fortsetzen. Schließlich erreichen wir Leeds und damit die M1 nach Süden. Uwe übernimmt das Steuer wieder und wir nähern uns zügig unserem Ziel. Terri hatte leider keinen Erfolg, alle brauchbaren Hotels in Corby sind bis Donnerstag ausgebucht. Das Navi zeigt noch ca 30 Minuten bis zur Ankunft, als wir auf einen Parkplatz fahren um zu überlegen wie es weiter geht. Mittlerweile ist auch genug Zeit vergangen, dass wir die Kommunikations-Störung bereinigen können. Die Idee hier an die Küste zu fahren verwerfen wir recht schnell – uns ist klar, dass wir ein wenig Ruhe brauchen, bevor wir uns in das Corby Carnival Wochenende stürzen. Über ein Internet-Portal suchen wir nach B&B’s oder Hotels im Umkreis von Corby und Uwe findet ein nettes kleines Hotel ca. 15 Kilometer vor nördlich von Corby. Wir buchen das letzte verfügbare Zimmer zunächst für eine Nacht und programmieren das Navi um. Schon auf dem Weg sind wir angetan von der Gegend. Auch wenn wir schon häufig in Corby waren, diese Ecke ist für uns beide Neuland. Schließlich erreichen wir das wunderschöne Dörfchen Hallaton und unser Hotel „The Bewicke Arms“ – wir sind schon beim ersten Blick begeistert. So was habe ich mir schon die ganze Zeit gewünscht! Ein alter Hof ist umgebaut zu Haupthaus mit Pub und Restaurant und im ehemaligen Stall sind Gästezimmer und ein Cafe untergebracht. Die Einrichtung ist ein Traum und wir sind auf Anhieb verliebt. Nachdem auch das Zimmer, die Internet-Verbindung und das Bier mehr als gut sind, haben wir das Gefühl die richtige Entscheidung getroffen zu haben und nun ein wenig für unsere Erlebnisse in Edinburgh entschädigt zu werden.
Wir lassen unsere Freunde wissen, dass wir angekommen sind und verabreden uns für den nächsten Tag mit Terri zum Mittagessen. Mit Doughi wollen wir uns dann Abends zum Fußball schauen treffen.
Der Audi steht sicher auf dem Hof und wir genießen Atmosphäre, Bier und Whisky. Die Menü-Karte überfordert ein wenig meine Englisch-Fähigkeiten, da die Gericht einer Benennung folgen, die nicht viel mit meinem Wortschatz gemein hat. Also suchen wir etwas zögerlich aus und werden erneut positiv überrascht. Das Essen ist nicht nur geschmacklich der Hammer, auch optisch haben wir das Gefühl in einem Londoner Gourmet Tempel zu sitzen. Alles in Allem verbringen wir einen wunderschönen Abend und freuen uns über die positive Wendung.
In einem Rückblick auf die letzten Tage stellen wir fest, dass wir den Fehler gemacht haben, Edinburgh an das Ende unserer Reise zu setzen.Der Trubel der Großstadt hat uns erschlagen nach der Einsamkeit und Ruhe die wir davor genossen haben. Mit Sicherheit werden wir Edinburgh noch einmal ansteuern, aber eher zu Beginn eines Urlaubs oder als Städtetrip mit dem Flieger. Und hoffentlich zu einer Jahreszeit, die etwas weniger Tourismus dorthin spült.

