Die Welt ist ein Dorf

Heute ist es endlich so weit. Mit einem kleinen Zwischenstopp mache ich mich auf in meine Reha. Seit September ersehnt, gekämpft und irgendwann gewonnen. Nicht das irgendwer an der Notwendigkeit gezweifelt hat. Aber der es bezahlt, der darf auch mal den Nutzen anzweifeln. Da ich allen Vorhersagen zum Trotz wieder arbeite, kann auch der Gutachter nur noch abnicken und den Erhalt meiner Fähigkeit befürworten.

Ich bin auf dem Weg nach Damp! Mit Kenntnis meiner Grenzen plane ich einen Zwischenstopp ein und kann das Schöne und das Nützliche einbinden. Ich plane eine Nacht bei Anette kurz vor Hamburg. Fast 5 Jahre haben wir uns nicht gesehen und freuen uns auf einen ordentlichen Klönschnack. Leider kommt es anders, da ihre eigene Gesundheit meine Übernachtung zu einem nicht machbaren Kraftakt macht. Gott sei Dank hält sie sich an unseren Schwur, immer ehrlich zu sein und Stopp zu sagen. Als Alternative suche ich mir ein Hotelzimmer im Norden von Hamburg – so muss ich morgen früh nicht durch die Stadt und ich kann mir ansehen, wo mein Sohn diesen Monat hinzieht. Mein Schwur, diese Station in Hamburg nicht genauso zu verpassen, wie die anderen in den Jahren zuvor, scheint zu gelingen. 

Okay, das Hotel ist etwas weiter entfernt, als ich dachte und er selber wird auch erst morgen hier aufschlagen, aber ich bin in der Nähe! Ungeachtet der Tatsache, das mein Navi natürlich heute morgen beim Start seinen Dienst aufgibt, das mein Handy kurz vor Hamburg schreit „meine Batterie ist alle“, ich komme in Etappen ans Ziel. Wenigstens habe ich (und ich habe mich noch beschimpft für „brauchst du nie im Leben“) eine Halterung für’s Handy gekauft, so dass ich die Karten App benutzen kann! Auf meiner Kartenmappe – antiquierte Papierversion – steht ein DM Preis!

Statt einer Nacht, halte ich für einen ausgedehnten Kaffee bei Anette an. Es redet sich, als wären wir erst gestern in Damp gewesen. Ich könnte Stunden da sitzen, aber meine Knochen erinnern mich zeitig daran, dass es Not tut, den Wagen in die Ecke zu stellen, damit ich meine Tabletten nehmen kann. Die Erfahrung hat mich leider gelehrt, dass mein Medikamenten-Cocktail am Abend sich nicht mit Konzentration und Verantwortung verträgt. Also verabschieden wir uns viel zu schnell, aber trotzdem mit nicht ganz so großen Problemen. Wir wissen beide, dass vor uns eine gute Zeit liegt. Sie ist in Urlaub in Norwegen und ich bastel an meiner Konstitution und Gesundheit. Unser Plan:auf meinem Rückweg werden wir mehr Zeit füreinander haben.

In Hamburg wird es dann doch noch spannend mit der Navigation. Warum auch immer – mein Handy zeigt zwar den Weg, gibt aber keinen Ton von sich, Hamburg ist voll und ich habe Probleme schnell genug zwischen Straße und Handy hin- und her zu schauen. Aber irgendwie lande ich am Hotel – nur, wohin mit dem Auto? Wenigstens kann ich kurz halten, Einchecken, meinen Übernacht-Koffer und den PC auf’s Zimmer bringen, bevor ich mich auf die Suche mache. Mittlerweile habe ich mein Firmenhandy in Betrieb, damit ich später noch genug Saft habe um Zuhause anzurufen. Ein kurzer Umweg zeigt mir, wo ich den Sohnemann dann demnächst finde und schließlich  ist da auch einen Parkstreifen, der nur wenige Minuten vom Hotel entfernt ist. Schnell suche ich zusammen, was wertvoll aussehen könnte, freue mich über die Strassenlatterne über dem Toyota (kleine ergänzende Diebstahl-Sicherung) und gehe zurück zum Heikotel. Der Tag lässt mich meine Vorsätze vergessen – mit dem wertvollen Kram beladen, musste ich meinen Saft, den halben Bagel und die Käsedose im Auto lassen… Also gehe ich in die Hotelbar um wenigstens einen Drink zu nehmen und ein paar Salzstangen zu knabbern.

Ähnlich wie in Schottland ist hier Portier und Barkeeper eine Person und ich werde freundlich willkommen geheißen, da sich die Dame freut, dass ich mein Auto unter bekommen habe. Außer mir sitzt noch ein Herr in ähnlichem Alter in der Bar und wir sind recht schnell im Gespräch. Über das Thema Großstädte, Geschäftsreisen, Umzüge und ähnliches (warum auch immer, ich mag nicht darüber reden, warum ich hauptsächlich hier oben in und beziehe mich auf den Wechsel meines Großen) kommen wir schnell an den Punkt, dass wir beide aus der selben Ecke kommen.

Also geht es los mit den Vorzügen von Düsseldorf, Autobahnen etc. und ich bin schon sehr erstaunt, dass ich hier jemanden treffe, der auf Anhieb weiß, wo Velbert liegt. So geht es eine Weile weiter und schließlich kommen wir an den Punkt, wo er mir seinen Beruf erklärt. Naja, er denkt, er muss es erklären, so ist er es gewohnt. Irgendwie erstaunt es nun ihn, dass ich recht genau weiß, was er macht. Die Erklärung hierzu, dass mein Bruder so ziemlich den gleichen Job hat, ist noch neutral. Als er dann zwei Firmennamen nennt und ich ihm sage, dass bei der einen mein Bruder immernoch arbeitet und bei der anderen meine Mama und mein Bruder gearbeitet haben, fällt er fast vom Barhocker….. Danach macht er sich einen Spaß daraus, mich Rätseln zu lassen. Und es hilft nichts, genauso wenig, wie er mich erkannt hätte, erkenne ich ihn obwohl wir einiges zusammen erlebt haben in grauer Vorzeit. Als er endlich seinen Namen sagt muss ich auch lachen und gemeinsam bestellen wir noch einen Drink um auf dieses Wiedersehen, den Zufall und das Dorf Welt anzustoßen. Schlussendlich lande ich mal wieder später auf dem Zimmer und im Bett als geplant, hatte aber einen interessanten Abend und wünschte ich könnte jetzt das Gesicht meiner Mama sehen….. Mal sehen, ob sie besser rät als ich, wenn sie das liest 🙂

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