Eine Geste

Kleine Gesten können vielleicht nicht das Leben ändern, aber zumindest einen Tag.

An unserem zweiten Tag in Hohwacht haben wir versucht mit Rollator an den Strand zu kommen. Direkt vor unserem Hotel gab es einen Weg mit langer Treppe, der aber halbwegs überschaubar war. Einen wirklich funktionierenden Weg für den Rollstuhl konnte man uns im Hotel leider nicht zeigen – nur einen, bei dem der Rollstuhl umkippt…. (haben wir später versucht, war Sch….)  Also haben wir entschieden: runter mit Rollator zufuss und ich trage ihn über die Stufen, zurück hole ich das Auto um Mama und Gefährt zurück zu bringen.

Ich hatte 10 von 40 Stufen getragen und dabei Mama beobachtet, dass sie auch wirklich zufuss klar kam…. in der selben Zeit wurden wir von dem ein oder anderen überholt… Vertieft in Gespräche, Telefonate oder sonstige wichtige Dinge… bei Stufe 11 kam ein Mann mit Fahrrad auf der Schulter, sieht uns, lässt sein Fahrrad ab und weiß gar nicht so recht wo hin zuerst – mir den Rollator abnehmen oder Mama die Treppe runter stützen….

Das sind sie! Die kleinen Gesten, die einen guten Tag machen!

Beim anschließenden, umwerfend leckeren Eis (der leicht böse Blick gilt dem Mangel an Hunger um aufzuessen!) haben Mama und ich darüber geredet, wie schön es sein kann, wenn die Leute hinschauen!

Es sind nur Kleinigkeiten! Dinge, die gar nicht viel Zeit kosten und schon gar kein Geld…. ein Lächeln, eine helfende Hand, eine nette Bemerkung oder eine kleine Idee – und der Tag eines anderen Menschen ist ein Guter! Ich wünsche mir, dass wir das nie vergessen und mit kleinen, netten Gesten anderer Leute Leben besser machen! Irgendwo kommt dann sicher auch die kleine Geste, die den eigenen Tag zu einem Guten machen.

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Tag Null

Ich habe eine neue Reise begonnen – keine die mir gefällt, aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert!
Viele von uns haben den Verlust der Eltern schon durchlebt und eigentlich sollte ich ein wenig besser darauf vorbereitet sein. Wir haben so viele Gespräche geführt darüber wie es sein soll, was sie nicht möchte und was sie schön fände. Aber schlussendlich erwischt es mich eiskalt und unerwartet.
Ich bin unendlich dankbar, dass meine Mama die Welt so schnell verlassen durfte. Und das sie gegangen ist an einem Tag, der bis dahin fast vollkommen war. Ich durfte ihre Hand halten, ich konnte ihr sagen wie sehr ich sie liebe und das es okay ist, wenn sie los lässt. Leider bin ich mir sicher, dass sie genau weiß, das es eine Lüge war, als ich gesagt habe, dass ich das prima schaffe.

Eben haben wir noch am Strand gesessen und unseren nächsten Urlaub geplant, uns gefreut wie viel leichter es wird, da sie nun mit ihrem Elektro-Rollstuhl alleine mobil ist. Meinen mittlerweile notwendigen Krankenhaus-Aufenthalt haben wir terminiert, eine Einkaufsliste erstellt, was sie zum Nähen braucht, was ich zum Basteln besorgen soll. Lauter profane Dinge…
Daneben über Emotionales geredet, wie ihre Angst vor Stolperfallen in Form von Türschwellen oder anderer Leute Füsse, über das dumme Verhalten von Menschen die Sippenhaft betreiben oder in einer schwarz-weißen Welt leben. Über die vorsichtigen Schritte als Single der Bedürfnisse hat, über Männer im allgemeinen, über ihre und meine Lebensabschnitt-Gefährten und die die so tun als ob sie es gerne wären…
Eben über alles, worüber Frau mit dem einen Menschen redet, der ihr alles bedeutet und dem sie blind vertraut (was in der Regel die beste Freundin ist, da sind wir uns einig).

