in meiner Haut

Grundsätzlich wünsche ich niemandem etwa schlechtes! Und wenn ich mir gerade wünsche, dass eine Handvoll Mitarbeiter meiner Krankenkasse, sowie der ein oder andere medizinisch tätige Velberter mal für 3-4 Monate in meiner Haut stecken mögen, so ist dass zumindest in deren Augen ja auch nichts schlechtes. Aber mein Gewissen verbietet es mir trotzdem. Und zu deren Glück Geht es ja auch gar nicht.

Ein Erkrankung taugt nie etwas. Mehrere auf einmal schon gar nicht! Wenn dann noch eine dazwischen ist, die kaum einer kennt,wird es kompliziert und man verschwendet Stunden darauf irgendjemandem klar zu machen, wie es ist….
Eigentlich möchte ich doch nur dafür sorgen, dass ich meine restliche Arbeitsfähigkeit nicht verliere! Warum es jetzt plötzlich wieder Schwierigkeiten gibt, verstehe ich selber nicht so genau, aber irgendwas hat sich im Hintergrund geändert und ich soll plötzlich ohne Physiotherapie klar kommen. Also der Arzt meint, das Abrechnungssystem muss geändert werden, die Krankenkasse lehnt das ab – ich gehöre nicht in eines der Standardschemata, die es dafür gibt.
Nicht wirklich überraschend! Ich gehöre in die Schiene „außerhalb des Regelfalls“ – bis hierhin kann ich das nachvollziehen.

Heute stehe ich also bei meinem Arzt und bitte um ein entsprechendes Rezept.. umsonst! Der Arzthelferin sagt, ihr sind die Hände gebunden wegen der Krankenkasse, die Krankenkasse bestätigt mir ein weiteres Mal am Telefon, dass der Arzt dieses Rezept ausstellen kann, wenn ich es brauche… es ist halt sein Budget, das mir helfen soll. Und die freundliche Sachbearbeiterin (selbst als ich ziemlich unfreundlich verzweifelt losheule) erklärt mir, wie ich doch noch einem Standardfall gleichgestellt werden kann. Dauert halt nur ein paar Wochen und eine gute Portion von der Energie, die mir in den letzten Wochen so oft fehlt, aber da kann ich anfangen:

  • Mein Arzt muss den Bericht verbessern. Jetzt dem geht noch nicht einmal hervor, dass ich schon mitten in einer Schmerztherapie stecke – ist das ausgereizt? Natürlich könnte ich noch mehr nehmen, aber dann habe ich eine Konzentrationsphase eines Augenaufschlags -> arbeiten einstellen.
  • Kann ich neben meinem Ergometer Training, der Darmmobilistion oder der täglichen Gymnastik Einheit noch ins Fitnessstudio oder zum Rehasport -> sicher wenn ich 2 Stunden weniger Arbeite bzw. an Tagen, wo ich nicht Auto fahren darf 3 Stunden
  • Kann ich die Bandscheiben nicht dauerhaft operieren lassen -> wenn ich mein krankes Herz los werde, dann ist das zumindest normalen Risikobereich und könnte vielleicht helfen, in allen vieren??
  • Kortison wieder hoch um die diversen Gelenkschmerzen und Ausfälle zu reduzieren? Hilft vielleicht an einigen Punkten und treibt im Gegenzug dafür die Diabetes wieder hoch, ganz abgesehen von dem Gewicht, welches dann erfahrungsgemäß zusätzlich bewegt werden muss

Eigentlich möchte ich mich seit Wochen nur noch in die Ecke legen und schlafen. Aber ich mag meinen Job und möchte ihn behalten. Ich mag meine Freunde und möchte ab und zu mit ihnen zusammen sein. Ich möchte noch lange in meiner Haut stecken und viele Erinnerungen sammeln. Also nutze ich jede erdenkliche zusätzliche Hilfe um Nebenwirkungen abzuschwächen, Schmerzen zu reduzieren, mehr Energie zu bekommen…. und dann kommt als „schönes Wochenende“-Versprechen die Ansage, dass ich mal wieder etliche Stunden in Arztbesuche und den Kampf um Verständnis stecken muss…

Das frustriert, macht mutlos und verführt mich dazu es einfach sein zu lassen.

Statt dessen sitze ich schon während ich mit der Krankenkasse telefoniere im Auto nach Bonn zum ICD und Sarkoidose Check… vielleicht kommen wir ja heute weiter in der Frage warum ich vermehrt Sehstörungen, Kopfschmerzen und Schwindelanfälle habe. Wird ja wohl nicht am Knochenbau liegen….

Auch in meiner Haut ist das Leben viel zu schön, als das Aufgeben eine Option wäre!

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Sarkoidose mit Herzbeteiligung

Manchmal werde ich gefragt, warum ich trotz meiner Erkrankung positiv denke…
Weil ich zum Beispiel nicht dieses Schicksal teile:
Mein Herz hat sich wieder erholt und ich musste nur sehr kurz darüber nachdenken das ich von einem Spenderherz abhängig sein könnte!
Bitte nehmt Euch die Zeit und schaut einmal was Sarkoidose „kann“ – Leider passiert es immer noch viel zu häufig, dass die Ärzte sie als ein Lungenerkrankung ansehen und somit als Ursache ausschließen und das sie verharmlost wird (falls sie überhaupt mal in Film und Fernsehn auftaucht)

