Graffiti und Rettungsgasse

Was haben diese beiden Dinge gemeinsam? Nun im ersten Moment vielleicht nichts, eher sind sie sehr gegensätzlich: Graffiti sieht man auf der Autobahn am laufenden Band, die Rettungsgasse eher gar nicht.

Heute hatte ich mal wieder das Vergnügen von Bonn nach Velbert zu fahren – 15 Uhr und zweimal zäh fließender Verkehr

Bei Staubildung

Bei Staubildung -> vor dem Stillstand!

garantiert. Letztlich war es beide Male sogar eher Stop and Go und Stau. Seit meinem September-Erlebnis bin ich doppelt sensibilisiert, was freie Fahrt für Rettungswagen angeht und reagiere ziemlich prompt, sobald es auf allen Spuren im ersten Gang rollt oder sogar steht. In der Regel befinde ich mich sowohl auf der A3, als auch auf der A46 links und somit lenke ich meinen Wagen mit dem linken Rad über die linke Begrenzungslinie. So lange, bis es in den 2. Gang oder über 20-30 km geht. Leider befinde ich mich meistens alleine dort. Heute war ich ausnahmsweise auf der A46 von vier weiteren Rettungsgassen Kennern umgeben – schon besser das Bild. Besonders schockiert hat es mich allerdings, das ich auf der A3 sage und schreibe 8 – ACHT -Mannschaftswagen der Polizei vor mir in Sicht hatte und genau EINER davon im Still-Stand die Rettungsgasse bedacht hatte! Ehrlich ein Graus. Niemals möchte ich vorne derjenige sein, dessen Leben vom Erscheinen der Retter angewiesen ist! Wenn alle sich erst sortieren müssen, wenn der Rettungswagen im Rückspiegel erscheint kostet das wertvolle Minuten!

Einprägsame Darstellung wie es geht

So einfach kann es sein

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Graffiti im Park

Wo da die Graffiti (das Graffiti?) bleiben? Nun ich selber habe dieses hervorragende Bild auf Facebook gesehen, mein Schockerlebnis im Rettungswagen gehabt und werde es sicher nicht so schnell vergessen, aber für all die anderen wäre es vielleicht eine tolle Sache, wenn wir ohne dieses Hauruckverfahren ans Ziel käme. Wenn man also statt dessen eine Bild von unseren  Sprayern bundesweit auf Lärmschutzwände und Betonmittelstreifen machen ließe… sähe bunter und schöner aus als nackte Wände (oder vieles des unzusammenhängenden Zeugs) und würde vielen in ihrer Erinnerung direkt vor Ort auf die Sprünge helfen…..

Nur so eine Idee

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Halloween 

 

Es liegen mal wieder zwei sehr abwechslungsreiche Tage hinter mir. Und passend zum Zeitpunkt Halloween gab es auch einen ordentlichen Schrecken. Wer keine Probleme hat, macht sich welche…. obwohl ich eigentlich dachte ich hätte genug davon. Aber der Reihe nach, schließlich waren es unterm Strich schöne Tage!

Da morgen der Wohnung-Ausräum Countdown endet stand natürlich alles primär unter dem Motto:  ausräumen bei Mama und einräumen bei mir. Und irgendwie hatte ich auch alles gut geplant, so dass ich jeden Tag 3-4 Stunden Arbeit habe und alles einer logischen Reihenfolge unterliegt. Z.B. „lass die Lampen erst abmontieren, wenn Du im dunklen nicht mehr in die Wohnung musst“. Dieser Zeitpunkt war gestern erreicht, gegen Mittag kam der Freund einer Freundin um die Lampen abzuholen – und klingelt mich aus dem Bett! Ich habe verschlafen! Immerhin schaffe ich es mit nur einem Kaffee trotzdem nachmittags um 15:00 Uhr mit dem fertig zu sein, was ich unbedingt schaffen wollte. So gönne ich mir ein bisschen Entspannung bevor ich mich für den Abend fertig mache.
stoh-frauEndlich mal wieder Halloween feiern steht auf dem Programm. Und da ich selber ja nicht mehr Tanzen kann, habe ich mich dazu entschieden auf unserer Vereins Halloween Party zu helfen. Das ist das Schöne an unserem Karnevals-Verein: Wir können nicht nur Karneval! Und da mich die meisten hier sehr gut kennen, bekomme ich auch immer einen „Job“, den ich auch schaffen kann, so dass ich zwar helfe, aber nicht wirklich viel Anstrengung habe. Kurzentschlossen bastel ich mir auch noch ein Kostüm zurecht und verwandel mich in eine Vogelscheuche – irgendwie wollte ich mein Gehirn immer schon mal unterm Arm tragen und Stroh-Doof sein 😉
Die notwendigen Zutaten haben sich schnell gefunden: Verpackungsstroh, Gummistiefel, meine uralte Latzhose (aus der Schwangerschaft vor 27 Jahren!) und ein Garten-Filzhut aus dem Kostümfundus kommen zum Einsatz. Schminke gibt es im gut sortierten Karnevalisten-Haushalt ja eigentlich immer zu finden.
Es wird ein toller Abend und ich bleibe etwas länger, als ich gedacht habe. Es macht Spaß so viele Leute (wieder) zu treffen und die Stimmung ist richtig gut. Trotzdem bin ich schlau genug so heim zu gehen, dass ich ausreichend Schlaf bekomme ohne wieder zu verschlafen!

