Entschleunigen in Puerto del Carmen

Was für ein Hallo! Um 8:30 mischen vier verrückte Ladies die Anlage auf. Aber die anderen Gäste nehmen unsere Wiedersehen Freude gelassen. Schnell sind die Betten und Schränke zugeordnet, die Anlage inspiziert und die ersten Dinge ausgepackt. Jetzt heißt es umziehen und den Hunger stillen, der uns alle erfasst hat.

Gemeinsam gehen wir zur Promenade, halten einen kleinen Quatsch mit dem Werber des Fischrestaurants auf halbem Weg und schlendern von Bar zu Restaurant zu Bar… Priorität für heute ist zwar satt werden, aber eigentlich auch auf spanische Art. Der freundlich Engländer hat keine Chance uns sein Angebot zu verkaufen. Aber er landet auf der List „Frühstück möglich“.

Auf eine schöne Woche

Wir schlagen das „Las Vegas“ aus, ignorieren den verlockenden Inder, ziehen Terri fort vom Japaner und landen bei einem eher unscheinbaren Spanier. Auf leicht erhöhtem Niveau erhaschen wir sogar einen Blick auf das Meer, welches sich auf diesem Abschnitt meist hinter der Bebauung versteckt. Die Karte bietet allerlei Köstlichkeiten und neben Tapas, Fisch und Fleisch auch Pizza und Pasta. Hier sollte also jeder etwas finden. Ausgehungert stürzen wir uns auf ein paar geteilte Tapas und für ein Foto der Köstlichkeiten reagiere ich zu spät. Alle 5 Schälchen sind ratzeputz leer. Fleischbällchen in Tomatensoße, Gambas in Knoblauch Öl, Chorizo in Weinsosse, Fischkroketten und Knoblauchbrot mit Käse versprechen einen gigantisch leckeren Hauptgang. Nur das Entscheiden fällt schwer. Terri und ich werden teilen, so gibt es s mehr zum probieren – die Paella ist perfekt, die Muscheln in Marinade köstlich und auch die Canary Potatos sind lecker. Die typischen Soßen dazu begeistern mich, Eves Geschmack treffen sie nicht ganz, aber ihr Tunfisch-Steak überzeugt voll und ganz. Auch Clare’s Salat des Hauses (Meeresfrüchte und frischer Fisch) ist nicht nur umfangreich, sondern lecker.

Köstlicher Hauptgang

Satt und zufrieden genießen wir das Abendleben um uns und beruhigen unseren bald platzenden Magen mit einem Carajillo (1 geteilt durch 3 reicht völlig). Ein köstlicher und preislich überzeugender Auftakt bei El Drago, den ich wärmstens empfehlen kann. Zurück im Club Maritima genehmigen wir uns noch einen Absacker und ein ausgedehntes Schwätzchen.

Blick auf den Hafen und Markt

Unser Frühstück ist durch und durch Englisch, wir halten unsere Zusage ein und gehen zu Shauna’s Bar. Hier bekommen wir auch ein paar Tips zur Tagesplanung. Der Begrüßungstreff im Club bereichert unser Wissen es steht fest, wir werden keine Langeweile haben. Ein Taxi bringt uns im Anschluss zum Hafen ganz im Süden des Orts. Hier ist heute Markt und wir stöbern ein wenig. Leider ist alles sehr auf Tourismus ausgerichtet und ich schaue umsonst nach typischen Marktständen mit Gewürzen oder anderen Köstlichkeiten. Immerhin entdecke ich eine kleine Lederwerkstatt, in der typische dreibeinige Hocker geschlagen werden (zu groß für mein Gepäck) und finde einen Verkäufer für die Keramik-Kacheln, die hier überall zur Beschriftung eingesetzt werden. In Ermanglung einer eigenen Finca die ausgeschildert werden muss, entscheide ich mich meinen ersten Magneten dieser Kunst zu widmen. Überflüssig zu erwähnen, dass wir jetzt alle Schuhe im Partnerlook haben 😂

Blick auf die Bucht

Kulinarische Meile oberhalb des HafensLangsam erklimmen wir die Klippe im Norden und quälen Terri mit schwierigem Gelände, aber der Blick unterwegs und oben ist es wert und wir genießen (etwas überteuert) einen Cocktail mit Aussicht (Restaurant Puerto Bahia). Die uns umgebenden Fischrestaurants bieten eine verlockende Fülle an Gerichten, für die gerade der fangfrische Fisch angeliefert wird. Ich hoffe hierher führt es uns noch einmal mit leerem Magen! Ein bisschen schlendern wir noch, dann reicht es für heute und ein Taxi bringt uns zurück.