Wir tauchen die Füße in die kalte Ostsee und genießen, wie sich die Füße in den Sand graben und das beißende Gefühl nachlässt, machen Fotos und sie ‚mault‘ mich an, dass ich gefälligst den kleinen Rest Bauch auch noch einziehen soll…. Um 15:25 hat sie das letzte Foto von mir gemacht, verrät mir mein Handy heute.

Nur wenige Minuten später stehe ich mit allen Plänen, Listen und Gedanken alleine da.

Einige wenige Reflexe verbleiben und die zu alte Patienten-Verfügung veranlasst die Helfer alle Rettungsgeräte zum Einsatz zu bringen und so sitze ich im Sand, halte ihre Hand, rede mit ihr und weiß doch, dass ihr Wesen nie wieder kommen wird, ihre Seele uns schon verlassen hat.
Im Krankenwagen, auf dem Weg in die Klinik erwische ich mich immer wieder bei dem Gedanken, wie sie den Kopf schütteln wird oder einen Vogel zeigt, wenn ich ihr später von den Idioten auf der Straße erzähle, die nicht in der Lage sind ihr Auto aus dem Weg zu nehmen, wenn das Martinshorn hinter ihnen erklingt.
Nur langsam schwindet meine Hoffnung auf ein Wunder, aber ich habe ja 30 Minuten da vorne auf dem Bock um mich daran zu erinnern, dass sie gegangen ist da im Sand und das es nur noch ihr Körper ist, der gezwungen ist bis zum Krankenhaus durchzuhalten.
Um 17:45 kommt der Arzt der Intensivstation endlich mit den erlösenden Worten, dass es vorbei ist….

Seitdem gehe ich meinen Weg alleine – natürlich nicht wirklich, es gibt so viele liebe Menschen um mich, aber…. Selbstverständlich rede ich weiter mit ihr und ich glaube damit werde ich auch nie aufhören, nur das ihre Antworten jetzt über mein Herz und nicht über mein Ohr kommen werden.
Ich werde es schaffen, Mama! Es gibt Gott sei Dank genug Idioten, die mich ärgern, soviel Bürokratie, die mich rotieren lässt und genug Arbeit, das ich nicht dazu komme, lange zu fühlen und mich fallen zu lassen. Wer auch immer das alles lenkt ist so freundlich mir die Steine in den Weg zu legen, die es wohl braucht um meine Reserven zu mobilisieren.

Und irgendwann, wenn all diese Dinge erledigt sind habe ich hoffentlich schon ein bisschen gelernt, dass Du nicht mehr auf dem Balkon stehen wirst, wenn ich heim komme oder auf meine Nachricht wartest wenn ich wo hin fahre, aber trotzdem über mich wachst.

Ich bin ein Mensch der auf viele wunderschöne Stunden schauen kann und der dankbar ist für alles was mich zu dem macht, was ich bin. Ich schreibe dies nicht, weil ich Bedauern suche, sondern weil es aus mir raus muss – wie jedes Thema in meinem Blog. Ich schreibe es um anderen die Hand zu reichen, die es selber erleben.
Aber auch um die Erfahrung zu teilen, was passiert, wenn man keine Patienten-Verfügung hat. Eine aktuelle und gültige, unsere war leider 2 Jahre alt! Zwischen dem letzten Foto und dem Moment wo der Arzt zu mir kam gab es gut 2 Stunden, die Mama und mir ersparen geblieben wären, hätten wir das „neu machen“ nicht auf „reicht nach dem Urlaub“ verschoben. Wie viele „Bitte lasst sie gehen“, „sie möchte nicht an Geräte“ und ähnliche Sätze hätte ich nicht sagen müssen, nachdem klar war, dass sie nie wieder die Brigitte sein wird, die sie sein wollte.
Ich vertraue darauf, das es nur noch ihr Körper war und nicht ihr Wesen, welches da war. Die Ärzte versichern mir, dass sie schon im Strandkorb nichts mehr mitbekommen hat und ich möchte es glauben, aber die Bilder der folgenden Zeit werden mich sicher noch eine Weile verfolgen und ich kann nur jedem empfehlen, dem vorzubeugen!