So habe ich den Tag heute pünktlich begonnen und erst zuhause ein wenig für Platz gesorgt und dann mein Auto bei Mama erneut beladen. Da ich nach der ersten Runde „Sachen ins Auto tragen“ noch Platz hatte bin ich nochmal hoch um Taschen vom Balkon zu holen. Und da passiert es – der Türstopper hält nicht richtig im Durchzug und „Peng“ die Tür fällt zu. Schlüssel – schnell die Taschen abtasten – drin, Babett draußen. Ich hätte heulen können! Ein kleines Trostpflaster finde ich dann doch in meiner Hosentasche – wenigstens mein Handy habe ich dabei, so dass ich telefonieren kann. Was ich auch ausgiebig tue. Jeder, der mir vielleicht einen Tipp geben kann (oder mit Werkzeug vorbei kommen) wird angerufen. Sehr dankbar bin ich dafür, dass sich alle spöttische Bemerkungen verkniffen haben – ich selber frage mich, ob der Stroh-Effekt von Gestern Nachwirkungen hat.
Für meine eigene Wohnung habe ich einen Schlüssel bei Freunden deponiert für einen solchen Fall. Aber Mamas Schlüssel habe ich gestern(!) sortiert und in der Küche hinterlegt, damit mir bei der Wohnungsübergabe keiner fehlt. Ich habe es extra einen Tag vorher gemacht, damit mir noch Zeit zum suchen geblieben wäre, falls einer fehlt. Ätsch, gefehlt hat keiner, aber eine deponierte Reserve gibt es eben auch nicht mehr.
Leider befindet sich unter meinen Freunden auch keiner mit der kriminellen Energie des Türen-Knackers oder ein Fassaden Kletterer, der gerne in den 2. Stock kraxeln möchte. Also beiße ich in den sauren Apfel und rufe einen Schlüsseldienst an – schließlich muss ich morgen um 10 Uhr fertig sein!
Da sich zu Pech gerne noch Unglück gesellt, ertönt bei der Rufnummer des Schlüsseldienstes, der mir als vertrauenswürdig benannt wurde, eine freundliche Damenstimme mit dem Satz „dieser Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar“.. Aber die Zeit drängt! Wir haben 15:30 und um 16 Uhr wollte eigentlich ein Bekannter helfen, die drei Teile in den Keller zu bringen, die ich alleine nicht bewegt bekomme. Also entscheide mich für einen der 24 Stunden Notdienste mit durchweg positiver Bewertung (ich weiß, Bewertungen kann man kaufen). Auf meine Nachfrage am Telefon, was das denn koste, sagt man mir, dass würde mir vor Ort erläutert, bevor der Kollege den Auftrag annimmt, da er ja sehen müsse wie arbeitsaufwändig es wird. Nun eine Wahl habe ich eh nicht – also warte ich 50 (statt angekündigte 30) Minuten im Treppenhaus, die beiden liebsten Nachbarinnen von Mama sind bei dem recht schönen Wetter leider nicht zuhause. Immerhin gelingt es mir die notwendige Hilfe umzuorganisieren! Dank der Party gestern sind einige Vereinskollegen um die Ecke am Ort der Veranstaltung zum Abbauen und sagen zu, danach bei mir vorbeizukommen (Jungs nochmal ein dickes Danke an dieser Stelle).
Als der Schlüsseldienst dann da ist, muss ich doch noch heulen – natürlich bekommt der Kollege schon für die Anfahrt Geld! Und wenn er jetzt wieder fahren würde, dann eine Stornogebühr zusätzlich. Das Günstigste ist noch der eigentliche Lohn… Auch wenn ich mich gerade echt abgezockt fühle, die Tür muss auf! Und das ist sie dann schließlich auch – warum der Kerl es so spannend gemacht hat und erst ein paar Mal ziemlich offensichtlich tollpatschig mit dem Draht abgerutscht ist, lerne ich dann drinnen, während er sein Rechnungsformular ausfüllt… Leider ist die Pauschal-Zeit abgelaufen und die nächste viertel Stunde angebrochen, so dass es glatt nochmal einen Aufschlag gibt… Auch wenn ich mir sicher bin, dass der Typ gerade eine üble Nummer abzieht bezahle ich um ihn loszuwerden und endlich weiter zu kommen. Und kurze Zeit später kommen auch meine Tages-Helden und schaffen mir nicht nur das Zeug in den Keller, sondern bringen mich wieder zum Lachen und das gesammelte Zeug aus meinem Auto direkt auch hoch in meine Wohnung, so dass ich zwar viel Geld verbrannt habe heute, aber immerhin den Zeitverlust einigermaßen ausgeglichen.
Meine Planung ist leider trotzdem nicht aufgegangen, da durch die völlig verdrehte Reihenfolge die Dämmerung eingesetzt hat als ich zurück in Mamas Wohnung bin. Und wie wir uns erinnern – gestern kamen die Lampen ab!
Also packe ich mir meine Roll-Karre noch einmal mit Kartons voll und vertage die letzte gute Stunde Arbeit in der Wohnung auf morgen früh!
Dafür habe ich es dann tatsächlich hier geschafft schon einen Karton, eine Klappkiste und 4 Taschen auszupacken und zu verstauen!
Irgendwie ist es ja auch ein Trost, dass ich jetzt soviel Vorräte an Putzmitteln, Medikamenten, Hygieneartikeln, Bastel-Utensilien und Lebensmitteln habe, dass ich zumindest in der Theorie das Geld für den Schlüsseldienst über „vorläufig nicht notwendige Einkäufe“ wieder raus habe 🙂