Cocktails mit Aussicht

On the road

Pool time und Sonnenbaden runden unseren ersten Tag ab und wir entscheiden uns heute hier zu essen. Steaks für die Corby Ladies und Fisch für mich. Leider beschert mir die Happy Hour am späten Nachmittag nicht nur einen köstlichen Pastis, sondern auch einen heftigen Herzstolperer, so dass ich mich unmittelbar nach dem Essen verabschiede und 12 Stunden Schlaf an diesen Tag Anhänge….

Pool Time

Happy Hour

So lässt es sich leben
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Angekommen auf Lanzarote

Düsseldorf – Madrid – Arrecife -> unmöglich einen direkten Flug zu bekommen, es sei denn ich fahre nach Weeze. Schlussendlich entscheide ich mich für Iberia und den Zwischenstopp. Und mit Koffer ist Ryanair auch nicht günstiger. Die Sitzreihen-Aufteilung im Iberia Flieger dagegen auch nicht bequemer.

Der kleine, eigentlich vielleicht niedliche Hund in der Transport-Box, der vor Nervosität mehr sabbert als in sein Fell passt, macht es leider auch nicht besser. Ob der durchdringende Geruch von ihm oder seinem Herrchen (mit der Box auf dem Schoß) neben mir kommt, wage ich nicht zu ergründen. Immerhin kläfft er mich nur bei der Landung an. Ich bin einfach nur dankbar, als ich nach 2 Stunden dem Flieger entrinne! Irgendwie kann es mich nicht mal mehr aufregen, dass mein Koffer auf einer Seite aufklafft. Kein guter Start!

Glücklicherweise endet hier die holperige Geschichte und Urlaubsstimmung macht sich breit. Terri hat meinen Shuttle nach Puerto del Carmen perfekt vorbereitet- ein Minibus (First minute travel) bringt mich zu unsere Appartement Anlage (Club Maritima), ich kann sofort Einchecken und bin ehrlich gesagt sehr positiv überrascht vom gesamten Umfeld. Der gefürchtete Pferdefuß beim Tombola Gewinn zeigt sich nicht! Unser Appartement bietet ausreichend Platz, eine gut ausgestattete Küche, viel Stauraum und eine wunderbare Terrasse. Das ich quasi englisches Territorium betrete war klar und irgendwie habe ich das Gefühl, die englische Managerin freut sich über die deutsche Exotin.

Mein eigener Durst weckt meine Einkauf-Lust und ich mache mich auf zur ersten Erkundung, damit ich kalte Getränke anbieten kann, wenn die 3 Corby-Girls kommen. Gerade mal 7 Minuten brauche ich zur Strandpromenade (mit einmal falsch abbiegen). Geschäft wechselt mit Bar oder Restaurant, Minigolf, Casino…. nach gut 500 Metern von 7 km Avenue de las Playas weiß ich, dass wir in jede Himmelsrichtung essen können (Japanisch, Indisch, Italienisch, Mexikanisch …), ich verliebe mich in eine kurze Hose und ein Strand-Outfit, finde den günstigsten Tax free Shop für Zigaretten und Alkohol, werfe einen Blick auf kleine Sandbuchten, stolper über Apotheken und gefühlt 1000 Souvenir-Shops. Der kleine Selbstversorger-Supermarkt liegt gerade mal 3 Minuten entfernt vom Appartement.

Der gesamte Ort ist zwar rein touristisch angelegt, aber es finden sich nur weiße, maximal 2 geschossige Häuser mit den traditionellen grünen Fenstern. Die Ficus Bäume am Straßenrand sind unglaublich, die Bougainvillea blühen in allen Farben. Am Horizont zeigen sich die für Lanzarote typischen kargen Berge. Und ich weiß nicht, wie oft ich mir an den Straßenecken wünsche unsere Namensschilder mögen nur halb so nett aussehen… noch eine Stunde verbringe ich alleine an der Pool-Bar, bevor eine wunderbare Girlswoche beginnt.

Girls Tour English style

Wieder unterwegs – dabei habe ich noch einige Beiträge aus dem Sommerurlaub hier liegen, zu denen ich noch Bilder sortieren möchte und ein wenig am Feinschliff arbeiten. Nun das muss jetzt warten. Heute mache ich mich auf den Weg nach Lanzarote.

Für mich nicht nur eine unbekannte Insel, sondern auch eine ganz neue Art Urlaub zu machen. Auf der Insel treffe ich Terri, Clare und Eve: ein Mädels-Urlaub auf Englisch. Eine Woche mit meiner Freundin und ihren Pavitt Girls: ohne Karneval, ohne Pflichten und Aussicht auf viel Ruhe und Erholung! Keinen Plan, keine Ahnung wo oder wie genau wir wohnen, ein Appartement in Puerto del Carmen, mehr weiß ich nicht. Die Bilder im Netz sehen gut aus und der Reiseführer verspricht eine ganz besondere Welt. Ich bin gespannt!