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Mars – Venus – Funkstörung

Alles klappt wie am Schnürchen – Uwe ist zwar wie immer früher wach als ich, aber scheinbar hat Fin gestern vergessen sein WLAN abzuschalten und so kann er sich tatsächlich die Zeit am iPad vertreiben. Wir räumen unseren Kram zusammen und gehen runter zu unserem letzten Frühstück im Crown & Anchor. Der Kaffee ist noch ein wenig dünner als sonst, aber wir sind dran gewöhnt und schauen nur noch nach vorne auf unsere Spa- und Luxus-Zeit in Edinburgh. Noch einmal checken wir die Route und bleiben dabei, dass Stonehaven ein guter Ort für die größere Pause ist. Während ich unser Frühstück bestelle checkt Uwe seine Emails – Und bäm, das war es mit der guten Laune.
Er findet eine Email von unserem nächsten Hotel – leider gibt es ein Problem und man muss uns 2 von 3 Nächten in einem anderen Hotel unterbringen. Sie schicken die Adresse und bitten uns, bei Fragen anzurufen. Wir sind vor den Kopf geschlagen. Noch vor 2 Tagen hat man uns angeschrieben, ob wir ein Upgrade wünschen (JA! es soll ja was ganz besonderes werden)!
Ein kurzer Check zeigt, dass das Ausweichhotel an einer ganz anderen Ecke liegt. Statt unserem leicht nostalgischen, alten Luxus-Hotel, welches viel Ruhe und Entspannung versprach, sollen wir nun in einen modernen Klotz – freundlich Familienhotel genannt – mit Trubel und riesen Räumen.. Und zusätzlich hieß das ja auch ein Umzug mehr – die letzte Nacht hätten wir ja im geplanten Roxburghe verbracht.
Schimpfend und brummelnd startet Uwe den treuen Audi und macht sich auf den Weg. Wir versuchen die Fahrt trotzdem zu genießen, was haben wir auch für eine Wahl.
Die Straßen meinen es gut mit uns und wir schaffen die ersten 150 Kilometer recht flott – zu einer frühen Mittagszeit erreichen wir das Zwischenziel. Während ich versuche mit der Kamera den zauberhaften Ort einzufangen, abzuchecken ob Uwe lieber im Hafen parken möchte und dem Navi zu sagen, dass wir danach zum höher gelegenen Dunnotar Castle wollen, damit es aufhört „Bitte wenden“ zu sagen, sind wir schon wieder aus dem Ort raus. Uwe möchte lieber einen kleineren Hafen und ein Möglichkeit zum anhalten hat er nicht gesehen. Nun ist auch meine Laune auf dem absoluten Null-Punkt. Am Castle würde der Parkplatz Geld gekostet – also weiter… Die nächsten 150 Kilometer fressen wir eher schweigend, lediglich beim Durchqueren von Dundee wird es etwas ‚wärmer‘ im Wagen.
Edinburgh erreichen wie dadurch am frühen Nachmittag. Trotz der Email Fahren wir erst zum gebuchten Hotel – so ganz einfach wollen wir das nicht stehen lassen, schließlich müssen wir ja auch irgendwo hin mit dem Auto. Das Roxburghe empfängt uns mit gediegener Atmosphäre und der Concierge – etwas erstaunt über meinen brummigen Ton – geleitet uns freundlich zur Rezeption. Die Dame am Empfang spult eine saubere Entschuldigung ab: Es täte ihnen entsetzlich leid, aber irgendein verschmutztes Wasser lasse die Benutzung einiger Räume einfach nicht zu. Selbstverständlich würde man für unsere Extrakosten aufkommen und wir können den Wagen bei Ihnen stehen lassen – unser Ausweichhotel das Macdonald Holyrood habe leider nichts frei – die Taxi-Kosten übernehme das Hotel und für die 3. Nacht würden sie sich etwas einfallen lassen…
Was bleibt uns anderes übrig, als anzunehmen? Also das Auto in die Tiefgarage, mit Hilfe 2er Angestellter aussortieren, was mit muss und ab ins Taxi. Da wir viele kleinere Taschen gepackt haben, die sich besser im Audi verstauen lassen, versteht sich von selber, dass mir schon nach wenigen Minuten die ersten fehlenden Dinge winfallen. Aber da war ist  zuspät. Wir stecken mitten im Irrsinn – anders kann man den Verkehr in dieser Stadt nicht beschreiben. Wir lassen die wunderschöne alte Stadt hinter uns, kreuzen die Royal Mile und enden am äußeren Rand der neuen Stadt vor dem … ja eben Klotz.
Da stehen wir mit unserem Haufen – ein freier Gepäckwagen ist nicht in Sicht und zu allem Überfluss fängt es an zu regnen wie verrückt. Der Concierge immt keine Notiz von uns – zu seiner Ehrenrettung komme ich später!! – und an der Rezeption dauert es auch eine Weile, bis man sich unserer annimmt. Egal wohin wir uns wenden, nichts kann uns versöhnen.
Ja, wir jammern manchmal auf ziemlich hohem Niveau und sicher ist dieses Macdonald Holyrood ein respektables Haus- aber eben nicht annähernd das, was wir wollen und bezahlt haben. Modern, laut, voll, am falschen Ende der Stadt und ungemütlich. Unser Zimmer ist okay – Platz genug, ein wenig herunter gekommen in den Ecken und an der Decke, die Klimaanlage funktioniert auch nicht. Der mittlerweile aktivierte Concierge bringt uns das Gepäck, erläutert, dass die Klimaanlage sicher nur etwas Zeit braucht um anzulaufen. Und er bietet an, doch bei ihm vorbei zukommen, damit er uns helfen kann unsere Wege von dieser Ecke aus zu planen – er ist schon sehr nett! Nur leider absolut überlastet. Durstig und missmutig, da auch das ‚free WiFi‘ nicht mit unseren Apps kommunizieren will, sind wir zügig wieder in die Halle. Leider gibt es kein anderes WLAN, erklärt uns die Dame an der Rezeption. Und von dem Herrn sehen wir nur den Rücken, da er permanent irgendwo helfen muss – er tut uns gerade mächtig leicht. Also mache ich mich eigenmächtig hinter seinem Tresen am Info-Material zu schaffen und ergatter einen Stadtplan und Infos über Sightseeing-Busse. Ich möchte erstmal eine rauchen, dann wollen wir eine Kneipe suchen. Leider kommt wieder das „Mann-Frau-Kommunikations-Problem“ zum tragen. Statt den Pub direkt nebenan aufzusuchen steuert Uwe um die Ecke Richtung Royal Mile. Okay, denke ich, etwas schöner könnte es ja sein, also hinterher. Jeder unter seinem Schirm, geht es den Berg hinauf! Und weiter hinauf… ich bin ziemlich bald zurück gefallen und gebe auf Uwe irgendwas mitteilen zu wollen… Ich folge nur noch. Irgendwann wartet er dann doch und wir stehen im unteren drittel der Royal Mile. Ein geschäft neben dem anderen bietet schottische Kleidung und Unmengen an Souveniers an. Einige Geschäfte in guter, andere in günstiger Qualität. Auch einige Whisky Läden können wir ausmachen. Dazwischen einige einladende Restaurants und Pubs – trotzdem braucht es noch eine Weile bis Uwe ein Kneipe auswählt. Wir erobern einen der letzten freien Tische und ich organisiere uns 2 Cidre an der Theke. Unser Kommunikations-Problem packen wir mal für eine Weile zur Seite und versuchen anhand Stadtplan und Bus-Touren unsere nächsten 2 Tage in Angriff zu nehmen. So richtig begeistern können wir uns aber nicht. Der Regen, die vielen Menschen und das Hotel übertünchen alle positive Energie. Zunächst müssen wir morgen sowieso zum Auto, da wir einiges brauchen. Für heute einigen wir uns auf einen langsamen Spaziergang weiter die Royal Mile hinauf bis zum Casle um einen ersten Blick zu erhaschen. Auf dem Rückweg steht dann Abendessen an und den weiteren Abend wollen wir sehen ob in der Kneipe neben dem Hotel WLAN ist.
Der Spaziergang ist das Highlight unseres Tages – gemeinsam lassen wir die Stadt auf uns wirken, erforschen einen Whisky-Shop (ohne einzukaufen, weil die Preise sind exorbitant), lassen uns Regenschirme ins Kreuz hauen, schlängeln uns um tausende von Menschen, die mehr oder weniger das selbe tun wie wir. An der Burg angekommen werden wir leider ein wenig enttäuscht, da die Tribünen für das Tattoo im August schon aufgebaut sind und jeden Einblick versperren. Aber immerhin, wir sind oben angekommen und ab jetzt wird der Weg für mich leichter. Auf unserem Weg zurück erkunden wir auch Seitengassen und entdecken, dass Edinburgh auf 2 Etagen lebt und fährt. Es ist echt irre und beeindruckend. Tolle Gassen, alte Gebäude und Unmengen an Bussen und Taxis umgeben uns. Schließlich landen wir zum Essen in dem selben Pub, in dem wir vorhin was getrunken haben. Die Atmosphäre ist einfach sehr nett und wir geraten ins Gespräch mit unseren Tischnachbarn, Kalifornier, die nach Irland nun Schottland bereisen wollen. Ich traue mich ein zweites Mal an ein Haggis Gericht und bin wieder begeistert.
Wie geplant landen wir zum Ende des Tages in der Kneipe neben dem Hotel – eine sehr schön umgesetzte Studenten-Kneipe mit gemütlichen Sesseln und Sofas. Allerdings ist es sehr laut und die Musik trifft nicht wirklich unseren Geschmack. Uwe ist so lieb und holt die iPads aus dem Hotel und wir wollen beide ein wenig das wirklich vorhandene WLAN nutzen. Leider steigert sich über laute Musik und unterschiedliche Auslegung der iPad-Nutzung wieder die Spannung zwischen uns, das gesammelte Potenzial des Tages kocht wieder hoch und schlussendlich endet der Abend sehr unharmonisch.
Noch am Abend beschließen wir, unseren Plan an dieser Stelle zu begraben und Edinburgh am nächsten Morgen zu verlassen.

