Britische Gegensätze

Rockingham Castle - Corby 2018

Nachdem mein Sohnemann das Osterwochenende seinem Studium gewidmet hat, habe ich mir einen riesen Berg Büroarbeit vornehmen wollen. Aber irgendwie kam es dann ganz anders. Mittwoch Nachmittag habe ich nervös zuhause gesessen und gewartet: Meine Freundin liegt unter dem Messer mit einer ziemlich einschüchternden Erwartung der Ärzte. 4 Stunden OP und danach dauert es weitere Stunden bis endlich die erlösende Nachricht kommt, dass sie aufwacht. Mindestens ein dutzend Mal wünsche ich mir, ich wäre einmal unvernünftig gewesen und hätte mich am Morgen in den Flieger gesetzt um vor Ort zu sein.
Wen wundert es da, dass ich nicht nein sagen kann, als plötzlich das Angebot auftaucht, doch mal für 3 Tage über Ostern hinzufahren… ein Tag bleibt meinem Schreibtisch und der Wohnung vorbehalten, aber in der Nacht auf Samstag geht es los nach Corby.

General Hospital - Northampton 2018

General Hospital – Northampton 2018

Alleine Terris Gesicht, als wir plötzlich in ihrem Zimmer stehen, ist den ganzen Aufwand wert! Es fühlt sich toll an, jemanden glücklich zu machen, der sich immer bedingungslos für andere einsetzt.
Allerdings war es auch ein kleiner Schock. Auch wenn es nach meinem letzten Post wie ein Sprung in einer Schallplatte klingt: wir können einfach mal dankbar sein! Das „Zimmer“ ist quasi ein Durchgang, in dem 12 Patientinnen liegen! Kein Fenster, eine Toilette, permanent klingelt jemand und es herrscht dicke Luft. Jetzt verstehe ich, dass Terri trotz Schmerzen schon nach 3 Tagen unbedingt hier weg muss und ich verkneife mir jede Bemerkung über das Risiko.

General Hospital - Northampton 2018

General Hospital – Northampton 2018

General Hospital - Northampton 2018

General Hospital – Northampton 2018

Immerhin kommen wir so in den Genuss, sie länger zu sehen als erwartet. Statt einem „Stündchen zu Besuch“, warten wir deutlich länger bis alles geregelt ist und ich kann meinen Medizin neugierigen Blick ein wenig hinter die Kulissen schweifen lassen. Schließlich landen wir am späten Nachmittag wieder in Corby und nach einem schnellen Abendessen im Samuel Lloyd auch bald im Bett, da wir in den letzten 36 Stunden gerade mal ein knappes Stündchen am Straßenrand stehend geschlafen haben.

Ostersonntag gehen wir gemütlich an und cruisen ein wenig durch die Gegend. Wieder einmal stellen wir fest, dass es hier noch viel zu sehen gibt und treffen schließlich in Gretton auf Clare und ihren Geburtstag-Trunkenen Bruder Harry, der eigentlich gerade ein Fußball-Spiel bestreiten sollte… der Besuch bei Terri ist heute wirklich auf ein gutes Stündchen beschränkt, da sie sehr von Schmerzen und Müdigkeit geplagt wird. Aber diese Stunde genießen wir. Uwe kann ein wenig mit Mick plaudern, wir Mädels von unserem Urlaub im Herbst träumen und nebenbei ein wenig über Cricket lernen. Ich glaube einen neuen Freund haben wir auch – Piper, der herzensgute und riesige Hund der Familie. Clare füttert uns noch ein wenig mit Informationen zum Rockingham Castle und schließlich machen wir uns auf, um diese Jahre alte Lücke zu schließen.

Bisher war Rockingham Castle nicht zugänglich wenn wir in Corby waren, aber heute endlich hat es gepasst. Und sich gelohnt! Hier haben wir nun den absoluten Gegensatz zu unserem Krankenhaus Erlebnis.

Rockingham Castle - Corby 2018

Rockingham Castle – Corby 2018

Rockingham Castle - Corby 2018

Rockingham Castle – Corby 2018

Das Schloss ist noch von der Familie bewohnt und somit sind etliche Bereiche nicht zugänglich. Fotografieren ist Innen leider auch nicht erlaubt. Gerne hätte ich ein paar Details geteilt. Wenn man zB das Haus am Eaton Place gesehen hat, so kommen etliche „Aha“ Gedanken hoch, wenn man die verkabelte Klingel-Anlage sieht, oder den Chief Butler Raum. Die Küche ist mit Liebe zu Details eingerichtet und die Vorstellung, dass es hier gleich ein Festessen gibt fällt leicht. Neben dem üblichen Gemälde und Antiquitäten Sammelsurium finden sich immer wieder Fotos der aktuellen Bewohner, was der ganzen Sache einen interessanten Touch gibt.
In jedem Raum steht jemand, der gerne Fragen beantwortet. Und eigentlich brauchen wir gar keine stellen, jeder kommt zu uns, um uns auf die Besonderheiten aufmerksam zu machen. Irgendwie fällt man hier als Deutscher auf. So kennen wir am Ende einige Geschichten und Zusammenhänge, die uns sonst vielleicht verborgen geblieben wären.