DIY – therapeutisches Basteln

Genau vor einem Jahr habe ich über meine Hobbies nachgedacht und ob mein Leben nicht etwas Zuviel davon hat (etwas Hobby braucht der Mensch).
Ich habe wirklich versucht damit aufzuräumen – der Garten ist (eher unfreiwillig) zum Balkon geschrumpft, die Arbeit für die Partnerschaft mit Corby hat sich verlagert, ist dadurch zwar nicht weniger aufwendig aber befriedigender, der Karneval wird sogar wieder größer geschrieben und hilft mir enorm durch die aktuell recht blöde Zeit. Einiges habe ich zumindest auf Eis gelegt oder Zeit-Optimiert….
Dafür spielt anderes jetzt eine größere Rolle. Das therapeutische Hobby Garten ist letztlich ersetzt durch intensiveres Heimwerken – egal ob häkeln, stricken, basteln…. Zu neu deutsch Do IYourself – meine tägliche Herausforderung aber auch Befriedigung.
Nachdem ich letztes Jahr entdeckt habe, dass meine Hände wieder in der Lage sind Werkzeuge gezielt einzusetzen, habe ich ja regelmäßige Bastel-Treffs mit Mama abgehalten und einige Projekte geplant. Umgesetzt davon habe ich einiges leider noch nicht. So muss meine Traum-Weihnachtskrippe ein weiteres Jahr warten, obwohl das Material schon zusammengestellt ist. Aber dieses Großprojekt war mir während meines Umzug und dann nach Mamas Tod doch zu heftig…
Seit ich meine 4 Wände nur noch mit den Samtpfoten teile, habe ich aber das einmal die Woche basteln erweitert auf fast täglich – wenn der Fernseher läuft teile ich meine Abendstunden in „Kuschelzeit“ mit Kara und Jule und „Produktivzeit“ an meinem Esstisch ein. Und obwohl es ja doch wieder ein wenig Arbeit ist, holt mich diese Zeit runter und erdet mich. Da ich meine Fantasie hier austoben kann, einmalige Geschenke erstellen und Wünsche erfüllen, ist es unendlich positiv am Ende eines jeden Abends auf meine Werkstücke zu schauen und das leichte Chaos drum herum zu übersehen.
Wobei auch das langsam besser wird, da ich mit meinem neu zusammen gewürfelten Mobiliar viel Stauraum gewonnen habe und langsam aber sicher aus dem Umzug Chaos herausfinde. Neben „ich häkel mir meine Wunschtasche“ hat mich in den letzten Wochen am meisten das Aufmotzen kleiner Möbelstücke beschäftigt. Warum soll ich mir etwas Neues kaufen, wenn ich aus dem Vorhandenen etwas machen kann? Warum soll ich viel Geld ausgeben für schicke Boxen, Aufbewahrungs-Behälter etc. wenn ich aus einfachsten Grundmaterialien selber den persönlichen Stil hinzufügen kann? Letztlich beginnt doch Nachhaltigkeit schon im Kleinen an dieser Stelle – so viele Dinge warten darauf wiederverwendet zu werden, statt auf dem Müll zu landen – meine kleine „grüne“ Seele kann da einfach nicht nein sagen.
Chabby Chick ist angesagt – Möbel aus altem Holz zusammengesetzt, die an alte Schiffe erinnern oder eben mit neuem Holz auf alt getrimmt werden. Statt diese teuer zu erstehen, habe ich es an zwei kleineren Teilen ausprobiert. Und so ist mein britisches Zimmer um zwei Teile angewachsen, die sich wunderbar zu dem modernen Weiß und dem alten dunklen Holz einfügen.
Grundlage für das Regal war ein einfaches Ikea-Holzregal, welches noch aus Alex Jugendzimmer stammt. Die Utensilien-Box dagegen habe ich in einfacher Optik lange Zeit auf meinem Schreibtisch eingesetzt, möchte sie aber jetzt für die Ordnung an meinem Werkplatz nutzen. Ein paar Pinsel, Schleifpapier und Farben stehen bereit und ich verwandele das eine in ein dunkleres Möbelstück, das andere in eine nostalgische weiße Tisch-Deko.
Ich bin mir sicher diese Technik habe ich nicht das letzte Mal angewendet! Schließlich warten noch etliche angemackte Schränke und Regale darauf in neuem Glanz meine Wohnung zu verschönern und wenn etwas tröstet, stolz macht und auch noch produktiv ist, sollte man es im Leben fest verankern!

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Basis Box

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Basis Regal

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Box in Unterfarben – den Schritt mit weiß konnte ich mir sparen, da die Box nicht fleckig war

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Um die alten Macken/Flecken auszugleichen wird eine Farbschicht weiß als Untergrund aufgetragen

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Ein Wachsauftrag definiert die Stellen, wo später die „alte Farbe“ durchkommt – mehr an Kanten vereinzelt auf den Flächen

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In mehreren Schritten folgt jetzt die „alte Farbe“ – statt viele Schichten aufzutragen, mache ich es mit Patch-Work

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im nächsten Schritt wird die gesamte Box weiß gestrichen

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Die Anzahl der Farben ist Geschmacksache – ich habe viele gewählt um den Eindruck zu erwecken, dass das Regal schon oft gestrichen wurde – anschließend erfolgt der Wachsauftrag für die späteren „Macken“

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Mit Schleifpapier wird jetzt die gesamte Box bearbeitet – an den Stellen wo der Wachs aufgetragen ist kommt die untere Farbschicht zur Geltung

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Nach dem Wachsauftrag benutze ich viel dunkles Braun und ein wenig helles für eine bewußte Unregelmäßigkeit

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Wenn alles gut durchgetrocknet ist, kann die Box mit Servietten Technik verfeinert werden – gerade wenn man mit weiß als Oberfarbe arbeitet kommt das ganz gut zur Geltung

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Der dunkle Farbauftrag sollte vollständig das Regal abdecken und gut durchtrocknen

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durch das anschließende Abschleifen ensteht der Eindruck, dass das Regal im Laufe der Jahre mehrfach gestrichen wurde und der Lack in verschiedenen Schichten abgeblättert ist

Sprichwörtlich 

Ich könnte jetzt etliche Sprichwörter aufzählen, die diese Woche beschreiben würden… Aber „ein Unglück kommt selten allein“ oder „Flöhe hüten ist leichter“ sollen genügen um direkt zum Kern vorzustoßen!
Das es keine leichte Woche wird war klar und durch mein Sonntag morgen Empfinden bin ich mit nicht gerade guter Laune gestartet.
Erst einmal stand Lillis Beisetzungen auf dem Programm. Grundsätzlich übel, da uns eine liebe Vereinskameradin viel zu früh verlassen hat. Persönlich ein de ja vue, da die Trauerfeier in der selben Kapelle wie Mamas war und ich mit der Trauergemeinde schließlich an genau der selben Stelle stand wie schon vor gut 2 Wochen. Lillis Ruhestätte ist neben Mamas im Kolumbarium. Für die folgende Zeit möchte ich es eine positive Fügung nennen, dass da zwei aktive Velberterinnen beisammen sind, die auch im Leben jahrelang gemeinsame Interessen hatten und viele Stunden miteinander verbracht haben, aber am Montag hat es mich jede Reserve gekostet…

