Reise in meine Vergangenheit

Guten Morgen! Montag Morgen! Herrlicher Morgen!

Ein ganz ungewöhnliches Gefühl habe ich heute! Es ist 7 Uhr und ich bin tatsächlich mit einem Schwung aus dem Bett, der da seit einiger Zeit gefehlt hat. Gut ich möchte immer noch langsam wach werden dürfen, aber ich bin gerne aufgestanden, genieße den Morgen und fühle mich ausgeschlafen. Herrlich! Dabei habe ich Urlaub und hatte ausschlafen geplant!

Vielleicht liegt es ja an meinem Wochenende und den beiden „habe ich mir erfüllt“ Haken, die ich in meiner „möchte ich unbedingt dieses Jahr besuchen“ Liste gemacht habe.

Samstag hat durch leichte Schwindel und Schlaf Probleme erstmal einen (wieder) schwierigen Start, aber irgendwann habe ich mich dann ans Steuer gesetzt und bin Richtung Paderborn aufgebrochen! Zu Beginn einfach froh, dass ich fahren kann, ein Strecke abreißen, die einfach sein muss. Einmal erwischt mich leider dieses „jetzt ist die Welt im Nebel“ Ding, aber ich bin gerade 400 Meter vor einer Raststätte und kann sofort ab, statt auf den Standstreifen fahren. Ich mache ein paar Minuten Pause, tiger über den Parkplatz und frage mich ob das alles so richtig ist…. nun ich bin auf der Autobahn, mein Kopf ist jetzt herrlich erfrischt und ich darf eh nur in eine Richtung, also weiter! Und je näher ich meinem Ziel kam, desto mehr hat sich in mir eine aufgeregte Freude breit gemacht. Erinnerung begleiten mich jetzt auf jedem Kilometer. Erinnerungen an meinen Papa und die unzähligen Fahrten zwischen Neuenbeken und Velbert. Er am Steuer, sicherlich froh mich zu sehen aber in dem Wissen ich muss das jetzt 2x fahren…. zurück sogar immer noch mit dem Gefühl, jetzt ist sie wieder weg für wer weiß wie lange. Also zumindest ich hatte da auf dem Rückweg immer sehr gemischte Gefühle.

Damals war die 44 aber noch ziemlich leer, schließlich befand man sich auf der Sackgasse Richtung deutsch-deutscher Grenze… also gab Papa viel Gas und ich saß immer im Cockpit auf der Startbahn und habe meinen Flieger in die tollsten Urlaubsländer starten lassen… Gott haben sich da fiktive Dramen in dem weißen Audi Liner angespielt…. irgendwann kam die Zeit, da ich meisten mit dem Zug fahren konnte. Die Fahrten wurden seltener und blieben schließlich für ein paar Jahre ganz aus, bevor ich ab und zu mal selber den Weg nach Paderborn gefunden habe, mit Freund, Mann und schließlich Kind….

Und dann kamen die Jahre, in denen ich wieder sooft es geht auf dieser Strecke war. Erst regelmäßig und dann sogar für ein paar Wochen jeden 2. Tag….. Bleifuss, den Kopf voller Sorgen und Ängste. Aber auch voller Dankbarkeit, dass ich diese Zeit habe. Nach der Entfremdung der letzten Jahre hatten Papa und ich 2 Jahre geschenkt bekommen, in denen er langsam innerlich und dann auch äußerlich vom Krebs zerfressen wurde. Aber eben 2 Jahre, in denen er sich endlich geöffnet hat. Ich bekam eine Familie, Wurzeln und eine Vergangenheit. Emotionen und Liebe, die mir lange gefehlt haben und wir haben eine ganz neue Nähe entwickelt. Seine 2. Frau, neue Frau… meine Stiefmutter Ingrid habe ich immer schon lieb gehabt und war gerne bei ihr, aber auch zu ihr hat sich das Verhältnis geändert – irgendwie war ich zwar weiter das kleine Julchen, aber eben auch erwachsen. Viele tolle Gespräche haben sich entwickelt….

Und dann kam der Tag an dem ich das letzte Mal ins Krankenhaus gehetzt bin… es war erlösend, weil Papa endlich von diesem Kampf erlöst wurde, schmerzhaft weil ich wusste der Weg ist zu weit um ihn noch lebend zu sehen… es folgten ein paar Monate des Überdenken, wie und wo es für Ingrid weiter geht. Gleichzeitig habe ich meine 2. Ausbildung begonnen und bin in ein neues Leben gestartet… erst Karrierepläne, dann krank…. beides hat mein Leben maßgeblich beeinflusst, verändert und dafür gesorgt, dass ich 13 Jahre nicht mehr diesen Weg gefahren bin. Erst haben Ingrid und ich diese Zeit mit endlosen Telefonaten ausgeglichen, aber irgendwann kamen doofe Ohren und Maulfaulheit (heute schon Zuviel gehört) auf beiden Seiten dazu und auch dies wurde eine kostbare Seltenheit….

13 Jahre und der Baum steht immer noch, oh da ist jetzt ein Kreisverkehr…. sicher kennen das einige, dieses Gefühl in die Vergangenheit zu fahren und die alte Heimat neu zu sehen…. gleichzeitig war ich furchtbar aufgeregt, weil ich habe mich nicht angekündigt – zuviel Angst, es könnte was dazwischen kommen. Und so ganz leicht hat mein Schwindel es mir ja auch nicht gemacht…

Aber dann bin ich da, erkämpfe mir mit Hilfe der Nachbarin Einlass – Klingel und Telefon kommen nicht immer bei den lieben aber müden Ohren durch ….. und es ist unglaublich aufregend, neu und doch direkt so vertraut. Wir reden und reden …. Glucken zusammen und genießen uns. Ich kenne jedes Buch und all die Sammlerstücke… selbst dieses „ach hier ist es so staubig“ hat sich nicht geändert…. die Liebe: geputzt und gewienert ist es. Das erlebt meine Wohnung in dieser Form vielleicht 2 Mal im Jahr! Ich bin wieder ganz das Julchen und möchte am Liebsten ewig hier sitzen… aber ich habe ja noch ein Ziel für heute, also breche ich viel zu schnell wieder auf, winke aus dem Auto zurück zu dieser zarten, wunderbaren Frau – wie schon aus dem Audi-Liner, bis die Kurve kommt und sie aus meinem Blick verschwindet. Im Herzen den ganz tiefen Wunsch bald wieder kommen zu können!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s