Zum Abschluss schauen wir uns die Gärten an – leider ist es zu dieser Jahreszeit nur zu erahnen, welche Rosenpracht sich hier entfaltet, noch schmücken nur ein paar Osterglocken und Primeln die Anlage. Ganz klar, hier muss ich nochmal zu einer günstigeren Jahreszeit hin! Nicht, dass ich wirklich neue Gründe bräuchte um nach Corby zu fahren, aber diesen füge ich glatt hinzu 😉

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Freundschaft

Title friendship 2018

Corby im März ist für mich meist mehr als Karneval. Es sind auch ein paar Urlaubstage mit lieben Freunden. Seit 10 Jahren fahre ich jetzt mindestens einmal im Jahr nach Corby und betreue unsere Gäste zu Karneval hier in Velbert. Aber während unser Karneval und der Sommerbesuch gefüllt sind mit Terminen und der Organisation für eine große Gruppe, gibt es im März nur ein kleines Programm. Außerdem bin ich oft alleine, maximal mit einer Handvoll Leuten unterwegs, da bleibt viel mehr Raum für Gespräche und Wünsche, was man machen möchte.

2018-03-airport

Am Flugplatz Birmingham

Dieses Jahr hat mir das Wochenende besonders viel bedeutet, da meine Freundin Terri nicht zu unserem Karneval kommen konnte. Also gab es für uns besonders viel zu bereden und wir haben uns am Donnerstag nach der Generalprobe ein gemütliches Essen beim Inder gegönnt. Der Freitag dagegen war komplett durchgestaltet, schließlich waren wir wegen der Selection- and Crowning Night da. „Wir“ waren in diesem Jahr Uwe und ich. Nach unsere Trennung im letzten Jahr hat es mir ziemliche Bauchschmerzen gemacht, ob es eine gute Idee ist, diese Tour mit ihm alleine zu machen, aber es hat sich einfach ergeben, da sonst keiner mit konnte und es ja schließlich auch seine Freunde sind. Und die Engländer haben sich gefreut uns Beide mal wieder für sich zu haben.

Samstag gab es zwar ein Rahmenprogramm, aber wir hatten die Möglichkeit uns immer mal auszuklinken. Da Uwe, bedingt durch einen Autounfall, immer noch angeschlagen war, hat er sich die meiste Zeit mit Graeme und Doughi gemütlich zurückgezogen, während ich Terri begleitet habe. Das frisch gewählte Court hatte die erste Aufgabe zur Teambildung zu leisten. Nach einer einführenden Ansprache von Terri über die Pflichten, Erwartungen und Regeln, die die Mädels im folgenden Jahr erwarten, geht es los zum shoppen. Keine leichte Aufgabe. 6 Mädchen mit unterschiedlichen Geschmäckern, Größen und Formen müssen sich auf ein gemeinsames Outfit einigen. Egal ob Kleidung, Handtasche oder Schuhe, alles muss zusammen gehören. Nur kleine Abweichungen zwischen Senior und Junior Court sind erlaubt. Die große Event-Robe wird in jedem Jahr von Terri vorgegeben und gemeinsam mit Bonnie auf den Leib geschneidert (so dass es bei einigen noch mitwachsen kann!), aber die Tageskleidung wird jetzt ausgesucht – einmal mit Hose und einmal mit Kleid oder Rock.
Ich gönne mir eine kleine Auszeit und erledige meinen eigenen Einkauf, der in ein paar Hosen, Schuhen und einem Pullover besteht. Zum guten Schluss kommt noch ein Koffer dazu, den ich allerdings mit allem was ich nicht brauche (wie zum Beispiel all meinen Haargummis) bis Juli  bei Terri parken werde, damit er im Bus nachhause fahren kann.
Als ich fertig bin, ziehen die Mädchen gerade in die Umkleide ein. Für mich die Gelegenheit eine völlig neue Erfahrung zu machen. Eines der Mädchen hat körperliche Einschränkungen, so dass sie Hilfe benötigt und ich fühle mich ehrlich gesagt geehrt, dass sie mir ihr Vertrauen schenkt und mich helfen lässt. Aus meinem eigenen Leben kenne ich die Mühsal, wenn etwas nicht so leicht von der Hand geht. Ich werde die Zeit, als mein Herz unter 20% Leistung lag, nie vergessen, selbst Schuhe anziehen war damals eine Höchstleistung. Aber das alles erscheint mir heute nichts im Vergleich dazu, was Katie jeden Tag leistet wenn sie etwas tut, an das wir in der Regel keinen Gedanken verschwenden: sich anziehen! Aber gemeinsam bekommen wir das hin und ich bin ehrlich begeistert, von dem, was die Girls ausgesucht haben. Zumindest das komplette Hosen-Outfit inklusive Jacke steht. Das Kleid muss auf den nächsten Laden warten, da im Aktuellen die Möglichkeiten einfach zu begrenzt sind heute.
Gemeinsam mit den Herren machen wir eine Imbiss-Pause und genießen die obligatorischen Fish & Chips. Gut ich lasse die Chips weg, weil ich weiß, was mich am Abend erwartet, aber den Fisch liebe ich. Meine erste Wahl Haggis ist leider gerade ausverkauft.