 

Wind und Wetter rund um die Spyeside

Bevor ich in den Tag starte, ein kleiner Rückblick auf den Abend. Es ist schon besonders in einer schottischen Kneipe die EM zu schauen, wenn Deutschland spielt. Uwe ist in seinem Trikot allein auf weiter Flur – irgendwann zeigt Fin ihm, dass er das eigentlich verbietet, aber mit einem Augenzwinkern gibt es heute eine Ausnahme. Am Ende des Abends ist auch dem letzten Gast klar, was das Wort „scheisse“ bedeutet, Uwe lernt, was Abseits und Schwalbe auf Englisch ist und hat eigentlich alle auf seiner Seite. Nun gut, da gibt es die einzelne Dame, die absolut zeitversetzt jubelt – später erfahren wir, dass sie halb Italienerin ist. Zum Elfmeterschießen geht Uwe raus, die Nerven liegen blank. Nicht lange danach folgen ihm zwei Schotten, ich glaube heimlich schauen Sie durch das Fenster weiter. Zum Ende gibt es Jubel und Uwe hat noch mächtig Spaß mit den anderen, wir werden beglückwünscht, als hätten wir selber gespielt. Auch die schottisch-italienische Dame herzt uns zum Abschied.

Der Morgen ist entsprechend mühsam und wir starten etwas langsamer. Ich darf meine Erfahrung mit Linksverkehr auffrischen und es klappt erstaunlich gut. Bevor wir die Küste erforschen geht es noch zum Schloss um die Ecke. Leider stehen wieder viele Treppen einer Besichtigung im Weg und wir beschränken uns auf die Küche im Erdgeschoss und den Garten. Als nächstes entdecken wir in einem Küstenort eine Ausgrabungsstätte und ein ziemlich windiges Türmchen. Wenn hier mal fertig gegraben sein sollte, dann kommt ein ziemlich großes Fort zu Tage. Im Moment haben die Leutchen erstmal meine Hochachtung, das sie bei Wind und Wetter nicht aufgeben ob der minimalen Fortschritte, die sie machen.

Die Küste gewährt uns einige schöne Einblicke und den ein oder anderen netten Ort, aber irgendwie will heute nicht der rechte Schwung kommen. Vielleicht sind wir auch zu voll mit spektakulären Highland-Ansichten… Nachdem wir unser erst gesetztes Ziel erreicht haben, entscheiden wir uns auf den Weg zurück zu machen. Ein bisschen packen und Ruhe wird uns nicht schaden. Mir bleibt der Trost, dass wir morgen Mittag in Stonehaven an der Westküste sind und ein Hafen, Steilküsten und eine sehenswerte Burgruine auf uns warten. Zeit sollten wir genug haben.

Auch zurück in Findhorn bleiben wir eher verhalten und müde, die Taschen sind zügig gepackt und im Auto verstaut. Wir trinken eine Kleinigkeit und gehen bald nach dem Essen ins Bett. Irgendwie sind wir uns einig, dass wir diese Nacht besser auf der Strecke verbracht hätten, statt noch einmal zurück zu fahren. Aber bei der Planung könnten wir ja nicht wissen, wie sich die Ausflüge hier gestaltet und wir jetzt leider einige Meilen doppelt fahren.

Whisky und mehr von den Highlands

Am Wochenende gibt es erst ab 8:30 Frühstück. Was mich freut, quält Uwe – er ist eh immer früher wach und gerade hier wird mit Schließen des Pub das Internet ausgeschaltet… und bleibt aus bis in den Tag hinein. Also sind wir pünktlich unten und heute ist der Kaffee fertig, der Tisch gedeckt und wir können bald loslegen. An der Tür hängt nun ein neues Schild – übersetzt „Bitte niemals den Riegel verschieben“ – und wir fragen uns, warum es in diesem Hotel, wo in jedem Winkel, auf allen Türen und Spiegeln Bedienungsanleitungen hängen, diese hier fehlte, bis es schief ging… Damit aber genug zu diesem leidigen Thema – wir haben einen wichtigen Ausflug vor uns. 

Endlich geht es nach Glenlivet zur Besichtigung einer Destillerie. Nein, nicht einer, sondern DER Destille! Auch wenn der Weg toll ist, ist er eben jetzt nicht das Ziel. Wir brennen darauf zu erfahren, warum Uwe’s Lieblings-Whisky nicht mehr in den Läden zu finden ist. Habe ich zu Beginn dieser Reise noch von unserem Lieblingswhisky geredet, so muss ich sagen, dass ich mir heute nicht mehr sicher bin. Zuviel gute Whiky haben meinen Weg gekreuzt. Trotz alledem freu auch ich mich und bin hin und weg, als wir ankommen. Eine wirklich tolle Anlage mit einer großen Auswahl im Shop begrüßt uns. Uwe nimmt wieder den Audioguide mit, ich entschließe mich, meinem Englisch zu vertrauen. Die Gruppe ist nicht sehr groß und unsere Fachfrau erzählt kurzweilig. Fragen kommen nicht viele, außer von mir 😳 schließlich haben wir einige davon gesammelt. Aber die Lady scheint über die Interaktion ganz froh zu sein und es wird eine sehr informative Tour. Leider mit der Erkenntnis, dass der 12 jährige Glenlivet für längere Zeit vom Markt ist. Zumindest von den für uns erreichbaren. Somit ist klar, dass Uwe sich zum Ende der Führung mit einigen Flaschen eindeckt – hier wird er noch verkauft. Zusätzlich landen noch ein paar Utensilien in unserem Korb.