Ein Besuch in Gedern

Beschwingt durch die Begegnung mit Ingrid mache ich mich auf den Weg zu meinem zweiten Ziel… Tinka frisst Kilometer für Kilometer und ich beobachte am Straßenrand wie es Frühling wird. Es ist wenig los auf der Autobahn und meine Ankunftszeit in Gedern am Flugplatz gerät nicht ins Wanken. Von der Autobahn geht es auf Landstraßen und durch diverse wunderschöne Dörfer. Nur noch 30 Minuten, erzählt mir mein Navi und ich fühle mich immer noch erstaunlich fit…. bis zu dem Moment, an dem mein Weg versperrt ist – eine Großveranstaltung auf dem Vogelsberg zwingt mich zu einem Umweg… eigentlich sollte meine Kartenapp jetzt schnell den neuen Weg anzeigen, aber der Empfang ist so schlecht, dass ich mich ‚blind‘ den Berg hinunter taste und an den Kreuzungen intuitiv die Richtung wähle. Gute 20 Minuten liegen hinter mir, bis endlich wieder eine Straße im Display erscheint und ich weiß, dass meine Intuition geklappt hat und sich das Ziel 15 Minuten links von mir befindet. Als ich dann den Wagen um kurz nach acht abstelle, bin ich doch ziemlich durch den Wind. Die Freude von Üli entschädigt mich in null Komma nichts und ich tauche ein in die Flieger-Party. Ein Bier und eine Portion Schweinebraten später (unschlagbar zart und köstlich) bin ich auch mit dem Kopf angekommen und versuche die vielen Namen und Gesichter zu sortieren. Es wird ein wirklich toller Abend mit vielen interessanten Gesprächen, bevor es dann irgendwann im Ostflügel der Familie ins Bett geht. Übermüdung und mein sehr unruhiges Herz machen es zwar zu einer schlechten, kurzen Nacht, aber trotzdem freue ich mich auf den vor mir liegenden Sonntag, immerhin hat Üli mir – leicht geheimnisvoll – in Aussicht gestellt, dass wir einen ihr sehr lieben Ort besuchen werden, viel Natur und ein bisschen den Hügel hinauflaufen, nachdem wir die Kids am Reiterhof abgesetzt haben.

Bei aller Begeisterung, die in ihrer Erzählung liegt – mit dem, was mich erwartet und was es bei mir bewirkt habe ich nicht gerechnet! Und da es eine ganz eigene Geschichte erzählt, ist es auch einen ganz eigenen Blog-Post wert! An dieser Stelle nur soviel: diese ca. 4 Stunden ziehen sich durch Jahrhunderte und haben alle meine Sinne gefordert.

Absolut positiv geladen lande ich später wieder am Flugplatz und habe meinen Spaß am Beobachten: Halle einräumen, ein paar UL Starts und ganz normales Vereinsleben zeigen mir mal wieder, dass ich einfach regelmäßig an einen Flugplatz gehöre. Als ob es damit nicht genug wäre, folgt noch ein überaus perfektes Abendessen im Gederner Schloss. Gefühlt bin ich am Ende meiner Superlativen und falle an diesem Abend ungewöhnlich schnell in einen zwar nicht ganz störungsfreien, aber doch erholsamen Schlaf, aus dem ich generalüberholt am Montag Morgen erwache…. die Familie startet gerade in ihren Alltag während ich noch ein bisschen vor mich hin bummel.

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Zuwachs für meine Magnetsammlung

Vor der Heimfahrt schaue ich mir noch Ülis Segelflugbedarf an und bewunder mit welcher Ruhe hier die bimmelnden Telefone, nicht immer funktionierenden Drucker und unzähligen Anfragen abgewickelt werden, stöber in den unzähligen Kistchen auf der Suche nach Schätzen für Passiv-Flieger wie mich und erfreue mich an der Einladung, das Geburtstags-Frühstück eines dieser menschlichen Goldstücke zu teilen. In dieser netten Runde ist es ratz fatz Mittag und ich muss mich loseisen. Vorbei am Grillfleischautomaten, der mein Essen für in 3 Tagen ausgibt – für davor habe ich Bratenreste von Samstag und Schnitzel von Sonntag – also eigentlich mehr als genug, aber mal ehrlich so einen Kasten muss ich ausprobieren!

So liebevoll geklärt und gereinigt versteht es sich fast von selbst, dass meine Heimfahrt nicht von Schwindel, Herzrasen oder ähnlichen Störungen heimgesucht wird und ich wirklich beschwingt und gut gelaunt wieder zuhause ankomme.

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Grillgut und Zubehör

Reise in meine Vergangenheit

Guten Morgen! Montag Morgen! Herrlicher Morgen!

Ein ganz ungewöhnliches Gefühl habe ich heute! Es ist 7 Uhr und ich bin tatsächlich mit einem Schwung aus dem Bett, der da seit einiger Zeit gefehlt hat. Gut ich möchte immer noch langsam wach werden dürfen, aber ich bin gerne aufgestanden, genieße den Morgen und fühle mich ausgeschlafen. Herrlich! Dabei habe ich Urlaub und hatte ausschlafen geplant!

Vielleicht liegt es ja an meinem Wochenende und den beiden „habe ich mir erfüllt“ Haken, die ich in meiner „möchte ich unbedingt dieses Jahr besuchen“ Liste gemacht habe.

Samstag hat durch leichte Schwindel und Schlaf Probleme erstmal einen (wieder) schwierigen Start, aber irgendwann habe ich mich dann ans Steuer gesetzt und bin Richtung Paderborn aufgebrochen! Zu Beginn einfach froh, dass ich fahren kann, ein Strecke abreißen, die einfach sein muss. Einmal erwischt mich leider dieses „jetzt ist die Welt im Nebel“ Ding, aber ich bin gerade 400 Meter vor einer Raststätte und kann sofort ab, statt auf den Standstreifen fahren. Ich mache ein paar Minuten Pause, tiger über den Parkplatz und frage mich ob das alles so richtig ist…. nun ich bin auf der Autobahn, mein Kopf ist jetzt herrlich erfrischt und ich darf eh nur in eine Richtung, also weiter! Und je näher ich meinem Ziel kam, desto mehr hat sich in mir eine aufgeregte Freude breit gemacht. Erinnerung begleiten mich jetzt auf jedem Kilometer. Erinnerungen an meinen Papa und die unzähligen Fahrten zwischen Neuenbeken und Velbert. Er am Steuer, sicherlich froh mich zu sehen aber in dem Wissen ich muss das jetzt 2x fahren…. zurück sogar immer noch mit dem Gefühl, jetzt ist sie wieder weg für wer weiß wie lange. Also zumindest ich hatte da auf dem Rückweg immer sehr gemischte Gefühle.