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Gemütlich im Sondes Arms

Für Uwe und mich geht es jetzt zurück ins Hotel, während Doughi zur Arbeit muss, Terri noch Kleider mit den Mädchen kauft und Graeme das selbe macht, wie wir – einen kleines Schläfchen.

Am Abend sind wir im kleinen, wirklich historisch wertvollen Örtchen Rockingham zum Essen. Das Sondes Arms ist ein wunderschönes Restaurant mit vielen Ecken und Nischen und sehr gut besucht. Das Essen verrät uns warum. Einmal mehr fragen wir uns, warum es immer heißt, englisches Essen wäre schlecht. Natürlich gibt es Unterschiede und nicht alles würde mich begeistern, aber das gilt auch für deutsches, französisches oder italienisches Essen. Das Essen heute ist einfach mega und das Ambiente dazu macht den Abend ganz besonders. Dazu kommt die unbezahlbare Zeit mit den anderen.

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Durchprobiert – Lecker!

Wir ziehen das gemütliche Beisammensein soweit es geht in die Länge und quatschen über Gott und die Welt. Diese Abende sind es, die ich liebe – in aller Ruhe mit Freunden Meinungen und Ideen austauschen.

Gegen 23 Uhr brechen wir schließlich auf, da wir Doughi noch an seiner heutigen Arbeitsstätte besuchen wollen.
Als wir den Pub erreichen, ist sicher nicht nur mein Tinnitus dankbar, dass die Disco-Zeit zu Ende ist und wir genau zur Last Order ankommen. Noch bin ich etwas erstaunt, dass an einem Samstag, trotz gelockerter Gesetze schon vor Mitternacht hier Ende ist, aber ich habe dies kaum ausgesprochen, als uns ein Entertainment der besonderen Art beweist, dass es seinen Sinn hat. Hinter uns setzt Gezeter ein und es fliegen Gläser. Am Ende des Abends erlebe ich tatsächlich meine erste Kneipenschlägerei und ich weiß nicht, ob ich die Mitarbeiter des Pubs für ihre Ruhe bewundern oder sie als abgestumpft und desinteressiert abstempeln soll. Die Polizei kommt – wie sollte es anders sein – genau in dem Moment, wo die Verursacher in ein Taxi steigen und verschwinden. Immerhin darf ich mal wieder mit einem englischen Polizisten reden und wir alle haben noch am nächsten Tag reichlich Gesprächsstoff. Unser Abend wäre so oder so jetzt beendet gewesen.

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Abschieds-Treffen im Hotel

Sonntag trifft sich dann alles nochmals im Hotel um uns zu verabschieden. Während die Familien einfallen um den Muttertag zu feiern, ziehen wir die Zeit soweit es geht und schauen zurück und planen nach vorne, aber schließlich ruft Arbeit, Abflugzeit oder Familie und wir machen uns auf den Heimweg.

Was meine Bauchschmerzen angeht, so haben sich diese auf mein Zwacken durch die Gallensteine beschränkt und waren im Bezug auf den „Ex“ überflüssig. Egal ob unterwegs mit Freunden oder alleine im Hotel, es war harmonisch, friedlich und unterhaltsam. Wir haben es geschafft die Dinge, die uns schon vor unserer Beziehung verbunden haben zu pflegen, das ein oder andere Missverständnis zu bereden/neu zu beleuchten und es ein rund um schönes Wochenende werden lassen. Und ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich mutmaße, dass es meine harmonischste Scheidung werden könnte und wir weiter gemeinsam unser Hobby Großbritannien leben können, wenn wir diesen Level erhalten, pflegen und damit eine neue freundschaftliche Basis schaffen.

Proklamation auf Englisch

Corby 2018 - entering Princesses

Wir sind mal wieder in Corby und ein Jahr Regentschaft endet. Das Carnival Court in unserer Partnerstadt wird jedes Jahr am 2. Freitag im März gewählt. Anders als bei uns, weiß zu Beginn des Abends keiner, wer am Ende auf der Bühne steht und die Krone trägt.

Nach unserer Ankunft bekommen wir schon am Donnerstag einen kleinen Einblick, wer alles zur Wahl steht, da wir das Ende der Generalprobe miterleben. Im Gegensatz zu den Vorjahren kenne ich die wenigsten der Teilnehmerinnen, was es letztlich um so spannender macht. Die Mädchen und jungen Damen machen sich mit der Bühne  und den Ein- und Ausmarsch Regeln vertraut, die doch etwas umfassender sind, als bei uns. Noch sind alle relativ entspannt und so ein Blick hinter die Kulissen gibt einen viel besseren Eindruck, wie die Mädels so miteinander umgehen. Lediglich bei der Probe der Verabschiedung merkt man auch heute schon, welch eine ergreifende Zeremonie uns hier erwartet.

Freitag helfen wir den Saal festlich zu gestalten und bereiten uns auf ein paar schöne Stunden vor, die zumindest mir eine emotionale Achterbahn bescheren werden.

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Mit dem Bürgermeister von Corby

Nach einer kleinen Pause im Hotel geht es in festlicher Kleidung zurück ins Grampian und wir treffen auf viele Freunde, (ehemalige) Bürgermeister, Eltern und mittlerweile sehr aufgeregte Mädchen. Die Veranstaltung wird wie im letzten Jahr von Corby Radio unterstützt, Andy moderiert gekonnt und hilft der ein oder anderen Teilnehmerin, die Nervosität in den Griff zu bekommen.