Viel zu schnell musste ich mich den „aufräum“ Terminen zuwenden. Auch wenn ich die großen und schwereren Arbeiten nur noch „dirigiere“, so ist es doch mit Hetze verbunden immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und verlangt mir einiges an Projekt-Planung ab (so verlerne ich das Arbeiten wenigstens nicht). Es als solche zu sehen und zu behandeln erleichtert zumindest, da es den wahren Charakter des „ich löse Mamas Zuhause auf“ ein wenig verschleiert.
Dienstag und Mittwoch waren „tief durchatmen“ und „es geht voran“ Tage und ich habe gewagt daran zu denken, dass das Schlimmste getan ist. Als alle „neuen“ Möbel in meiner Wohnung stehen und sich bei Mama „nur noch“ Kartons, Sperrmüll und wenige Teile die einen neuen Besitzer haben finden, gelingt es mir sogar ein wenig vor mich hinzusummen beim Schrank einräumen – ein Hauch gute Laune schleicht sich ein und lässt alles für eine Weile nicht mehr so trostlos aussehen. Aber „schlimmer geht immer“ und schon sind wir bei den zu hütenden Flöhen – wer auch immer diesen Spruch ins Leben gerufen hat, muss schon einen schrägen Humor haben, weil Flöhe eigentlich zu den Dingen gehören, die man eher verhüten möchte, als alles andere….
Keine Ahnung warum dies nach 14 Jahren Dosenöffner-Leben plötzlich auftaucht… oder vielleicht doch? Ich habe die beiden Süßen immer geschützt mit entsprechenden Hilfsmitteln, aber in der  letzten Zeit muss es durchgegangen sein. Wie auch immer… ich finde alle Anzeichen für einen Flohbefall. An Jule und Kara in Form von viel kratzen, kleinem Griesel (Fachleute bestätigen es sind Floheier) und vielem mehr und ich selber habe plötzlich nicht nur den Stress bedingten Nesselausschlag. Da sich die kleinen Hüpfer rasend schnell verbreiten, kann ich jetzt mit hoher Priorität unsere Hütte desinfizieren, waschen was zu waschen ist und taktisch klug die Räume „ausräuchern“ (Hurra ein weiterer Projektplan) damit es nur eine kleine Episode bleibt. Steht zu hoffen, dass die Mittel halten was sie versprechen. In jedem Fall ist es ein „Baustopp“ obwohl die Zeit rennt. irgendwie sträubt sich alles in mir, die eh schon übervolle Wohnung mit weiteren „schau es Dir in Ruhe an“ Taschen und Kartons voll zu stellen. Lieber erst den Floh-Zyklus unterbrechen.
Mittel zur effektiven Gegenwehr gibt es erfreulicher Weise direkt gegenüber zu kaufen. Also gilt es jetzt, den Reiz der schon gemachten Bisse zu überstehen und mit den Sprühfläschchen jedes Eckchen zu reinigen. Schön, dass der Berater in der Apotheke weiß, dass die kleinen Hüpfer nicht bei Menschen parken (die testen den Mensch nur und bleiben da nicht im Fell hängen) und daher auch „nur“ jedes Textil gewaschen werden muss. Auch wenn mich die Katzen mal wieder hassen ob der Gegenmaßnahmen, wenn es sie nicht mehr juckt, dann wird es schnell wieder kuscheliger werden. Immerhin zucken sie jetzt nur noch leicht, statt zu fauchen und strampeln, wenn ich mit der Sprühflasche auftauche um ihr Fell zu reinigen. Die anschließende Kraul- und Zausel-Behandlung genießen sie sogar. Auch an den Geruch des Desinfektionsmittel haben wir uns schnell gewöhnt. Es steht zu erwarten, dass wir auch diese Prüfung mit Erfolg meistern.. Nur die Zeit die zusätzlich drauf geht, die kommt irgendwie nicht zurück.
Also endet dieser Beitrag auch sprichwörtlich mit „10 Kreuze, wenn es vorbei ist“.

Familien-Wochenende

Seit ich herzkrank bin, bin ich bekennender Morgen-Muffel. Schon vorher war der erste Kaffee enorm wichtig und ein Frühstück eher überflüssig. Aber seit gut 7 Jahren darf man mich nicht schräg anreden oder hetzten, wenn man nicht bös angesehen oder angefahren werden möchte. Frühstück brauche ich nur, wenn ich im Urlaub bin und meinen Tag ganz anders gestalte als im Alltag.
Dieses Wochenende war ich zu einem der heiß erhofften Treffen mit meinem Dream-Team der BBSW. Wir haben endlich mal wieder einen Termin gefunden, den ich nicht schmeißen musste und waren Samstag beim Griechen in Sinzig. Leider war ich nicht wirklich in Form – mein Tinnitus tobt seit 3 Tagen auf beiden Ohren und ich konnte den meisten Gesprächen nicht wirklich folgen. Trotzdem habe ich die Zeit mit diesem Teil meiner Fliegerfamilie sehr genossen.
Damit ich nicht Nachts heim fahren muss, konnte ich bei Freunden übernachtet. Ein ganz dickes Danke an dieser Stelle! Ich bin unendlich dankbar so aufgenommen zu werden und in die Familie einzutauchen. Eigentlich – weil leider war ich in meiner Stimmung suboptimal für dieses Treffen und spätestens am Sonntag beim Frühstück war mir klar, dass es zu früh für mich ist um leihweise Familie um mich genießen und würdigen zu können.
Wenn ich von Neid schreibe, so meine ich nicht die missgünstige Eifersucht, sondern die anerkennende Form – Ihr habt etwas unendlich wertvolles, etwas das Ihr erkennt und pflegt. Zum Beispiel mit dem Ritual sich jeden Sonntag, an dem es irgend möglich ist, am Frühstückstisch zu treffen. Ihr habt mich eingeladen und teilhaben lassen. Und obwohl mich die Brötchen nach dem ersten Kaffee angelacht haben und ich liebend gerne ein gekochtes Ei gegessen hätte, war mein Hals zugeschnürt. Ich habe eurem liebevollen Frotzeln zugehört, dem Besprechen was an diesem Tag noch alles passieren soll und dem Plan für die nächste Woche. Und ich war neidisch… oder sehnsüchtig? Nicht auf irgend etwas spezielles und schon gar nicht auf einen Einzelnen – mir war einfach mal wieder bewusst, dass ich ein ganz anderes Leben habe und Euch dafür bewunder das Ihr es, wie auch immer, bei allen Steinen im Weg geschafft habt Euch dieses Familien-Bewusstsein zu erhalten.
Ich bin mit einem wunderbaren Sohn beschenkt und einer fantastische Mama, aber mein Familien-Leben beschränkt sich ab sofort auf unregelmäßige Besuche und Erinnerungen. Heute morgen eben auf die Erinnerung des letzten Frühstück – sechs Wochen her und zu der Zeit nicht im Ansatz genug gewürdigt. Woher hätte ich auch wissen sollen, dass es das letzte Mal ist, dass meine Lebens-Konstante mit mir am Tisch sitzt. Das war der Knoten in meinem Hals und in meiner Brust – ich habe da gesessen, zugehört, meinen Kaffee getrunken und versucht nicht zu stören, selber essen?Undenkbar.
Also versuche ich mal wieder meine Tränen wegzudrücken und mir nicht allzu viel anmerken zu lassen. Und so gerne ich noch viel mehr Zaubertricks gesehen hätte muss ich einfach weg. Zurück in mein Auto, auf die Heimreise in mein tägliches Leben, welches angefüllt ist mit Freunden und Aufgaben, die ihm mehr als nur einen Sinn geben, aber einen völlig anderen Kern hat, der in meinen Augen nicht im Ansatz so wertvoll ist, wie der Eure.

