Wo ist meine gelbe Seite hin?

Normalerweise bin ich eher verhalten, wenn es um Abteilungslungs-Coaching geht – meine Erfahrungen in dieser Richtung waren bis gestern geprägt von eher negativen Erlebnissen. Meistens haben diese Veranstaltung ein bisschen zu viel „Chacka, sind wir gut“ oder „Ringelpiez mit Anfassen“. Auch Gruppen-Psychologie ist nicht so ganz das, was ich als zielführend kennengelernt habe. Aber nun muss ich zurück rudern – oder besser gesagt, meine Erfahrungen sind seit dieser Woche um einen Gegenpol reicher! Und ich bin ein wenig überrascht, vielleicht erschrocken und auch nachdenklich.

Montag sind wir aus diversen Himmelsrichtungen nach Genk gefahren, da wir hier unser nahezu jährliches IT-Future Meeting abhalten (ich hoffe, ich gehöre in die letzte deutsche Gruppe und verrate hier jetzt niemandem ein Geheimnis).
Nach all den Unterbrechungen in meinem Arbeitsleben habe ich mich gefreut viele meiner Kollegen zum ersten Mal zu treffen. Auch eine kleine Unterbrechung vom Umzugs-Chaos in meinem Alltag ist gerade sehr willkommen.
Dienstag haben wir in verschiedenen Sessions einiges über künstliche Intelligenz und das Lernverhalten von Maschinen gelernt (wobei wir natürlich in den Pausen gründlich darüber diskutiert haben, wo AI wirklich anfängt – IT trifft Wissenschaftler). Aufgelockert waren die Vorträge mit – in meinen Augen – wirklich guten, praktischen Übungen. Alles in allem ein rund um gelungener Tag, der bei schönstem Wetter mit einem BBQ und dem ein oder anderen intensiven Gespräch ausgeklungen ist. Meine Hoffnung, neue Kontakte zu knüpfen und einen besseren Draht zu unserer Firmenzentrale zu bekommen ist, zumindest nach meinem Dafürhalten, gelungen.

Heute dann ging es im ersten Teil um uns selber. Eine hervorragende Referentin (Sabine nutzt Insights ©) hat uns mit drei Grundsätzen vertraut gemacht,  und der Basisaussage: „Jeder ist anders, aber deshalb ist keiner schlechter“, was ja eigentlich die Meisten wissen, aber nicht unbedingt immer berücksichtigen. Neben der besonderen Sicht die ein jeder von uns hat ging es um Extrovertiert vs. Introvertiert und Denken vs. Fühlen – das ganze dargestellt in Farben und Anordnungen, so dass wir ihre Ausführungen sehr gut visualisieren können. Im ersten Teil war alles eher allgemein gehalten, aber im zweiten Teil ging es um die Ergebnisse, die wir in einer, vor wenigen Wochen durchgeführten Befragung erreicht haben. Unsere Insights!
Selbstredend ist für die meisten von uns an dieser Stelle das Rad nicht neu erfunden, oft gibt es schon frühere ähnliche Tests, auch haben wir im Vorfeld mit einem kleinen aktiven Part ein Gefühl davon bekommen, wo wir uns sehen und wo andere uns sehen (ohne das wir zu diesem Zeitpunkt die Bedeutung der hier angegeben Farben kannten)


Meine Selbsteinschätzung im Spiel war ausgeglichen, die meiner Kollegen eindeutig auf der Gefühlsebene, ausgewogen zwischen Extro- und Introvertiert. So weit so gut.img_2332

Die Analyse, die ich jetzt auf Papier vor mir liegen habe allerdings gewichtet mich Grün. Ich bin mehr der Bauch, als Kopf Mensch – okay! Aber in allen Analysen, die ich bisher gemacht habe, war ich ein extrovertierter Mensch. Nach dem heutigen Farbschema eben gelb! Was ist hier passiert? Ich bleibe – Gott sei Dank – nicht ganz ohne Antwort/Hilfe: Erfahrungen und Trauma können einen Menschen und seine „Funktionsweise“ verändern. Vielleicht nicht radikal, sicher nicht bewusst, aber eben doch recht deutlich. Nur, was hat mich so verändert? Ansätze lassen sich einige finden, wenn man den Verlauf meines Lebens seit dem letzten Test zugrunde legt (2004). Meine Gesundheit oder eben das Fehlen derselben, Lebensumstände genauso wie einige Erlebnisse, meine veränderte Einstellung zur Wichtigkeit der Gegenwart und Zukunft… um zumindest die nahe liegenden zu nennen. Grün ist ja nicht schlecht (wir erinnern uns – schlecht gibt es nicht) aber trotzdem fühle ich mich verlassen so ohne mein gewohntes Gelb.