Die Wahl des Corby Carnival Court ist eine komplexe Sache und ich bin froh nicht einer der Judges zu sein (einmal hat gereicht!). Es geht hier nicht um einen Schönheitswettbewerb – auch wenn man das bei manchem Erscheinungsbild meinen könnte. Natürlich zeigt sich jede von der besten Seite, ob es aber einer 12 jährigen unbedingt zu Gute kommt auf High Heels und mit künstlicher Bräune auf die Bühne zu gehen, bleibt fraglich. Preisrichter und Schiedsrichter sitzen vor der Bühne, VIP’s, besuchende Courts anderer Städte, Familien und weitere Gäste bilden einen großen (und leider manchmal viel zu lauten) Rahmen darum herum, während die Mädchen nun einzeln die Bühne betreten und dort ihre Rede halten. In wenigen Minuten muss sich der Preisrichter ein Bild darüber machen, ob die jeweilige Teilnehmerin die Stadt Corby gut vertreten kann. Verständlichkeit, ein offener Blick, eine gute Körpersprache, ein grader Gang und auch ein ehrliches Lächeln fließen hier positiv in die Wertung ein und spielen eine weitaus größere Rolle, als Glitter über den Augen, braune Haut, eine Traumfigur oder Glitzersteine auf dem Kleid. Die 26 Mädchen teilen sich auf in 20 Bewerberinnen für das Junior Court (unter 14) und 6 für das (Senior) Court. Schließlich haben alle ihre Rede gehalten und die Richter ziehen sich zurück um das Punkte-System, welches für die Wahl vorgegeben ist auszuwerten.

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Mit dem scheidenden Court

Damit alle dabei sind beginnt die Verabschiedung des 2017 Court sobald die Wahl ausgewertet ist. Dieser Teil ist immer schon sehr tränenreich gewesen und auch in diesem Jahr bricht das ein oder andere Herzchen, während die Queens und Princesses ihre Abschiedsrede halten. Das Finale wird mit einer „Time to say Goodbye“ Live Version  von Kara Hamer begleitet und ich ziehe meinen Hut vor der jungen Dame. Meine Augen sind nicht trocken als schließlich das Committee Spalier steht, die Insignien der Macht abgelegt sind und die sechs sich ein letztes Mal gemeinsam verneigen.

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Das neue Court

Ganz komme ich um eine offizielle Teilnahme nicht herum und stehe nun doch mit auf der Bühne um die neu gewählten Prinzessinnen zu krönen. Neben mir steht der diesjährige Bürgermeister um diese Aufgabe bei den Queens wahrzunehmen. Unter viel Beifall werden nun nacheinander die Gewinner verkündet und kommen zu uns auf die Bühne. Das neue Court nimmt auf den Stühlen Platz und eigentlich ist dies eine fröhliche Zeit. Aber in diesem Jahr wird es noch einmal sehr emotional.
In den letzten zwei Jahren hat Corby zwei ihrer Carnival Girls beerdigen müssen – zunächst Kayley, die nach jahrelangem Kampf ihren mentalen Problemen nicht mehr widerstehen konnte und dann Victoria, die unerwartet ihrer chronischen Erkrankung erlag.
Um die Erinnerung an Beide zu erhalten wurden für die Queens Wanderpokale gestiftet. Die Kayley Trophy geht an die Corby Carnival Queen und die Victoria Trophy an die Junior Queen.
Der Vater von Kayley möchte für Kayleys Erkrankung sensibilisieren und wendet sich an die Öffentlichkeit – so auch an diesem Abend mit einer wunderbaren, ergreifenden Rede. Ich stehe hinter ihm auf der Bühne und bin fix und alle, erst recht als er mich und meine Freundschaft zu Kayley auch noch mit einbezieht.

Auf und rund um die Bühne werden nun Bilder gemacht und ich komme dazu noch eine kleine Zusage in die Tat umzusetzen. Das scheidende Court verabschiedet sich mit den unterschiedlichsten Gesten und eine davon teile ich – Jordan hat ihre Haare bewusst wachsen lassen und mit ihrer Verabschiedung eine Haar-Spende verbunden. Unter großem Ablaus (viele in diesem Saal wissen, was lange Haare für eine 18 Jährige bedeuten können) lässt sie sich ihren langen Zopf abschneiden, damit dieser zu einer Perücke für krebskranke Kinder gemacht werden kann.

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Ab sind sie

Ohne Ablaus, still und heimlich in der Ecke, schneidet Jordans Mama auch meine Haare ab – für eine Kurzhaar-Perücke sind es genug. Irgendwie habe ich mich zu der Aussage verleiten lassen, wenn Du das wirklich machst, dann bin ich dabei. Ich bereue es nicht und habe meinen Spaß daran zu beobachten, wie es teilweise Stunden dauert, bis es auffällt.