Schlaflos

Als ich diesen Blog angefangen habe, wollte ich kleine Geschichten und Anekdoten erzählen, von Urlaubszielen schwärmen, ein bisschen über Basteln, Gärtnern und andere Hobbies schreiben. In den letzten Wochen war dieser schöne Teil des Lebens sehr klein geschrieben und satt dessen kam mehr Kranksein, Verlust und ähnlich emotionales Ungemach zum Zuge.

Da das Leben voll von Beidem ist, gehört es wohl einfach dazu. Die Resonanz von Euch, die bei mir ankommt, sagt mir „es ist okay auch diese Dinge zu beschreiben“ … vielleicht liegt das daran, dass ich immer zu denen gehört habe, die auch miese Situation noch mit Komik sehen können. Trotzdem kam ich in den letzten Wochen nicht umhin diesen Wesenszug zu vernachlässigen.

Und so liege ich auch heute mal wieder im Bett, habe drei Anläufe „jetzt kann ich einschlafen“ hinter mir und komme nicht zur Ruhe. Dem Vorführ-Effekt sei Dank schlägt mein Herz nicht ganz so wild – ist doch seit heute Mittag das Langzeit-EKG aktiv. Aber dafür schlagen halt meine Gedanken Purzelbäume. Ich fühle mich unzuverlässig, weil ich mein Kollegenteam mal wieder im Stich lassen muss, gleichzeitig weiß ich, dass ich für meine Gesamtsituation immer noch vieles erledigt bekomme. Ich habe positive und negative Countdown im Kopf. Szenarien die mich er- aber auch entmutigen. Und über allem die Angst, dass der Plan, den ich mal wieder neu geschrieben habe, platzen könnte. Und so hangel ich mich durch meine wichtigsten „to do’s“ in der Hoffnung, dass die positiven Countdown gewinnen.

  • Noch 2 Tage, dann habe ich hoffentlich einen festen Plan, wie es mit mir und meinem Herzen weiter geht und wann ich wieder langfristig arbeiten kann
  • Noch 3 Tage, dann habe ich ein paar Stunden mein BBSW Dream Team um mich
  • Noch 1 Woche, dann sind die schweren, großen und unüberwindlichen Dinge aus Mamas Wohnung raus
  • Noch gut 2 Wochen, dann habe ich alles in meiner Wohnung neu aufgestellt und kann endlich aufbauen, statt neues Chaos zu schaffen
  • Noch 1 Monat, dann beginnt die 5. Jahreszeit und damit eine Zeit, die mich Teil eines Teams seinen lässt, das eine besondere Zeit erleben darf

Nebenbei gibt es viele weitere schöne Pläne/Termine, die aber nicht so genau terminiert sind. All das lässt mich den Kopf über Wasser halten und nicht völlig verzweifeln an den Dingen, die mich ängstigen. Und ich stecke meinen Kopf in den Sand um die Gefahr, dass alles platzen könnte, zu übersehen. Das funktioniert zumindest einige Stunden am Tag – nur abends, nachts da gehört diese Angst zu den Dingen, die mich um den Schlaf bringen. Zu dieser Zeit verlässt mich im Moment meine Fähigkeit auch der blödesten Situation noch etwas positives abzugewinnen und ich möchte mich manchmal wie ein bockiges Kind auf den Boden werfen, strampeln und „ich will das nicht“ heulen. Oder die Decke über meinen Kopf ziehen und ein paar Wochen nicht wieder zum Vorschein kommen.

Da dies keine Option ist, bin ich unendlich dankbar für alle diejenigen, die an meinem positiven Countdown einen Anteil haben, diejenigen die in den weiteren Plänen eine Rolle spielen und für meine Helfer, Kummerkästen, Ablenker und in den Arm Nehmer…. was gerade passiert mag mein persönlicher Albtraum, meine Aufgabe und meine Prüfung sein, aber ohne Euch würde ich keinen Fuß vor den anderen bekommen!

To do or not to do!

Mal wieder Zwangsurlaub…. der Lebens-Jahrmarkt dieses Jahr ist endgültig zu turbulent für mein Herz. Aus dem ab und zu störenden Zusatzschlag im August ist ein dauerhafter Trommelwirbel geworden und manchmal habe ich das Gefühl mein Herz tanzt Polka. Wenn man davon absieht, das es ermüdet und ängstigt, so ist es auch noch extrem Schlaf raubend.
Gestern habe ich kapituliert. Natürlich nicht ohne Verhandlungen über die Bedingungen. Wäre ja nicht ich, wenn ich jetzt einfach aufgebe…. also gibt es einen Kuhhandel über den Rahmen der notwendigen Untersuchungen, die Arbeiten zuhause, die ich noch erledigen darf und wo ich mir jemanden suchen muss, dem ich dann zusehe und das absolute Maximum an Zeit, die ich auf meinen Job verwenden darf. Ich habe das Glück, dass mein Job nicht nur Last ist, sondern die Tüftelei über Projekten, die Fehlersuche etc. auch etwas heilendes für meine angekratzte Seele hat!

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Im Gegenzug dazu muss ich die selbe Zeit auf dem Sofa verbringen. Sollte normal nicht sooooo schwer sein, aber wer mich näher kennt weiß, dass ich nicht der Couchpotato bin….. irgendwie bastel ich, stricke, häkel oder wuseln vor mich hin während dann mal der Fernseher am späteren Abend läuft.  Also einfach Kampf-Kuscheln mit den beiden Süßen ist zwar schön, aber nicht gerade meine Parade Disziplin.
Umso mehr genießen Sie es gerade…. heute war es wirklich so schlimm, dass ich ab Mittags alle Termine abgesagt habe. Wie heißt es doch immer so schön? Die Arbeit läuft ja nicht weg… und Gott sei Dank haben alle, die heute was aus Mamas Wohnung holen wollten auch morgen Zeit. Wird dann morgen nur ein bisschen voller drüben. Stattdessen liege ich unter meiner neuen (gestern gekauft!) London-Kuscheldecke, auf meinem London-Bettsofa, schaue auf die Whisky Bar neben dem Fernseher und hab meine Utensilien auf dem UK Knie-Tischchen um mich…. es gibt tatsächlich in meiner, nun nicht mehr ganz so neuen Wohnung ein „Britisches Zimmer“ – alles orange ist weitestgehend verbannt und statt dessen findet sich hier jedes Andenken aus Corby und London, viel Union Jack, diverse DIY Lampen und dank der Aktion im Kaufland diese Woche ein paar ergänzende London Textilien. Nur fertig werden muss ich irgendwann noch. Durch die Wohnungsauflösung bei Mama ist hier nicht nur „Baustopp“ sondern zusätzlich Chaos, weil vieles erstmal in Taschen und Kartons hier einzieht, irgendwann die Schränke dazu nach kommen und/oder das Entsorgen einfach Zeit braucht da es gesichtet und geschreddert werden muss.