Außerdem möchte ich mich bedanken bei den Menschen, die ihren Urlaubstag geopfert haben um mir zu helfen. es gab nicht nur die Gaffer, es gab tatsächlich Fremde, die sofort alles gegeben haben und die mir das Schicksal scheinbar zufällig zu Hilfe geschickt hat, damit ich auch nach dem Krankenhaus nicht alleine am Straßen-Rand stehen musste. Du hast Recht, es hat etwas zu bedeuten Kristina und ich bin so dankbar!

Und auch wenn es ihre Aufgabe ist, ich möchte mich beim DLRG von Hohwacht bedanken! Ihr habt mich weggezogen als es notwendig war, Mama behütet bis der Krankenwagen da war, ihr habt jede erdenkliche Hilfe geleistet und mich über ihren Abtransport hinaus unterstützt. Man unterschätzt so schnell was ihr da leistet während wir es uns am Strand gut gehen lassen.

Mein ganz besonders herzlicher Dank gilt allerdings den vielen Autofahrern, die am Sonntag den 03.09.2017 gegen 16:15-16:45 Uhr zwischen Hohwacht und Eutin der Meinung waren, dass man einem Krankenwagen nicht ausreichend und zügig Platz machen muss! Ohne Euch wäre Mama vielleicht so früh im Krankenhaus angekommen, dass die Reanimation erfolgreich gewesen wäre und sie gezwungen hätte noch eine Weile an Geräten zu hängen!
Ich bedaure nur, dass ich zu der Zeit gebetet habe, statt Autonummern aufzuschreiben – ich hätte gerne dem ein oder anderen persönlich gedankt!

 

Ein Meilenstein, den ich nicht missen möchte

Heute Abend singt (oder brummt) mir keiner ein Lied, ich schaue nicht mal eben noch über die Schulter unseres Meteorologen auf die Wetterkarte, sammle Geld an der Schälchen-Zentrale und muss auch nicht meinen Wecker auf unchristliche Zeiten stellen. Und was soll ich sagen, kaum bin ich zuhause, vermisse ich es schon. Für mich war es eine tolle Zeit während der DM auf der Mönchsheide.
Wenn man eine Familie hat, dann gehört es dazu, dass man sich mal fremd-schämen muss, jemanden im Affekt anblafft oder sich weit weg wünscht. Das ich eine solche Flieger-Familie habe, weiß ich schon seit Jahren oder besser Jahrzehnten zu schätzen. In den letzten 14 Tagen ist diese Familie an einigen Stellen gewachsen, an anderen weiter gefestigt worden, das ein oder andere Familien-Mitglied hat gefehlt, dafür habe ich viele nach Jahren endlich wieder gesehen. Danke an Euch alle, dass ich dazu gehöre!
Auch wenn ich seit Ewigkeiten nicht mehr selber fliege, empfinde ich mich als Teil dieser Gemeinschaft und wünsche mir, dass meine Verbindungen sich weiter intensivieren, egal ob als Rückholer, Internet-Verantwortliche oder Mädchen für (fast) alles.
Ich habe oft erlebt, dass es für viele nicht nachvollziehbar ist, was dieses Hobby ausmacht. Ich selber liebe diese Zeit, wo alle auf die Wetterkarten schauen, auf den richtigen Zeitpunkt warten, in der schließlich Schleppseile angezogen werden, ein Pilot nach dem anderen den Boden verlässt und alle ihr Möglichstes geben aus diesem Tag das Maximum heraus zu holen. Genauso bin ich dankbar für jede Landung, die heil abläuft, fieber mit wenn es um Anflüge, oder das“ wieder Höhe gewinnen“ und andere Momente geht. Und auch wenn es die nicht so rühmlichen Zeiten sind, gehören auch alternative „neutralisiert“ Momente dazu.
Danke an alle, die dazu beigetragen haben, dass die DM-Clubklasse Meisterschaft 2017 einer der schönen Meilensteine meines Lebens ist.