Bei soviel Emotionen und tollen, wie traurigen Momenten ist der Rest des Abends dann ein ausgelassenes Feiern auf der einen Seite, ein enttäuschtes „schnell nach hause“ auf der Anderen und Gott sei Dank nur vereinzeltes unfreundliches Tratschen (welches beweißt, dass da jemand noch lernen muss bevor er Repräsentant werden kann) – schließlich haben 20 Mädchen nicht die Spitze erreicht.
Als Stadtteil-Prinzessinnen, die sie ja schon sind, haben aber auch sie ein aufregendes und wichtiges Jahr vor sich, in dem sie in Corby viele Wohltätigkeitsveranstaltungen unterstützen, sich weiter entwickeln, Freundschaften schließen und dann vielleicht im nächsten Jahr das Puzzelteilchen im Gepäck haben, dass den Ausschlag gibt und dieses Jahr noch gefehlt hat.

About Friendship

Friendship is not about living close and seeing us each day. It’s about being there when it’s needed the most. Not physically maybe but in mind or by sending messages that make your day.

I’m a lucky person as I have such a friend – a best friend! I don’t want to say my life is dark at this time (to many good people around me that make it grey at least!). But in that grey times she did send me a bright light, something I can look out to. Something that gives me the feeling of 2018 will have a special touch that’s not combined with „first time without Mum“ (not that Mum always have been involved but at least I always shared it with her – this is so new in my life that I never shared it)

You will read about it, when it’s time for her special light in my tunnel. For today I just want to say thank you for such a friend and: to each of us – look out that you never forget about looking into the real signs of friendship instead of being blinded by people that easily say „yes“ to make you believe they are friends. Look into the truth that might be uncomfortable but helpful! Be kind to everybody but warm-hearted to the people that make you go a step forward in the best direction. That sometimes do not agree to what you did but gave you hints how to make it better. This is what friendship is about- help the person you love to develop!

Corby Carnival 

Samstag morgen ist es wieder schön warm und ich bin dankbar, dass ich mich für eine luftige Kostümierung entschieden habe. Bis 10 Uhr gibt es Frühstück und in diesem Zusammenhang eine freudige Überraschung, da das Buffet aufgewertet wurde und sich neben frischem Obst auch Käse in der Auswahl befindet. Ein nicht zu verachtendes Plus, da das typische englische Frühstück hier etwas fade ist. Nach und nach trudeln alle ein und es ist wieder ein farbenfrohes Grüppchen beieinander.

Der Carnival hier in Corby hat jedes Jahr ein Motto und jeder kann sich hierzu etwas einfallen lassen. Manche von uns nehmen diese Gelegenheit wahr, aber viele tragen die traditionellen deutschen Ornate und Garden-Kostüme. Das diesjährige Motto „Stars aus Fernsehserien“ hat mich dazu animiert eine der Frauen aus meiner Lieblingsserie „Friends“ zu wählen – immerhin habe ich mit dieser Serie mein Englisch trainiert. Das Outfit des Corby Court entspringt einer älteren Serie und ihre Kleider sind den damaligen Tanzkleidern nachempfunden.
Statt im Rosenmontagszug sind wir hier mit einer Parade unterwegs. Wie bei uns gibt es Fußgruppen und Wagen, die liebevoll dekoriert wurden. Wir versammeln uns zunächst am Grampian Club – mehrerer Räume können hier angemietet werden und es gibt Pub… in dem Wissen, dass während Parade und anschließender Open Air Veranstaltung eine Durststrecke vor uns liegt, genießen wir den kühlen Innenraum bei Cola, Lager, Cider oder Wasser. Unser Bus wird am Ende der Parade mitfahren und wir müssen uns vom Kinderprinzenpaar trennen. Wir gehen mit Stadtteil Prinzessinen, Müttern und einigen Gast-Courts auf einen Wagen (float), wogegen das Prinzenpaar mit dem Corby Court in der Kutsche fahren wird. Entgegen der letzten Jahre hat unser Auflieger kein Dach und wir können uns auf pralle Sonne freuen.

Hoheiten in der Kutsche
Das Kinderprinzenpaar in der Kutsche
Unterwegs mit dem Auflieger

Es ruckelt auf unserem Wagen

Queens und Princesses von Corby

Das Corby Court

Vom Club geht es in die Zugaufstellung wo Marcel, Marie-Lena und ich erst eine kniffelige Aufgabe lösen müssen, bevor wir an feiern denken dürfen. Mittlerweile ist es Tradition, das das Prinzenpaar gemeinsam mit mir und meist einem weiteren Jury Mitglied die besuchenden Courts bewerten. In diesem Jahr gibt es 7 angekündigte Courts, aber 2 sind bis zum Start der Parade nicht da. Mit Stift und Auswerte-Unterlagen machen wir uns daran die „Queen of Queens“ zu finden. Hier sollen wir darauf achten,  wie sie ihren Prinzessinnen zur Seite steht, von sich aus die Konversation mit unserem Prinzenpaar führt und weiter Kleinigkeiten, die eben eine Queen ausmachen. Außerdem gibt es die Kategorien „Princess of the day“, „Court of Courts“ und „best float“ – letzteres ist dieses Jahr leicht, da leider nur 2 Courts eine Kutsche haben. Aber bei all den Prinzessinnen, Queens und Bewertungsmaßstäben ist es nicht einfach zu einer Meinung zu kommen. Schließlich ist es geschafft und wir können die Listen abliefern und uns anderen Dingen zu wenden.
Ich werde aus allen Ecken begrüßt, über die Jahre habe ich viele Bekanntschaften in Corby entwickelt. Die Wartezeit vergeht dieses Jahr wie im Flug und schon bald stehe ich mit auf unserem Wagen. Der niedrigere Aufbau macht einiges leichter und ich finde die bessere Augenhöhe zu den Zuschauern gut. Allerdings mangelt es doch sehr an Fixpunkten, so dass ein sicherer Stand das A und O während der Parade ist. Der Auflieger lässt sich wunderschön in Schwung bringen und mehr als einmal hüpft es heftig… die Parade beginnt unerwartet pünktlich und wir rollen im ersten Teil des Zuges mit.