Damals war die 44 aber noch ziemlich leer, schließlich befand man sich auf der Sackgasse Richtung deutsch-deutscher Grenze… also gab Papa viel Gas und ich saß immer im Cockpit auf der Startbahn und habe meinen Flieger in die tollsten Urlaubsländer starten lassen… Gott haben sich da fiktive Dramen in dem weißen Audi Liner angespielt…. irgendwann kam die Zeit, da ich meisten mit dem Zug fahren konnte. Die Fahrten wurden seltener und blieben schließlich für ein paar Jahre ganz aus, bevor ich ab und zu mal selber den Weg nach Paderborn gefunden habe, mit Freund, Mann und schließlich Kind….

Und dann kamen die Jahre, in denen ich wieder sooft es geht auf dieser Strecke war. Erst regelmäßig und dann sogar für ein paar Wochen jeden 2. Tag….. Bleifuss, den Kopf voller Sorgen und Ängste. Aber auch voller Dankbarkeit, dass ich diese Zeit habe. Nach der Entfremdung der letzten Jahre hatten Papa und ich 2 Jahre geschenkt bekommen, in denen er langsam innerlich und dann auch äußerlich vom Krebs zerfressen wurde. Aber eben 2 Jahre, in denen er sich endlich geöffnet hat. Ich bekam eine Familie, Wurzeln und eine Vergangenheit. Emotionen und Liebe, die mir lange gefehlt haben und wir haben eine ganz neue Nähe entwickelt. Seine 2. Frau, neue Frau… meine Stiefmutter Ingrid habe ich immer schon lieb gehabt und war gerne bei ihr, aber auch zu ihr hat sich das Verhältnis geändert – irgendwie war ich zwar weiter das kleine Julchen, aber eben auch erwachsen. Viele tolle Gespräche haben sich entwickelt….

Und dann kam der Tag an dem ich das letzte Mal ins Krankenhaus gehetzt bin… es war erlösend, weil Papa endlich von diesem Kampf erlöst wurde, schmerzhaft weil ich wusste der Weg ist zu weit um ihn noch lebend zu sehen… es folgten ein paar Monate des Überdenken, wie und wo es für Ingrid weiter geht. Gleichzeitig habe ich meine 2. Ausbildung begonnen und bin in ein neues Leben gestartet… erst Karrierepläne, dann krank…. beides hat mein Leben maßgeblich beeinflusst, verändert und dafür gesorgt, dass ich 13 Jahre nicht mehr diesen Weg gefahren bin. Erst haben Ingrid und ich diese Zeit mit endlosen Telefonaten ausgeglichen, aber irgendwann kamen doofe Ohren und Maulfaulheit (heute schon Zuviel gehört) auf beiden Seiten dazu und auch dies wurde eine kostbare Seltenheit….

13 Jahre und der Baum steht immer noch, oh da ist jetzt ein Kreisverkehr…. sicher kennen das einige, dieses Gefühl in die Vergangenheit zu fahren und die alte Heimat neu zu sehen…. gleichzeitig war ich furchtbar aufgeregt, weil ich habe mich nicht angekündigt – zuviel Angst, es könnte was dazwischen kommen. Und so ganz leicht hat mein Schwindel es mir ja auch nicht gemacht…

Aber dann bin ich da, erkämpfe mir mit Hilfe der Nachbarin Einlass – Klingel und Telefon kommen nicht immer bei den lieben aber müden Ohren durch ….. und es ist unglaublich aufregend, neu und doch direkt so vertraut. Wir reden und reden …. Glucken zusammen und genießen uns. Ich kenne jedes Buch und all die Sammlerstücke… selbst dieses „ach hier ist es so staubig“ hat sich nicht geändert…. die Liebe: geputzt und gewienert ist es. Das erlebt meine Wohnung in dieser Form vielleicht 2 Mal im Jahr! Ich bin wieder ganz das Julchen und möchte am Liebsten ewig hier sitzen… aber ich habe ja noch ein Ziel für heute, also breche ich viel zu schnell wieder auf, winke aus dem Auto zurück zu dieser zarten, wunderbaren Frau – wie schon aus dem Audi-Liner, bis die Kurve kommt und sie aus meinem Blick verschwindet. Im Herzen den ganz tiefen Wunsch bald wieder kommen zu können!

Mystik auf dem Glauberg

„Bring feste Schuhe mit, wir gehen auf den Berg!“ – „ich erwähnte, dass ich Höhenangst habe?“ – „nicht so einen Berg, aber es könnte ein bisschen rutschig sein nach all dem Regen… ich möchte Dir einen Platz zeigen, der mir etwas bedeutet!“
Mit diesem kleinen Dialog war unser Programm für Sonntag festgelegt. Und irgendwie wusste ich sofort, es wird gut.

Keltenwelten, so ist es offiziell beschrieben und das klingt ja schon mal spannend. Es erinnert mich ein klein wenig an die Siedlung auf den Orkneys . Oder auch an das, was ich gerade über Cornwall lese in Vorbereitung auf den Sommerurlaub.

Glauberg - Museum, im Vordergrund die Priestergräben

Glauberg – Museum, im Vordergrund die Priestergräben

Bei herrlichem Sonnenschein fällt mein Blick zunächst auf die rostrote Kiste mitten in der Landschaft – irgendwo habe ich die schon mal gesehen… das ist das Museum, klärt Üli mich auf, aber da wollen wir maximal am Ende einen Kaffee trinken. Dann sehe ich das Hügelgrab mit vorgesetzten Steelen. Und ich gestehe meine Niederlage lieber direkt ein – ich glaube es sind Basalt-Säulen, Üli plädiert für Holz… Am Ende des Tages schauen wir es uns näher an und Üli behält Recht. Ähnlich, wie ich jetzt gerade in der Zeit springe, springen die ganze Zeit meine Gedanken und ich habe echt Schwierigkeiten diesen ganz besonderen Tag zu „Papier“ zu bringen.