Die Füße hochgelegt

Morgens hat mein Herz mal wieder entschieden eine kleine Pause einzulegen und hat einmal neu gestartet…. von meinen Ärzten habe ich die klare Anweisung nach einer solchen Attacke keine größeren Aktivitäten anzugehen und wenn möglich die Füße hochzulegen.
Das Wetter lädt dazu eine in einer schattigen Ecke zu lümmeln, die Deutsche Meisterschaft hingegen lockt mich mit schönen Motiven/netten Gesprächen und ich beteilige mich lieber wie immer in der Startaufstellung. Hier geht es eh ruhig zu und wir hängen alle im Schatten ab. Das schöne, warme Wetter hat für uns leider den Nebeneffekt, dass es länger dauert bis die Thermik einsetzt. Auf diese Weise vergehen knapp 2 Stunden bis entschieden wird, dass wir keinen Wertungstag bekommen werden – es ist neutralisiert. Folglich bleibt es ruhig und gemütlich, bis mich ein Anruf erreicht….
Meist bin ich ja am Flight Office zu finden um Bilder zu posten, T-Shirts zu verkaufen oder sonst irgendwas zu organisieren, manchmal sogar einfach faul quatschend. Aber da es hier gerade freie Dusch-Kapazitäten gibt, stehe ich gerade mit tropfenden Haaren neben der Dusche als mich mein Lieblings-Pilot fragt ob ich Lust habe eine runde zu Fliegen.
Hat was von Puck - die StubenfliegeWas für eine Frage, klar habe ich die! Ich muss mich nicht anstrengen dabei und meine Füße habe ich dann auch hochgelegt 😉
Schnell erledige ich die letzten Aufgaben und mache mich Flugtauglich – sprich festes Schuhwerk an, Sonnenbrille auf und Notfall-Papiere in die Hosentasche. Noch ein kleines Briefing mit dem Piloten, ich denke es ist nur fair, wenn er weiß, dass mein Herz heute nicht rund läuft. Und schon sitze ich im Flugzeug.
Hurra es geht in die Luft! Endlich wieder – über ein Jahr habe ich darauf gewartet, abgesehen von der Bus-Fahrerei im Airliner.

Beim Start überwiegt die Freude und ich kann meine übliche Start-/Landeangst fast vergessen. A sitze ich neben dem Piloten meines Vertrauens und B läuft der Motor des Fliegers deutlich runder als mein eigener. Und erstaunlicherweise wird mein Herzschlag ruhiger und gleichmäßiger nachdem wir das Wäldchen hinter uns gelassen haben. Ich genieße nur noch – die Landschaft aus der Luft, die Technik um mich herum und das was man eben so liebt als Flieger. Einzig die Tatsache, das mein Headset nicht mit dem des Piloten kommuniziert trübt die Sache etwas. Wobei ich glaube es ist sein Glück, sonst hätte ich ihm womöglich Löcher in den Bauch gefragt ob all der Dinge, die mich neugierig machen. Statt dessen beschäftige ich mich jetzt mit dem, was ich schon immer am liebsten gemacht habe, der Navigation… Ich identifiziere Autobahnen, Flugplätze und Gebäude – sehe Bergheim aus der Luft, den Rhein Bogen, an dem mein Arbeitsplatz zu finden ist und schließlich am Horizont mein Zuhause – nicht nur ein bisschen spazieren fliegen – es ist als hätte ich Geburtstag!
23-08-03
Eine Runde drehen wir über dem Kopf meiner Mama, dann geht es weiter bis Radevormwald bevor wir wieder nach Süden abbiegen. Irgendwann habe ich die Karte in die Hand gedrückt bekommen und bin nach gut 90 Minuten glücklich, dass ich es noch drauf habe. Ich wusste immer wo wir waren und was ich wo zu erwarten habe. Jetzt muss ich eigentlich nur noch mal einen Segelflug ausprobieren und dann einen Piloten mit Doppelsitzer finden 🙂
Mein Herz? Das hat tatsächlich seinen Rhythmus für den Tag wieder gefunden und ich bin rundum happy nach der Landung. Am liebsten würde ich nur noch rum hüpfen und tanzen – aber das wäre ja dann wieder anstrengend. Immerhin beweise ich auch direkt, dass ich noch in der Lage bin ein Flugzeug zu waschen, wenn es vielleicht auch etwas länger dauert als früher.
Liebe Krankenkasse, hiermit stelle ich den Antrag auf therapeutisches Füße hochlegen in mindestens 1800 Fuß Höhe