Am Wegrand stehen Leute vor ihren Häusern, winken und machen Bilder. Üblicherweise wird in England nichts geworfen, aber in diesem Jahr gibt es doch zwei Teams, die kleine Süßigkeiten-Tüten unter das Volk bringen. Die Zuschauer sind durchweg nicht verkleidet, es herrscht kein dichtes Gedränge, wie man es bei uns kennt, aber die Menschen, die am Rand stehen, sind wirklich da um die bunte Menge zu sehen und den Carnival zu erleben. Mit der Parade laufen einige Geldsammler: in Eimern werden Spenden von den Zuschauern gesammelt, mit denen unter anderem die Parade unterstützt wird. Es ist eine angenehme Abwechslung nicht um Süßigkeiten angebettelt zu werden und dabei zu erkennen, dass der eigentliche Brauch nicht verstanden/geachtet wurde. Kein Gemurre über die Wurfmaterialien, weil sie zu weich, hart, klein, alt oder was auch immer sind…. auf unserem Wagen wird gesungen, getanzt und gewunken. Ab und zu werfen wir auch ein Helau in die Reihen und haben unseren Spaß vom Wagen aus einen kleinen Einblick in die englischen Vorgärten zu erhaschen. In den Spaß mit und für alle mischt sich für mich die Freude, dass unser mitreisender Nichtkarnevalist voll dabei ist – so wie er Stimmung aufnimmt und verbreitet, kann mancher von uns noch etwas lernen.

Zum Ende der Parade bin ich um einen spaßigen Umzug und einen Sonnenbrand reicher – nach 7 Jahren überdachtem Float war mein Kostüm ein nicht ausreichender Sonnenschutz auf dem offenen Tieflader. Aber es tut der Stimmung keinen Abbruch, als wir am Westgleb Park ankommen. Hier ist ein kleiner Fun Park aufgebaut, in dessen Zentrum der Bus von Corby Radio steht. In Liveübertragung werden hier Teilnehmer geehrte, Trophäen überreicht und Tanzdarbietungen musikalisch und mit viel Kommentaren von Chuck in den Äther übertragen. Gemeinsam mit den anwesenden Courts werden auch wir in die Arena gebeten und vorgestellt, bevor wir uns ein wenig die Zeit vertreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Anschluss geht es mit dem Bus zurück ins Grampian zum Queens Tea  – neben Sandwiches und Sweets gibt es Tee und Limonaden. Angenehm ist die Tür zum angrenzenden Pub, so dass wir uns auch ein Cider oder Lager gönnen können. Nach gut 5 Stunden Alkohol freier Zone wegen anwesender Kinder in öffentlichen Bereichen gleitet so eine Erfrischung wohltuend durch die Kehle, das muss ich zugeben. Während die Veranstalter letzte Vorbereitungen treffen, entwickeln sich einige Gespräche und ich bedaure bei einigen, dass ich sie nicht weiterführen konnte (wer sich mit mit mir unterhalten hat, bitte melden ich habe da noch 1-100 Fragen). Aber schließlich kommen wir noch zu einem offiziellen Teil, den ich nicht verpassen darf. Übersetzen muss ich allerdings in diesem Jahr gar nicht mehr! Ich kann einen großen Teil einfach nur genießen.

Die Carnival Queen Rosalind startet mit einer Dankesrede und dann werden Queens, Floats etc. geehrt – ein Blick in die Gesichter zeigt mir, dass unsere Arbeit in der Zugaufstellung sich gelohnt hat. Schließlich kommt der Teil wo unsere Tradition sich in die englische eingewoben hat und auch unser Prinzenpaar hat noch einen offiziellen Auftritt, verleiht Orden und bedankt sich für diese tolle, neue Erfahrung. Aus Velbert gibt es ergänzend eine Ehrung für die unermüdliche Terri, neue Court-Orden und einen neuen Freundschaftsorden. Am Ende wird viel gebützt, geherzt und gelacht. Ich bin einmal mehr froh, dass wir die Jugend für Corby begeistern konnten.