Unser nächstes Ziel liegt weiter im Süden und wir setzten unseren Weg fort. Er führt uns an Schloss Balmoral vorbei, allerdings sehen wir nur Wirtschaftsgebäude und die Kirche, auf das Gelände kommt man nur in einer Führung und das ist uns zu Zeitraubend. Auch so sammeln wir wieder viele tolle Eindrücke auf unserem Weg und freuen uns am Fuß der Grampian Mountains entlang zu fahren. Als wir das nächste Schloss erreichen, fängt es an heftig zu regnen. Da man uns mitteilt, dass wir viele Treppen steigen müssten bei der Führung, streichen wir auch dies. Ich glaube nicht, dass ich das schaffen kann. Unter dem Regenschirm suchen wir den Garten auf, werden aber enttäuscht. Ziemlich verwildert sieht es aus und nur die Bäume beeindrucken wirklich. Also fahren wir zurück in den Norden und setzen die Garten-Hoffnung auf morgen.

Pünktlich zur Essenzeit sind wir wieder in Findhorn. Es ist lecker wie immer in den letzten Tagen und wir beschließen den Abend mit dem abendfüllenden Spiel Deutschland-Italien, Weißwein für Uwe und einer weiteren Whisky-Probe für mich. Uwe fiebert fleißig mit, ich genieße in Ergänzung die Pausen-Gespräche in der Räucherhütte. Hier lerne ich jeden Abend eine Menge über Land und Leute 😉

Muss man Nessie gesucht haben?

Nach einer wirklich guten Nacht lockt die Sonne uns. Und natürlich der Plan für den Tag. Das Frühstück haben wir für 8 Uhr geplant und sind auch nur wenige Minuten zu spät unten. Hier erwartet uns… nichts. Der Raum ist leer, dafür hört Uwe ein heftiges Klopfen am Eingang. Ich schaue nach und darf unserer Frühstücksfee nach ihren Anweisungen die Tür öffnen. Ein Riegel, der normal immer offen sein soll, war verriegelt und die Tür ließ sich nicht von außen aufschließen. Somit ist hier natürlich alles erst einmal im Rückstand. Da ich gestern noch einmal draußen war, grübel ich zwar kurz, aber  diesen Riegel hatte ich nicht in der Hand, die Knöpfe zum Drehen haben meinen schmerzenden Fingern schon genug Ärger gemacht. Trotz dieser kleinen Panne sind wir nach einem reichhaltigen Frühstück zügig unterwegs.

Unser Navi schimpft mit uns, da wir nicht die angegeben Route nehmen, aber wir folgen Fin’s Umleitungsempfehlung und vermeiden Nairn. Dafür ‚entdecken‘ wir ein Schloss im Wald – Cawdor Castle. Mir gelingt mein erster Traum-Schuss mit einem Dornröschen Bild, wir sehen einige nette Kleinigkeiten, aber den Garten und das Schloss selber können wir nicht besichtigen, ohne unseren Zeitplan über den Haufen zu werfen, also fahren wir weiter an den Schlachtfeldern von Culloden vorbei, durch Inverness mit Kurs auf das berühmte Loch Ness. Wieder fahren wir eine schöne Route, müssen aber zugeben, dass wir hier nicht begeisterter sind, als an anderen Orten. Castle Urquart ist unser Stopp an dieser Route und wir sind trotz Andrang schnell im Besucherzentrum mit unseren Scotish Heritage Passes. Dicke Regenwolken, ein Traube Bus-Touristen und ein wenig Entäuschung mit Blick auf die vor uns liegende Ruine, halten uns davon ab den Weg zu den alten Steinen anzutreten, wir beschränken uns auf ein paar Bilder, Kaffee bzw. Tee und ein wenig Ruhe und sind wenig später sehr froh, als wir die Regenschauer niedergehen sehen. Natürlich kaufe ich den obligatorischen Kühlschrank-Magneten und dann geht es weiter. 

Unser nächster Stopp ist Fort Augustus. Zwar ungeplant, aber dafür um so schöner – wir sehen uns das Schleusen-System an, über welches die Schiffe vom Caledonian Canal in Loch Ness gelangen und Uwe entdeckt einen Tuchladen in einer alten Kirche. Hier schieße ich im Sonderangebot einen dicken Pullover und zwei schottische Poncho – mit Hilfe meiner wunderbaren Mama wird der eine aufgepimpt und dann ist er fast so, wie der den ich mir gestern verkniffen habe. Mit dem Plus, dass er individuell wird und der gesamte Kauf heute weniger kostet, als ich gestern hätte hinlegen müssen. 

Ab jetzt geht es wieder zurück am anderen Ufer bzw. in den Bergen und wir genießen wieder tolle Aussichten. Unsere Runde beenden wir in Culloden. Diesesmal gehen wir ins Besucherzentrum und ich gerate kurz ins Straucheln ob der vielen Touristen-Pässe, die es hier gibt. Schließlich werden wir uns aber einig, wie wir in den nächsten Tagen am günstigsten an weiteren Personenschlangen vorbei kommen und sind in der Ausstellung zur Schlacht um Culloden. Vorsichtig schleiche ich mich an den schlimmsten Beiträgen vorbei während Uwe mit einem deutschen Audioguide die Geschichte aufsaugt. Im Videoraum finden wir uns mitten auf dem Schlachtfeld wieder und ich muss flüchten. Ich werde nie begreifen, wie Menschen sich das antuen können. Obwohl natürlich auch ich zu den Müttern gehöre, die ihr Kind um jeden Preis verteidigen würde…

Gegen 18 Uhr sind wir zurück am Hotel und beide ziemlich geschafft. Fin fängt uns am Eingang ab und erklärt uns die genaue Funktion der Haustür. Scheinbar hatte nicht nur die Angestellte am Morgen Probleme, sondern 2 Gäste kamen in der Nacht nicht rein und mussten im Auto schlafen. Ganz übel für den Hotelier und wir merken ihm an, dass er gerne einen Schuldigen finden würde. Ich glaube er hat mich im Verdacht, da ich als Raucher ja eher mal raus gehe, aber auch wenn ich nochmal den Ablauf durchgehe, sehe ich nicht, wie mir das hätte passieren können.