Glauberg 2018 - Üli an den Holzsteelen, bevor wir den Grabhügel besteigen

Glauberg 2018 – Üli an den Holzsteelen, bevor wir den Grabhügel besteigen

Vorab erzählt Üli mir noch eine besondere Geschichte zu diesem Ort, die wir trotz intensiver Suche nirgendwo nachlesen können. Das Grab mit seinen Graben-Gängen ist vor vielen Jahren aus der Luft entdeckt worden – die Tochter des Piloten Wilhelm Diebitsch habe ich gestern kennen gelernt – aktives Allround-Talent am Flugplatz in Gedern, Goldstück im Segelflugbedarf Shop und in kurzer Zeit auch mir ein sehr sympathischer Mensch. Gemeinsam mit einem Freund ist er zu einem Flug aufgebrochen und hat „seltsame“ Bodenstrukturen entdeckt. Als nicht Historiker erspare ich mir und Euch Jahreszahlen und weitere Details – ich denke die werden auch in der offiziellen Version zu finden sein. Leider hat man sich (aus welchen finanziell/politischen Gründen auch immer) entschieden, den Piloten auszusparen und statt dessen drei Historiker auf den Tafeln vor Ort zu benennen. Für mich, und sicher nicht nur für mich, der eine Wehmutstropfen an diesem sonst so positiven Ort.

Ausgrabungen auf dem Glauberg - unser Blick geht Richtung Frankfurt und ganz hinten am Horizont entdecke ich die Skyline

Ausgrabungen auf dem Glauberg – unser Blick geht Richtung Frankfurt und ganz hinten am Horizont entdecke ich die Skyline

Klettern müssen wir nicht auf dem Weg hinauf auf den Glauberg, aber ich bin schon froh, dass ich in den letzten Monaten an meiner Fitness gearbeitet habe – ich genieße einfach die Natur, den ausbrechenden Frühling und das Gespräch mit Üli. Erfreulicherweise ist es nicht sehr voll und das gesamte Areal ist natürlich und frei gehalten. Nur an drei Stellen sind Ausgrabungen im Gange und daher Absperrungen aufgebaut. Statt Keltenwelten treffen wir hier überwiegend auf mittelalterliche Funde. Tatsächlich ist der Glauberg selber heute mehr Mittelalter und der Fuß Keltisch, aber das erarbeiten wir uns in den nächsten Stunden an Schautafeln und dem kleine Heftchen aus dem Museumsshop.

Wir treiben von Schautafel zu Steinhaufen und von Wasserreservoir zu Mauern. Immer wieder halten wir an, lassen Geräusche und Stimmung auf uns wirken. Auf diesem Hochplateau braucht/hat alles seine Zeit. Was heute ein Hügel ist, war früher eine Stadtmauer, wo wir über mögliche Lebensräume nachdenken, haben früher Vorräte gelagert. Der Ausblick ist in alle Richtungen atemberaubend, da die Sicht heute einfach stimmt – sogar die Frankfurter Skyline ist zu sehen. Das ein oder andere Gespräch mit anderen Besuchern bereichert die Zeit, meist bemühen wir uns aber für uns zu sein.

Der Wall hinter der Glauburg war früher die Mauer der Anlage

Der Wall hinter der Glauburg war früher die Mauer der Anlage

Tatsächlich fühle ich mich ziemlich bald wie in einer Blase außerhalb der Zeit, dankbar im jetzt und hier zu leben, aber fasziniert von dem, was damals möglich war. Bis heute kann ich nicht wirklich benennen, was da oben in mir passiert ist, aber irgendwie machen mich diese Stunden glücklich und zufrieden. Es ist dieses deutliche Fühlen von Zufriedenheit, Glück in kleinen Dingen….. Außerdem erwische ich mich dabei, dass ich plötzlich über Dinge mit Üli rede, von denen ich gedacht habe, dass ich sie niemals über meine Lippen bringen würde, weil ich sie viel zu „speziell “ finde. Aber jetzt gerade fühlt es sich richtig an… als ich später alleine im Auto nachhause fahre, habe ich dieses Bild vor Augen:

Die Überreste der Glauburg

Die Überreste der Glauburg

Mein Leben ist eine riesige Kommode – von unten nach oben finden sich Erinnerungen nach Jahren, von links nach rechts sind sie von schlecht zu gut sortiert… einige Schubladen sind zugenagelt, da sie viel zu weh tun würden, wenn man den Inhalt hinaus ließe, einige glückliche Momente genieße ich ab und an alleine, lasse die Lade aber trotzdem meist zu, da es auch sehr traurig machen kann, dass diese Momente vorbei sind. Und dann gibt es da in der Mitte Träume und Wünsche, die bisher immer nur mir gehört haben. Und hier oben rappelt es plötzlich und es öffnen sich Schubladen und die Geschichten sprudeln aus mir raus… es fühlt sich gut an, etwas so unerwartet zu teilen – und es fühlt sich auch Tage später immer noch richtig an. Egal ob es der besondere Ort ist oder der besondere Mensch – wahrscheinlich beides zusammen – was sich komisch ausgenommen hat ist plötzlich aussprechbar, was peinlich war einfach eine ehrliche, offene Emotion…

Kleine Rast auf dem Hochplateau des Glauberg

Kleine Rast auf dem Hochplateau des Glauberg

Vielleicht klingt es schräg, möglicherweise denkt der ein oder andere das ist Spinnerei, aber für mich ist da etwas mystisches im Gang gewesen, eine Dimension in Aktion, die ich nicht wirklich erfassen oder beschreiben kann. Aber ich konnte es genießen, mich darauf einlassen und mich irgendwie freier auf den weiteren Lebensweg machen.

Vielleicht habe ich das gespürt, was sowohl die Kelten, als auch die Staufen dazu gebracht haben, sich genau auf/an diesem Berg anzusiedeln, natürlich neben der geeigneten Höhenlage. In jedem Fall habe ich diesen Ort als etwas ganz besonderes in meine Lebens-Kommode aufgenommen – eine Schublade, die jederzeit geöffnet werden kann um mir ein gutes Gefühl zu geben!