Noch sitze ich in Düsseldorf und warte auf meinen Flug – einmal Umsteigen in Madrid und dann heute Mittag auf den Kanaren. Pause vom Alltag, die Katzen gut versorgt und Aussicht auf lange Gespräche – herrlich!

Auch wenn ich nicht die Absicht habe weite Wanderungen zu unternehmen, möchte ich doch die Worte des Jakobweg Wanderers nutzen: Ich bin dann mal weg !

Angriff auf mein Karma

An manchen Tagen bin ich so sehr im falschen Film, dass es in wenige Worte passt. Da braucht es keine vielen Worte oder besondere Geschichten. Der Tag ist einfach gefüllt von einer Abfolge von Dingen, die Alarmsignale sind….

Vielleicht kennt ihr das, weil es mir echt schwerfällt es zu beschreiben: Ich stehe vor der Tür und mein bestelltest Taxi kommt nicht, der dringend benötigte Kaffee fällt aus, da die Kaffeemaschine beschließt kaputt zu gehen, jemand wartet dringend auf Daten und mein Rechner läuft heiß und streikt bevor ich ein Ergebnis habe….

An solchen Tagen wartest du förmlich auf das nächste Unglück. Seit Wochen, nein eigentlich Monaten habe ich diese Abfolgen. Dabei bin ich eh schon so müde und energielos. Nur selten nimmt der Tag unerwartet eine positive Wende.

Aus all diesen Gründen habe ich etliche Blog Beiträge begonnen und dann wegen der Mutlosigkeit gelöscht. Aber es hilft ja nichts, irgendwann muss es doch aufhören und ich aus meinem Loch wieder heraus krabbeln.

Und wer weiß, vielleicht ist es heute so weit – wenige Tage vor dem Sommerurlaub hoffe ich auf Besserung!

Gestern ist Jo bei mir eingezogen… meine Katzen können ihn (noch) nicht leiden… schließlich ist Jo heute 2 Stunden durch die Wohnung geflitzt- für sie ohne ersichtlichen Sinn. Für mich war es belebend zuzusehen. Jo ist mein neuer Hausfreund und übernimmt ab sofort die Bodenpflege. Und hat schon damit angefangen mich umzuerziehen. Was kann in meiner Wohnung noch vom Boden an die Wand, wo kann ich klarere Linien schaffen. Was sollte ich noch entsorgen. Immerhin kam er zusammen Peter, der mir zur Hilfe dabei geht, all die größeren Gegenstände zum entsorgen Richtung Auto zu transportieren. Oder meine größeren Einkäufe in die Wohnung. Ohne Lärm, ohne Schleppen und ohne Angst, dass etwas runter fällt. Jetzt fehlt nur noch ein stabiler Kreislauf und ich kann endlich weiter an einer aufgeräumten und liebenswerten Wohnung arbeiten. Vielleicht wendet sich dann ja auch das Karma zu einer Abfolge schöner Geschichten.

Es gibt Hoffnung: Wenn es nächste Woche nach Corby, London und Cornwall geht, ist eine solide Basis für schöne Berichte geben.

Jo bei der Arbeit (Peter, der Bollerwagen, steht nach der ersten Führe in der Garage)

in meiner Haut

Grundsätzlich wünsche ich niemandem etwa schlechtes! Und wenn ich mir gerade wünsche, dass eine Handvoll Mitarbeiter meiner Krankenkasse, sowie der ein oder andere medizinisch tätige Velberter mal für 3-4 Monate in meiner Haut stecken mögen, so ist dass zumindest in deren Augen ja auch nichts schlechtes. Aber mein Gewissen verbietet es mir trotzdem. Und zu deren Glück Geht es ja auch gar nicht.

Ein Erkrankung taugt nie etwas. Mehrere auf einmal schon gar nicht! Wenn dann noch eine dazwischen ist, die kaum einer kennt,wird es kompliziert und man verschwendet Stunden darauf irgendjemandem klar zu machen, wie es ist….
Eigentlich möchte ich doch nur dafür sorgen, dass ich meine restliche Arbeitsfähigkeit nicht verliere! Warum es jetzt plötzlich wieder Schwierigkeiten gibt, verstehe ich selber nicht so genau, aber irgendwas hat sich im Hintergrund geändert und ich soll plötzlich ohne Physiotherapie klar kommen. Also der Arzt meint, das Abrechnungssystem muss geändert werden, die Krankenkasse lehnt das ab – ich gehöre nicht in eines der Standardschemata, die es dafür gibt.
Nicht wirklich überraschend! Ich gehöre in die Schiene „außerhalb des Regelfalls“ – bis hierhin kann ich das nachvollziehen.