Der Abend wird wieder sehr schön, Fin sucht für uns nach einem Highland-Fest am Wochenende, kann aber leider nichts finden. Die nächsten Games sind an dem Wochenende, an dem wir schon in England sind und das Gathering war letztes Wochenende. Man kann eben nicht alles haben. Ich teste die nächsten Whisky und finde wieder einen, der mir sehr gut schmeckt. Einige Zeit nach dem Spiel Wales-Belgien verabschieden wir uns. Da es gerade nicht regnet machen wir noch einen kleinen Spaziergang an den Piers und genießen die Dämmerung – immer noch sehr ungewohnt nach 23 Uhr.

Ab jetzt geht es zurück

An diesem Morgen schleicht sich zum ersten Mal ein bisschen Wehmut ein. Wir wären gerne länger geblieben. Außerdem wird uns bewusst, dass wir ab jetzt auf dem Heimweg sind. Wenn auch im Schneckentempo 😉

Auf dem Weg zum Hafen bleibt uns genug Zeit um die Dämme mit den umliegenden Wracks anzusehen und ich kann mein Steintürmchen bauen. Diesesmal ist der Wunsch wiederzukommen sehr intensiv!

Wir erreichen den Hafen bei Zeiten und sehen, dass wir diesesmal gut beraten waren mit unserer Reserierung. Neben uns steht eine lange Schlange Fahrzeuge, die warten müssen, ob sie mitkommen. Aber die Crew schachtelt gut und beim Ablegen ist alles an Bord. Da es immer wieder regnet verbringen wir die meiste Zeit unter Deck und sind erstaunt, wie schnell es ans Anlegen geht.

Die Landschaft ist zunächst recht eintönig, zumindest nach all den fantastischen Eindrücken, die wir bisher gesammelt haben, aber das ändert sich bald wieder und wir folgen der Küste, freuen uns über den dichter werdenden Baumbestand, die alten Häuser entlang der Straße und machen einen kurzen Foto-Stopp an einem Schloss. Inverness passieren wir recht zügig, was ich nicht erwartet habe, aber wenige Kilometer weiter geraten wir in die Rush-Hour von Nairn. Eigentlich sieht es wie ein friedliches, kleines Nest aus… Tolle Häuser und ich würde gerne mal durch den Ort gehen. Aber irgendwer kam auf die Idee auf einer guten Meile unzählige Ampeln zu verteilen. Sehr ungewöhnlich und leider zeitraubend. Laut Navi verlieren wir gute 30 Minuten. Trotzdem erreichen wir unser Ziel Findhorn vor dem Abendessen und sind zufrieden.

Unser Hotel liegt an der Bucht und macht sofort Eindruck auf uns. Draußen gibt es einen Biergarten und ich entdecke eine Art Carport als Raucherecke – ich werde mal nicht nass… Natürlich muss man bei so einem originellen, älteren Dorfhotel Abstriche machen, aber solange sie sich, wie hier, nur auf die Zimmergrösse und enge knarrende Treppen bezieht, ist das völlig in Ordnung. Das Pub/Restaurant erweist sich als Goldgrube für meinen Wunsch, möglichst verschiedene, lokale Whiskey zu probieren. Die Speiskarte verspricht tolle Fisch-Genüsse und der Ort insgesamt versprüht einen angenehmen Charm. Es gibt eigentlich nur ein Problem – so langsam gehen einem die Superlativen aus….

Wir verbringen einen wunderbaren Abend, genießen köstliche Küche und ich entdecke einen weiteren Whisky für meine private Top-Liste. Außer uns sind einige Ortsansässige und eine größere Familien-Treff Gruppe da. Mit den Einheimischen komme ich ins Gespräch über meine Whisky-Suche, Fin der Wirt und Hotelbesitzer empfiehlt uns Wege um Nairn herum und in der Räucherhütte komme ich ins Gespräch mit Geordy. Nach dem kurzen Einleitungssatz über das Wetter fachsimpeln wir über Fluggesellschaften, Flughäfen in Europa und die Schwierigkeiten eine fremde Sprache zu verstehen, wen sie auch noch Dialekt gefärbt ist. Alles in allem ein gelungener Abend, der zum Ende leider von einer schlechten Nachricht aus der Heimat getrübt wird. Nachdem wir uns in unserem Zimmer sortiert haben übermannt uns recht bald der Schlaf – es war ein langer Tag und irgendwie merken wir, dass es eben ein wenig an Ruhephasen fehlt.

Ein Tag auf den Orkney Inseln

Schon beim Verlassen der Fähre wird uns klar, dass wir wieder etwas anderes erwartet haben. Nach den letzten Tagen erscheinen die Insel massenhaft bevölkert. Die Landschaft ist überwiegend von Landwirtschaft geprägt und es ist ein idyllischer Mix aus Natur und Häusern. Hoffentlich reicht unsere Zeit hier für das Wesentliche.
Auf dem Weg nach Kirwall wechseln wir mehrfach Mal die Insel, allerdings ist dies kaum bemerkbar, da ein Damm die Inseln verbindet. Schon der erste Blick auf Kirkwall ist klasse. Nun ja, als bekennende Kreuzfahrer auf der „Mein Schiff“ sind gleich zwei Aida Schiffe vor Anker etwas befremdlich 😉 Wir finden unser Hotel auf Anhieb und haben wieder mal das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Direkt am Hafen und der Einkaufsmeile liegt ein nettes altes Haus mit Pub, Restaurant und allem was unser Herz begehrt. Wir halten uns auch nur kurz mit Entladen des Audi auf und gehen die Umgebung erkunden. Zunächst noch sicher unter dem Schirm betrachten wir das Treiben rund um das Tenderboot der kleineren Aida. Jetzt wieder im  Trockenen gehen wir durch den Ortskern und entdecken etliche sehenswerte Gemäuer. Und nette Läden, die wir uns am nächsten Tag genauer ansehen wollen. Heute besichtigen wir die Kathedrale und die danebenliegende Ruine. Abschließend gehen wir ins Informationszentrum und werden mal wieder ernüchtert. Uwe’s dringlichster Wunsch lässt sich nur mit einer Fährfahrt verbinden und die Zeitplanung der Beraterin gibt uns keinen Spielraum für den Shopping-Trip.
Allerdings reift in uns ein Plan, wie wir das ganze nach unseren Bedürnissen optimieren können. Manchmal zählt es sich aus Projekt-Manager zu sein 😎
Den Abend beenden wir im Hotel mit einem köstlichen Essen und einer kleinen Whisky Verkostung. Ein weiterer Whisky landet auf meiner „ist gut“ Liste – der lokale Highland Park Whisky in der 12 Jahre Version ist nicht zu verachten. Die Nacht ist für mich die erste, in der ich wirklich mal gut schlafe, nur zu hell wird es wieder viel zu schnell.