Kellermauern aus dem Mittelalter - rechts der Wall der alten Stadtmauer und oben wo der Zaun steht, waren früher die Hauseingänge

Kellermauern aus dem Mittelalter – rechts der Wall der alten Stadtmauer und oben wo der Zaun steht, waren früher die Hauseingänge

A Touchy Subject…

Mal wieder ein Artikel, den ich besser nicht hätte schreiben können… Ein Redewendung, die ich häufig benutze: Gott sei Dank sehe ich nicht krank aus. Wenn ich aussehen würde, wie ich mich fühle, wäre es zum schreiend weglaufen….
Die Authorin: „I’m glad I don’t look on the outside, the way I feel on the inside. How ugly I would be! “
via A Touchy Subject…

Britische Gegensätze

Rockingham Castle - Corby 2018

Nachdem mein Sohnemann das Osterwochenende seinem Studium gewidmet hat, habe ich mir einen riesen Berg Büroarbeit vornehmen wollen. Aber irgendwie kam es dann ganz anders. Mittwoch Nachmittag habe ich nervös zuhause gesessen und gewartet: Meine Freundin liegt unter dem Messer mit einer ziemlich einschüchternden Erwartung der Ärzte. 4 Stunden OP und danach dauert es weitere Stunden bis endlich die erlösende Nachricht kommt, dass sie aufwacht. Mindestens ein dutzend Mal wünsche ich mir, ich wäre einmal unvernünftig gewesen und hätte mich am Morgen in den Flieger gesetzt um vor Ort zu sein.
Wen wundert es da, dass ich nicht nein sagen kann, als plötzlich das Angebot auftaucht, doch mal für 3 Tage über Ostern hinzufahren… ein Tag bleibt meinem Schreibtisch und der Wohnung vorbehalten, aber in der Nacht auf Samstag geht es los nach Corby.

General Hospital - Northampton 2018

General Hospital – Northampton 2018

Alleine Terris Gesicht, als wir plötzlich in ihrem Zimmer stehen, ist den ganzen Aufwand wert! Es fühlt sich toll an, jemanden glücklich zu machen, der sich immer bedingungslos für andere einsetzt.
Allerdings war es auch ein kleiner Schock. Auch wenn es nach meinem letzten Post wie ein Sprung in einer Schallplatte klingt: wir können einfach mal dankbar sein! Das „Zimmer“ ist quasi ein Durchgang, in dem 12 Patientinnen liegen! Kein Fenster, eine Toilette, permanent klingelt jemand und es herrscht dicke Luft. Jetzt verstehe ich, dass Terri trotz Schmerzen schon nach 3 Tagen unbedingt hier weg muss und ich verkneife mir jede Bemerkung über das Risiko.

General Hospital - Northampton 2018

General Hospital – Northampton 2018

General Hospital - Northampton 2018

General Hospital – Northampton 2018

Immerhin kommen wir so in den Genuss, sie länger zu sehen als erwartet. Statt einem „Stündchen zu Besuch“, warten wir deutlich länger bis alles geregelt ist und ich kann meinen Medizin neugierigen Blick ein wenig hinter die Kulissen schweifen lassen. Schließlich landen wir am späten Nachmittag wieder in Corby und nach einem schnellen Abendessen im Samuel Lloyd auch bald im Bett, da wir in den letzten 36 Stunden gerade mal ein knappes Stündchen am Straßenrand stehend geschlafen haben.

Ostersonntag gehen wir gemütlich an und cruisen ein wenig durch die Gegend. Wieder einmal stellen wir fest, dass es hier noch viel zu sehen gibt und treffen schließlich in Gretton auf Clare und ihren Geburtstag-Trunkenen Bruder Harry, der eigentlich gerade ein Fußball-Spiel bestreiten sollte… der Besuch bei Terri ist heute wirklich auf ein gutes Stündchen beschränkt, da sie sehr von Schmerzen und Müdigkeit geplagt wird. Aber diese Stunde genießen wir. Uwe kann ein wenig mit Mick plaudern, wir Mädels von unserem Urlaub im Herbst träumen und nebenbei ein wenig über Cricket lernen. Ich glaube einen neuen Freund haben wir auch – Piper, der herzensgute und riesige Hund der Familie. Clare füttert uns noch ein wenig mit Informationen zum Rockingham Castle und schließlich machen wir uns auf, um diese Jahre alte Lücke zu schließen.

Bisher war Rockingham Castle nicht zugänglich wenn wir in Corby waren, aber heute endlich hat es gepasst. Und sich gelohnt! Hier haben wir nun den absoluten Gegensatz zu unserem Krankenhaus Erlebnis.

Rockingham Castle - Corby 2018

Rockingham Castle – Corby 2018

Rockingham Castle - Corby 2018

Rockingham Castle – Corby 2018

Das Schloss ist noch von der Familie bewohnt und somit sind etliche Bereiche nicht zugänglich. Fotografieren ist Innen leider auch nicht erlaubt. Gerne hätte ich ein paar Details geteilt. Wenn man zB das Haus am Eaton Place gesehen hat, so kommen etliche „Aha“ Gedanken hoch, wenn man die verkabelte Klingel-Anlage sieht, oder den Chief Butler Raum. Die Küche ist mit Liebe zu Details eingerichtet und die Vorstellung, dass es hier gleich ein Festessen gibt fällt leicht. Neben dem üblichen Gemälde und Antiquitäten Sammelsurium finden sich immer wieder Fotos der aktuellen Bewohner, was der ganzen Sache einen interessanten Touch gibt.
In jedem Raum steht jemand, der gerne Fragen beantwortet. Und eigentlich brauchen wir gar keine stellen, jeder kommt zu uns, um uns auf die Besonderheiten aufmerksam zu machen. Irgendwie fällt man hier als Deutscher auf. So kennen wir am Ende einige Geschichten und Zusammenhänge, die uns sonst vielleicht verborgen geblieben wären.