Heute stehe ich also bei meinem Arzt und bitte um ein entsprechendes Rezept.. umsonst! Der Arzthelferin sagt, ihr sind die Hände gebunden wegen der Krankenkasse, die Krankenkasse bestätigt mir ein weiteres Mal am Telefon, dass der Arzt dieses Rezept ausstellen kann, wenn ich es brauche… es ist halt sein Budget, das mir helfen soll. Und die freundliche Sachbearbeiterin (selbst als ich ziemlich unfreundlich verzweifelt losheule) erklärt mir, wie ich doch noch einem Standardfall gleichgestellt werden kann. Dauert halt nur ein paar Wochen und eine gute Portion von der Energie, die mir in den letzten Wochen so oft fehlt, aber da kann ich anfangen:

  • Mein Arzt muss den Bericht verbessern. Jetzt dem geht noch nicht einmal hervor, dass ich schon mitten in einer Schmerztherapie stecke – ist das ausgereizt? Natürlich könnte ich noch mehr nehmen, aber dann habe ich eine Konzentrationsphase eines Augenaufschlags -> arbeiten einstellen.
  • Kann ich neben meinem Ergometer Training, der Darmmobilistion oder der täglichen Gymnastik Einheit noch ins Fitnessstudio oder zum Rehasport -> sicher wenn ich 2 Stunden weniger Arbeite bzw. an Tagen, wo ich nicht Auto fahren darf 3 Stunden
  • Kann ich die Bandscheiben nicht dauerhaft operieren lassen -> wenn ich mein krankes Herz los werde, dann ist das zumindest normalen Risikobereich und könnte vielleicht helfen, in allen vieren??
  • Kortison wieder hoch um die diversen Gelenkschmerzen und Ausfälle zu reduzieren? Hilft vielleicht an einigen Punkten und treibt im Gegenzug dafür die Diabetes wieder hoch, ganz abgesehen von dem Gewicht, welches dann erfahrungsgemäß zusätzlich bewegt werden muss

Eigentlich möchte ich mich seit Wochen nur noch in die Ecke legen und schlafen. Aber ich mag meinen Job und möchte ihn behalten. Ich mag meine Freunde und möchte ab und zu mit ihnen zusammen sein. Ich möchte noch lange in meiner Haut stecken und viele Erinnerungen sammeln. Also nutze ich jede erdenkliche zusätzliche Hilfe um Nebenwirkungen abzuschwächen, Schmerzen zu reduzieren, mehr Energie zu bekommen…. und dann kommt als „schönes Wochenende“-Versprechen die Ansage, dass ich mal wieder etliche Stunden in Arztbesuche und den Kampf um Verständnis stecken muss…

Das frustriert, macht mutlos und verführt mich dazu es einfach sein zu lassen.

Statt dessen sitze ich schon während ich mit der Krankenkasse telefoniere im Auto nach Bonn zum ICD und Sarkoidose Check… vielleicht kommen wir ja heute weiter in der Frage warum ich vermehrt Sehstörungen, Kopfschmerzen und Schwindelanfälle habe. Wird ja wohl nicht am Knochenbau liegen….

Auch in meiner Haut ist das Leben viel zu schön, als das Aufgeben eine Option wäre!

Sarkoidose mit Herzbeteiligung

Manchmal werde ich gefragt, warum ich trotz meiner Erkrankung positiv denke…
Weil ich zum Beispiel nicht dieses Schicksal teile:
Mein Herz hat sich wieder erholt und ich musste nur sehr kurz darüber nachdenken das ich von einem Spenderherz abhängig sein könnte!
Bitte nehmt Euch die Zeit und schaut einmal was Sarkoidose „kann“ – Leider passiert es immer noch viel zu häufig, dass die Ärzte sie als ein Lungenerkrankung ansehen und somit als Ursache ausschließen und das sie verharmlost wird (falls sie überhaupt mal in Film und Fernsehn auftaucht)