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Leider ist das Leben in unerwarteten Situationen besonders überraschend. Erstaunlich, wer dir hilft obwohl du es nie erwartet, geschweige denn gefragt hast, aber auch traurig, wer dir zwar sofort das Blaue vom Himmel verspricht und dann nie mehr gesehen/gehört wird. Zumindest konnte ich in den zweiten Fällen meine Kontakte ein wenig ausdünnen. Mein Leben ist jetzt lang genug und mit ausreichend Erfahrung versehen, um mir den Luxus zu leisten auf Blender, Schwätzer oder Sozial-Legastheniker zu verzichten. Ich bin schon länger nicht mehr der Esel, der das Möhren-Prinzip nicht kapiert… das Bild hierzu habe ich in einem anderen wirklich tollen Blog gefunden – schaut mal vorbei: http://ruppi-struppi.blogspot.de/

Davon abgesehen habe ich von Ärzten und heute in der Therapie den dringenden Rat bekommen, mich neben dem was sein MUSS mal eine Weile nur mit Dingen zu beschäftigen, die mir gut tun oder mich nach vorne bringen. Negativ und nach unten ziehend hatte ich ja erstmal genug.
Und genau das habe ich jetzt vor

  • Schritt für Schritt die Dinge angehen die sein müssen und dabei fest daran glauben, dass die Menschen in meinem direkten Umfeld die Guten sind und mir in den nächsten drei Wochen immer mal eine Stunde zu Hand gehen beim Kleidung eintüten, Kartons packen, Müll entsorgen, Sachen von 2 nach 8 schleppen, Nägel aus der Wand ziehen, Vorhänge abnehmen, Löcher bohren und umräumen
  • Ausreichend entspannen bei schönen Gesprächen oder beim Kuscheln mit den Katzen
  • Untersuchungen hinter mich bringen, die mich einer Lösung näher bringen
  • Kontakt zum Job halten, damit ich nicht irgendwann wieder in Emails und Fragezeichen ersticke, einen kleinen Teil im Team beitragen und meinen Kopf mit etwas beschäftige, was mir Spaß macht
  • Veranstaltungen besuchen, die mir Freude machen und mich weiter zurück zur Normalität bringen
  • Schöne kleine DIYs angehen – ist einfach kürzer als Bastelarbeiten – die mich stolz machen, meine Wohnung personifizieren oder einfach praktisch sind
  • Eine Schneiderin finden, die mir die Dinge zuende macht, die Mama für mich angefangen hat – schließlich soll zB der Anzug, von dem sie glaubt das er perfekt für mich ist auch fertig werden
  • Die grossen Räumungstermine einhalten und mich weiter mit Leuten rumärgern, die so eine Nachlass-Verwaltung kompliziert machen
  • Den wahrscheinlichen Eingriff bald machen zu lassen ohne hier völlig aus dem Takt zu kommen
  • Ein paar Tage ausbrechen und zu meiner Hamburg-Sippe fahren

Wenn ihr mich zwischendurch mal irgendwo dumm rum stehen seht, das Gesicht in die Sonne gedreht, murmelnd oder blöd grinsend, dann ganz vorsichtig anklopfen, weil dann rede ich gerade mit Mama!
Z.B. heute war ein regnerischer Tag, aber als ich von der Therapie zurück bin und kurz sehen wollte was Mamas neues Zuhause macht, hat die Sonne gestrahlt… sicher kennen wir alle die schemenhaften Bilder, die vor dem Auge entstehen, wenn man die Augen schließt nachdem man ins Helle geschaut hat…. und auch wenn es blöd klingt, heute war dieses Bild eine verschwommene Figur mit schulterlangen Haaren…. „ach“ sag ich zu ihr „machen wir jetzt einen auf Engel?“ Der nächste Teil war eines der geheimen Frauengespräche und dann haben wir beide gelacht, weil plötzlich um den Kopf der Gestalt ein Heiligenschein hüpfte…. den hat sie dann ganz schnell weggeschubst. Auch wenn sie für mich die Welt bedeutet, wissen wir ganz genau, dass ihre (wie auch meine) Art nicht wirklich zu heilig passt, dazu sind wir beide zu frech…

Keine Sorge ich drehe nicht durch, das ist einfach nur meine Brücke, das was mich über Wasser hält

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Stille

Ich glaube in meinem Leben hat es noch nie die Situation gegeben, dass ich vier Wochen nicht mit Mama geredet oder geschrieben habe, seit ich in der Lage bin mich zu artikulieren… Selbst als es noch keine Handys oder Facebook gab, auch als ich eben ohne diese Dinge in Thailand, USA oder Afrika war, so gab es immer mindestens eine SMS, einen kurzen Anruf, Karten oder Emails.
Die längste Zeit war sicherlich, als ich mit 10 mit meinem Vater und seiner Frau in Portugal war – wobei ich nicht mal wüsste ob es 2 oder 3 Wochen waren. Und nun ist es schon seit 28 Tagen still. Im Moment wird es leider mit jedem Tag schwerer, weil bewusster was eigentlich passiert ist. Die gnädige Watte des „noch nicht begriffen“ hat sich abgeblättert und übrig ist ein riesen großes Loch neben mir.

Langsam muss ich zurück ins Leben, nein möchte ich zurück! Eben nicht weil ich muss, sondern weil ich einmal mehr weiß wie kostbar jeder Tag ist. Ich arbeite wieder, ich gehe auf Parties und lerne wie es weiter geht.