Zum Abschluss schauen wir uns die Gärten an – leider ist es zu dieser Jahreszeit nur zu erahnen, welche Rosenpracht sich hier entfaltet, noch schmücken nur ein paar Osterglocken und Primeln die Anlage. Ganz klar, hier muss ich nochmal zu einer günstigeren Jahreszeit hin! Nicht, dass ich wirklich neue Gründe bräuchte um nach Corby zu fahren, aber diesen füge ich glatt hinzu 😉

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Einfach mal dankbar sein

Ein paar ruhige Tage liegen hinter mir. Nicht gerade die Besten, aber sicherlich nicht die Schlimmsten. Irgendetwas hat mich umgehauen und viel Zeit im Bett verbringen lassen. Also auch viel Zeit zum Surfen im Netz, Pläne machen, Träume ausschmücken und dankbar sein.
Dankbar dafür wo ich lebe, wann ich lebe und wie ich lebe. Ich glaube manchmal vergessen wir das. Natürlich geht es immer Besser und ich bin kein Verfechter von ‚Klappe halten‘ oder ’nicht aufmucken und wehren‘. Aber ich denke wir sollten uns auch bewusst sein, dass die meisten von uns auf recht hohem Niveau jammern.

Das Leben hat mir mit meinen Erkrankungen einiges mit auf den Weg gegeben, aber neben den manchmal wirklich hassenswerten Begleiterscheinungen, habe ich auch die Erkenntnis im Gepäck, dass ich im richtigen Land und in der richtigen Zeit damit lebe. In einem anderen Land oder zu einer anderen Zeit hätten mich Herz, Diabetes oder Sarkoidose schon längst töten können. Also habe ich Grund für jeden Tag dankbar zu sein und die Verpflichtung aus jedem das Beste zu machen!
Und wenn es mal nicht so gut läuft, dann habe ich alles an der Hand um Seelenpflege zu betreiben. Zum Beispiel mit Handarbeiten (ein neuer Pullover geht in Arbeit), mit guten Gesprächen, durch mitfreuen wenn Freunde einen glücklichen Tag haben oder mit leckerem Essen. Diese Liste kann jeder von uns aufstellen und es lohnt sich als Hilfe in grauen Tagen.

Freundschaft

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Corby im März ist für mich meist mehr als Karneval. Es sind auch ein paar Urlaubstage mit lieben Freunden. Seit 10 Jahren fahre ich jetzt mindestens einmal im Jahr nach Corby und betreue unsere Gäste zu Karneval hier in Velbert. Aber während unser Karneval und der Sommerbesuch gefüllt sind mit Terminen und der Organisation für eine große Gruppe, gibt es im März nur ein kleines Programm. Außerdem bin ich oft alleine, maximal mit einer Handvoll Leuten unterwegs, da bleibt viel mehr Raum für Gespräche und Wünsche, was man machen möchte.

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Am Flugplatz Birmingham

Dieses Jahr hat mir das Wochenende besonders viel bedeutet, da meine Freundin Terri nicht zu unserem Karneval kommen konnte. Also gab es für uns besonders viel zu bereden und wir haben uns am Donnerstag nach der Generalprobe ein gemütliches Essen beim Inder gegönnt. Der Freitag dagegen war komplett durchgestaltet, schließlich waren wir wegen der Selection- and Crowning Night da. „Wir“ waren in diesem Jahr Uwe und ich. Nach unsere Trennung im letzten Jahr hat es mir ziemliche Bauchschmerzen gemacht, ob es eine gute Idee ist, diese Tour mit ihm alleine zu machen, aber es hat sich einfach ergeben, da sonst keiner mit konnte und es ja schließlich auch seine Freunde sind. Und die Engländer haben sich gefreut uns Beide mal wieder für sich zu haben.

Samstag gab es zwar ein Rahmenprogramm, aber wir hatten die Möglichkeit uns immer mal auszuklinken. Da Uwe, bedingt durch einen Autounfall, immer noch angeschlagen war, hat er sich die meiste Zeit mit Graeme und Doughi gemütlich zurückgezogen, während ich Terri begleitet habe. Das frisch gewählte Court hatte die erste Aufgabe zur Teambildung zu leisten. Nach einer einführenden Ansprache von Terri über die Pflichten, Erwartungen und Regeln, die die Mädels im folgenden Jahr erwarten, geht es los zum shoppen. Keine leichte Aufgabe. 6 Mädchen mit unterschiedlichen Geschmäckern, Größen und Formen müssen sich auf ein gemeinsames Outfit einigen. Egal ob Kleidung, Handtasche oder Schuhe, alles muss zusammen gehören. Nur kleine Abweichungen zwischen Senior und Junior Court sind erlaubt. Die große Event-Robe wird in jedem Jahr von Terri vorgegeben und gemeinsam mit Bonnie auf den Leib geschneidert (so dass es bei einigen noch mitwachsen kann!), aber die Tageskleidung wird jetzt ausgesucht – einmal mit Hose und einmal mit Kleid oder Rock.
Ich gönne mir eine kleine Auszeit und erledige meinen eigenen Einkauf, der in ein paar Hosen, Schuhen und einem Pullover besteht. Zum guten Schluss kommt noch ein Koffer dazu, den ich allerdings mit allem was ich nicht brauche (wie zum Beispiel all meinen Haargummis) bis Juli  bei Terri parken werde, damit er im Bus nachhause fahren kann.
Als ich fertig bin, ziehen die Mädchen gerade in die Umkleide ein. Für mich die Gelegenheit eine völlig neue Erfahrung zu machen. Eines der Mädchen hat körperliche Einschränkungen, so dass sie Hilfe benötigt und ich fühle mich ehrlich gesagt geehrt, dass sie mir ihr Vertrauen schenkt und mich helfen lässt. Aus meinem eigenen Leben kenne ich die Mühsal, wenn etwas nicht so leicht von der Hand geht. Ich werde die Zeit, als mein Herz unter 20% Leistung lag, nie vergessen, selbst Schuhe anziehen war damals eine Höchstleistung. Aber das alles erscheint mir heute nichts im Vergleich dazu, was Katie jeden Tag leistet wenn sie etwas tut, an das wir in der Regel keinen Gedanken verschwenden: sich anziehen! Aber gemeinsam bekommen wir das hin und ich bin ehrlich begeistert, von dem, was die Girls ausgesucht haben. Zumindest das komplette Hosen-Outfit inklusive Jacke steht. Das Kleid muss auf den nächsten Laden warten, da im Aktuellen die Möglichkeiten einfach zu begrenzt sind heute.
Gemeinsam mit den Herren machen wir eine Imbiss-Pause und genießen die obligatorischen Fish & Chips. Gut ich lasse die Chips weg, weil ich weiß, was mich am Abend erwartet, aber den Fisch liebe ich. Meine erste Wahl Haggis ist leider gerade ausverkauft.