 

      

 

 

 

 

 

Der offizielle Karneval ist nun vorbei, aber unsere schöne Zeit noch nicht – für eine kurze Umziehpause geht es ins Hotel und dann zurück ins Grampian. Jetzt ist zwanglose Party angesagt, Nick von Corby Radio versorgt uns mit Musik, schottische Tanzdarbietungen werden gefolgt vom deutschen Kinderprinzenpaar Tanz und diversen Partytänzen. Mit einer Tombola/Raffle wird ein wenig finanzielle Unterstützung generiert und am Rand hat jeder die Möglichkeit Spaß-Fotos zu machen. Die Zeit bis zur „Last Order“ vergeht wie im Flug. Einige von uns nehmen noch eine Einladung wahr, der Rest wird ins Hotel gebracht.
Ich selber bin mit dabei noch etwas weiter zu ziehen und der privaten Einladung von Tracy und Doughi zu folgen. Schlaf technisch sicher ein Fehler, da es nun eine sehr kurze Nacht werden wird, aber für den Spaßfaktor ein großer Gewinn. Und schließlich endet dieser Tag eher früh am nächsten Morgen in unserem Hotel.

 

 

Karneval ganz anders

Freitag um 3:40 schiebe ich gesammelte Koffer Richtung Fahrstuhl, winke den Katzen ein schnelles Tschüss zu und mache mich auf den Weg nach England. Freudig überrascht sehe ich unten vor der Tür unseren Bus und die Ersten, die über die Straße kommen um mir dabei zu helfen Ornate, Fasanenfedern und Karnevalskostüme zum Bus zu schieben. Und es regnet nicht, wir alle stehen da im T-Shirt… für mich mittlerweile fester Bestandteil meines karnevalistischen Daseins, ist es doch immer wieder ein interessantes Gefühl sich im Sommer mit diesem, in Deutschland eher winterlichem Brauch auseinander zusetzen.

Schnell sind Koffer, Kleidersäcke, Getränke und Geschenke verladen und um 3:58 schließen sich die Bustüren. Eben durchzählen, keiner zuviel , keiner zuwenig im Bus und 3 Minuten später rollen wir. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so pünktlich (und so früh) losgefahren zu sein. Etliche Stunden, Kilometer, Länder, eine Fährfahrt später treffen wir uns mit unseren Freunden in Corby. Unsere Partnerstadt in Großbritannien pflegt den selben Brauch, wie wir hier in Velbert. Also zumindest dem Namen nach. Wir fahren zum Carnival ….

Das frühe Abfahren hat sich gelohnt, ohne nennenswerte Verzögerungen erreichen wir Calais. Selbst in Antwerpen hält uns kein Stau auf. Die Grenzkontrolle haben wir zügig hinter uns. Dank ‚oberlehrerhafter‘ Planung sind Papiere da, jeder Jugendliche steht bei den zugeteilten Erwachsenen, die für diese Fahrt die Verantwortung von den Erziehungsberechtigten erteilt bekommen haben, mein leicht gluckenhafter Blick hinter den Beamten ist völlig überflüssig, alle kommen in ihren Grüppchen sehr gut zurecht. Langsam gewöhne ich mich daran, dass ich nicht mehr übersetzen muss und gemeinsam amüsieren wir uns über die Fragen und Gesichter der Grenzer – was wollt ihr denn ausgerechnet in Corby? Ihr feiert da Karneval?? Auch der Ärmelkanal ist auf unserer Seite und wir genießen die Überfahrt bei ruhiger See, Sonne und genug Sitzplatz auf dem Oberdeck. Eine besonders zutrauliche Möwe begeistert ihre Zuschauer und gefühlt im Handumdrehen erreichen wir die Steilküste und Dover.

Leider wird es jetzt doch ein bisschen zäh und wir kämpfen uns im Stop and Go über die nächsten Meilen bis wir die Autobahn Richtung London erreichen. Zwischen ‚wir wollen schnell an London vorbei‘ und ‚ich muss mal, aber das Chemie-Klo ist überfordert‘ hin und her gerissen stehen wir im nächsten zähflüssigen Verkehr und passieren Dartfort Crossing und damit eines der größten Nadelöhre. Der nächste Rastplatz ist unser und alle fliegen aus dem Bus raus mit der Order zügig Pipi zu machen und zu rauchen, damit wir keine unnötige Zeit verlieren. Und wieder sind alle Zack Zack fertig und zurück im Bus sobald die vorgeschriebene Pause beendet ist. Wenn das dieses Wochenende so bleibt, habe ich tatsächlich auch Urlaub – toll!

An den erwarteten Stellen staut es immer mal wieder, aber wir fressen kontinuierlich Kilometer oder eben Miles. Trotzdem zieht sich das ganze in gefühlte endlose Länge. Aber wir kommen in Corby an, nach so vielen Jahren kenne ich den Weg und schiele nur zur Sicherheit auf die aktuelle Karte, schließlich weiß man nie ob unsere Partnerstadt genauso viele Baustellen einrichtet, wie sie zuhause zu finden sind.

Wir sind am Hotel, Hurra! Und werden von einem leuchtenden roten Spalier begrüßt. Das Corby Carnival Court ist geschlossen zu unserer Begrüßung da. 6 mal Jugend zwischen ca 11 und 19 Jahren in Sommerkleidern, mit Tiara und Schärpe sehen uns entgegen und ich kann kaum schnell genug aus dem Bus kommen um sie in die Arme zu nehmen. Immerhin fiebern wir diesem Wochende seit März entgegen.