Wenn die Sonne scheint, dann drehe ich mein Gesicht ins Licht und fühle die Sonnenstrahlen viel bewusster als früher, weil irgendwo da meine Mama ist – zumindest für mich! Am Tag ein Sonnenstrahl, in der Nacht das Funkeln eines angestrahlten Stern. Bei Regen ist sie im Regenbogen oder schläft hinter den Wolken. Sie ist eben einfach immer da! Und ich weiß eigentlich auch fast immer, was sie genau jetzt sagen würde. Das macht es manchmal leichter, manchmal schwerer aber es tröstet!
Ich bin kein tief religöser Mensch, aber ich Glaube – ich Glaube, dass wir Teil von etwas Größerem sind und dass ich irgendwann wieder bei meinen Lieben bin – ich habe nicht das Bild eines Garten Eden vor Augen, eigentlich eher Gefühle und Berührungen im Sinn und wenn es Gesichter oder sogar ganze Körper sind, dann ist Mama wieder gesund, sie kann laufen und tanzen und sie ist jünger. Mein Papa ist dann wieder ein stabiler Mann und nicht der vom Krebs abgemagerte und aufgezehrte Schatten seiner selbst.
Diese Bilder machen mich dankbar, weil ich weiß, dass sie eben befreit sind von der Last auch wenn es vielleicht ein körperloses Dasein ist.

Wenn ich mit Freunden zusammen bin, dann möchte ich gleichzeitig über Mama reden und auch wieder nicht, damit es eben wieder „normal“ wird. Mit einigen kann ich mich eine Weile ablenken, mit anderen kann ich ganz in der Situation stecken und gemeinsam trauern.
Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass alle meine Freunde mir gestern verziehen hätten, wenn ich auf der Party in der Ecke ein paar Tränen verdrückt hätte, weil ich bei Udo Jürgens Liedern im Moment nur das Bild vor Augen habe, wie Mama ihm zuhört… Ich bin trotzdem raus gestürzt, weil es nicht zur Party gehört, ich wenn es los geht, nicht steuern kann wann es wieder aufhört und weil nicht nur Freunde im selben Raum waren, sondern einige ganz wenige, die ich in solchen Momenten nicht um mich haben möchte – was auf einer großen Party passieren kann. Das gehört zu den Dingen, die ich schnell im Griff haben möchte – trauern okay, Party sprengen nein, weg laufen müssen aber auch möglichst bald nicht mehr.

Wieder so ein „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter gehen“ Moment – Mama würde jetzt sagen „schau nach vorne und halte Dich gerade, gönne niemandem sich an Deinem Schmerz zu erfreuen“, dann würde sie mich in den Arm nehmen und mir sagen, „das schaffen wir“. Vielleicht hat deshalb am Freitag so wunderbar die Sonne geschienen als ich sie mit Alex das letzte Stück ihres Weges getragen habe, vielleicht war da deshalb gestern, als ich mich auf den Weg gemacht habe, der Regenbogen genau gegenüber der Haustür… Weil sie da war, in ihrer neuen Gestalt. Ich auf jeden Fall kann mich daran aufrichten und dann weiter gehen, selbst wenn die Krone noch ein bisschen schief sitzt.

Eine Geste

Kleine Gesten können vielleicht nicht das Leben ändern, aber zumindest einen Tag.

An unserem zweiten Tag in Hohwacht haben wir versucht mit Rollator an den Strand zu kommen. Direkt vor unserem Hotel gab es einen Weg mit langer Treppe, der aber halbwegs überschaubar war. Einen wirklich funktionierenden Weg für den Rollstuhl konnte man uns im Hotel leider nicht zeigen – nur einen, bei dem der Rollstuhl umkippt…. (haben wir später versucht, war Sch….)  Also haben wir entschieden: runter mit Rollator zufuss und ich trage ihn über die Stufen, zurück hole ich das Auto um Mama und Gefährt zurück zu bringen.

Ich hatte 10 von 40 Stufen getragen und dabei Mama beobachtet, dass sie auch wirklich zufuss klar kam…. in der selben Zeit wurden wir von dem ein oder anderen überholt… Vertieft in Gespräche, Telefonate oder sonstige wichtige Dinge… bei Stufe 11 kam ein Mann mit Fahrrad auf der Schulter, sieht uns, lässt sein Fahrrad ab und weiß gar nicht so recht wo hin zuerst – mir den Rollator abnehmen oder Mama die Treppe runter stützen….

Das sind sie! Die kleinen Gesten, die einen guten Tag machen!

Beim anschließenden, umwerfend leckeren Eis (der leicht böse Blick gilt dem Mangel an Hunger um aufzuessen!) haben Mama und ich darüber geredet, wie schön es sein kann, wenn die Leute hinschauen!

Es sind nur Kleinigkeiten! Dinge, die gar nicht viel Zeit kosten und schon gar kein Geld…. ein Lächeln, eine helfende Hand, eine nette Bemerkung oder eine kleine Idee – und der Tag eines anderen Menschen ist ein Guter! Ich wünsche mir, dass wir das nie vergessen und mit kleinen, netten Gesten anderer Leute Leben besser machen! Irgendwo kommt dann sicher auch die kleine Geste, die den eigenen Tag zu einem Guten machen.

Tag Null

Ich habe eine neue Reise begonnen – keine die mir gefällt, aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert!
Viele von uns haben den Verlust der Eltern schon durchlebt und eigentlich sollte ich ein wenig besser darauf vorbereitet sein. Wir haben so viele Gespräche geführt darüber wie es sein soll, was sie nicht möchte und was sie schön fände. Aber schlussendlich erwischt es mich eiskalt und unerwartet.
Ich bin unendlich dankbar, dass meine Mama die Welt so schnell verlassen durfte. Und das sie gegangen ist an einem Tag, der bis dahin fast vollkommen war. Ich durfte ihre Hand halten, ich konnte ihr sagen wie sehr ich sie liebe und das es okay ist, wenn sie los lässt. Leider bin ich mir sicher, dass sie genau weiß, das es eine Lüge war, als ich gesagt habe, dass ich das prima schaffe.