 

Mittwoch Morgen machen wir uns so auf den Weg, dass wir um 11 Uhr mit der Fähre nach Hoy übersetzten. Der Audi darf am Hafen auf uns warten und wir stellen fest, dass man schnell an Fährfahrten gewöhnt ist. Unser Ziel ist das Museum zu Scapa Flow – der Bucht, die in beiden Weltkriegen eine große Rolle für die Marine gespielt hat. Für Uwe ein Muss, für mich ein „wenn es sein muss“. Nicht, dass ich es unwichtig finde, aber ich leide sehr schnell unter Beklemmungen bei diesem Thema. Die Ausstellung ist sehr gut gemacht und ich bemühe mich wirklich voll dabei zu sein, aber trotzdem fliehe ich bald in die nostalgische Tee-Stube, da ich wieder einmal vor den Greul-Szenen einknicke. Informationen nehme ich aber trotzdem mit. So weiß ich jetzt, was es mit den Dämmen auf sich hat. Im 2.Weltkrieg wurden diese aufgeschüttet um die Bucht besser zu schützen. 

Nach gut 2 Stunden geht es zurück zum Audi und damit zu unserem nächsten Ziel. Leider ist die Beschilderung nicht so toll und wir finden uns im Ortskern von Stromness wieder. Sehr sehenswert, für Uwe aber eine kniffelige Aufgabe, da die Strasse extrem eng ist, viele Fußgänger darauf und auch noch Gegenverkehr herrscht. Er ist froh als wir den Ort wieder verlassen und die Küste entlang fahren. Bis es nicht mehr weiter geht. Also füttere ich das Navi mit dem nächst möglichen Ort. Unser Ziel selber kennt es leider nicht. Schließlich landen wir an der Kreuzung, an der wir hätten abbiegen müssen, die ich aber Mangels Schild übersehen habe. Wenigstens mussten wir nicht noch einmal durch den Ort.
Als wir Skara Brae erreichen hat es endgültig aufgehört zu regnen und trotz vieler Besucher um uns ist dieser Ausgrabungsort wirklich Sehenswert. 5000 Jahre ist es her, dass dieses Dorf erbaut wurde. Nicht nur die Ausgrabungen selber beeindrucken, sondern auch der Weg zwischen Museum und Dorf – hier hat man mit Steintafeln in Schritten den Zeitstrom dargestellt. Nicht, dass man jetzt wirklich 5000 Jahre abschätzen kann, aber wenn knappe 10 Jahre gerade mal ein Schritt sind, dann merkt man schon, wie viel mehr Schritte es doch bis 5000 sind. Wir schauen in eine nachgebildete Behausung, genießen die Meeresluft und lauschen der Brandung. Nach dem Rundgang durch die Ausgrabungsstätte geht es zurück zum Parkplatz. Wir nehmen viele Eindrücke und Bilder mit. Aber auch viele neue Fragen zu dieser Siedlung, die wir uns später mit Hilfe des Internet beantworten wollen.

Unser Weg zurück führt an Stenness vorbei, wo ein einzelner aufrecht stehender Stein davonzugehen, dass wir in der Nähe der Stones of Stenness sind. Auch wenn wir wissen, das dies historisch wertvoll ist, entscheiden wir uns für modernes Shoppen. Tote Steine gab es heute genug.

So wie wir uns nach und nach beladen, könnte man meinen, wir hätten Nachholbedarf. Letztlich ist es tatsächlich so. Bisher haben wir nur Magneten für unsere Sammlung gekauft und sämtliche Andenken, Mitbringsel oder Shirts liegen lassen, mit dem Gedanken, es kommt mehr Zeit und Gelegenheit. Am meisten freut die den T-Shirt Laden. Hier entdecken wir einige außergewöhnliche Stücke und decken uns reichlich ein. Aber auch das ein oder andere begehrte Teil zur Highland-Ausstattung wechselt in unseren Besitz. Zum Abschluss genießen wir die Sonne in einem Kaffee nahe der Kathedrale und des Rathaus.

Vor dem Dinner in unserem Hotel geht es noch einmal in den Hafen. Dort liegt ein Cruiser des National Geographics. Im Internet erfahren wir, das dieses exklusive, unbezahlbare Fahrten anbietet, für die wir erstmal im Lotto gewinnen müssten. Da genießen wir jetzt lieber das exzellente Essen und einen gemütlichem Abend in der Hotelbar. 

Reif für die Inseln 😎

Am Morgen bin ich noch ein bisschen müder als sonst, da ich mit dem hellen Zimmer nicht gut klar gekommen bin… Aber trotzdem geht es zeitig zum Frühstück. Schließlich haben wir gestern Abend festgestellt, dass wir die Chance haben an den nördlichsten Punkt der britischen Hauptinsel zu kommen. Wir genießen frisches Obst, Eier und Speck und machen uns auf den Weg. Nach wenigen Kilometern entdecken wir einen traumhaften Strand und machen einen kleinen Spaziergang – es ist gerade Ebbe und wir schlängeln uns durch – Uwe bis an den Wassersaum, ich nicht ganz, da ich ein wenig Strandgut mitnehmen möchte. Außerdem ist das Wasser (und die Umgebungsluft) viel zu kalt um mal den Zeh rein zu tauchen. Während Uwe zurück kommt, baue ich meinen ersten Steinturm – irgendwo habe ich mal gehört, dass soll helfen um an den Ort zurück zu kommen….

Auf dem Weg nach Dunnet Head sehe ich ein paar schöne Gärten, nur leider immer so spät, dass das Fotomotiv vorbei ist. Immerhin sehe ich zum ersten Mal orange Lupinen in natura und werde neidisch, die wollte ich nämlich auch im Garten haben. Als wir schließlich den Head erreichen weht uns ein kräftiger Wind um die Nase. Nach einem kleinen Disput über die Himmelsrichtungen und wo es den nun mit noch nördlicher weiter geht, ordnen wir zu, was wir von hier sehen können.