Weinprobe im Ahrtal

Segelflugzeug-Wettbewerbe haben so ihre Tücken. Es gibt immer wieder Tage, an denen man etwas ganz anderes machen muss als man möchte. Von diesen Tagen hatten wir jetzt schon einige und wir hoffen, dass es heute endlich mit den Wertungstagen los geht!
Gestern haben wir mit einer Gruppe Teilnehmer Alternativ-Programm gehabt und damit aus dem nassen Tag das Beste herausgeholt!
Ich habe schon einige Winzer besucht, bei der Abfüllung geholfen, war zur Weinlese und am besten kenne ich mit dem Leeren von Weingläsern aus. Aber da man nie auslernt war ich begeistert über den angekündigten Besuch der Dagernova Weinmanufaktur Dernau.
Zunächst wurden wir durch den Bereich geführt, in dem sich Trauben in Rotwein verwandeln. Überwiegend sehen wir Edelstahlbehälter, Rohre und blank gescheuerte Böden. Der Ort selber, den wir auf dem Weg von der Produktion zum Verkauf queren ist trotz des Regen einladend. Die anschließende Weinprobe abwechslungsreich und sehr interessant.

Dagernova Keller
dagernova-sektIch zumindest erfahre einige Dinge, die ich so nicht wusste und lerne mit jeder Verkostung dazu. Insgesamt probieren wir einen Sekt und 5 Weine von denen am Ende 3 Weine und der Sekt in meinem Einkaufskorb landen.
Informativ geht es zum Beispiel um die Frage des Klimawandels, der unsere Weingegenden verändert. Die durchschnittliche Reifezeit der Trauben ist seit den 50er Jahren 18 Tage vorverlegt und damit  haben wir für einige Weine, die nie geeignet waren für unsere Gegend, jetzt ein besseres Klima – der Merlot ist einer der Weine die neuerdings für Tests angebaut werden, da er jetzt auch in unserer sonnenärmeren Region eine Chance hat zum guten Wein heranzureifen.
dagernova-bl-noDas Rotwein im Süden dunkler ist als hier liegt in der Logik der Traubenfarbe – die Farbe dient nämlich als Sonnenschutz.
meine weiteren Notizen werde ich in den nächsten Tagen mal sichten und vielleicht einen reinen „Wein“-Post schreiben – Immerhin gibt es da noch die Punkte Grünlese, Zuckergehalt (und warum kann ich als Diabetiker doch auch mal einen halbtrockenen Wein trinken), was ist das mit dem Wein aus roten Trauben, der aber maximal orange in der Flasche landet, und wie sieht es mit Weißwein im Ahrtal aus.
In jedem Fall ist der Spätburgunder, der auch mit Sonder-Etikett zu unserer Meisterschaft angeboten wird in meinem Reisegepäck zurück nach Hause

 

Kamera und Segelflieger

Heute ist es irgendwie besonders trubbelig hier auf dem Flugplatz – ist zumindest mein Eindruck! Neben der normalen Vorbereitung eines Wertungstages mit all seinen kleinen und großen Stolperfallen, der Optimierung diverser Abläufe, Briefing, Versorgung des Teams und einer nicht ordentlich gelaufenen Spülmaschine (sehr nett ausgedrückt) haben wir auch noch Besuch vom Fernsehen.
Also wird vieles erst besprochen und dann gemacht, manches wiederholt und etliches im Detail erklärt. Mittlerweile ist die Wettbewerbsleitung wieder komplett im Team-Zwirn, damit wir als solche zu erkennen sind und die Maske ist eh etwas, was auf dem Flugplatz völlig überbewertet wird – somit bleibt uns wenigstens die Puderdose erspart. Ich freue mich auf jeden Fall, dass es heute hoffentlich mehr zu berichten gibt als gestern und leite Euch zum weiterlesen / verfolgen auf den DM-Clubklasse Blog: http://dm2017.moenchsheide.de/2017/08/16/486/