Am Nachmittag dann werden wir in eine andere Richtung gecoacht – ebenfalls sehr abwechslungsreich und amüsant geht es nun nicht um uns, sondern um unsere potenziellen Gesprächspartner – Michel, der hier mit Sabine zusammen arbeitet, gehört sicher zu einem der Referenten, die ich nicht vergessen werde, da wir viel Informationen mitnehmen aber auch sehr viel zu lachen haben.

Mittlerweile sind meine Kollegen alle abgereist, nur ich sitze noch am See hinter dem Hotel und lasse den Tag ausklingen. Manchmal ist es von Vorteil aufgrund von Erkrankungen „Sonderlocken“ zu benötigen – wäre ich, wie alle anderen, in der Lage gewesen nach einem 8 Stunden Tag noch sicher Auto zu fahren, hätte ich kaum die Zeit gefunden, mich heute mit dieser Thematik so ausführlich auseinander zu setzen.

Wie gesagt, es ist nicht schlimm „grün zu sein“ und ich werde keine schlaflosen Nächte deshalb haben, aber bezogen auf mich, meine Sicht und Ansicht im Job und manchmal auch im Privaten ist es schon bedeutend, dass ich nicht mehr zur extrovertierten Kategorie zähle – neben den vielen anderen Hinweisen in meiner Auswertung, die ich gerne mit der Zeit zur weiteren Entwicklung nutzen werde.

Advertisements

BBSW meets Abraham

Ein wunderbarer Urlaub liegt hinter mit – ein bisschen Erholung, viel Trubel, eine Prise Abenteuer und Spannung und eine verschwenderische Fülle von Liebe, Fürsorge und Versorgt werden. Nebenbei durfte ich den, von so vielen gefürchteten 50. Geburtstag feiern… und wie ich es mir gedacht habe, es tat gar nicht weh 😉

Schon das morgendliche Briefing war toll – letztes Wochenende stand ich noch als ehemalige Opern(Chor)-Diva auf der Bühne und 6 Tage später schmettert mir die BBSW Familie einen Kanon entgegen, angeleitet von unserem Teilnehmer 1F – Benedikt – der im wahren Leben auf den Brettern der Oper zuhause ist.

Auch wenn ich mich über jeden der an diesem Tag an mich gedacht hat sehr gefreut habe, gelingt es in dem ganzen Wettbewerbsgeschehen, einem mir eine besondere Überraschung und Freude zu bereiten. Noch während unsere Teilnehmer auf den Start warten, werde ich vom Turm geholt und stehe plötzlich meinem Bruder gegenüber. Er hat sich aufs Motorrad geschwungen und ist mal vorbei gekommen. Eigentlich mag man das für normal halten, aber wir haben uns zu diesem Zeitpunkt seit geschätzt 5 Jahren nicht gesehen! Ich hätte ihn kaum erkannt, wenn ich nicht von meiner Freundin „vorgewarnt“ gewesen wäre… dankbar nehme ich zur Kenntnis, dass es mit dem Start noch eine Weile dauern wird und genieße den Plausch mit ihm. Da er selber jahrelang Teilnehmer der BBSW war, werden wir ab und an durch großes Hallo unterbrochen und kurz bevor es losgeht mit den Starts, schnappt sich Üli den Besucher und bringt ihn an den Start, damit auch die Piloten ihn begrüßen können.
Nicht allzu lange nach der Startphase muss er dann auch wieder fahren und ich wende mich wieder ganz dem Wettbewerb zu