In Gills schließlich verstehen wir, warum unser Navi sich geweigert hat, diesen Ort anzuzeigen – es ist gar keiner. Passend zum Tag gestern startet die Fähre quasi im nirgendwo. Da wir jetzt gut eine Stunde bis zum einschiffen haben, genießen wir den Rest von meinem Salat gestern Abend, Uwe döst ein wenig und ich mache mich and schreiben, um meinen Rückstand aufzuarbeiten. Wie immer mit dem Vorsatz nicht zu lang zu schreiben.. Und wie immer mit der Erkenntnis, das es nicht geht, weil es einfach zuviel gibt, was erzählt werden möchte.

Die Überfahrt ist mit einigem Seegang verbunden und begeistert Uwe ebenso, wie die Beobachtung, dass die LKWs rückwärts auf die Fähre müssen. Die Vorstellung die Rampe so herunter zu manövrieren ringt ihm viel Respekt ab. Da es uns auf Deck zwischenzeitlich mal zu kalt wird, wärmen wir uns im inneren der Fähre auf und verarbeiten unsere bisherigen Eindrücke – um noch einmal ‚politisch‘ zu werden: es gibt soviele EU geförderte Projekte entlang unseres Weges, die entweder mitten in Arbeit oder auch fertig gestellt sind, dass wir uns fragen, was in Zukunft damit wird.  Ich hoffe, es ist nicht der Erhalt der Natur, der schlussendlich leiden muss.

Schließlich treibt es uns zurück an Deck für das letzte Stück Weg. Als hätte unser Audi nun die Seekrankheit schallt uns die Alarmanlage entgegen, war wohl etwas Zuviel Seegang. Nach einer guten Stunde erreichen wir St. Margaret’s Hope in der Bucht Scapa Flow.

Meistens kommt es anders als man denkt

Eine ziemlich unruhige Nacht liegt hinter uns. Leider war das Bett zwar optisch schön, aber ziemlich ungesund… Und etwas schmal. Das Frühstück ist okay, nur auf Brot muss ich verzichten. Da ich weiß, welche Auswirkungen weißes Toast bei mir haben, beschränke ich mich, mangels weiterer Auswahl, auf ein paar der typisch britischen Beilagen und etwas Obst. Nach dem opulenten Abendbrot kein Thema.

Wir verlassen Oban in Richtung Norden und geben den Fährhafen Mallaig ins Navi ein. Wieder werden wir von tollen Landschaften verwöhnt. Man hat das Gefühl hinter jeder Kurve wartet eine neue Überraschung. Entlang des Loch Linnhe geht es an Fort William vorbei, wo wir links abbiegen… Ein Hinweis-Schild sagt uns, dass die nächste Fähre auf die Isle of Skye in ca. 70 Minuten ablegt… Nach Navi wird das knapp – Ankunft in ca 60 Minuten – trotzdem halten wir für einige Meilen die Hoffnung aufrecht und lassen die Landschaft am Loch Eil im Sinne des Namen – eilig – an uns vorbei ziehen. Reichlich Verkehr, eine kleines Toiletten-Problem und eine Baustelle lassen unsere Hoffnung kurz hinter Glenfinnan platzen. Etwas gemütlicher setzen wir den Weg fort und hoffen auf regen Fähr-Verkehr.

In Mallaig geht es vorbei am Bahnhof und direkt in das Hafengebiet zu einem Herren, der offiziell aussieht – die Fähre ist schon ein gutes Stück vom Land entfernt. Ich frage ihn nach der nächsten Abfahrt und er lächelt mich mitleidig an: haben Sie denn eine Reservierung? Nein natürlich nicht, wer reserviert schon, wenn er mit der Fähre über den Rhein übersetzt… Zumindest haben wir uns das so gedacht… Was ein Fehler war, denn jetzt ist die Antwort: dann geht die nächste morgen Vormittag, wir sind ausgebucht! Frustriert drehen wir um, parken im Ort und beratschlagen, wie es weiter geht. Egal wo wir fragen, es gibt nur eine Möglichkeit, wenn wir heute noch weiter in den Norden wollen: Zurück! 

Wir halten uns nicht lange auf, ein Blick auf die Dampflock (Harry Potter lässt grüßen) und wir machen uns auf den Weg. Unterwegs entscheiden wir, dass wir für heute ausreichend Pech hatten und in Fort William auf Nummer sicher gehen.

Immerhin können wir auf der Rückfahrt mit ein paar Fotostopps nachholen, was wir hin verpasst habe. Unter dem Frust schleicht ein bisschen „hat sich gelohnt“ Gefühl. Aber es ist zu früh, das laut zu sagen.

In Fort William gehen wir in das Touristen Informations Zentrum und bekommen einen PC zugewiesen, an dem wir ein Zimmer für abends buchen. Da waren Zuviels B&B Schilder mit „no vacancies“ auf unserem Weg. Und auch im Buchungsportal finden wir nur 2 Hotels, die halbwegs zu unserem Tagesziel passen. Wir entscheiden uns für das etwas teurere, welches dafür nicht Zimmer wie in Jugendherbergen anzeigt. Anschließend buchen wir die Fähre auf die Orkney Inseln für in 2 Tagen- wir haben was gelernt.

Auf den nächsten Kilometern versöhnt uns die Landschaft und der Ausblick auf etliche … Tja Löcher? Lochs? Egal wir genießen die Wasserlandschaft in all ihrer Vielfalt. Nicht ganz pünktlich erreichen wir unser Hotel in Balmacara. Okay, die Frage, wie kann man von pünktlich reden, wenn man doch eigentlich ohne Ziel losfährt, ist erlaubt! Tagesziel war neben der Isle of Skye um 17 Uhr im Pub zu sitzen, da heute Deutschland spielt. Wir sind 30 Minuten zu spät und nicht auf der Insel, sondern auf der anderen Seite des Loch Alsh. Also immerhin sehen wir sie, wenn es nicht gerade zu stark regnet.