Ein Besuch in Gedern

Beschwingt durch die Begegnung mit Ingrid mache ich mich auf den Weg zu meinem zweiten Ziel… Tinka frisst Kilometer für Kilometer und ich beobachte am Straßenrand wie es Frühling wird. Es ist wenig los auf der Autobahn und meine Ankunftszeit in Gedern am Flugplatz gerät nicht ins Wanken. Von der Autobahn geht es auf Landstraßen und durch diverse wunderschöne Dörfer. Nur noch 30 Minuten, erzählt mir mein Navi und ich fühle mich immer noch erstaunlich fit…. bis zu dem Moment, an dem mein Weg versperrt ist – eine Großveranstaltung auf dem Vogelsberg zwingt mich zu einem Umweg… eigentlich sollte meine Kartenapp jetzt schnell den neuen Weg anzeigen, aber der Empfang ist so schlecht, dass ich mich ‚blind‘ den Berg hinunter taste und an den Kreuzungen intuitiv die Richtung wähle. Gute 20 Minuten liegen hinter mir, bis endlich wieder eine Straße im Display erscheint und ich weiß, dass meine Intuition geklappt hat und sich das Ziel 15 Minuten links von mir befindet. Als ich dann den Wagen um kurz nach acht abstelle, bin ich doch ziemlich durch den Wind. Die Freude von Üli entschädigt mich in null Komma nichts und ich tauche ein in die Flieger-Party. Ein Bier und eine Portion Schweinebraten später (unschlagbar zart und köstlich) bin ich auch mit dem Kopf angekommen und versuche die vielen Namen und Gesichter zu sortieren. Es wird ein wirklich toller Abend mit vielen interessanten Gesprächen, bevor es dann irgendwann im Ostflügel der Familie ins Bett geht. Übermüdung und mein sehr unruhiges Herz machen es zwar zu einer schlechten, kurzen Nacht, aber trotzdem freue ich mich auf den vor mir liegenden Sonntag, immerhin hat Üli mir – leicht geheimnisvoll – in Aussicht gestellt, dass wir einen ihr sehr lieben Ort besuchen werden, viel Natur und ein bisschen den Hügel hinauflaufen, nachdem wir die Kids am Reiterhof abgesetzt haben.

Bei aller Begeisterung, die in ihrer Erzählung liegt – mit dem, was mich erwartet und was es bei mir bewirkt habe ich nicht gerechnet! Und da es eine ganz eigene Geschichte erzählt, ist es auch einen ganz eigenen Blog-Post wert! An dieser Stelle nur soviel: diese ca. 4 Stunden ziehen sich durch Jahrhunderte und haben alle meine Sinne gefordert.

Absolut positiv geladen lande ich später wieder am Flugplatz und habe meinen Spaß am Beobachten: Halle einräumen, ein paar UL Starts und ganz normales Vereinsleben zeigen mir mal wieder, dass ich einfach regelmäßig an einen Flugplatz gehöre. Als ob es damit nicht genug wäre, folgt noch ein überaus perfektes Abendessen im Gederner Schloss. Gefühlt bin ich am Ende meiner Superlativen und falle an diesem Abend ungewöhnlich schnell in einen zwar nicht ganz störungsfreien, aber doch erholsamen Schlaf, aus dem ich generalüberholt am Montag Morgen erwache…. die Familie startet gerade in ihren Alltag während ich noch ein bisschen vor mich hin bummel.

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Zuwachs für meine Magnetsammlung

Vor der Heimfahrt schaue ich mir noch Ülis Segelflugbedarf an und bewunder mit welcher Ruhe hier die bimmelnden Telefone, nicht immer funktionierenden Drucker und unzähligen Anfragen abgewickelt werden, stöber in den unzähligen Kistchen auf der Suche nach Schätzen für Passiv-Flieger wie mich und erfreue mich an der Einladung, das Geburtstags-Frühstück eines dieser menschlichen Goldstücke zu teilen. In dieser netten Runde ist es ratz fatz Mittag und ich muss mich loseisen. Vorbei am Grillfleischautomaten, der mein Essen für in 3 Tagen ausgibt – für davor habe ich Bratenreste von Samstag und Schnitzel von Sonntag – also eigentlich mehr als genug, aber mal ehrlich so einen Kasten muss ich ausprobieren!

So liebevoll geklärt und gereinigt versteht es sich fast von selbst, dass meine Heimfahrt nicht von Schwindel, Herzrasen oder ähnlichen Störungen heimgesucht wird und ich wirklich beschwingt und gut gelaunt wieder zuhause ankomme.

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Grillgut und Zubehör

Reise in meine Vergangenheit

Guten Morgen! Montag Morgen! Herrlicher Morgen!

Ein ganz ungewöhnliches Gefühl habe ich heute! Es ist 7 Uhr und ich bin tatsächlich mit einem Schwung aus dem Bett, der da seit einiger Zeit gefehlt hat. Gut ich möchte immer noch langsam wach werden dürfen, aber ich bin gerne aufgestanden, genieße den Morgen und fühle mich ausgeschlafen. Herrlich! Dabei habe ich Urlaub und hatte ausschlafen geplant!

Vielleicht liegt es ja an meinem Wochenende und den beiden „habe ich mir erfüllt“ Haken, die ich in meiner „möchte ich unbedingt dieses Jahr besuchen“ Liste gemacht habe.