Eben haben wir noch am Strand gesessen und unseren nächsten Urlaub geplant, uns gefreut wie viel leichter es wird, da sie nun mit ihrem Elektro-Rollstuhl alleine mobil ist. Meinen mittlerweile notwendigen Krankenhaus-Aufenthalt haben wir terminiert, eine Einkaufsliste erstellt, was sie zum Nähen braucht, was ich zum Basteln besorgen soll. Lauter profane Dinge…
Daneben über Emotionales geredet, wie ihre Angst vor Stolperfallen in Form von Türschwellen oder anderer Leute Füsse, über das dumme Verhalten von Menschen die Sippenhaft betreiben oder in einer schwarz-weißen Welt leben. Über die vorsichtigen Schritte als Single der Bedürfnisse hat, über Männer im allgemeinen, über ihre und meine Lebensabschnitt-Gefährten und die die so tun als ob sie es gerne wären…
Eben über alles, worüber Frau mit dem einen Menschen redet, der ihr alles bedeutet und dem sie blind vertraut (was in der Regel die beste Freundin ist, da sind wir uns einig).

Wir tauchen die Füße in die kalte Ostsee und genießen, wie sich die Füße in den Sand graben und das beißende Gefühl nachlässt, machen Fotos und sie ‚mault‘ mich an, dass ich gefälligst den kleinen Rest Bauch auch noch einziehen soll…. Um 15:25 hat sie das letzte Foto von mir gemacht, verrät mir mein Handy heute.

Nur wenige Minuten später stehe ich mit allen Plänen, Listen und Gedanken alleine da.

Einige wenige Reflexe verbleiben und die zu alte Patienten-Verfügung veranlasst die Helfer alle Rettungsgeräte zum Einsatz zu bringen und so sitze ich im Sand, halte ihre Hand, rede mit ihr und weiß doch, dass ihr Wesen nie wieder kommen wird, ihre Seele uns schon verlassen hat.
Im Krankenwagen, auf dem Weg in die Klinik erwische ich mich immer wieder bei dem Gedanken, wie sie den Kopf schütteln wird oder einen Vogel zeigt, wenn ich ihr später von den Idioten auf der Straße erzähle, die nicht in der Lage sind ihr Auto aus dem Weg zu nehmen, wenn das Martinshorn hinter ihnen erklingt.
Nur langsam schwindet meine Hoffnung auf ein Wunder, aber ich habe ja 30 Minuten da vorne auf dem Bock um mich daran zu erinnern, dass sie gegangen ist da im Sand und das es nur noch ihr Körper ist, der gezwungen ist bis zum Krankenhaus durchzuhalten.
Um 17:45 kommt der Arzt der Intensivstation endlich mit den erlösenden Worten, dass es vorbei ist….

Seitdem gehe ich meinen Weg alleine – natürlich nicht wirklich, es gibt so viele liebe Menschen um mich, aber…. Selbstverständlich rede ich weiter mit ihr und ich glaube damit werde ich auch nie aufhören, nur das ihre Antworten jetzt über mein Herz und nicht über mein Ohr kommen werden.
Ich werde es schaffen, Mama! Es gibt Gott sei Dank genug Idioten, die mich ärgern, soviel Bürokratie, die mich rotieren lässt und genug Arbeit, das ich nicht dazu komme, lange zu fühlen und mich fallen zu lassen. Wer auch immer das alles lenkt ist so freundlich mir die Steine in den Weg zu legen, die es wohl braucht um meine Reserven zu mobilisieren.

Und irgendwann, wenn all diese Dinge erledigt sind habe ich hoffentlich schon ein bisschen gelernt, dass Du nicht mehr auf dem Balkon stehen wirst, wenn ich heim komme oder auf meine Nachricht wartest wenn ich wo hin fahre, aber trotzdem über mich wachst.

Ich bin ein Mensch der auf viele wunderschöne Stunden schauen kann und der dankbar ist für alles was mich zu dem macht, was ich bin. Ich schreibe dies nicht, weil ich Bedauern suche, sondern weil es aus mir raus muss – wie jedes Thema in meinem Blog. Ich schreibe es um anderen die Hand zu reichen, die es selber erleben.
Aber auch um die Erfahrung zu teilen, was passiert, wenn man keine Patienten-Verfügung hat. Eine aktuelle und gültige, unsere war leider 2 Jahre alt! Zwischen dem letzten Foto und dem Moment wo der Arzt zu mir kam gab es gut 2 Stunden, die Mama und mir ersparen geblieben wären, hätten wir das „neu machen“ nicht auf „reicht nach dem Urlaub“ verschoben. Wie viele „Bitte lasst sie gehen“, „sie möchte nicht an Geräte“ und ähnliche Sätze hätte ich nicht sagen müssen, nachdem klar war, dass sie nie wieder die Brigitte sein wird, die sie sein wollte.
Ich vertraue darauf, das es nur noch ihr Körper war und nicht ihr Wesen, welches da war. Die Ärzte versichern mir, dass sie schon im Strandkorb nichts mehr mitbekommen hat und ich möchte es glauben, aber die Bilder der folgenden Zeit werden mich sicher noch eine Weile verfolgen und ich kann nur jedem empfehlen, dem vorzubeugen!

Außerdem möchte ich mich bedanken bei den Menschen, die ihren Urlaubstag geopfert haben um mir zu helfen. es gab nicht nur die Gaffer, es gab tatsächlich Fremde, die sofort alles gegeben haben und die mir das Schicksal scheinbar zufällig zu Hilfe geschickt hat, damit ich auch nach dem Krankenhaus nicht alleine am Straßen-Rand stehen musste. Du hast Recht, es hat etwas zu bedeuten Kristina und ich bin so dankbar!

Und auch wenn es ihre Aufgabe ist, ich möchte mich beim DLRG von Hohwacht bedanken! Ihr habt mich weggezogen als es notwendig war, Mama behütet bis der Krankenwagen da war, ihr habt jede erdenkliche Hilfe geleistet und mich über ihren Abtransport hinaus unterstützt. Man unterschätzt so schnell was ihr da leistet während wir es uns am Strand gut gehen lassen.

Mein ganz besonders herzlicher Dank gilt allerdings den vielen Autofahrern, die am Sonntag den 03.09.2017 gegen 16:15-16:45 Uhr zwischen Hohwacht und Eutin der Meinung waren, dass man einem Krankenwagen nicht ausreichend und zügig Platz machen muss! Ohne Euch wäre Mama vielleicht so früh im Krankenhaus angekommen, dass die Reanimation erfolgreich gewesen wäre und sie gezwungen hätte noch eine Weile an Geräten zu hängen!
Ich bedaure nur, dass ich zu der Zeit gebetet habe, statt Autonummern aufzuschreiben – ich hätte gerne dem ein oder anderen persönlich gedankt!