Der Abend belohnt uns mit einem leckeren Essen, Guiness für Uwe, Cidre und ein halbwegs lokaler Whisky für mich. Wir lernen wirklichen schottischen Geist kennen – selbst Teppiche und Barhocker tragen Tartan 😉

Ein nettes Gespräch ergibt sich auf dem Weg vom Pub in die Rezeption – eine kleine Gruppe Motorradfahrer aus Deutschland und der Schweiz haben den selben Irrweg hinter sich wie wir. Selbst für 3 Motorräder wäre kein Platz mehr auf einer der Fähren gewesen. Das tröstet uns einmal mehr und wir beenden Tag 2 unserer Rundreise

Heute ist der Weg unser Ziel

Heute geht es weiter nach Norden. Da wir einige Meilen hinter uns bringen wollen gehen wir recht früh zum Frühstück und sind zügig unterwegs. Bevor wir aber unser Navi mit dem ersten Etappenziel füttern fahren wir ein Stück zurück. Unser Stopp hier war nicht ganz ohne Grund gewählt, da wir Eilean Donan Castle ansehen wollen. Auch wenn es ein wenig regnet, genießen wir  den Spaziergang entlang des Ufers und die Sicht auf die Burg. Ein wenig enttäuscht stellen wir fest, dass sie nicht, wie gedacht,auf einer Insel steht, sondern mit einem massiven Bau mit dem Ufer verbunden ist. Eine Besichtigung verkneifen wir uns aber doch, das würde zuviel Zeit kosten. Nicht zum ersten und sicherlich nicht zum letzten Mal, stellen wir fest, dass unser Tour ein Schottland Schnupperkurs ist, der eigentlich an jeder Ecke Lust auf mehr macht.

Gairloch ist die Anweisung ans Navi und wir starten auf eine abwechslungsreiche Etappe. Auch wenn ich mich wiederhole, die Landschaft ist einfach der Hammer. Immerwieder erwartet einen eine Überraschung. Da wir heute quasi entlang der Highlands unterwegs sind, kratzen wir auch den Himmel an und finden uns ab und zu in Wolken wieder. Aber es bleibt ein Genuss, da nach der nächsten Kurve auch wieder die Sonne auf eines der zahllosen Loch scheint. Regenbogen, Schafe, Felsen und Farne werden unsere häufigsten Begleiter. Die Schafherde ist zwar recht klein, aber wir stecken tatsächlich auch kurz mal fest. So haben wir es uns erhofft.

In Gairloch genießen wir eine Zwischenmahlzeit mit Blick auf’s Wasser und ich versorge mich mit Home Made Ginger Bread… Nicht, dass ich weiß, wann ich es essen soll, aber ein Pobierstück gab es leider nicht. Gestärkt mit Smoothie und Tee beziehungsweise Kaffee und Steakburger geht es weiter nach Ullapool. Landschaftlich bleibt es wunderschön, zwischenzeitlich feucht von oben und vor allem immer unterhaltsam. Die Rückenschmerzen, die sich mittlerweile bei uns beiden eingeschlichen haben, wiegen nur halb so schwer, da wir einfach jede Minute unterwegs genießen.

In Ullapool teilen wir uns einen frischen Backfisch, schauen uns den Hafen an und beschließen uns nicht lange aufzuhalten. Aber es bleibt ein sehr netter Eindruck dieses kleinen Orts haften.

Was uns nun erwartet überrascht uns doch etwas. Wir wussten, dass unser Weg nun etwas einsamer wird, aber wie einsam??? Irre – selbst das Navi führt uns zwar sicher, aber ohne Straßen anzuzeigen durch das Nichts. Landschaftlich wieder ganz anders, weiter wunderschön, aber eben leer… Okay ein paar Schafe, Kühe und immer wieder mal ein Tierschutz Gatter kreuzen unseren Weg. Aber die Autos hätte man zählen können. Der Bewuchs,der uns bisher in Schottland begegnet ist, wirft die Frage auf, wovon man hier eigentlich lebt – keine bestellten Felder, woraus wird dann der Whisky gemacht? Wir beschließ diese Frage im Hinterkopf zu behalten und ihr auf den Grund zu gehen, wenn wir unseren Besuch in einer Destillerie machen. Unser Plan sieht hier Glenlivet vor, es ist einfach unser liebster Whisky bisher.

Auch der schönste Tag geht einmal zu Ende und wir erreichen die nördliche Küste und unser mindestens Ziel Durness. Je näher wir kommen, um so mehr achten wir auf B&B Schilder oder Hotels und was soll ich sagen, die sind hier echt dünn gesäht. Noch haben wir Zeit über, also entschließen wir uns der nördlichen Küste zu folgen und in den nächst größeren Orten nach Übernachtungen zu fragen… Auf diese Weise geht es weiter durch’s Nichts bis wir Tongue erreichen. Dieser Ort besitzt sogar mehrer Hotels, die leider alle ausgebucht sind. Aber wir sind weiter optimistisch und steuern jetzt Thurso an. Letztlich gewinnen wir dadurch einen entspannten Vormittag für morgen. Ab Thurso ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Fährhafen Gills, wo unsere Fähre am nächsten Mittag ablegt.

Auf der Hotelsuche bekomme ich wieder einmal bestätigt, dass die Schotten ein sehr freundliches Volk sind. Die Absagen sind alle nett verpackt. Einmal treffe ich auf jemanden, der mir ein Zimmer zeigt… Leider sind hier Toiletten am anderen Ende des Flurs und noch sind wir nicht verzweifelt genug dieses Zimmer zu nehmen. Aber die 10 Minuten Gesellschaft waren amüsant und bereichern meine Erinnerungen nachhaltig. Tatsächlich muss ich noch 3 Mal aus dem Audi hüpfen bis wir eine gute Nachricht erhalten. In einem Stadthotel in Thurso ist zwar alles belegt, aber das nette Mädel an der Rezeption organisiert uns ein Zimmer ein paar Meilen weiter in einem Schwesterhotel. Und überrascht uns mit ihren Deutsch-Kenntnissen. Schließlich beziehen wir ein Zimmer in Casletown, ca 15 Kilometer vor unserem Fährhafen für den nächsten Tag. Das Zimmer ist schnuckelig, das Essen schon wieder ein Traum , der Whisky weiterhin gut, nur die Kneipe ansich etwas zu… klebrig für unseren Geschmack. Während des Essens geraten wir in ein Gespräch mit zwei netten älteren Damen, die morgen auch auf die Orkneys übersetzten. Das erste Mal kratzen wir das Thema Brexit an. Trotz der Sprachbarierre verstehen wir uns blenden und bedauern gemeinsam das Wahlergebnis. Sehr deutlich merken wir nun, wie weit nördlich wir sind, da es eigentlich nicht wirklich dunkel wird. Somit verrechne ich mich etwas mit dem ins Bett gehen, was aber nicht weiter dramatisch ist, da wir ja morgen Zeit haben.