Samstag hat durch leichte Schwindel und Schlaf Probleme erstmal einen (wieder) schwierigen Start, aber irgendwann habe ich mich dann ans Steuer gesetzt und bin Richtung Paderborn aufgebrochen! Zu Beginn einfach froh, dass ich fahren kann, ein Strecke abreißen, die einfach sein muss. Einmal erwischt mich leider dieses „jetzt ist die Welt im Nebel“ Ding, aber ich bin gerade 400 Meter vor einer Raststätte und kann sofort ab, statt auf den Standstreifen fahren. Ich mache ein paar Minuten Pause, tiger über den Parkplatz und frage mich ob das alles so richtig ist…. nun ich bin auf der Autobahn, mein Kopf ist jetzt herrlich erfrischt und ich darf eh nur in eine Richtung, also weiter! Und je näher ich meinem Ziel kam, desto mehr hat sich in mir eine aufgeregte Freude breit gemacht. Erinnerung begleiten mich jetzt auf jedem Kilometer. Erinnerungen an meinen Papa und die unzähligen Fahrten zwischen Neuenbeken und Velbert. Er am Steuer, sicherlich froh mich zu sehen aber in dem Wissen ich muss das jetzt 2x fahren…. zurück sogar immer noch mit dem Gefühl, jetzt ist sie wieder weg für wer weiß wie lange. Also zumindest ich hatte da auf dem Rückweg immer sehr gemischte Gefühle.

Damals war die 44 aber noch ziemlich leer, schließlich befand man sich auf der Sackgasse Richtung deutsch-deutscher Grenze… also gab Papa viel Gas und ich saß immer im Cockpit auf der Startbahn und habe meinen Flieger in die tollsten Urlaubsländer starten lassen… Gott haben sich da fiktive Dramen in dem weißen Audi Liner angespielt…. irgendwann kam die Zeit, da ich meisten mit dem Zug fahren konnte. Die Fahrten wurden seltener und blieben schließlich für ein paar Jahre ganz aus, bevor ich ab und zu mal selber den Weg nach Paderborn gefunden habe, mit Freund, Mann und schließlich Kind….

Und dann kamen die Jahre, in denen ich wieder sooft es geht auf dieser Strecke war. Erst regelmäßig und dann sogar für ein paar Wochen jeden 2. Tag….. Bleifuss, den Kopf voller Sorgen und Ängste. Aber auch voller Dankbarkeit, dass ich diese Zeit habe. Nach der Entfremdung der letzten Jahre hatten Papa und ich 2 Jahre geschenkt bekommen, in denen er langsam innerlich und dann auch äußerlich vom Krebs zerfressen wurde. Aber eben 2 Jahre, in denen er sich endlich geöffnet hat. Ich bekam eine Familie, Wurzeln und eine Vergangenheit. Emotionen und Liebe, die mir lange gefehlt haben und wir haben eine ganz neue Nähe entwickelt. Seine 2. Frau, neue Frau… meine Stiefmutter Ingrid habe ich immer schon lieb gehabt und war gerne bei ihr, aber auch zu ihr hat sich das Verhältnis geändert – irgendwie war ich zwar weiter das kleine Julchen, aber eben auch erwachsen. Viele tolle Gespräche haben sich entwickelt….

Und dann kam der Tag an dem ich das letzte Mal ins Krankenhaus gehetzt bin… es war erlösend, weil Papa endlich von diesem Kampf erlöst wurde, schmerzhaft weil ich wusste der Weg ist zu weit um ihn noch lebend zu sehen… es folgten ein paar Monate des Überdenken, wie und wo es für Ingrid weiter geht. Gleichzeitig habe ich meine 2. Ausbildung begonnen und bin in ein neues Leben gestartet… erst Karrierepläne, dann krank…. beides hat mein Leben maßgeblich beeinflusst, verändert und dafür gesorgt, dass ich 13 Jahre nicht mehr diesen Weg gefahren bin. Erst haben Ingrid und ich diese Zeit mit endlosen Telefonaten ausgeglichen, aber irgendwann kamen doofe Ohren und Maulfaulheit (heute schon Zuviel gehört) auf beiden Seiten dazu und auch dies wurde eine kostbare Seltenheit….