Es kann losgehen

Ich habe fertig! Und ein bisschen bin ich es auch. Warum fällt mir eigentlich nichts intelligenteres ein, als im Urlaub das zu machen, was ich auch sonst immer tue? Am Computer sitzen und auf IT und Internet schimpfen….
Sonntag 16:10, noch knapp 3 Stunden bis zur Eröffnung und hier rotieren alle. Neben der Aufbereitung unserer Webseite springe ich überall ein, wo die Kollegen Hilfe brauchen und ersetze damit perfekt meine morgendliche Fahrrad-Runde durch duzende Wege.
Auch wenn das ausgewählte Design der Homepage immer noch nicht mein Freund ist, so habe ich doch alles halbwegs so hinbekommen, wie wir es uns vorgestellt haben. Für das Feintunning hoffe ich auf Hilfe des Blog-Schöpfers in den nächsten Tagen. Auf jeden Fall habe ich mein Gerüst für die Berichterstattung fertig und ihr könnt der Deutschen Meisterschaft folgen 🙂
http://dm2017.moenchsheide.de

Der neueste Plan

Pläne sind so eine Sache! Manche gehen auf, manche eben nicht. Erfreulicherweise ist der Urlaubsplan aufgegangen! Ich bin über das Krankenhaus zur Mönchsheide gelangt ohne „inhaftiert“ zu werden. Sogar die Vermutung, dass mein Kammer-Flimmern sich wieder verflüchtigt, hat sich bestätigt… Das was mich fast umgebracht hat ist vorbei. Also könnte ich mich jetzt ganz entspannt zurück lehnen, genießen und einfach nur hier sein. Aber dann kommt eben der Plan, der nicht so gut geklappt hat ins Spiel und leider gelingt es mir heute auch nicht ganz so gut, es in lustige Worte zu verpacken….

Das der Umzug ein Risiko ist war, das wussten wir, man musste ja nur sehen was 2 Jahre zuvor passier ist. Also habe ich versucht einen Gang raus zu nehmen… Pause zu machen, Urlaub und nur langsam alle Aufgaben die so anfallen zu erledigen… Schöne Dinge dazwischen zu packen und einfach auch mal nur zu genießen – ohne Pflicht oder Verantwortung…

Ätsch hieß es heute – Kammerflimmern ade, Vorhofflimmern welcome back! Gehäuft tauchen in den letzten 12 Wochen diese Episoden auf, die zeigen, dass mein Herz eben kaputt ist und wieder mal nicht ausreichend rund läuft… Nicht mehr Lebensbedrohlich, aber so schlimm, dass es Wert ist vom Defi aufgezeichnet zu werden und meine Tage und Nächte so manches Mal unbequem zu machen. Natürlich war mir schon vor dem Termin heute klar, dass es nicht so rund läuft, wie ich es gerne hätte, aber letztlich war es leichter sich einzureden, dass es so schlimm schon nicht mehr sein wird. Die Klinik habe ich heute verlassen mit dem klaren Arbeitsauftrag wieder genau hinzuhorchen, was mein Herz so macht, wann es zu doll pocht, wann ich nicht schlafen kann und mich zu melden, sobald ich darüber den nächsten Plan habe. Dann wird ein Langzeit EKG geschrieben, welches genau dieses Tagebuch in elektronische Daten umwandelt und darüber entscheidet, ob ich noch vor dem Austausch des Defis auf den Tisch muss – immerhin die Batterie hält noch mindestens 3 weitere Monate und das Schätzchen darf da links hängen bleiben – um mal wieder irgendwelche Nerven im Herzen veröden zu lassen.

Ich werde horchen, ich werde aufschreiben was mein Herz macht… Egal ob es positiver oder negativer Stress ist, egal ob es meine Hoffnung zerstört doch mal wieder körperlich aktiver zu werden (nicht nur passive Rollen inne zu haben, mehr als nur moderat spazieren gehen etc.) aber ich nehme mir auch heraus jetzt erst einmal im Urlaub zu sein! Schließlich haben die Ärtze sehr deutlich gesagt, es ist nicht lebensgefährlich! Und das ich hier gerade am richtigen Ort bin weiß ich genau….

