Aufgeben ist eben keine Option!

Manchmal dauert es einfach nur länger, bis man seine Vorsätze, Wünsche, Ziele umsetzen kann. Solange sie nicht von vornherein utopisch gesetzt sind, kann man es schaffen.

Als vor 6 Jahren plötzlich der Boden unter meinen Füßen verschwand und alle Aktivitäten die mir was bedeutet haben nicht mehr erlaubt oder möglich waren, da bin ich (wie wahrscheinlich jeder) durch die Phase des ‚ich will gar nicht mehr‘, über die ‚das schaffe ich nie‘ bis zu der ‚da will ich hin‘  gestolpert ohne wirklich zu wissen, was vor mir liegt. Irgendwie hangelt man sich halt durch. Was mir bald klar war, war das ich leben will und nicht vegetieren. Gerade für meine Mama war es sicher nicht leicht zu sehen, wie ich über die Stränge geschlagen habe, gegen die Wand angerannt bin und immer wieder gestrauchelt. Aber Aufgeben galt ja nicht. Als mich letztes Jahr der nächste Schub erreicht hat, sah es nicht so aus, als würde ich mein Ziel erreichen. Die nächste Hürde hat mal wieder kräftig an meiner Zuversicht gekratzt. Geholfen hat mir die Erfahrung der letzten Jahre, ganz nach dem Motto – aufstehen, Krone richten, weiter gehen. Als Prinzessin muss man das ja schließlich wissen 😉

Mit dieser Einleitung versteht ihr vielleicht, warum heute mein ‚Siegertag‘ ist. In vielen kleinen Schritten, mit Rückschlägen, Frustanfällen und ganz viel Unterstützung meiner Therapeuten bin ich heute gleich doppelt angekommen. Für viele mag mein Ziel lächerlich klingen, aber wer sich mit Herzschwäche, Sarkoidose, Bandscheibenvorfällen, Rheuma, Arthrose oder einer ähnlichen Erkrankung auseinander setzten musste, weiß wie bescheiden bedeutende Ziele werden können. Eigentlich wollte ich sogar 3 Dinge – meine alte Jogginstrecke sportlich angepasst zurück erobern, Kardiotraining vom Fahrrad auf den Cross Trainer verlegen und mehr als ein Musikstück durchtanzen.

Nach 6 Jahren habe ich zwei von drei Zielen erreicht!! Beide an einem Tag und wer weiß, wenn ich die Musik morgen auflege, klappt es vielleicht auch mit Ziel 3 – nur  heute bin ich echt durch… Zuerst war das Cardiotraining dran: endlich bekomme ich Unterstützung und darf den Crosstrainer mal testen – Ergebniss 5 min 24 sec bevor mein Puls zu hoch wird und ich aufs Fahrrad umsteigen muss. Aber – Hurra – das reicht um ab sofort immer mit dem CT anzufangen und den Umsteigepunkt nach hinten zu schieben, bis ich 15 Minuten den Puls unter 120 halten kann 🙂 da das Wetter besser ist als erwartet und ich viel freie Zeit habe schaue ich mir als Walkingstrecke heute die Route 2 an. Ich kann ja ganz viele Pausen machen. Theoretisch, praktisch schaffe ich es durchzulaufen – mit meinem eigenen Schneckentempo, aber ja, ich laufe 5,7 km am Stück und habe genauso viel Spaß wie früher beim Joggen ( und genausoviel Pudding in den Beinen hinterher). An dieser Stelle ein ganz dickes Danke, an alle, die mich auf meinem Weg hierher unterstützt haben! Wenn es mir gelingt, ein wenig davon in den Alltag zu retten, dann sollte ich für die nächste Hinterlist meines Körpers gerüstet sein. 

Mittlerweile liegen fast 5 Wochen Reha hinter mir. Einige Male zuvor habe ich einen Beitrag ins Auge gefasst, aber am Ende nie mehr als ein paar Stichworte geschrieben. Mein Plan mich aus dem Alltag mit allem was dazu gehört, auszuklinken hat nach Anlaufschwierigkeiten ganz gut funktioniert. Allerdings musste ich dafür auch einige Vorsätze über Bord schmeißen – wie zB den Blog mit mehr Bildern zu versehen: schmeiße ich den PC an, dann stürzt das Leben da draußen einfach auf mich ein. Nachholen kann ich all das Erlebte hier natürlich nicht, aber vielleicht gelingt mir ja eine erträglich lange Zusammenfassung.

Rund um die vielen Sporteinheiten, Seminaren zur Ernährung, Seminaren zum Thema Herz und Kreislauf, Arztterminen und Ergotherapien habe ich auch zwischenmenschlich wertvolle Erfahrungen gesammelt. Mein Bauchgefühl bei der Anfahrt war nicht ganz unberechtigt – so wie vor 5 1/2 Jahren war es nicht. Die Reha 2011 wird mein persönlicher Spitzenreiter bleiben. Trotzdem bin ich in keiner Weise enttäuscht und würde auch beim nächsten Mal wieder nach Damp fahren wollen. Die Therapie-Abteilungen sind einfach spitze und das Umfeld bietet rundum Urlaubs-Qualität.

Ich habe tolle Menschen kennen gelernt, mich mit Schicksalen beschäftigt, die mich dankbar für meines sein lassen und viele schöne Stunden verlebt. Ich habe auch Menschen getroffen, die ich gerne durchschütteln möchte, damit sie mal aus ihrem Wolkenkuckucksheim fallen, welche die dringend lernen sollten, dass eine Reha kein 5 Sterne Urlaub ist und natürlich die notorischen Nörgler. Alle diese Menschen wären einen eigenen Post wert, aber alle haben auch ein Anrecht auf Privatsphäre und daher bleiben all diese Geschichten in meinem Kopf. Nur das Highlight werde ich vielleicht irgendwann näher beschreiben, wenn ich die Genehmigung bekomme. Zum ersten Mal auf dem 24 Jahre langen Weg mit der Diagnose Sarkoidose habe ich in der Reha eine andere Sarkoidose-Erkrankte kennen gelernt. Ihr könnt Euch denken, dass dies für mich besondere Bedeutung hat.

Langsam geht es aber dem Ende zu und somit ist die Zeit gekommen wieder aufzutauchen. Eine der Abschließenden Aufgaben ist es, die Reha-Vorsätze zu überprüfen – was habe ich erreicht für mich. Den sportlichen Teil habe ich ja schon zu Beginn beleuchtet. Aber auch darüber hinaus bin ich der Meinung diese Zeit als Gewinn verbuchen zu dürfen. Ich habe alte Hobbies neu entdeckt dank der Anleitung meiner Ergotherapeuten, ich habe mich mit einigen unschönen Wahrheiten auseinander gesetzt und hoffe die Einsichten im Sturm des Lebens nicht wieder zu verlieren. Was jetzt folgt ist einfach das herüber retten all dieser Bausteine in den Alltag. Wobei das Wort einfach nicht mit leicht zu übersetzen ist. Stressbewältigung, genug Zeit und Kraft für die nötigen Sporteinheiten……. Mal sehen was übrig bleibt im Laufe der nächsten Monate 

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