13 Jahre und der Baum steht immer noch, oh da ist jetzt ein Kreisverkehr…. sicher kennen das einige, dieses Gefühl in die Vergangenheit zu fahren und die alte Heimat neu zu sehen…. gleichzeitig war ich furchtbar aufgeregt, weil ich habe mich nicht angekündigt – zuviel Angst, es könnte was dazwischen kommen. Und so ganz leicht hat mein Schwindel es mir ja auch nicht gemacht…

Aber dann bin ich da, erkämpfe mir mit Hilfe der Nachbarin Einlass – Klingel und Telefon kommen nicht immer bei den lieben aber müden Ohren durch ….. und es ist unglaublich aufregend, neu und doch direkt so vertraut. Wir reden und reden …. Glucken zusammen und genießen uns. Ich kenne jedes Buch und all die Sammlerstücke… selbst dieses „ach hier ist es so staubig“ hat sich nicht geändert…. die Liebe: geputzt und gewienert ist es. Das erlebt meine Wohnung in dieser Form vielleicht 2 Mal im Jahr! Ich bin wieder ganz das Julchen und möchte am Liebsten ewig hier sitzen… aber ich habe ja noch ein Ziel für heute, also breche ich viel zu schnell wieder auf, winke aus dem Auto zurück zu dieser zarten, wunderbaren Frau – wie schon aus dem Audi-Liner, bis die Kurve kommt und sie aus meinem Blick verschwindet. Im Herzen den ganz tiefen Wunsch bald wieder kommen zu können!

Mystik auf dem Glauberg

„Bring feste Schuhe mit, wir gehen auf den Berg!“ – „ich erwähnte, dass ich Höhenangst habe?“ – „nicht so einen Berg, aber es könnte ein bisschen rutschig sein nach all dem Regen… ich möchte Dir einen Platz zeigen, der mir etwas bedeutet!“
Mit diesem kleinen Dialog war unser Programm für Sonntag festgelegt. Und irgendwie wusste ich sofort, es wird gut.

Keltenwelten, so ist es offiziell beschrieben und das klingt ja schon mal spannend. Es erinnert mich ein klein wenig an die Siedlung auf den Orkneys . Oder auch an das, was ich gerade über Cornwall lese in Vorbereitung auf den Sommerurlaub.

Glauberg - Museum, im Vordergrund die Priestergräben

Glauberg – Museum, im Vordergrund die Priestergräben

Bei herrlichem Sonnenschein fällt mein Blick zunächst auf die rostrote Kiste mitten in der Landschaft – irgendwo habe ich die schon mal gesehen… das ist das Museum, klärt Üli mich auf, aber da wollen wir maximal am Ende einen Kaffee trinken. Dann sehe ich das Hügelgrab mit vorgesetzten Steelen. Und ich gestehe meine Niederlage lieber direkt ein – ich glaube es sind Basalt-Säulen, Üli plädiert für Holz… Am Ende des Tages schauen wir es uns näher an und Üli behält Recht. Ähnlich, wie ich jetzt gerade in der Zeit springe, springen die ganze Zeit meine Gedanken und ich habe echt Schwierigkeiten diesen ganz besonderen Tag zu „Papier“ zu bringen.

Glauberg 2018 - Üli an den Holzsteelen, bevor wir den Grabhügel besteigen

Glauberg 2018 – Üli an den Holzsteelen, bevor wir den Grabhügel besteigen

Vorab erzählt Üli mir noch eine besondere Geschichte zu diesem Ort, die wir trotz intensiver Suche nirgendwo nachlesen können. Das Grab mit seinen Graben-Gängen ist vor vielen Jahren aus der Luft entdeckt worden – die Tochter des Piloten Wilhelm Diebitsch habe ich gestern kennen gelernt – aktives Allround-Talent am Flugplatz in Gedern, Goldstück im Segelflugbedarf Shop und in kurzer Zeit auch mir ein sehr sympathischer Mensch. Gemeinsam mit einem Freund ist er zu einem Flug aufgebrochen und hat „seltsame“ Bodenstrukturen entdeckt. Als nicht Historiker erspare ich mir und Euch Jahreszahlen und weitere Details – ich denke die werden auch in der offiziellen Version zu finden sein. Leider hat man sich (aus welchen finanziell/politischen Gründen auch immer) entschieden, den Piloten auszusparen und statt dessen drei Historiker auf den Tafeln vor Ort zu benennen. Für mich, und sicher nicht nur für mich, der eine Wehmutstropfen an diesem sonst so positiven Ort.

Ausgrabungen auf dem Glauberg - unser Blick geht Richtung Frankfurt und ganz hinten am Horizont entdecke ich die Skyline

Ausgrabungen auf dem Glauberg – unser Blick geht Richtung Frankfurt und ganz hinten am Horizont entdecke ich die Skyline

Klettern müssen wir nicht auf dem Weg hinauf auf den Glauberg, aber ich bin schon froh, dass ich in den letzten Monaten an meiner Fitness gearbeitet habe – ich genieße einfach die Natur, den ausbrechenden Frühling und das Gespräch mit Üli. Erfreulicherweise ist es nicht sehr voll und das gesamte Areal ist natürlich und frei gehalten. Nur an drei Stellen sind Ausgrabungen im Gange und daher Absperrungen aufgebaut. Statt Keltenwelten treffen wir hier überwiegend auf mittelalterliche Funde. Tatsächlich ist der Glauberg selber heute mehr Mittelalter und der Fuß Keltisch, aber das erarbeiten wir uns in den nächsten Stunden an Schautafeln und dem kleine Heftchen aus dem Museumsshop.