Auf der Mönchsheide angekommen – kalt, nass und noch recht leer – habe ich „meine Leute“ gesucht… mein Parkplatz war beschriftet, mein Turmzimmer vorbereitet und ich musste nur den Kopf ins „Flight Office“ stecken und ich war angekommen. Eigentlich war mein Satz „ich will in den Arm, auf den Arm und ab morgen bin ich dann auch wieder thematisch belastbar“ überflüssig.. Weil so oder so war ich im und auf dem Arm und einfach herzlich willkommen! Anders als BBSW aber trotzdem meine Fliegerfamilie! Und deshalb werde ich die nächsten gut 2 Wochen genießen, vielleicht ein bisschen Tagebuch führen und über schönere Themen schreiben (Das Wetter sollte aber besserwerden!) Aber allen, die Daumen gedrückt haben, die mitfühlen und die vielleicht über meine Geschichte stolpern, weil sie selber zu kämpfen haben, wollte ich diesen Teil nicht vorenthalten…. Wie so oft, wird es am Ende wieder diese Abfolge sein „hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter gehen!“

Auf zur DM

Ich darf mich ja gar nicht beklagen, schließlich hatte ich gerade erst meine ureigenste Auszeit in Hamburg, aber trotzdem fühle ich mich echt Urlaubsreif – die Nachwehen vom Umzug schlagen immer noch heftigst zu, mein Herz schlägt leider immer noch Kapriolen und ansonsten tobe ich durch Projekte in der Firma und Zuhause, die gut geplant sein wollen, da sie etliche Monate Einfluss auf meine Zeit haben werden. Neben bei darf ich drei verschiedene Koffer packen (Flugplatz, Ostsee, Meeting in Belgien folgen dicht aufeinander) und den normalen Alltag meistern…
Jammern auf hohem Niveau!
Hauptsache mein Count Down läuft – noch 2 Tage und ich bin wieder bei meiner Fliegerfamilie. Etwas anders zusammen gesetzt, da es nicht zur BBSW auf die Mönchsheide geht, sondern zur deutschen Meisterschaft der Clubklasse. Aber eben Flugplatz, „mein“ Turm, viele Freunde und „mein“ Internet.
Wenn am Freitag hier zuhause alles geregelt ist, die Schlüssel übergeben und das Bett frisch bezogen für den „Sitter“, geht es los. Mit einem kleinen Umweg zwar, aber ich versuche das ganz gelassen zu nehmen und gar nicht darüber nachzudenken, das in Bonn in der Kardiologie irgendwas wagt nicht nach meinem Plan zu verlaufen. Auch wenn mir mein Herz in letzter Zeit häufig bis zum Hals klopft, kann das ja auch mal andere als die bösen biologischen Ursachen haben, oder? Vielleicht kann der ein oder andere an dieser Stelle einfach mal ein „Daumen drücken“ einwerfen 😉
Am Wochenende wird es noch etwas ruhiger sein, ich kann meinen DM-Blog übernehmen und schon angereiste Teilnehmer können die Gegend erkunden um zum Wettbewerb mit dem Gelände vertraut zu sein. Nur das Wetter muss natürlich stimmen, aber ich vertraue da ganz auf die Anti-Regentänze. Falls die richtig gut wirken, es viel geflogen wird und ich nicht dazu komme, den offiziellen Blog und meinen eigenen mit Leben zu füllen, dann kann man bald hier mehr/weiter lesen:
http://dm2017.moenchsheide.de/

 