Anders als bei uns, werden hier Wahlen abgehalten, da es immer mehr Bewerberinnen als Hoheiten gibt. Im März sind sie angetreten, haben eine Rede gehalten, gezeigt ob sie uns in die Augen sehen können und stolperfrei eine Treppe herauf und wieder herunter gehen können. Was für viele vielleicht einfach klingt, ist eine echte Herausforderung- Selbstsicherheit, klarer Blick und Ausprache zählen mehr als das gängige Schönheitsideal. Nicht für ein paar Wochen, sondern für ein ganzes Jahr werden die Queens und Princesses ihre Stadt vertreten. Hier in England gibt es nicht die eine 5. Jahreszeit, sondern in diversen Städten unterschiedlich Carnivals, zu denen man sich gegenseitig besucht und repräsentiert. Das Corby Court setzt sich dabei aus einer Queen mit zwei Prinzessinen (älter als 14) und einer Junior-Queen mit zwei Prinzessinnen (zwischen 11 und 14) zusammen. Neben den vergnüglichen Besuchen übernehmen die Mädels eine Menge Pflichten, da sie ein Jahr lang verschiedene Spendenveranstaltungen unterstützen werden. Von Einkaufstaschen packen bis zu Fallschirmsprüngen war in den Jahren, die ich diesen Brauch teile schon alles dabei. Dabei ist es Aufgabe der Queen, ihr Team zusammenzuhalten, bei Problemen zu helfen, Streit im Stillen zu schlichten und Sorge zu tragen, dass Corby stolz sein kann, wann immer dieses Court für die Stadt eintritt.

Dieses Jahr habe ich es geschafft im März bei der Wahl und Krönung dabei zu sein und die Mädchen mit ihrem Caperon in den ersten Stunden zu begleiten. Der Caperon, liebevoll auch Queen Mum genannt, ist Taxifahrer, Freundin, Lehrer, Projektplaner, Geldsammler, Seelentröster, Werbemanager, Elternbändiger und so vieles mehr. Hier in Corby ist dies Terri’s größtes Hobby – ein Ehrenamt mit viel Verantwortung, welches sie, nicht nur in meinen Augen, wunderbar wahrnimmt. Oft genug war ich Zeuge, wie ihr Rat von anderen gefragt war und ‚ihre‘ Mädchen Preise einsammeln. Die Details gehören zum nächsten Tag…

Jetzt gerade vermisse ich genau diese Seele des Corby Carnival. Zwar stehen die Mädchen nicht alleine zum Empfang bereit, aber Terri ist noch unterwegs um unsere Flieger einzusammeln. Neben den 21 Gästen im Bus haben sich 8 weitere Velberter mit dem Flieger auf den Weg gemacht – leider fehlen da Urlaubstage um die ganze Zeit dabei zu sein. In jedem Fall ist der Empfang herzlich und quirlig. Koffer werden ausgepackt, Zimmer zugewiesen und neben den Mädchen werden Dave und Graeme begrüßt. Noch während ich sortiere, Listen prüfe, Zimmerkarten austeile und alle Anwesenden versorge, kommen auch die Autos aus Birmingham an. In dieser Stunde weiß ich gar nicht ob ich noch wirklich auf dieser Welt bin – Schlafmangel mischt sich mit Freude, Sorge und einer Fülle von Liebe. Schließlich ist alles geklärt, die ersten gehen schon zum gemütlichen Teil des Abends über, ich habe Terri und Stan begrüßt und endlich auch mein eigenes Gepäck auf dem Zimmer.

Wenn wir in Velbert Karnevalisten zählen kommen wir auf eine dreistellige Zahl in verschiedensten Vereinen. Hier in Corby liegt alles das auf den Schultern einer kleinen Gruppe, die in den letzten Jahren zwischen 6 und 8 Personen geschwankt hat. Bis wir das traditionelle Fish and Chips Dinner verputzt haben, haben sich alle aktuellen Committee Mitglieder eingefunden. Außerdem amtierende und ehemalige Bürgermeister, Familienmitglieder und andere Freunde. Ein Gespräch reicher Abend nimmt seinen Lauf und Pläne werden ausgetauscht. Nach und nach leert sich das Hotel und der nebenan liegende Pub, schließlich liegt nach einem langen Tag DER Karneval vor uns. Ich bin beileibe nicht die letzte, die auf ihr Zimmer geht und müde in die Kissen sinkt. Leider tobt, wie so oft, der Sturm des Tages durch meine Gedanken. An einschlafen ist nicht zu denken. Also schnappe ich mir mein iPad und bringe zuende, was ich im Bus begonnen habe. Keine Ahnung ob ich morgen dazu komme das Erlebte weiter zu berichten, aber selbst, wenn ich auf der Rückfahrt ’nachliefer‘ gibt es noch einiges zu berichten von dieser ganz anderen Tradition, die sich dann doch so mit unserem Karneval verwoben hat, dass es immer mehr Freunde dieser gelebten Städtepartnerschaft gibt. Für unseren und den Corby Carnival, für die Verbundenheit mit Corby im Allgemeinen und vieles mehr wünsche ich mir, dass wir Schule machen und an die Jahre anknüpfen, als sich auf allen Seiten darum gerissen wurde Teil dieses Austausch zu sein.