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Gemütlich im Sondes Arms

Für Uwe und mich geht es jetzt zurück ins Hotel, während Doughi zur Arbeit muss, Terri noch Kleider mit den Mädchen kauft und Graeme das selbe macht, wie wir – einen kleines Schläfchen.

Am Abend sind wir im kleinen, wirklich historisch wertvollen Örtchen Rockingham zum Essen. Das Sondes Arms ist ein wunderschönes Restaurant mit vielen Ecken und Nischen und sehr gut besucht. Das Essen verrät uns warum. Einmal mehr fragen wir uns, warum es immer heißt, englisches Essen wäre schlecht. Natürlich gibt es Unterschiede und nicht alles würde mich begeistern, aber das gilt auch für deutsches, französisches oder italienisches Essen. Das Essen heute ist einfach mega und das Ambiente dazu macht den Abend ganz besonders. Dazu kommt die unbezahlbare Zeit mit den anderen.

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Durchprobiert – Lecker!

Wir ziehen das gemütliche Beisammensein soweit es geht in die Länge und quatschen über Gott und die Welt. Diese Abende sind es, die ich liebe – in aller Ruhe mit Freunden Meinungen und Ideen austauschen.

Gegen 23 Uhr brechen wir schließlich auf, da wir Doughi noch an seiner heutigen Arbeitsstätte besuchen wollen.
Als wir den Pub erreichen, ist sicher nicht nur mein Tinnitus dankbar, dass die Disco-Zeit zu Ende ist und wir genau zur Last Order ankommen. Noch bin ich etwas erstaunt, dass an einem Samstag, trotz gelockerter Gesetze schon vor Mitternacht hier Ende ist, aber ich habe dies kaum ausgesprochen, als uns ein Entertainment der besonderen Art beweist, dass es seinen Sinn hat. Hinter uns setzt Gezeter ein und es fliegen Gläser. Am Ende des Abends erlebe ich tatsächlich meine erste Kneipenschlägerei und ich weiß nicht, ob ich die Mitarbeiter des Pubs für ihre Ruhe bewundern oder sie als abgestumpft und desinteressiert abstempeln soll. Die Polizei kommt – wie sollte es anders sein – genau in dem Moment, wo die Verursacher in ein Taxi steigen und verschwinden. Immerhin darf ich mal wieder mit einem englischen Polizisten reden und wir alle haben noch am nächsten Tag reichlich Gesprächsstoff. Unser Abend wäre so oder so jetzt beendet gewesen.

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Abschieds-Treffen im Hotel

Sonntag trifft sich dann alles nochmals im Hotel um uns zu verabschieden. Während die Familien einfallen um den Muttertag zu feiern, ziehen wir die Zeit soweit es geht und schauen zurück und planen nach vorne, aber schließlich ruft Arbeit, Abflugzeit oder Familie und wir machen uns auf den Heimweg.

Was meine Bauchschmerzen angeht, so haben sich diese auf mein Zwacken durch die Gallensteine beschränkt und waren im Bezug auf den „Ex“ überflüssig. Egal ob unterwegs mit Freunden oder alleine im Hotel, es war harmonisch, friedlich und unterhaltsam. Wir haben es geschafft die Dinge, die uns schon vor unserer Beziehung verbunden haben zu pflegen, das ein oder andere Missverständnis zu bereden/neu zu beleuchten und es ein rund um schönes Wochenende werden lassen. Und ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich mutmaße, dass es meine harmonischste Scheidung werden könnte und wir weiter gemeinsam unser Hobby Großbritannien leben können, wenn wir diesen Level erhalten, pflegen und damit eine neue freundschaftliche Basis schaffen.

Proklamation auf Englisch

Corby 2018 - entering Princesses

Wir sind mal wieder in Corby und ein Jahr Regentschaft endet. Das Carnival Court in unserer Partnerstadt wird jedes Jahr am 2. Freitag im März gewählt. Anders als bei uns, weiß zu Beginn des Abends keiner, wer am Ende auf der Bühne steht und die Krone trägt.

Nach unserer Ankunft bekommen wir schon am Donnerstag einen kleinen Einblick, wer alles zur Wahl steht, da wir das Ende der Generalprobe miterleben. Im Gegensatz zu den Vorjahren kenne ich die wenigsten der Teilnehmerinnen, was es letztlich um so spannender macht. Die Mädchen und jungen Damen machen sich mit der Bühne  und den Ein- und Ausmarsch Regeln vertraut, die doch etwas umfassender sind, als bei uns. Noch sind alle relativ entspannt und so ein Blick hinter die Kulissen gibt einen viel besseren Eindruck, wie die Mädels so miteinander umgehen. Lediglich bei der Probe der Verabschiedung merkt man auch heute schon, welch eine ergreifende Zeremonie uns hier erwartet.

Freitag helfen wir den Saal festlich zu gestalten und bereiten uns auf ein paar schöne Stunden vor, die zumindest mir eine emotionale Achterbahn bescheren werden.