Der Tag verläuft mit viel in den Arm nehmen, drücken und herzen. Aber auch, wie es sich gehört mit einem spannenden Segelflug-Wettbewerb. Neben der Berichterstattung im Internet (http://bbsw.moenchsheide.de) schreibe ich Starts und unterstütze den armen Auswerter Andreas, der mit gebrochenem Handgelenk etwas langsamer machen muss. Und pünktlich zum letzten freigegebenen Abflug trudeln leider auch die ersten Landemeldungen ein. Nun ersetzt mein Handy die Startlisten und ich organisiere Rückschlepps und bin dankbar für jeden der meldet „Flugzeug und Pilot okay“. Insgesamt telefoniere ich viel zu viel an diesem Tag und kann lediglich meine Mama und meinen Sohn als „Geburtstagstelefonat“ verzeichnen.

Während alle langsam zurück kommen, mit Rückschlepps oder auch per Rückholtour, ist laut unserem Meteorologen die Thermik beendet… auf dem Campingplatz laufen die Vorbereitungen für „die lange Tafel“ – meine Geburtstags-Party. Ich selber bin noch im Dienst, da wir noch einen Flieger vermissen. Langsam werden wir nervös… mindestens 60 Minuten nach Thermikende haben wir keine Landemeldung und keinen Funkkontakt zur 1F … Bernd telefoniert schließlich mit umliegenden Polizei-Dienststellen, die auf dem Kurs liegen, aber auch eine Bruchlandung ist nirgends vermeldet… Gott sei Dank!

Irgendwer meint die 1F im Funk gehört zu haben, kann es aber nicht beschwören. Endlich, fast 90 Minuten nach der letzten Landung, klingelt mein Telefon und ein argloser Benedikt meldet seine Landung im Rheintal… kurz vor dem Platz hat es an Höhe nicht mehr gereicht und er ist am Fuß unseres Hügels gelandet, in wenigen Minuten wird er bei uns sein, da ihn ein Anwohner zur Mönchsheide bringt und er sich dann selber Zurück holt… Erleichterung stellt sich ein und auch Unglaube… Wie sagt Bernd später so schön: wie kann er es wagen nach Thermik-Ende noch mit Hangflug weiterzukommen, da muss man doch verzweifeln. Benedikt hat schlicht und ergreifend mit viel Geschick, Können und vielleicht auch ein wenig Glück des Ortsfremden den Tag bis ultimo ausgenutzt, und das in einer Höhe, nein eher Tiefe, die der Funkverbindung zu uns im Wege stand. Schnell geben wir auch Entwarnung an die vorher kontaktierten Stellen und erleichtert beschließe ich, mich jetzt ganz der Tafel zu widmen und mein Handy im Turm zum wohlverdienten Laden und Ausruhen zu lassen.

IMG_8320
So kann ich mich ganz auf den Abend und die vielen Freunde konzentrieren. Eine bessere Party hätte ich nie planen können. Das Lagerfeuer brutzelt, die lange Tafel musste sogar geteilt werden, es gibt eine kleine Cocktail Bar dank Doris und Karin, jeder hat etwas zu Essen mitgebracht und so gibt es unzählige kulinarische Erfahrungen, ich schmeiße eine Runde bzw. einige Kästen Bier und genieße Gespräche mit alten und neuen Freunden. Die Zeit vergeht wie im Flug und schließlich endet auch dieser Geburtstag  – mit der Vorfreude auf die kommenden Wettbewerbstage!

ines-001

Während ich diesen Rückblick schreibe, genieße ich zum ersten Mal eine Pause auf meinem Balkon. Zwischen Schränke einräumen, planen was noch gebraucht wird und aufräumen, was sich so an Verpackungsmüll sammelt, habe ich entschieden, dass ich eh nicht so bald fertig bin und auch mal die Füße hochlegen darf. Also stelle ich meinen neuen Relax-Stuhl – ein Geburtstagsgeschenk von PG und TW – in Position zwischen die schon anwesenden Pflanzen, blicke auf die Kräuter und essbaren Blumen, die ich von S7 bekommen habe und lasse die neuen Geräusche und ein wenig Sonne auf mich einwirken….

Die Katzen haben die neuen Pflanzen zum fressen gern