Große Freiheit

Nichts ist so beständig wie der Wandel. In meinem Leben ist dies eine wahrlich unbestreitbare Linie. Gerade stehe ich erneut als Single in demselben. Neben der Trauer um das, was hätte sein können, empfinde ich natürlich auch Freude darüber, dass ich wieder Entscheidungen treffen kann, wie sie meinem Empfinden entsprechen, ohne über „was passiert, wenn…“ nachdenken zu müssen.
Im Laufe der Jahre habe ich einiges an Erfahrungen gesammelt, was man sich wünschen kann, aber eben auch, was man nie im Leben haben möchte. Mit all diesen Erfahrungen im Schlepptau geht es nun weiter auf der Reise.
Auch wenn ich weiß, dass „sag niemals nie“ seine Berechtigung hat, schlägt meine aktuelle Skala so deutlich in Richtung „ich bin nicht auf der Suche und zufrieden mit dem was ich habe“, dass ich versucht bin „nie wieder“ zu sagen. Einmal, als ich an diesem Punkt war, wurde ich prompt gefunden und nach einem tollen Zwischenhoch war letztlich mehr von diesem „braucht Frau nicht im Leben“ in dem Koffer als einer tragen sollte, und so hoffe ich zumindest, dass meine Skala im Bereich „nein Danke“ bleibt.
Ich möchte ja nicht dem Spaß abschwören, aber ich würde mich gerne immun machen gegen die Tiefe mancher Gefühle und zumindest immer meinen eigenen Rückzugsort behalten.
Immerhin sehe ich eine Entwicklung über die Jahre, die mir Mut macht, daran zu glauben, dass ich es besser im Griff haben werde. Ich habe Sarkasmus, Ironie und Selbstbewusstsein ausgebaut und damit eine schützende Hülle errichtet. Ich habe meinen Glauben und das positive Denken ausgetauscht gegen Misstrauen und „erstmal erzählen sie einen vom Pferd“ (sorry Jungs, aber wenn nicht, seid ihr in der Regel glücklich verheiratet/verpartnert; sorry Pferde, eine der blöden Redewendungen, die einfach nicht fair ist) – es gefällt mir nicht so zu denken, aber wenn Du unter anderem den

  • „ich lebe gerade in Trennung von meiner Frau – wir müssen nur noch …“-Typ über Monate geglaubt hast und schließlich mit dessen Frau unterm Weihnachtsbaum sitzt, weil sie es nett findet Dir etwas aufzuschwatzen, wenn er schon das nächste Häschen anschleppt
  • „ich bin ein Geschenk Gottes an die Menschheit und kann mich dabei so gut in Deine Seele einfühle“-Typ getroffen hast und irgendwann merkst, dass er die Freundin so oft wechselt, wie andere einkaufen gehen
  • „ich bin der beste Freund von allen und einfach nur nett, also erzähl doch bitte Du hast Kopfschmerzen, weil ich keinen Bock auf die Party habe“ -Typ verlassen hast und alle dich dafür hassen,

dann ergibt sich das automatisch. Dabei sind das nur 3 Beispiele aus der älteren Vergangenheit, schließlich ist das hier nicht mein Tagebuch.
Wenn ich nicht auf alles, was mich freundlich umgarnt, direkt mit ausgefahrenen Krallen losgehe, so ist das hauptsächlich einem meiner Kummerkästen zu verdanken… Auch wenn er sich manchmal für sein eigenes Geschlecht fast schämt, wenn ich vor Frust, Lachen oder Wut aus mir raus sprudel, kann er mir doch meist erfolgreich vermitteln, dass es ja vielleicht hier und da einen Grund, ein Korn (für das blinde Huhn) oder eine sinnvolle Taktik gibt. So ein Kummerkasten ist echt hilfreich, wenn man trotz allem das Bestreben hat, nicht ungerecht zu werden. Danke an dieser Stelle!
Während ich also dabei bin, die letzten Jahre noch ein bisschen zu entwirren, taste ich mich langsam nach vorne und entdecke, dass nicht unbedingt das Essen der Sex des Alters sein muss und das Freiheit bedeutet eigene Entscheidungen zu treffen wie zB. spontan an einer Verlobungsparty teilnehmen zu können, aber auch vorsichtig mit doppeldeutigen Angeboten umzugehen.
Erfreulicherweise hat mein Leben in den letzten Wochen nicht damit gegeizt, mir Begegnungen in die Hand zu spielen und sehe ich auf die nächsten Wochen wird sich das auch nicht so schnell ändern. Ich habe immer gerne Menschen kennengelernt und würde mich freuen, wenn es weiter so bleibt. Folglich wünsche ich mir zur Begleitung in die große Freiheit eigentlich nicht mehr, als dass es keine Heinis sein mögen, die die angedeutete Liste da oben unbedingt erweitern, wenn nicht sogar anführen möchten. Wer weiß, vielleicht fühlt sich ja sogar jemand ermutigt, mir das Gegenteil zu beweisen – die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt 😉