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Mit dem Bürgermeister von Corby

Nach einer kleinen Pause im Hotel geht es in festlicher Kleidung zurück ins Grampian und wir treffen auf viele Freunde, (ehemalige) Bürgermeister, Eltern und mittlerweile sehr aufgeregte Mädchen. Die Veranstaltung wird wie im letzten Jahr von Corby Radio unterstützt, Andy moderiert gekonnt und hilft der ein oder anderen Teilnehmerin, die Nervosität in den Griff zu bekommen.

Die Wahl des Corby Carnival Court ist eine komplexe Sache und ich bin froh nicht einer der Judges zu sein (einmal hat gereicht!). Es geht hier nicht um einen Schönheitswettbewerb – auch wenn man das bei manchem Erscheinungsbild meinen könnte. Natürlich zeigt sich jede von der besten Seite, ob es aber einer 12 jährigen unbedingt zu Gute kommt auf High Heels und mit künstlicher Bräune auf die Bühne zu gehen, bleibt fraglich. Preisrichter und Schiedsrichter sitzen vor der Bühne, VIP’s, besuchende Courts anderer Städte, Familien und weitere Gäste bilden einen großen (und leider manchmal viel zu lauten) Rahmen darum herum, während die Mädchen nun einzeln die Bühne betreten und dort ihre Rede halten. In wenigen Minuten muss sich der Preisrichter ein Bild darüber machen, ob die jeweilige Teilnehmerin die Stadt Corby gut vertreten kann. Verständlichkeit, ein offener Blick, eine gute Körpersprache, ein grader Gang und auch ein ehrliches Lächeln fließen hier positiv in die Wertung ein und spielen eine weitaus größere Rolle, als Glitter über den Augen, braune Haut, eine Traumfigur oder Glitzersteine auf dem Kleid. Die 26 Mädchen teilen sich auf in 20 Bewerberinnen für das Junior Court (unter 14) und 6 für das (Senior) Court. Schließlich haben alle ihre Rede gehalten und die Richter ziehen sich zurück um das Punkte-System, welches für die Wahl vorgegeben ist auszuwerten.

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Mit dem scheidenden Court

Damit alle dabei sind beginnt die Verabschiedung des 2017 Court sobald die Wahl ausgewertet ist. Dieser Teil ist immer schon sehr tränenreich gewesen und auch in diesem Jahr bricht das ein oder andere Herzchen, während die Queens und Princesses ihre Abschiedsrede halten. Das Finale wird mit einer „Time to say Goodbye“ Live Version  von Kara Hamer begleitet und ich ziehe meinen Hut vor der jungen Dame. Meine Augen sind nicht trocken als schließlich das Committee Spalier steht, die Insignien der Macht abgelegt sind und die sechs sich ein letztes Mal gemeinsam verneigen.

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Das neue Court

Ganz komme ich um eine offizielle Teilnahme nicht herum und stehe nun doch mit auf der Bühne um die neu gewählten Prinzessinnen zu krönen. Neben mir steht der diesjährige Bürgermeister um diese Aufgabe bei den Queens wahrzunehmen. Unter viel Beifall werden nun nacheinander die Gewinner verkündet und kommen zu uns auf die Bühne. Das neue Court nimmt auf den Stühlen Platz und eigentlich ist dies eine fröhliche Zeit. Aber in diesem Jahr wird es noch einmal sehr emotional.
In den letzten zwei Jahren hat Corby zwei ihrer Carnival Girls beerdigen müssen – zunächst Kayley, die nach jahrelangem Kampf ihren mentalen Problemen nicht mehr widerstehen konnte und dann Victoria, die unerwartet ihrer chronischen Erkrankung erlag.
Um die Erinnerung an Beide zu erhalten wurden für die Queens Wanderpokale gestiftet. Die Kayley Trophy geht an die Corby Carnival Queen und die Victoria Trophy an die Junior Queen.
Der Vater von Kayley möchte für Kayleys Erkrankung sensibilisieren und wendet sich an die Öffentlichkeit – so auch an diesem Abend mit einer wunderbaren, ergreifenden Rede. Ich stehe hinter ihm auf der Bühne und bin fix und alle, erst recht als er mich und meine Freundschaft zu Kayley auch noch mit einbezieht.

Auf und rund um die Bühne werden nun Bilder gemacht und ich komme dazu noch eine kleine Zusage in die Tat umzusetzen. Das scheidende Court verabschiedet sich mit den unterschiedlichsten Gesten und eine davon teile ich – Jordan hat ihre Haare bewusst wachsen lassen und mit ihrer Verabschiedung eine Haar-Spende verbunden. Unter großem Ablaus (viele in diesem Saal wissen, was lange Haare für eine 18 Jährige bedeuten können) lässt sie sich ihren langen Zopf abschneiden, damit dieser zu einer Perücke für krebskranke Kinder gemacht werden kann.

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Ab sind sie

Ohne Ablaus, still und heimlich in der Ecke, schneidet Jordans Mama auch meine Haare ab – für eine Kurzhaar-Perücke sind es genug. Irgendwie habe ich mich zu der Aussage verleiten lassen, wenn Du das wirklich machst, dann bin ich dabei. Ich bereue es nicht und habe meinen Spaß daran zu beobachten, wie es teilweise Stunden dauert, bis es auffällt.

Bei soviel Emotionen und tollen, wie traurigen Momenten ist der Rest des Abends dann ein ausgelassenes Feiern auf der einen Seite, ein enttäuschtes „schnell nach hause“ auf der Anderen und Gott sei Dank nur vereinzeltes unfreundliches Tratschen (welches beweißt, dass da jemand noch lernen muss bevor er Repräsentant werden kann) – schließlich haben 20 Mädchen nicht die Spitze erreicht.
Als Stadtteil-Prinzessinnen, die sie ja schon sind, haben aber auch sie ein aufregendes und wichtiges Jahr vor sich, in dem sie in Corby viele Wohltätigkeitsveranstaltungen unterstützen, sich weiter entwickeln, Freundschaften schließen und dann vielleicht im nächsten Jahr das Puzzelteilchen im Gepäck haben, dass den Ausschlag gibt und dieses Jahr noch gefehlt hat.