Wir treiben von Schautafel zu Steinhaufen und von Wasserreservoir zu Mauern. Immer wieder halten wir an, lassen Geräusche und Stimmung auf uns wirken. Auf diesem Hochplateau braucht/hat alles seine Zeit. Was heute ein Hügel ist, war früher eine Stadtmauer, wo wir über mögliche Lebensräume nachdenken, haben früher Vorräte gelagert. Der Ausblick ist in alle Richtungen atemberaubend, da die Sicht heute einfach stimmt – sogar die Frankfurter Skyline ist zu sehen. Das ein oder andere Gespräch mit anderen Besuchern bereichert die Zeit, meist bemühen wir uns aber für uns zu sein.

Der Wall hinter der Glauburg war früher die Mauer der Anlage

Der Wall hinter der Glauburg war früher die Mauer der Anlage

Tatsächlich fühle ich mich ziemlich bald wie in einer Blase außerhalb der Zeit, dankbar im jetzt und hier zu leben, aber fasziniert von dem, was damals möglich war. Bis heute kann ich nicht wirklich benennen, was da oben in mir passiert ist, aber irgendwie machen mich diese Stunden glücklich und zufrieden. Es ist dieses deutliche Fühlen von Zufriedenheit, Glück in kleinen Dingen….. Außerdem erwische ich mich dabei, dass ich plötzlich über Dinge mit Üli rede, von denen ich gedacht habe, dass ich sie niemals über meine Lippen bringen würde, weil ich sie viel zu „speziell “ finde. Aber jetzt gerade fühlt es sich richtig an… als ich später alleine im Auto nachhause fahre, habe ich dieses Bild vor Augen:

Die Überreste der Glauburg

Die Überreste der Glauburg

Mein Leben ist eine riesige Kommode – von unten nach oben finden sich Erinnerungen nach Jahren, von links nach rechts sind sie von schlecht zu gut sortiert… einige Schubladen sind zugenagelt, da sie viel zu weh tun würden, wenn man den Inhalt hinaus ließe, einige glückliche Momente genieße ich ab und an alleine, lasse die Lade aber trotzdem meist zu, da es auch sehr traurig machen kann, dass diese Momente vorbei sind. Und dann gibt es da in der Mitte Träume und Wünsche, die bisher immer nur mir gehört haben. Und hier oben rappelt es plötzlich und es öffnen sich Schubladen und die Geschichten sprudeln aus mir raus… es fühlt sich gut an, etwas so unerwartet zu teilen – und es fühlt sich auch Tage später immer noch richtig an. Egal ob es der besondere Ort ist oder der besondere Mensch – wahrscheinlich beides zusammen – was sich komisch ausgenommen hat ist plötzlich aussprechbar, was peinlich war einfach eine ehrliche, offene Emotion…

Kleine Rast auf dem Hochplateau des Glauberg

Kleine Rast auf dem Hochplateau des Glauberg

Vielleicht klingt es schräg, möglicherweise denkt der ein oder andere das ist Spinnerei, aber für mich ist da etwas mystisches im Gang gewesen, eine Dimension in Aktion, die ich nicht wirklich erfassen oder beschreiben kann. Aber ich konnte es genießen, mich darauf einlassen und mich irgendwie freier auf den weiteren Lebensweg machen.

Vielleicht habe ich das gespürt, was sowohl die Kelten, als auch die Staufen dazu gebracht haben, sich genau auf/an diesem Berg anzusiedeln, natürlich neben der geeigneten Höhenlage. In jedem Fall habe ich diesen Ort als etwas ganz besonderes in meine Lebens-Kommode aufgenommen – eine Schublade, die jederzeit geöffnet werden kann um mir ein gutes Gefühl zu geben!

Kellermauern aus dem Mittelalter - rechts der Wall der alten Stadtmauer und oben wo der Zaun steht, waren früher die Hauseingänge

Kellermauern aus dem Mittelalter – rechts der Wall der alten Stadtmauer und oben wo der Zaun steht, waren früher die Hauseingänge

A Touchy Subject…

Mal wieder ein Artikel, den ich besser nicht hätte schreiben können… Ein Redewendung, die ich häufig benutze: Gott sei Dank sehe ich nicht krank aus. Wenn ich aussehen würde, wie ich mich fühle, wäre es zum schreiend weglaufen….
Die Authorin: „I’m glad I don’t look on the outside, the way I feel on the inside. How ugly I would be! “
via A Touchy Subject…